Montag

Ich habe ihn heute vermisst. Es klingt merkwürdig, da wir Arbeitskollegen sind und uns täglich sehen. Ich war heute kaum mit ihm. Es war nicht unser Tag.

Bei der Mittagspause war er nicht da. Mein IT-Kollege hat ins Labor angerufen, keiner ging dran. Mein Versuch auf seinem Handy war genau so erfolglos. Da er mit Ronald beschäftigt war, habe ich mir gedacht, dass es nicht so schlimm ist, wenn ich mit dem Rest der Gruppe essen gehe. Wer weiß, wie lange sie noch brauchen. Ich habe ihm eine Nachricht geschickt und bin den anderen gefolgt. Wie Mieke mir später berichtet hat, war er jedoch ersichtlich enttäuscht, dass ich nicht auf ihn gewartet habe.

Bei unserem Gruppenmeeting saßen wir neben einander, aber natürlich haben wir uns nur um die Besprechung gekümmert. Ich war außerdem heute für das Protokoll zuständig, ich musste mich besonders darauf konzentrieren. Ich habe versucht, bei der kurzen Kaffeepause danach alleine mit ihm zu sein, aber das ist mir nicht gelungen. Ich habe weiter in meinem Zimmer gearbeitet. Da mein IT-Kollege wieder da ist, habe ich keine Ausrede mehr, um unten zu sitzen. Er hat mir übrigens vorgeschlagen, falls nichts geht, matplotlib statt Qwt5 zu benutzen. Das würde die Herausgabe meines Programms weiter verzögern, wenn ich den Code für die Graphikdarstellung umschreiben muss. Weil es viele Plots sind, und ich dann noch die anderen Betriebssysteme erneut testen muss. Uschi gefällt diese Idee nicht.

Gegen fünf wollte ich Feierabend machen. Ich muss meine Überstunden los werden. Ich hatte eine Stunde früher schon Martin eine Nachricht geschickt, weil ich nicht wusste, ob er heute Abend Zeit hatte. Er hat nicht geantwortet. Ich bin zu seinem Büro gegangen. Mieke wusste nicht, wo er steckte. Sie hat mich lächelnd gefragt, ob ich denn ein Date mit ihm hätte. Ich wusste nicht, was ich ihr sagen sollte. Wir haben gar nicht darüber diskutiert, wie wir uns bei der Arbeit verhalten sollen. Ich habe als Antwort auf ihre Frage bloß gelächelt und bin gegangen. Ein wenig traurig, habe ich ihm noch kurz geschrieben. Tja, er hatte wohl sein Handy auf leise gestellt und erst eine Stunde später in der S-Bahn auf dem Weg nach Hause gemerkt, dass ich versucht hatte, ihn zu kontaktieren. Blöd.

Immerhin haben wir noch ein paar süße Worte per SMS getauscht. Vielleicht schaffen wir es, am Mittwoch Zeit für einander zu finden. Morgen Abend ist Sport angesagt, keine Ausrede.


Dieser Beitrag ist ursprünglich auf Meckereien & Co. erschienen.

Nicht mehr Single

Das Wochenende war wie ein Traum.

Wir haben uns am Potsdamer Platz getroffen. Wir wussten noch nicht, welchen Film wir sehen wollten. Als wir uns endlich entschieden haben, wurde uns gesagt, dass der Saal schon fast voll war. Es war noch früh, wir haben gesucht, in welchen Kinos der Film noch lief. Wie der Zufall so will, war einer davon ganz nah an seiner Wohnung, dahin sind wir also gefahren. Nach einiger Zeit habe ich mich an ihn gelehnt und wir haben gekuschelt. Nach dem Kino sind wir zu einem Restaurant gegangen. Ich hatte kaum Hunger, da ich voll mit Schmetterlingen war. Geküsst hatten wir uns viel auf dem Weg. Er hat mir irgendwann fragend gesagt, dass ich vermutlich nicht mehr zurück nach Hause fahren möchte. Da ich ihm zugestimmt habe, sind wir zu ihm gegangen. Es war schon halb eins. Wir haben uns auf der Couch überfallen und halb ausgezogen, bevor wir zum Schlafzimmer gewechselt sind. Es war gut, dass ich mir gestern Kondome besorgt hatte, denn er hatte keine. Wir haben am Wochenende meinen mitgebrachten Vorrat aufgebraucht.

