Doch keine OP

Warnung: Dieser Beitrag kann verstörend wirken. Wer empfindlich ist, sollte weglesen.

Ich hatte mich auf die Ausschabung eingestellt. Gestern Abend vor dem Schlaf hatte ich mir die zwei Tabletten eingeführt, wie von der Ärztin empfohlen, „um den Muttermund einzuweichen“. Cytotec heißt das Präparat. Ursprünglich als präventive Maßnahme gegen Magenprobleme entwickelt, hat sich das darin enthaltene Misoprostol als hilfreich in der Gynäkologie erwiesen, um, unter anderen, verhaltene Fehlgeburte auszulösen, wie ich gerade lese. Die Ärztin hatte die Einnahme am Mittwoch damit begründet, dass es die Einführung von operativen Ustensilien vereinfachen würde.

Um drei Uhr morgens bin ich mit Schmerzen im Bauch aufgewacht. Beim Toilettenbesuch habe ich Blut gemerkt. Es sollte normal sein, die Ärztin hatte mich gewarnt. Es kam mir trotzdem viel vor. Ich habe ein Glas Wasser getrunken, da ich es um die Uhrzeit vor der Narkose noch durfte, und bin zurück ins Bett gegangen. Wegen Schmerze konnte ich schlecht schlafen. Ich habe viel geträumt und bin mehrmals aufgewacht. In einem Traum war ich im Badezimmer und hielt in der Hand das gerade vom Leib ausgestoßene Embryo. In Wirklichkeit sah es gar nicht wie ein Embryo aus, aber im Traum fällt sowas nicht auf. Ich konnte sehen, dass es einen offenen Rücken hatte, und dass es sich deswegen nicht normal entwickeln konnte. In einem anderen Traum saß ich in einem weißen Raum im Kreis mit anderen Menschen und musste mich vorstellen: Wie ich heiße, was ich beruflich mache…

Um halb sieben bin ich aufgestanden. Toilette besucht. Wahnsinn, wieviel Blut ich verloren hatte. Es war ein Wunder, dass ich die Bettwäsche nicht versaut hatte. Die Binde war so voll, wie ich es noch nie erlebt hatte. Nachdem ich auf Toilette war und als ich mich wieder anziehen wollte, habe ich etwas die Vagina entlang runter rutschen gespürt. Schnell noch Klopapier geholt und drunter gehalten: Es war tatsächlich das Embryo, das von blutigem Gewebe umgeben war. Kurz danach gab es ein zweites Ausstoß. Was nun damit? Ich habe den Ehemann gebeten, mir ein kleines Behälter zu bringen, damit ich es zum Krankenhaus mitnehmen konnte. Dabei habe ich ihm ausdrücklich verboten, das Badezimmer zu betreten. Es war wahrlich kein schöner Anblick.

Nach dem Duschen habe ich die Station im Krankenhaus angerufen. Ich wollte vor der OP eine Ultraschalluntersuchung machen lassen, da ich den Verdacht hatte, dass die OP nicht mehr notwendig war. Es war kein Problem. Wir sind schnell mit dem Auto dahin gefahren. Eine andere Ärztin hat mich untersucht und ist zum selben Schluss gekommen. Der OP-Termin wurde gestrichen. Ich habe nochmal Cytotec bekommen, das ich diesmal unter der Zunge zergehen lassen sollte, da die starke Blutungen sonst die Tabletten weg spülen würden.

Enttäuscht war ich, dass das Embryo nicht untersucht wird, um die Ursache der Fehlgeburt zu bestimmen. Es wird erst ab der dritten Fehlgeburt übernommen. Also bei der nächsten, wobei ich hoffe, es kommt nicht dazu. Ich hätte die genetische Untersuchung selber bezahlen können, aber die Ärztin hat lediglich angeboten, das Embryo zu entsorgen.

