Katzenbetreuung

Als ich vom Urlaub zurück gekommen bin und meine Wohnung betreten habe, habe ich mich gleich um meine Mieze gekümmert, die von einer Katzensitterin aus meinem Viertel betreut wurde. Das war nicht so einfach, eine Betreuung zu finden. Für das verlängerte Wochenende bei meinen Eltern hatte ich schon danach gesucht. Bei meinen Suchen auf Google bin ich immer wieder auf die Agentur Mary Poppins[1] gestolpert, die mir mit ihren auf Führungszeugnis geprüften Betreuern am meisten einen seriösen Eindruck gemacht hat. Auf ihrer Webseite verspricht sie

während der Arbeitszeit, während des Urlaubs oder einfach nur, wenn unerwartet Bedarf besteht […] einen liebevollen und zuverlässigen Katzensitter in Berlin – auch für eine spontane und kurzfristig Katzenbetreuung.

Interessant. Eine „spontane und kurzfristige Katzenbetreuung“ war genau das, was ich suchte. Ich habe am Freitag, eine Woche vor dem Wochenende, angerufen. Niemand ging dran. Am Montag konnte ich jemanden erreichen. Die Betreuung sollte ab dem Donnerstag statt finden. Die Frau wollte wissen, wo ich wohne. „Oh, so weit weg, ich werde bis Donnerstag niemanden finden können“, war ihre Reaktion auf meine Antwort. Enttäuscht. Ich wohne nicht in Mitte, aber immer noch in Zone B, und bin gut mit ÖPNV zu erreichen. Ich habe meinen Hausmeister nach Rat gefragt, und er hat mir eine Nachbarin empfohlen, die gerade Zeit hatte.

Ich wollte sie jetzt nicht so schnell wieder wegen Katzenbetreuung belästigen, selbst wenn sie sagte, sie hätte sich gerne um meine Mieze gekümmert. Das glaube ich, und meiner Katze ging’s sehr gut, als ich zurück gekommen war. Aber ich hätte den Eindruck gehabt zu übertreiben, obwohl sie sich damals über die leckeren mitgebrachten Spezialitäten aus meiner Gegend gefreut hat. Ich habe erneut nach Katzensittern in Berlin gegoogelt. Auf betreut.de[1] konnte ich viele selbst angemeldete Betreuer finden, aber um Kontakt aufnehmen zu dürfen, musste man gleich eine Premium-Gebühr bezahlen. Ohne zu wissen, ob die kontaktierte Person antwortet, oder zuverlässig ist. Ich habe mein neu erstelltes Konto gleich wieder gelöscht.

„Versuch’s doch wieder bei Mary Poppins“, habe ich mir gedacht. Diesmal mit mehr Vorlaufzeit, zwei Wochen vor meiner geplanten Abreise. Von einer „spontaner“ Betreuung kann schon mal keine Rede mehr sein. Wieder niemanden am Telefon erreicht. Was treiben sie denn die ganze Zeit? Ich habe das Kontaktformular benutzt, um eine Email zu schicken. Am folgenden Montag, nachmittags, kam eine Antwort. Drin stand ein Angebot, mit einer Angabe über minimalen Tagessatz und dem Hinweis, dass ich die Person selber anstellen müsste, da die Agentur nur Ermittlungen macht. Ich sollte zurück antworten, ob das Angebot mir passt. Habe ich gemacht, mit einem unangenehmen Eindruck, da ich nicht genau weiß, wie viel ich am Ende wirklich bezahlen muss. Ich dachte, ich würde dann die Kontaktdaten der Person bekommen. Aber nein, die nächste Email, am nächsten Tag, enthielt eine Rechnung der Ermittlungsagentur (59,50€) und den Satz: „Nach Zahlungseingang werden wir Ihnen den Kontakt zur Betreuerin benennen. Diejenige nimmt mit Ihnen dann kurzfristig Kontakt auf, um sich mit Ihnen abzustimmen.“ Moment mal. Auf deren Webseite steht doch in der rechten Seite unter „Zufriedenheitsgarantie“, nicht zu übersehen:

Sie bezahlen unseren Service erst, wenn Sie mit der Vermittlung zufrieden sind.