Gegen mittags haben wir uns aus dem Bett gezwungen und sind spazieren gegangen. Einen Museumsbesuch gab es auch. Wir sind recht schnell müde geworden. Er hätte mich gerne wieder bei sich zu Hause für ein Nickerchen gehabt, aber ich musste zu meiner Wohnung zurück. Ich hatte keine Kodome und keine frische Unterwäsche mehr, und meine Katze war alleine. Wenn ich bei ihm geblieben wäre, weiß ich nicht, ob ich es heute Abend geschafft hätte, wieder weg zu gehen. Er hat mich zur Haltestelle begleitet.

Ich fühle mich überglücklich. Es hat auch lange genug gedauert.


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Was nun?

Sind wir ein Paar oder nicht? Ich hasse diese Art von Unwissenheit.

Wie er sich gestern verhalten hat, hätte ich gedacht, dass er Interesse an mich hat. Schließlich hat er die Initiative ergriffen, genau wie am Wochenende. Heute war wieder nichts davon zu sehen. Natürlich verhält man sich bei der Arbeit vor den Kollegen anders. Aber wir haben zwei Stunden alleine im Labor verbracht und wirklich nur gearbeitet. Ich erwarte nicht, dass wir wilden Sex auf dem Labortisch treiben. Ein Ausdruck von Zuneigung wäre trotzdem willkommen gewesen.

Wir haben gleichzeitig Feierabend gemacht. Fast. Ich habe auf ihn gewartet und wir haben das Gebäude zusammen verlassen. Kein Händchen halten. Auf dem Weg zur Haltestelle hat er mir gesagt, dass er heute Abend zu seinem Vater fahren wollte. Es sah aus, als ob er sich entschuldigen wollte, den Abend nicht mit mir zu verbringen. Natürlich will ich ihn nicht davon abhalten, sich an anderen Verabredungen zu halten, ich habe kein Problem damit. Vor allem mit seiner Familie. Wir sind gemeinsam mit der Straßenbahn gefahren. Er bis zur S-Bahn-Station, ich weiter nach Hause. Als er aussteigen wollte, hat er sich zu mir gewendet und getan, als ob er mich auf die Wange küssen wollte. Es ist nach gestern schon beleidigend. Ich habe es nicht eingesehen und ihn auf den Mund geküsst. Ein bisschen Schiss auf seine Reaktion hatte ich, aber er hat mich danach strahlend angelächelt, bevor er ausgestiegen ist. Muss ich ihn zu seinem Glück zwingen?

Wenn ich an meine früheren Erfahrungen zurück denke, kann es tröstend wirken zu wissen, dass ich nie einen Mann geküsst habe, ohne dass wir eine ernsthafte Beziehung entwickelt haben. Ich hoffe, die Lage klärt sich bald.


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Glücklich

Ich bin heute Nacht um halb drei aufgewacht. Wie gestern. Es muss an einem Nachbar liegen. Diesmal konnte ich schnell wieder einschlafen.

Bei der Arbeit bin ich zu nichts gekommen. Ich habe es geschafft, das Betriebssystem auf meinem Testrechner zu zerschießen und musste es erneut installieren. Trotz vieler Versuchen fehlt Qwt5 immer noch. Ich werde das Problem meinem IT-Kollegen weiter geben, wenn er aus dem Urlaub zurück kommt.