Bevor wir das Krankenhaus verlassen haben, habe ich wieder die Toilette besucht. Mein Bauch schmerzte. Dort habe ich zu meiner Überraschung wieder etwas riesiges runter rutschen gespürt. Ich hatte keine Zeit zu reagieren, und es ist mit einem lauten „Plop“ ins Wasser gefallen. Ich habe nicht rumgewühlt um zu schauen, was es war. Es hatte sich schwer angefühlt und ich war danach erleichtert. Seitdem sind die Blutungen nicht mehr so stark.

Advertisements

Ein echt mieser Tag

Die Nachricht am Morgen hat mich umgehauen. Ich selbst war überrascht, weil ich ja immer gedacht hatte, mal schauen, ob es überhaupt gut läuft, erst nach drei Monaten kann ich mich auf die Schwangerschaft freuen. Ich wollte mir keine Hoffnung machen. Der Verlust macht mich trotzdem sehr traurig.

Die Frauenärztin hatte mir eine Einweisung zum Krankenhaus gegeben, mit dem Hinweis, ich sollte nichts essen und nichts trinken, falls ich eine Narkose am Tag bekommen sollte. Blöd, weil ich nur ein Keks auf die Schnelle gegessen hatte, bevor ich das Haus verlassen hatte, und ich schon Hunger spürte.

Nachdem ich vorher wieder zu Hause war, um mich umzuziehen und die Arbeitssachen auszupacken, habe ich mich auf den Weg zum Krankenhaus gemacht. Das Krankenhaus, wo ich für die Bauchhöhlenschwangerschaft operiert wurde. Die Krankschreibung für meinen Arbeitgeber wollte ich noch ganz schnell zur Post bringen. Tja. Als ich ankam, standen zwei Männer an den Schaltern vorne, und nur eine Frau war da, um sie zu bedienen. Sie kam mir extrem langsam vor. Weil ich in Eile war, dachte ich. Ich sollte mich geduldig verhalten. Nach einer gefühlten Ewigkeit standen Leute bis zur Tür hinter mir, eine Frau beschwerte sich schon, und die zwei Männer waren immer noch an den Schaltern. Der eine wollte ein Paket schicken und hat es noch vor Ort gestaltet und zu geklebt. Als die Frau den Preis von 22€ angegeben hat, hat er sich beschwert und gefragt, ob es günstiger ginge. Hat ewig gebraucht, um endlich zu zahlen. Noch gefragt, ob er die Nummer zur Sendungsverfolgung haben könnte, obwohl er sie schon hatte. Als er endlich fertig war, wollte der andere Mann irgendwas schicken. Ich habe nicht aufgepasst, wegen Diskretion und so, aber die Frau hat ihn kaum verstanden, obwohl er deutlich gesprochen hatte, und musste quasi alles, Name, Adresse, buchstabiert bekommen. Danach war ich endlich mit meinem Brief dran. 0,70€, bezahlt, raus, keine Minute gebraucht, aber ewig gewartet. Briefmarken habe ich blöderweise nie zu Hause.

Den Bus hatte ich natürlich gerade verpasst und ich musste fast zwanzig Minuten auf den nächsten warten. Ich bin zu Fuß zur nächsten Haltestelle gegangen, weil ich keine Lust hatte, unter dem Regen stehend zu warten. Ich habe dann doch lange warten müssen, weil der Bus verspätet war. Erst um halb eins war ich in der Notaufnahme, und die Warterei hat angefangen. Gut, es war mir schon klar, und ich sollte glücklich sein, warten zu müssen, da es hießt, ich habe keine akute lebensbedrohliche Beschwerde. Ich war bewaffnet und habe so viele Reihen am Schal vom Ehemann wie noch nie an einem Tag geschafft. Ätzend fand ich es im Wartezimmer von der Gynäkologie, weil eine ältere gehbehinderte Dame dort von Pflegern gebracht wurde und nicht mehr beachtet wurde. Sie hat sehr viel alleine gesprochen, wobei ich nur die Hälfte verstanden habe. Und ich dachte, Deutsch kann ich mittlerweile gut. Die Dame war anscheinend geistig verwirrt und sprach entweder mit nicht anwesenden Personen oder erzählte Dinge, die kaum Sinn ergaben.