Wie soll ich wissen, dass ich mit der Vermittlung zufrieden sein werde, wenn ich vorher bezahlen muss? Außerdem fand ich das Senden der Rechnung merkwürdig. Keine PDF-Datei im Anhang, sondern eine abgescannte Kopie der Rechnung, im unsauberen JPG-Format. Unpraktisch, man kann BIC und IBAN nicht mit der Maus einfach kopieren und einfügen. Ich habe mit Martin diskutiert, ob ich wirklich bezahlen sollte, habe es am Ende gemacht. Nun, ich wusste nicht, wie lange die Überweisung dauern würde. Ich habe den Umsatzauskunft als PDF-Datei geschickt, mit der Bitte, möglichst schnell einen Kontakt mit der Betreuerin herzustellen, da das Datum für meine Abreise sich näherte. Zwei Tage vor meiner Abreise bekam ich eine Antwort, und am Abend rief mich die Betreuerin an. Also, die „spontane und kurzfristige Katzenbetreuung“ ist glatt gelogen. Sowie die „Zufriedenheitsgarantie“.

Wir haben uns für den kommenden Tag verabredet. Zum Glück hat sie gepasst. Musste sie ja. Ich hätte schlecht ablehnen können, da ich sonst in der knappen Zeit niemanden mehr hätte finden können (außer vielleicht die Nachbarin). Von ihrem Verhalten mit meiner Mieze her habe ich sofort gemerkt, dass sie viel mehr mit Hunden zu tun hat. Niemand streichelt eine Katze so unsanft auf dem Rücken. Vor allem eine mit langen Haaren. Ihr hat es auch nicht gefallen, und sie hat gleich die Pfote geschickt und gefaucht. Fast hätte sie gebissen. Ich habe zur Sicherheit der Katzenbetreuerin gezeigt, wo ich Verbandskasten und Desinfizierungsmittel habe.

Als ich vom Urlaub zurück gekommen bin, habe ich meine Mieze in die Arme nehmen wollen, wie immer, wenn ich nach Hause komme. Sie wirkte ein bisschen benommen, dass ich so lange weg war, und hat lieber am Boden bleiben wollen. Ich habe mit ihr geschmust. Auf ihrem Rücken habe ich sofort einen riesigen Knotenpaket gespürt. Mist. Das war lange nicht mehr passiert. Das muss ich jetzt entfernen, und es wird ewig dauern. Den Kamm kann ich vergessen. Ich darf sie schon im Normalfall kaum kämmen, nur wenn sie durch Leckerlies gerade abgelenkt ist. Ihre Haut ist sehr empfindlich. Die Knoten ziehen zusätzlich ständig dran, was eine Reizung für sie ist. Und das Kämmen funktioniert nur bei kleinen Knoten. Der ist jetzt so dick, dass nur noch die Schere hilft. Ich habe bei Fressnapf eine Effilierschere gefunden. Hoffentlich kann sie mir die Arbeit erleichtern.

[1] Unbezahlte Werbung, da Verlinkung.


Dieser Beitrag ist ursprünglich auf Meckereien & Co. erschienen.

Haustiere

Seit meiner frühesten Kindheit bin ich daran gewöhnt, mit Haustieren zu leben. Mein Vater hat gerne deutsche Schäfer gehabt. „Zum Schutz“. Ursprünglich waren sie ständig in unserer Etagenwohnung in meiner Geburtsstadt, später nur noch im Garten der Villa, die er selber Jahre lang an Wochenenden gebaut hat. Daher weiß ich, dass ich keine große Hunde mag. In Erinnerung habe ich die stinkende Stelle im Garten behalten, wo die Hunde ihre Exkremente hinterlassen haben, und die Gelegenheiten, als sie sich aggressiv verhalten haben. Das regelmäßige Bellen hat mich auch gestört, sowie der Eigengeruch von Hunden. Ich habe mich immer möglichst fern von ihnen gehalten. Eine kleine Hündin mit grauen Haaren hatten wir auch. Sie war nicht größer als eine Katze. Mit ihr bin ich im Sommer häufig in den Voralpenbergen um das Dorf gejoggt und gewandert.