Am Abend konnte ich Martin dazu bringen, in die Stadt zu gehen. Er brauchte nicht viel Überzeugung. Wir haben Bier getrunken. Nicht sehr lange, kurz nach acht hat er schon vorgeschlagen, dass wir nach Hause gehen. Wir haben uns langsam Hand in Hand auf dem Weg zur U-Bahn gemacht. Mir ging’s wieder gut. Am Gleis musste ich nur fünf Minuten auf den Zug warten. Sein Zug fuhr zeitnah aus einem anderen Gleis. Er ist trotzdem mit mir geblieben und hat mich umarmt. Ich habe die Zeit gar nicht vergehen gesehen. Als mein Zug ankam, habe ich zuerst nichts gemerkt. Ich musste mich von ihm lösen und habe innerlich geschimpft. Aber zum Abschied haben wir uns geküsst. Ganz kurz, sehr schüchtern. Süß. Ich bin jetzt überglücklich.


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Ein schöner Tag

Ich bin trotz Müdigkeit recht früh aufgewacht. Wieder die Kleine oben, die einen Alptraum hatte und ihre Eltern beim Weinen geweckt hat. Was für eine anstrengende Zeit. Dass es über ein halbes Jahr dauern kann, wusste ich aus meiner eigenen Kindheit nicht mehr. Immerhin konnte ich dadurch den Status des Fluges meiner Mami prüfen und sie direkt nach der lang erwarteten Landung anrufen.

Ich war gerade mit der Dusche fertig, als Martin mir eine Nachricht schickte. Ob wir uns um 13:00 treffen könnten? Ich habe mich fertig gemacht und bin los gegangen. Es hat mit Bus und Bahn gerade zeitlich geklappt. Wir haben eine Ausstellung besucht. Über drei Stunden sind wir dort geblieben. Wie kann es sein, dass ich beim Spazierengehen mit meiner Mami solche starke Ischiasschmerze gespürt habe, und mich total gut fühle oder nur eine leichte Störung merke, wenn ich mit ihm unterwegs bin? Die wahrscheinliche Antwort gefällt mir nicht. Die Schmerze sind doch real.

Nach der Ausstellung haben wir in einer Kneipe nebeneinander gesessen. Wieder viel geredet. Bier getrunken. Nach einiger Zeit hat er meine Hand in seine genommen und sie nicht mehr los gelassen. Klar habe ich mich nervös gefühlt, auch wenn ich es so schön fand. Bei seinem Vorschlag, ein drittes Bier zu trinken, musste ich die Bremse ziehen. Ich wusste noch, wie es mir gestern auf dem Weg nach Hause ging. Stattdessen sind wir essen gegangen. Und auf dem Weg dahin haben wir Händchen gehalten. Die Strecke kam mir viel zu kurz vor. Hunger hatte ich sowieso nicht. Wie auch? Nach dem Essen hat er vorgeschlagen, zur U-Bahn zurück zu gehen. So früh. Ich habe gedacht, wir hätten doch in der Kneipe bleiben sollen. Aber stimmt, morgen fängt die Arbeit wieder an. Wir sind Hand in Hand zur U-Bahn langsam gegangen. Mein Zug kam zu schnell an. Ich habe ihn umarmt. Er hat nicht versucht, mich zurück zu halten. Küssen, nicht küssen? Er hat nicht ausgesehen, als ob er das möchte. Ich bin in den Zug eingestiegen. Völlig durcheinander. Bei der nächsten Station wollte ich schon aussteigen und zu ihm zurück laufen. Aber nein, ich bin doch weiter gefahren.

Es gibt also Männer, die sich mit einer Frau richtig süß verhalten können, ihren Herzen völlig wild zum Schlagen bringen, und sie anschließend alleine nach Hause gehen lassen. Eigentlich wollte ich nichts erwarten und mich nicht zerreißen lassen. Es klappt nicht so gut.


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Gestriges Date

In einem Wort zusammengefasst: Frust.

Wir hatten uns in einer Kneipe am Hackeschen Markt verabredet. Die mag ich sehr, sie bietet richtig bequeme hängende Sessel auf der Terrasse an. Es war ein bisschen kalt, aber die nette Kellnerin hat uns Decken verteilt. Wir haben zuerst Kaffees bestellt. Es gab vieles zu diskutieren, er ist ständig unterwegs gewesen. Als die Zeit verging, wurden wir hungrig. Er vor allem, ich nicht wirklich. Ich hatte schon wieder Kribbeln im Bauch. Nach einem Cocktail haben wir uns auf der Suche nach einem Restaurant gemacht.