Um halb vier war ich bei einer jungen Frauenärztin dran, die ich schon aus der Bauchhöhlenschwangerschaft kannte. Sie hat nochmal ein Ultraschall gemacht, um den Befund vom Vormittag zu bestätigen. Kein Herzschlag. Sie hat mir dann die verschiedenen Möglichkeiten erklärt, und ich habe mich für eine Ausschabung entschieden. Sie wird am Freitag statt finden, weil ich an dem Zeitpunkt schon stark an Migräne leidete, die durch Hunger und Durst verursacht wurde, und ich hatte keine Lust, noch auf unbestimmte Zeit da zu warten. Ich habe zwei Tabletten bekommen, die ich mir morgen Abend in die Scheide rein schieben sollte, um den Muttermund weicher zu machen. Danach musste ich noch zur Anästhesie, um ein Vorbereitungsgespräch für Freitag durchzuführen. Die Ausschabung wird unter Vollnarkose durchgeführt.

Um halb fünf war ich endlich aus dem Krankenhaus wieder raus, und ich freute mich schon riesig darauf, zu Hause etwas trinken und essen zu können. Ich habe unter strömendem Regen an der Haltestelle auf den Bus gewartet. Es ist die Endhaltestelle der Linie, man könnte meinen, dass die wenigstens dort pünktlich starten. Denkste. Der Bus fährt alle zwanzig Minuten. Ich war kurz vor Abfahrt da und habe über dreißig Minuten gewartet, bis ich beschlossen habe, dass es keinen Zweck hat und mit der U-Bahn gefahren bin. Es war natürlich ein Umweg, aber wenigstens war ich nicht mehr unter Regen. Danach musste ich sowieso auf einen anderen Bus warten, und oh Überraschung, der kam ebenfalls verspätet an. Aber nur acht Minuten. Inzwischen war es recht stürmisch geworden, mein Regenschirm hatte sich schon mal umgedreht, und die schnell fahrende Autos hatten meine Füße völlig durchnässt, weil das Wasser nicht mehr durch den Ablauf auf der Straße floss.

Erst um sechs war ich zu Hause. Theoretisch braucht man mit dem Bus vom Krankenhaus aus nur zwanzig Minuten. Ich war klatsch nass und durchgefroren und musste mich zuerst umziehen. Trinken, Aspirin (jetzt darf ich wieder), essen, schlafen. Es geht langsam besser, und der Ehemann ist auch gerade vom Flughafen angekommen.

Das war’s

Nachdem ich heute beim Aufwachen Blutungen bemerkt habe, die eindeutig nicht normal waren, bin ich pünktlich zur Eröffnung zur Praxis meiner Gynäkologin erschienen. Da der Ehemann bis heute Abend auf Dienstreise ist, hieß es eine Stunde Fahrt mit ÖPNV. Ich musste schon um 07:00 das Haus verlassen. Gut, dass ich den Wecker eine halbe Stunde davor gestellt hatte.

Meine Gynäkologin war nicht da, aber ich konnte bei einer ihrer Kolleginen untersucht werden. So wie es aussieht, hat sich das Embryo seit einer Woche nicht weiter entwickelt. Das Herz schlägt nicht mehr, und die Eihülle (oder heißt es Eischale?) hat schon angefangen, sich zu lösen. Wahrscheinlich die Ursache für die Kontraktion am Montag.

Mein Plan war ursprünglich, nach der Untersuchung ins Büro zu gehen, da es nur zehn Minuten zu Fuß von der Praxis liegt. Das kann ich vergessen. Eine Woche bin ich jetzt krank geschrieben, um den fetalen Tod zu verdauen.

Ich habe eine Einweisung fürs Krankenhaus bekommen und fahre auch gleich hin, wenn ich bequemere Kleider angezogen habe. Ich wünsche, ich würde nicht alleine hin fahren.

9W1T mit Schreck

Der Schreck war eigentlich gestern Abend, bei 9W0T. Nein, 8W7T.