Bei Katzen ist es anders. Wir haben immer mehrere gehabt. Die allererste Katze war eine Haustiegerin namens Daisy. Wir hatten sie von einer Freundin meiner Mami bekommen, weil sie sie in ihrer neuen Wohnung nicht behalten durfte (ich erinnere mich an einen Tag, als meine Mami mit geöffneten Fenstern die Wohnung geputzt hat, eine große Fliege herein gekommen und aus dem Fenster weg geflogen ist, und wie Daisy hinterher gesprungen und ganz überrascht in den Feigenbaum im Innenhof gelandet ist). Mein Vater hat sich immer als Katzenfeind angegeben, aber er ist es gewesen, der die meisten Kätzchen gerettet und nach Hause gebracht hat. Deswegen habe ich morgens regelmäßig die Blutspuren von kleinen Tieren vor der Haustür gewischt. Der Kater meiner Schwester hatte uns einmal sogar eine sauber geschnittene kleine Leber vor der Tür gelassen. Ich habe sie direkt zum Mülleimer gebracht.

Ich habe nie die Absicht gehabt, selber eine Katze zu haben. Zum einen habe ich immer nur in Stadtwohnungen gelebt. Eine Katze könnte nie raus gehen, weil die Gefahr so groß ist, dass sie überfahren wird. Genau diesen Schicksal hatte unsere Hündin, als sie eines Tages aus dem ausnahmsweise geöffneten Tor entlaufen ist (mit ihrer Haarfarbe war sie kaum aus dem Asphalt zu unterscheiden). Zum anderen hätte ich nicht mehr die Freiheit, einfach so Ausflüge am Wochenende zu machen, weil ich mich jedesmal um die Versorgung der Katze kümmern müsste.

Als ich vor meiner Rückkehr nach Deutschland in der Villa meiner Eltern gelebt habe, waren sie gerade dabei, sich zu trennen. Eine Scheidung war geplant und die Villa musste verkauft werden. Ich habe häufig Zeit im Dorf verbracht, weil wir keine Internetverbindung zu Hause hatten, was meine Arbeitssuche besonders erschwerte. Als ich endlich einen neuen Vertrag bekommen habe, in dem Institut, in dem ich meine Doktorarbeit gemacht hatte, war ich eines Tages im Internetcafé, als meine Mutter anrief. Sie musste gleich zurück zu Arbeit und jemand wäre zu Hause zu Besuch. Um die Villa zu kaufen, dachte ich. Aber nein, „jemand“ war ein sechs Wochen alter Haarball, der ganz leise vor sich hin miaute. Meine Katze. Meine Mami meinte, da ich in Kürze nach Deutschland umziehen würde, wollte sie mir eine Katze geben, damit ich mich nicht zu sehr alleine fühle. Ich fand die Idee am Anfang komisch. Ein paar Tage lang ist sie ohne Name geblieben, bis ich mich für „Chipie“ entschieden habe. Ich habe später enttäuscht festgestellt, dass dieser Name bei weiblichen Katzen sehr häufig in Frankreich verwendet wird.

Ich wollte ursprünglich Grenzen ziehen und ihr zum Beispiel nicht erlauben, bei mir im Bett zu schlafen. Als sie es aber nach mühsamen Versuchen endlich geschafft hatte, aufs Bett zu kommen, und so stolz anfing, vor sich hin laut zu schnurren, habe ich es nicht übers Herz gebracht, sie wieder herunter zu bringen. Sie war so leicht, dass ich immer Angst hatte sie zu verletzen, wenn sie neben mir gelegen hat. Seitdem verbraucht sie nachtsüber einen erheblichen Teil meines Bettes, und ich darf selber gucken, wie ich gemütlich schlafen kann. Und wehe, ich wage es, mich zu bewegen! Sofort fängt sie an zu fauchen und meine Füße durch die Decke zu beißen. Was ich natürlich nicht einsehe, deswegen schmeiße ich sie runter vom Bett. Seitdem Martin bei mir schläft, hat sie sich beruhigt. Sie traut sich noch nicht ganz, sich mit ihm frech zu verhalten. Süß ist sie aber auch. Schmusattacken sind bei ihr üblich. Morgens holt sie mich aus dem Bett, wenn ich nach dem Wecker zu lange brauche, um aufzustehen (mir ist klar, dass sie auf ihr Frühstück wartet). Ich darf nicht duschen, ohne die Tür vom Badezimmer offen zu lassen, weil sie sonst an der Tür kratzt und miaut (wie kleine Kinder, wenn sie plötzlich merken, dass Mami nicht mehr im Raum ist). Und wenn ich zu lange abwesend bin, wie letzte Woche, beschwert sie sich bei meiner Rückkehr deutlich, obwohl ich immer dafür sorge, dass jemand auf sie aufpasst.