Es wurde eine Pizzeria. Er war sich nicht sicher, ob er dahin gehen möchte, weil er sie nicht kannte. Wieder ein Ausdruck seiner Entschlussunfähigkeit? Ich habe ihm gesagt, wenn er nichts probiert, kann er sich keinen Urteil bilden. Wir sind hingegangen. Da sie voll war, wurden wir zuerst zur Gin-Bar nebenan geleitet. Natürlich musste es eine Kostprobe geben. Kurz danach wurde ein Tisch frei. Ein Pizza war mir eigentlich zu viel. Es war lecker. Dazu gab’s noch ein Glas Rotwein. Es hätte nicht sein müssen. Mir wurde sehr warm. Im Gegenteil zu ihm, weil er noch kalte Hände hatte. Ich habe sie erwärmt. Es ist nicht das erste Mal. Er hat meine Hände so sanft gestreichelt, dass ich den Eindruck hatte, dass mein Brustkorb viel zu klein ist und explodieren könnte. Und danach ist nichts geschehen. Ich könnte heulen.

Wir sind noch ins Kino gegangen und haben The Secret Life of Walter Mitty geschaut. Es hat mir sehr gefallen. Um ehrlich zu sein, habe ich mich in dem Hauptcharakter mit seinen Tagesträumereien total erkannt. Das ist nicht gut. Als er am Ende endlich mit seiner Verliebte Händchen gehalten hat, wollte ich Martin sagen, „siehst du, so einfach geht’s“. Ich hab’s nicht geschafft. Wir haben uns an der S-Bahn verabschiedet. Ich hatte eigentlich Kopfschmerz, mir ging’s übel, im Kino war’s mir zu warm gewesen, mein Puls war viel zu hoch. Ich glaube, er hat’s nicht mitbekommen. Als ich endlich zu Hause angekommen war, habe ich ihm buchstäblich eine gute Nacht SMS geschickt.

Heute treffen wir uns wieder.


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Neues Date

Er hat sich gemeldet.

Ich war mit meiner Mami in der Küche. Wir hatten gerade zum Abend gegessen und waren beim Aufräumen. Ich hatte kurz mit Mei gechattet, das Handy lag noch auf dem Küchentisch. Als ich aus der Küche raus ging, hat es geklingelt. Ich dachte, es wäre wieder Mei. Es war Martin. Ein breites Grinsen konnte ich nicht unterdrücken. Ich habe ihm gesagt, dass meine Mami erst am Samstagnachmittag zurück nach Hause fliegt. Danach treffen wir uns. Für „was auch immer uns einfällt“. Ein guter Plan.

Ich verstehe jetzt nicht mehr, warum ich seit zwei Wochen keine Zeit gefunden habe, ins Fitness-Studio zu gehen. Ich hatte viel zu tun, da meine Mami zu Besuch gekommen ist. Ich habe vor ihrer Ankunft meine Wohnung weiter eingerichtet (fertig bin ich noch nicht ganz). Dann war sie da und wir haben vieles unternommen. Mein Ischias hat dabei teilweise höllisch geschmerzt, ich musste zum ersten Mal seit ewig Diclofenac einnehmen. Trotzdem hätte ich mehr Sport machen sollen. Ich war erst heute vormittags wieder im Fitness-Studio, und das nur, weil ich bei der Optikerin gegenüber einen Termin hatte. Gestern war ich kurz mit dem Fahrrad unterwegs. Ich habe seit unserem letzten Date ein wenig zugenommen. Vielleicht mache ich am Samstag früh noch Sport. Morgen werde ich wenig essen. Dieser Bauch muss wieder flacher werden. Wer weiß, was am Samstag geschieht…


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Ich vermisse ihn

Schon seit unserem letzten Treffen. Ich bereue, dass ich an dem Abend nichts gewagt habe. Ich glaube, was mich davon abgehalten hatte war, dass ich nichts Ernstes im betrunkenen Zustand machen will.