Ich lag gemütlich auf der Couch vor dem Fernseher. Nachdem ich einige neue Reihen am Schal vom Ehemann gehäkelt hatte, döste ich bei der doch recht interessanten Doku-Sendung über das Ehepaar Klarsfeld. Es war spät.

Ich bin plötzlich von einer heftigen Kontraktion aus dem leichten Schlaf geweckt worden. Schmerzhaft war es nicht. Es fühlte sich eher wie ein Krampf an, wobei ich den Eindruck hatte, dass mein Bauch nach innen gezogen wurde. Es ist nur einmal passiert, hat mir aber ein ganz komisches Gefühl hinterlassen.

Kontraktion wegen Spontanabort? Hatte es mit der Wassergymnastik gestern Abend zu tun? Oder mit den Spaghetti all’arrabbiata, die ich danach gekocht habe, vielleicht war es zu scharf? Ich fand es angenehm pikant, der Ehemann war dabei nur noch am Hecheln und Schwitzen.

Ich bin nach der Kontraktion sofort zur Toilette gerannt und habe ein bisschen Blutverlust festgestellt. Das leicht rosafarbenes Blut, das ich bei der Einnistung gesehen hatte, und ab und zu ganz leicht zwischendurch. Gestern Abend war es mehr als sonst.

Heute Morgen sah alles wieder ganz normal aus. Schmerze habe ich nicht. Ich frage mich, was gestern passiert ist. Beim Termin nächste Woche muss ich die Gynäkologin unbedingt danach fragen.

8W2T

Nach der Ultraschall-Untersuchung von gestern ist die Dauer der Schwangerschaft korrigiert worden. Es passiert anscheinend häufig. Bei der ersten Untersuchung war der Wurm so klein, wahrscheinlich war die Berechnung des Alters aufgrund seiner Länge zu ungenau. Gestern ist eine Scheitel-Steiß-Länge (SSL) von 1,65 Zentimeter gemessen worden, was einer Schwangerschaftsdauer von acht Wochen und einem Tag entspricht. Kurz 8W1T. Also heute 8W2T.

echographie1

Es hat mich verwirrt. Wieviele Bezeichnungen für eine Schwangerschaftsdauer gibt es denn? Mit der Angabe der Schwangerschaftswoche (SSW) war ich zufrieden. Vor zwei Wochen war die 7. SSW vorbei. Es waren sieben Wochen seit dem Beginn der letzten Periode vergangen. Da der Eisprung zwei Wochen danach erfolgt, war der Wurm fünf Wochen alt. Alles klar. Jetzt kriege ich ein Bild, das mehr wie ein Baby aussieht[1], und darauf steht 8W1T. Weil es sich immer noch nach dem „ersten Tag der letzten Periode“ richtet (das ergibt ab hier für mich keinen Sinn mehr), und man trotz besseres Wissens immer noch davon ausgeht, dass der Eisprung vierzehn Tage nach dem ersten Tag der letzten Periode statt findet, ist das Embryo 6W1T alt. Es ist als ob ich meine Periode eine Woche später als beobachtet bekommen hätte.

Die 9. SSW fängt also erst gerade an. Kann man zum Beispiel hier in der Tabelle nachlesen. Heißt das, dass mein Eisprung ganze drei Wochen nach Beginn der letzten Periode statt gefunden hat? Als ich durch die Straßen von Nizza schlenderte? Was für einen komischen Zyklus habe ich denn gehabt? Ich hatte während der Weihnachten-Sylvester-Zeit mit dem vielen Reisen so gut wie nie daran gedacht, meine morgendliche Temperatur zu messen, also kann ich es nicht mal nachvollziehen. Oder entwickelt sich das Embryo zu langsam? Oder hat das Ei viel länger gebraucht, um die Eileiter herunter zu gehen?