Dieser Beitrag ist ursprünglich auf Meckereien & Co. erschienen.

Meine Katze und Fisch, eine Liebesgeschichte

Um meine Katze glücklich zu machen, ist es recht einfach: Fisch, Fisch und Fisch. Am liebsten mit Fisch. Dabei ist ihre Lieblingssorte Seelachs. Thunfisch aus der Dose (mit Wasser) liebt sie auch. Sie will aber nicht alle Fische, zum Beispiel ist sie an Lachs – gekocht oder geräuchert – gar nicht interessiert. Rotbarsch hat sie einmal probiert und nie wieder gewollt. Der Geruch war verlockend, aber der Geschmack hat ihr nicht so gefallen. Steinbutt ist in ihrem Napf unberührt geblieben und getrocknet. Riesengarnelen werden nur gegessen, wenn es nichts Anderes gibt.

Ich habe es festgestellt, als sie vier oder fünf Monate alt war. Wir waren gerade in meiner aktuellen Wohnung eingezogen und ich hatte einen Kollegen mit seiner Frau zum Abendessen eingeladen. Es sollte Aïoli geben, mit Kabeljau, Kartoffeln und Möhren. Ein typischer Gericht von zu Hause, und die Beiden mögen Knoblauch. Ich habe zuerst ein tiefgefrorenes Kabeljaufilet aus dem Kühlschrank rausgenommen, auf der Arbeitsfläche getan, mich umgedreht, um das nächste Filet zu holen… und das erste Filet war verschwunden! Ich hatte gar nichts gemerkt, nichts gehört, aber ich ahnte etwas. Unter dem Küchentisch versteckt habe ich meine Katze entdeckt, mit dem noch gefrorenen Filet im Maul, der fast so groß wie sie damals war. Ich musste lachen, wie sie ihre Beute herausfordernd an sich fest hielt. Es war ihre erste Erfahrung mit Fisch überhaupt. Ich habe das Stück für sie getrennt gekocht. Seitdem bekommt sie von mir in regelmäßigen Abständen – einmal im Monat – ein Seelachsfilet (100g) in Wasser gekocht.

Bei Trockenfutter geht es noch, da isst sie alles, was ich ihr mitbringe, auch wenn es Fleisch enthält. Bei Nassfutter ist es viel schwieriger. Als Kätzchen hat sie ohne Problem die Dosen von Aldi[1] gegessen. Sie hatte sich drauf geworfen und nichts übrig gelassen. Ab einem bestimmten Zeitpunkt wollte sie sie auf einmal nicht mehr haben. Ich habe zuerst alle billigen Sorten probiert, aber sie hat sie trocknen lassen. Auch wenn ich über Nacht kein Trockenfutter gefüllt habe. Ich habe angefangen, Marken zu kaufen. Ich habe schnell gemerkt, dass sie lieber Dosen mit Fisch als mit Fleisch essen wollte. Sie hat aber immer ein bisschen gegessen, und den Rest trocknen lassen. Einmal habe ich das allerteuerste gekauft: Die runden Dosen von Sheba[1]. Es tat meinem Geldbeutel schon weh, aber die liebt sie jetzt immer noch über alles. Ich habe genauer nachgelesen und kenne jetzt den Grund, warum die anderen billigeren Sorten ihr nicht gefallen. Die runden Sheba Dosen (Thunfisch oder Meeresfrüchten) enthalten wirklich 100% Fisch. Bei den anderen Sorten (auch die billigeren eckigen Dosen von Sheba) steht immer drauf „mit“ Fisch („mit“ Lachs, „mit“ …), und wenn man die Zutaten liest, gibt es immer hauptsächlich Fleisch und Tiererzeugnisse (man weiß nicht, was drin ist, und möchte es vielleicht nicht so genau wissen), und gerade 4% von dem „mit“, mit dem geworben wird. Meine Feinschmeckerin von einer Katze verarscht man aber nicht, das merkt sie sofort. Nun, die Dosen sind teuer, ich gebe ihr nur eine halbe Dose am Tag (eine ganze Dose wäre mit 80g zu viel).