Am Tag danach hat es mich zu sehr beschäftigt. Ich wusste, dass er sich den Nachmittag frei genommen hatte. Ich weiß nicht mehr, wie oft ich mein Handy holen wollte, um ihn anzurufen. Aber er hatte gesagt, dass er den Nachmittag brauchte, um sein Gepäck fürs Urlaub zu packen. Er hatte auch gesagt, er würde sich bei mir im Januar melden, sobald er wieder in Berlin ist. Ich habe ihn nicht angerufen.

Am Freitag fand ich es immer noch schwer. Ich hätte ihn so gerne vor seiner Reise am Flughafen getroffen. Ich habe ihm doch nur eine „gute Reise“ SMS geschickt. Die hat er erst zwei Stunden später beantwortet. Er hat sich bedankt. Er hat noch mal geschrieben, dass wir uns im Januar sehen. Und er hat „liebe Grüße“ geschrieben. Ich bin noch am Rätseln.

Ich weiß, dass wir uns im Januar sehen. Im schlimmsten Fall erst bei der Arbeit. Warum nimmt er sich die Mühe, dass trotzdem zu schreiben? Es könnte ein Trost sein. Eine Art zu sagen, „ich melde mich wieder, wenn ich da bin, ich hab’s dir ja versprochen“. Es könnte auch heißen, „bis dahin brauchst du mich nicht anzurufen, nerv mich nicht“. Es wirkt irgendwie verbietend. Vor allem, weil er mir schon zwei mal erzählt hat, dass ein Freund von ihm eine Ex-Freundin hatte, die sich in seinem Leben derart eingedrungen hatte, dass er alle Kontakte mit Freunden und Familie abgebrochen hatte. Vielleicht hat er Angst, dass das gleiche ihm passieren könnte. Er hat von vielem Angst. Vielleicht interpretiere ich zu viel aus diesem einfachen Satz.

Ich weiß nicht, ob ich mich über sein „liebe Grüße“ freuen soll. Es ist eine so verbreitete Grußformel, auch wenn er eigentlich bis jetzt keine bei mir benutzt hatte, weder in Emails noch in SMS… Es hat wahrscheinlich nichts besonderes zu bedeuten. Ich warte einfach nur, dass er sich meldet. Bestimmt frühestens ab Freitag. Dann ist es schon in Ordnung, ihn zu fragen, ob er heil zurück gekommen ist.


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Langsam könnte es was werden

Ich habe mir gestern vieles vorgenommen. Ich wollte zur Botschaft gehen, weil ich meinen Ausweis erneuern musste und letzte Woche vergessen wurde, mir etwas zum unterschreiben zu geben. Da ich seit Anfang der Woche ein bisschen zu viel gegessen hatte und gerade Urlaub habe, bin ich mit dem Fahrrad gefahren. Knapp 33km hin und zurück. Ich hatte mich ganz warm angezogen. Strumpfhosen aus Wolle, dicke Socken, Regenhose und dichte Sportschuhe, trotzdem haben meine Füße sehr schnell gefroren. Der Oberkörper war dagegen schön warm. Als ich auf der Rückfahrt in einem italienischen Lokal Pause gemacht habe, um mich zu erwärmen, habe ich gemerkt, wie naß meine Jacke von innen war. Auf dem Rückweg nach Hause lag mein Fitness-Studio. Ich habe beschlossen, dorthin zu gehen, um meinen Oberkörper auch zu trainieren. Zwei Stunden später war ich dann wieder zu Hause. Geduscht. Waschmaschine gestartet. Schön angezogen, parfümiert. Und fertig, um mich mit Martin in der Stadt zu treffen. Er hatte am Montag vorgeschlagen, zu einem Weihnachtsmarkt zu gehen. Ich habe ihn abends angerufen, er war noch bei der Arbeit. Wir haben uns am Prenzlauer Berg verabredet. Ich habe dabei gemerkt, wie sich mein Fitness-Zustand seit Oktober deutlich verbessert hat. Ich wäre damals zu erledigt gewesen, und die Strecke war um ein Drittel kürzer gewesen.