Wenigstens hat meine Brust erstmals aufgehört, sich zu vergrößern. Ein ganzes Körbchen mehr schleppe ich mit mir rum. Es war vorher kein Problem, um seitlich zu schlafen. Jetzt weiß ich nicht wohin mit den Dingern. Meine Arme drücken beim Liegen ständig drauf. In dem Bauch spüre ich Periodenähnliche Krämpfe, weil die Gebärmutter wächst. Dazu kommt, dass ich ständig zähflüssige Ausscheidungen habe. Ich dachte, ich könnte in der Schwangerschaft wenigstens auf Slipeinlagen verzichten. Im Gegenteil, ich brauche noch mehr davon. Als Folge renne ich ständig zur Toilette, um zu prüfen, dass ich kein Blut verliere.

Zugenommen habe ich. Das ist kein Wunder. Diät habe ich eingestellt, um die Versorgung vom Embryo sicher zu stellen. Ich esse auch nicht zu viel. An manchen Tagen schon, an anderen dafür weniger, mit fddb habe ich noch einen guten Überblick. Übelkeit habe ich gar keine. Ich esse viel mehr Süßes als vorher. Wenn Nutella mich sonst immer kalt gelassen hatte, ist es jetzt besser, wenn der Gatte das Glas versteckt. Sport treibe ich weiterhin. Anderthalb Kilogramme sind zurück gekommen. Klar, die Brust muss man berücksichtigen, das zusätzliche Blut, das produziert wurde, und Fruchtwasser, obwohl es noch nicht so viel sein dürfte, und die Wassereinlagerungen… Ich muss jetzt häufig den Ehering ausziehen, weil die Finger dicker geworden sind, obwohl ich mit knapp zehn Kilogrammen weniger als bei der Hochzeit immer noch im normalen BMI-Bereich liege. So sieht mittlerweile meine Gewichtskurve aus:

p_20170215

Die nächsten Untersuchungen, samt pränataler Diagnostik in einer anderen Praxis, finden in den nächsten Wochen statt. Es gibt ein sehr knappes Zeitfenster, um die Aussagekraft der Ultraschall-Untersuchung für genetische Defekte zu maximieren. Ich bin blöderweise genau in den drei Tagen im Ausland auf Dienstreise. Allerdings musste ich für die Terminfindung den Entbindungstermin angeben, und er basierte auf die erste Schätzung. Mit der korrigierten Schwangerschaftsdauer weiß ich nicht, ob wir den Termin für die Diagnostik nicht verschieben sollten. Das frage ich bei meiner Praxis vorsichtshalber nochmal nach. Immerhin kosten diese Untersuchungen um die 200€ und sind aus eigener Tasche zu bezahlen, da will ich sicher sein, dass wir sie am bestmöglichen Zeitpunkt machen.

[1] Gestern haben wir übrigens ganz kleine Arme und Beine gesehen, nur in dieser Orientierung sieht man nichts davon, und ja, ein bisschen gefreut habe ich mich schon bei dem Anblick.

Risikoschwangerschaft

Ich verbringe den Abend vor dem Rechner und lese mir das ganze Internet zum Thema Schwangerschaft durch. Mich interessieren vor allem persönliche Geschichte von werdenden Müttern. Interessante Beiträge habe ich gefunden, wo über Entwicklungen vom Bauch und über Ängste berichtet wird.

Sorgen mache ich mir. Ich bin jetzt vierzig. Das Mindesthaltbarkeitsdatum meiner Eizellen ist längst überschritten. Meine erste Periode hatte ich mit elf, also liegen sie schon seit neunundzwanzig Jahren rum und werden mit der Zeit nicht besser. In meinem Alter liegt die Wahrscheinlichkeit, ein Kind mit genetischen Defekten zu bekommen, bei 1:68. Das ist enorm und sollte nicht unterschätzt werden.