Fleisch isst sie sehr selten. Ich habe mir schon mal Lammfilet im Backofen gemacht, oder Entenbrust, und sie wollte es unbedingt probieren, und hat es gerne gegessen. Aber nur beim ersten Mal, danach war sie nicht mehr interessiert. Was sie mag ist ein bisschen Schinken, nur wenn es ganz ganz frisch ist, und Leberpastete ab und zu. Bei der Pastete mit Preiselbeeren von Kaufhof[1] habe ich ihr ein Stückchen auf der Hand gegeben, und sie hätte mir die Finger fast mit gegessen. Sie hat noch lange dran geleckt, als es schon nichts mehr gab.

Heute Mittag habe ich mir ein bisschen Reis in einem Topf Wasser mit Salz vorbereitet. Die Dunstabzugshaube hatte ich angeschaltet, um das Kondensieren vom Wasser überall herum zu vermeiden. Es konnte also nicht nach Fisch riechen. Es war aber sehr lange her, dass ich ihr Fisch gegeben hatte, da ich erst seit letzter Woche aus dem Urlaub zurück bin. Sie hat den Topf auf der Kochplatte gemerkt und angefangen zu miauen. Nicht nur ein bisschen. Sie hat ihre schauspielerische Stimme angelegt, von dem kleinen Kätzchen, das so misshandelt und verhungert wäre, dass es nur noch mit gebrochener Stimme miauen könnte – eine Oscar-reife Darstellung. Das kann sie gut. Ich hatte aber nur Reis im Topf und arbeitete am Rechner. Sie ist mehrmals vom Zimmer zur Küche und umgekehrt gelaufen. Sie hat angefangen, mir ihre sanfte Pfote auf den Arm zu legen[2]. Sie hat sich im Flur mit ihrer traurigen Miene auf dem Rücken gelegt und mich vorwurfsvoll angeschaut. Da es schon lange her war, habe ich ihr doch Fisch gekocht. Die ganze Zeit hat sie natürlich nur gemiaut, bis der Fisch fertig gekocht war. In einer Stunde ist das Filet schon fast verschwunden. Sie schläft jetzt auf ihrem Bett und verdaut vor sich hin.

[1] Unbezahlte Werbung, da Namensnennung.

[2] Wenn sie Leckerlies essen möchte, beißt sie mich auch manchmal ganz sanft am Arm und schaut mich dabei in die Augen. Sie kann sich sehr gut verständlich machen.


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Gerade rechtzeitig gerettet

Da hat sich meine Mieze etwas Neues einfallen lassen. Gerade als ich ein Getränk aus dem Kühlschrank nehmen wollte, hat sie angefangen, mit etwas Längliches und Rotes auf dem Boden zu spielen. Ohne Brillen dachte ich zuerst, es wäre ein längliches Blatt von meiner Palme auf der Fensterbank, sie werden rot, wenn sie trocknen. Ich habe trotzdem näher geschaut und einen Stück Kunststoff in ihrem Mund entdeckt – ich hatte heute Nachmittag eine Packung Reiswaffeln geöffnet und anscheinend den gelben Sack nicht getroffen. Natürlich wollte ich es weg ziehen, da rebellierte meine Mieze. Wir haben uns durch die Wohnung gejagt, dabei versuchte sie, das Stück weiter zu kauen und zu schlucken. Bis ich auf die Idee kam, ein paar Leckerlies auf der Fensterbank im Schlafzimmer zu verteilen. Da war sie viel zu sehr abgelenkt, und ich konnte endlich das Stück ganz raus ziehen. Sie hatte schon eine beeindruckende Länge geschluckt.


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Geschichte eines Katers

Ich habe erst am Anfang des Jahres durch meine Vermieterin vom Kater erfahren. Er hat ab etwa Oktober angefangen, sich im Garten zu zeigen und rein bei ihr ins Haus zu wollen. Ursprünglich wollte sie ihn nicht adoptieren, weil sie dachte, er würde jemandem gehören, da er tätowiert war, und der Tod ihrer früheren Katze vor vielen Jahren hat sie sehr mitgenommen. Aber sie hat ihn rein gelassen und gefüttert, weil sie Katzen so gerne mag, und sie hat sowieso immer Katzenfutter dabei, für die gelegentlichen vierbeinigen Besucher.