Wir haben uns am Steig vom U-Bahnhof getroffen. Begrüßungsküsschen auf die Wange. Auf dem Weg zum Weihnachtsmarkt haben wir uns auf Französisch unterhalten. Er musste feststellen, dass ich viel besser Deutsch rede als er Französisch. Aber ich denke, wenn ich wieder nach Frankreich umziehen würde, würde ich bestimmt nach einiger Zeit meinen Deutsch vergessen. Ich hatte nach meiner Promotion gemerkt, wie schnell es gehen kann. Bei ihm passiert das gleiche, er ist seit fast einem Jahr wieder im Lande. Ich weiß nicht mehr, wie viele Glühweine wir getrunken haben. Wir haben den Rest des Abends in der Jurte verbracht. Es war schön kuschelig warm, es hat mich schläfrig gemacht. Weg wollte ich nicht mehr, und wir saßen ganz dicht zu einander. Natürlich musste ich mich häufig gegen ihn lehnen. Um halb elf meinte Martin, wir sollten uns doch auf dem Weg nach Hause machen. Er hat noch nicht frei bei der Arbeit. Wir sind zurück zur U-Bahn gegangen. Auf dem Weg bin ich ein wenig gestolpert. Der Bürgersteig war an der Stelle ziemlich beschädigt. Die Glühweine haben dabei nicht geholfen. Er hat mich einfach fest umarmt und wir sind weiter gegangen. Schön. Man hätte uns für ein Paar halten können. Leider gingen wir nur so lange eng zusammen, bis der Boden wieder eben wurde. Danach hat er sein Handy geholt und angefangen, nach der besten Fahrt nach Hause für mich zu suchen. Wir sind noch ein Stück zusammen bis zum Alexanderplatz gefahren. Zum Abschied gab es wieder Küsschen auf der Wange. Irgendwie anders, wobei ich nicht weiß, wie ich seinen Blick interpretieren soll. Ich habe mich schwer von ihm gelöst, und nur, weil meine Bahn in dem Moment kam. Ich war fast zu Hause, als er mir eine “gute Nacht SMS” schickte.

Heute: Kater und Muskelkater. Ausgeschlafen. Kaffee getrunken, mit Mei gechattet. Ich muss schauen, dass ich meinen Bücherregal endlich zusammen baue. Danach kann ich etliche Kartons entsorgen.


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Ein schönes Wochenende

Vielleicht sollte ich aufhören, mir Vorsätze über meine Gefühle zu machen. Einfach das Leben nehmen, wie es kommt, und mir keinen Kopf mehr machen. Fakt ist, ich bin gerne mit ihm zusammen. Ich will meine Zeit mit ihm genießen. Vielleicht wird es was, es wäre schön, vielleicht nicht. Das wäre auch nicht dramatisch.

Nanu? Was ist denn schon wieder los? Eigentlich nichts, und vieles.

Als wir am Freitag aus der Weihnachtsfeier zur S-Bahn unterwegs waren, hatte ich ihn gefragt, wann wir den Weihnachtsmarkt in seinem Viertel besuchen würden. Er hatte ihn schon mehrmals letzte Woche als wunderschön beschrieben, und ich hatte mein Interesse bekundet. Wir haben uns auf Samstagabend geeinigt. Gesagt, getan. Ich habe anderthalb Stunden mit S-Bahn und Bus gebraucht. Es hat geschneit. Kurz vor sechs habe ich bei ihm geklingelt. Wir haben zuerst auf dem Sofa gequatscht. Es war kalt gewesen draußen, er meinte, ich sollte mich wieder aufwärmen, bevor wir los gehen.

Als wir uns eine Stunde später auf dem Weg zum Weihnachtsmarkt machten, fragte er sofort, ob ich wüsste, wie der junge Mann aus der Weihnachtsfeier hieß, mit dem wir gesprochen hatten. „Keine Ahnung“, sagte ich, „ich dachte, du wüsstest es. Warum?“ „Ach, einfach so“, erwiderte er. „Unsere Studentin hatte vorher mit ihm geredet, vielleicht kann sie es dir sagen, wenn du es unbedingt wissen willst“, meinte ich uninteressiert. War das gerade Erleichterung auf seinem Gesicht? Er fing dann an, über ihn zu lästern. Irgendwie süß. „Wie kann man sich als Metal-Fan behaupten und Metallica nicht kennen?“ regte er sich auf. Ich hatte ja während der Diskussion am Vorabend erwähnt, das Martin und ich zu einem Rock-Festival im Sommer nach Belgien fahren wollen (yeah!), weil sie diese Woche angekündigt haben, dort zu spielen. Der Balg schien überrascht zu sein. Von Metallica hätte er nur am Rande etwas mitbekommen, und war da nicht eine Geschichte mit dem Herunterladen von Musik? „Er ist einfach zu jung“, meinte ich. „Ja, er hat keine Ahnung“, sagte er abwertend. Hahaha, Männer verhalten sich bei manchen Sachen recht ähnlich. Er muss ihn als ernsten Rivalen gesehen haben. Ich habe den Eindruck, dass es ihn beschäftigt hat. Gut so.

Wir haben Glühwein geholt und sind durch den Weihnachtsmarkt und am Schloss spazieren gegangen. Ich weiß ehrlich gesagt nicht mehr, worüber wir uns unterhalten haben. Es war einfach schön, dicht an seiner Seite zu gehen. Ich habe die Hütten kaum beobachtet. Wir haben in einem Zelt gegessen. Es gab viele lange Blickkontakte mit süßen Lächeln. Ich habe wieder Kribbeln im Bauch bekommen. Er hat sogar für einen kurzen Moment meine Wange ganz sanft berührt. Ich war zu überrascht, um die Gelegenheit am richtigen Zeitpunkt zu nutzen. Und das war’s. Ich habe gedacht, er muss wirklich sehr scheu sein. Das bin ich auch. Das kann lange dauern.

Als wir den Zelt verlassen haben, hat er mich spontan gefragt, ob ich nicht Lust hätte, bei ihm einen Film zu schauen. Klar. Für ihn komme ich jederzeit gerne zu einem letzten Glas / Film / was-auch-immer mit. Wir haben es uns wieder bequem auf dem Sofa gemacht. Blöderweise hat er zwischen uns noch Gläser gestellt. Nette Idee, aber ich konnte mich dadurch nicht bei ihm einkuscheln. Das fand ich sehr frustrierend. Als der Film zu Ende ging, war es schon halb eins. Er hat mich geschaut, als ob er etwas sagen wollte und sich nicht traute. Mund auf, eingeatmet, Mund zu. Ich habe einfach gewartet. Beim dritten Versuch meinte er, ich könnte auch bei ihm übernachten. Ich habe gedacht, meiner übergewichtigen Katze würde es ausnahmsweise nicht schaden, den Futternapf über Nacht nicht gefüllt zu bekommen. Ich habe zugesagt. Er meinte, ich könnte auf dem Sofa schlafen. Seufz.

Heute Morgen sind wir spazieren gegangen. Wir haben in einem Kaffee gegessen. Wieder verliebte Blicke ohne Folge. Da er nachmittags verabredet war und ich zum Sport gehen wollte, hat er mich zur S-Bahn begleitet. Sein Gesicht war schön warm, als wir uns zum Abschied umarmt haben. Er hat dabei gelächelt. Ein breites Grinsen hat sich im Zug auf meinem Gesicht eingenistet und wollte während der ganzen Fahrt nicht mehr weg gehen. Ich habe getan, als ob ich gegen die Fensterscheibe schlafen würde und habe es versteckt.


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