Nach einigen Wochen, als der Kater täglich zu ihr gekommen ist und es kälter wurde, hat sie sich entschieden, mit ihm zum Tierarzt zu gehen. Er konnte seine Besitzerin ausfindig machen – daher kennt sie den Namen des Katers. Die Besitzerin hat aber keine Anzeige für den Kater abgegeben, weder beim Tierarzt noch bei Tasso. Meine Vermieterin wollte dann zu ihr gehen und sie darüber informieren, dass ihr Kater so häufig und lange bei ihr bleibt. Leider war sie anscheinend umgezogen, die Adresse stimmte nicht mehr (ich frage mich schon, ob das überhaupt normal ist, dass ein Tierarzt die private Adresse von anderen Kunden einfach so weiter gibt, aber egal). Entweder hat sie ihn einfach da beim Umzug verlassen, oder er hat die Flucht ergriffen, sehr viele Katzen mögen keine Umgebungsänderung – selbst unser Kater ist zum alten Haus zurück gegangen, als meine Eltern nach ihrer Scheidung das Haus verkauft hatten und meine Mutter innerhalb vom Dorf umgezogen war. Meine Vermieterin hat also den Kater vorübergehend zu sich genommen, und die üblichen Impfungen und Kuren gegen Flöhe und Würmer machen lassen, da er bei ihr nachtsüber bleiben wollte. Der Tierarzt hat ihr vorgeschlagen, beim nächsten Besuch der Besitzerin diese über seinen aktuellen Aufenthaltsort zu informieren.

Es war nun der Besitzerin anscheinend egal, da der Tierarzt eines Tages meiner Vermieterin sagte, die Frau wäre schon zu ihm mit einer neuen Katze gekommen. Das heißt, sie ist innerhalb der Stadt umgezogen, und gar nicht so weit weg, weil sie zum gleichen Tierarzt weiter geht. Sie hat sich aber nie nach dem Kater erkundigt, und der Tierarzt war dann mit meiner Vermieterin einverstanden, dass es ihm offensichtlich bei ihr besser ginge, und er wäre bei seiner früheren Besitzerin nicht so gut versorgt. Ich habe mich selber ab und zu um ihn gekümmert, wenn meine Vermieterin unterwegs ist. Er ist wirklich ein sehr lieber Kater, ganz ruhig, der keine Berührungsangst von anderen Menschen hat und sehr gerne schmust. Man merkt ihm an den Ohren, dass er viele Zeit draußen verbracht hat, weil er deutliche Spuren von Kämpfen mit anderen Katzen trägt. Ich verstehe nicht, warum seine frühere Besitzerin sich gar nicht um seinen Schicksal gekümmert hat.

Gestern ist meine Vermieterin zu meiner Etage gekommen, weil sie daran denkt, am Wochenende weg zu fahren. Sie hat erzählt, der Kater wäre vor kurzem zwei Tage lang verschwunden. Ich habe mir zuerst nichts dabei gedacht, unsere Katzen bei meinen Eltern hatten auch häufig längere Ausflüge gemacht. Aber dann sagte sie, er wäre mit einem fremden Halsband zurück gekommen. Ein Halsband wollte ihm meine Vermieterin nicht anziehen, weil die Würggefahr so groß ist – deswegen trägt meine Katze auch kein Halsband. Und er hätte sich erstmal ganz verängstigt verhalten. Zuerst wollte er nicht mehr raus gehen und hat sich nur noch mit weit geöffneten Augen auf einem Stuhl verkrochen. Ein Tag danach hat er sich wieder getraut, nach draußen zu gehen, ist aber nur im Garten geblieben, sehr ungewöhnlich für ihn. Die Vermutung meiner Vermieterin ist, dass er bei seiner früheren Vermieterin war, und diese ihn eingesperrt hat. Was hat sie ihm sonst angetan, dass er sich bei seiner Rückkehr so traumatisiert verhalten hat? Das muss sehr übel für ihn gewesen sein. Ich verstehe manche Menschen wirklich nicht.


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Abnehmen

Gestern Abend habe ich wie jeden Sonntag mit meiner Mami telefoniert. Sie hat erzählt, dass sie ihre inzwischen ein Jahr alte Katze diese Woche kastrieren lassen hat. Die Tierärztin hat ihr danach gesagt, die Katze hatte schon ziemlich viel Fett am Bauch und müsste abnehmen.

Heute Morgen habe ich beschlossen, meine Stubentigerin ebenfalls zu wiegen. Wie geht das, wenn man eine sehr willensstarke Katze hat, die nicht einsieht, dass man sie manipuliert? Beim Tierarzt gibt’s immer einen riesen Theater, selbst ich darf nicht alles machen: Zähne oder Krallen beobachten kommt definitiv außer Frage. Na ja, die Zähne kann ich sehr gut beobachten, wenn sie versucht zu beißen – nicht häufig, nur, wenn sie aufgeregt ist. Die Lösung fürs Wiegen: Brillen an (so kurzsichtig bin ich), Katze in die Armen nehmen (zum Glück ist sie daran gewöhnt), schmusen, unauffällig auf die Waage steigen, Gewicht schnell lesen, Katze merkt, dass etwas nicht in Ordnung ist und springt runter, Gewicht erneut lesen, Differenz rechnen… Schluck, 6 Kilos! Und noch mal Schluck, der zweite Gewicht war zu hoch. Da muss ich selber was machen.

Ab heute heißt es also, abnehmen. Keine Leckerlies mehr. Zum Sport konnte ich sie schon lange nicht mehr animieren. Seit meinem Rückenproblem habe ich viel weniger mit ihr etwas unternommen, weil ich so starke Schmerze hatte – selbst das Hochheben und in die Armen nehmen wenn ich nach Hause komme konnte ich die ganze Zeit nicht mehr machen, wir mussten uns danach wieder daran gewöhnen. Wir hatten uns früher häufig durch die Wohnung hinterher gejagt, das hatte richtig Spaß gemacht.

Zurzeit betreue ich den Kater meiner Vermieterin, die in den Urlaub gefahren ist. Ich wohne auf der vierten Etage, unter dem Dach, der Kater ist im Erdgeschoss. Vier Mal an Tag gehe ich nach unten, um nach ihm zu schauen, da er zwei Mal am Tag in den Garten geht. Heute wollte ich meine Katze mitnehmen. Die zwei kennen sich ja noch gar nicht. Meine ist aber echt ein Angsthase. Sie traut sich gar nicht mehr, die paar Etagen runter zu gehen. Früher hatte sie das gerne gemacht, ich musste sie häufig vor der Tür meiner Nachbarn auf der zweiten Etage abholen. Kann sein, dass die dritte Katze aus der ersten Etage, eine junge schwarze Katze mit stark dominanten Charakterzügen, sie dazu verängstigt hat, die zwei prügeln sich nur noch, wenn sie sich treffen, und fauchen sich an, bis meine sich wieder in der Wohnung versteckt.

Also heute Morgen, keine Chance, meine Mieze freiwillig runter gehen zu lassen. Ich habe sie nach einigen Versuchen in die Armen genommen und bin die Treppen runter gegangen. Sie hat sich aber so laut dagegen geäußert, dass ich sie nur eine Etage tiefer bringen konnte. Sie sah schon sehr ängstlich aus und hat sich in einer Ecke auf dem Flur verkrochen. Ich habe sie ein bisschen geschmust und bin weiter zum Kater gegangen. Als ich wieder nach oben ging, war meine Katze immer noch in ihrer Ecke. Ich habe gedacht, da sie ein bisschen Bewegung bekommen sollte, lasse ich sie da, bis sie sich traut, wieder nach oben zu gehen, und habe die Wohnungstür offen gelassen. Das hat gedauert. Ich habe mir einen Kaffee gemacht und habe mich vor dem Rechner hingesessen. Plötzlich muss es ein Geräusch gegeben haben, weil sie auf einmal sehr schnell die Treppe hoch gelaufen ist. Sie hat sich auf den Boden geschmissen und hat sich erst mal von ihrem Schreck erholen müssen. Angsthase. Das machen wir heute Nachmittag noch mal.

20130401-Abnehmen


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