Das ist auch was meine Gynäkologin mir bei der ersten Untersuchung gesagt hat. Das optimale Alter für eine Schwangerschaft ist bei mir schon vorbei. Das sehe ich völlig ein (und ich verstehe nicht, warum eine andere betroffene Bloggerin sich davon so stark beleidigt gefühlt hat, als ihr der Arzt dasselbe mitgeteilt hat, dass sie gleich einen ganzen Beitrag darüber schreiben musste). Vielleicht deshalb will ich warten, bis die Ergebnisse vom Erst-Trimester-Screening bekannt sind, bevor ich mich über die Schwangerschaft freue. Ich hoffe, ich muss nicht vor der Wahl gestellt werden, ob Abtreibung oder lebenslanger Pflegefall. Auch wenn ich weiß, wofür ich mich entscheiden würde.

Ich vermute, dass ich im letzten Jahr viel häufiger schwanger war als ich nachweisen konnte, da ich die charakteristische pinke Einnistungsblutung mehrmals beobachtet habe, aber dass Spontanaborte aufgrund von Defekten sehr schnell statt gefunden haben. Es ist gut, dass mein Körper aus natürlicher Weise nicht lebensfähige Embryos aussortieren kann. Leider ist es nicht 100% zuverlässlich, sonst gäbe es gar keine genetische Defekte.

Klar, ich hätte früher Kinder bekommen können. Früher kannte ich meinen Mann aber nicht, und mit keinem meiner Ex-Freunden hätte ich eine Familie gründen wollen. Ich hatte den Wunsch nach Kindern schon längst aufgegeben. Und dann kamen Jobwechsel, Umzug, Verliebtheit, Hochzeit, und jetzt bin ich schwanger. So überraschend kann das Leben laufen.

Beim heutigen Stöbern habe ich mit Entsetzen den Blogbeitrag einer werdenden Mutter entdeckt, der mir zu blöd vorkam, um ihn hier zu verlinken. Die Frau zählt noch nicht zu den Spätschwangeren, hat die Untersuchung trotzdem machen lassen. Mich hat es sehr gestört, wie sie die ganze Problematik einer Risikoschwangerschaft verharmlost:

Hier geht es ja „nur“ um Chromosenabweichungen und keine schwerwiegendere Behinderung.

Hat die Autorin noch nie vom Down-Syndrom gehört? Es ist die häufigste Chromosomenaberration, und ist alles anderes als unbedenklich. Chromosom-Defekten sind keine Schönheitsfehler, sondern bringen echte Behinderungen und/oder Fehlbildungen mit sich, und können sogar schnell tödlich verlaufen. Das als „Chromosenabweichungen“ verniedlichen zu wollen zeugt nur von Ignoranz.

Weiter im Text wird noch die Nützlichkeit der Nackentransparenzmessung in Frage gestellt, was in sich vertretbar ist, da die Ergebnisse nicht eindeutig sind. Die Kosten dieser Untersuchung werden auch nicht von Krankenkassen übernommen. Aber der Grund, warum sie davon abrät, sowie übrigens von der Blutuntersuchung, ist, dass „nur eine Wahrscheinlichkeit“ für ein genetisches Defekt angegeben wird. Ich würde behaupten, dass die Autorin keine Ahnung von Statistik hat, und deswegen Wahrscheinlichkeiten als Unfug sieht. Dass man „nur“ eine Wahrscheinlichkeit für ein Problem bekommt, bedeutet lange nicht, dass das Risiko nicht existiert. Die Wahrscheinlichkeit einer Bauchhöhlenschwangerschaft liegt zwischen 0,05% und 0,1%, und es kann trotzdem durchaus passieren.

Im Allgemeinen habe ich den Eindruck, dass die Meinung in der Bevölkerung sich verbreitet hat, dass die Fortschritte der Medizin die Obergrenze des optimalen Alters bei Frauen für eine Schwangerschaft in den letzten Jahren nach oben geschraubt haben. Das stimmt so ganz und gar nicht! Was sich verbessert hat, sind die Vorsorgeuntersuchungen, die Probleme früher erkennen lassen, und Frauen anhand der Ergebnisse handeln lassen können. Die Biologie ist immer noch die Gleiche geblieben. Die Untersuchungen werden erst an Frauen über 35 Jahren angeboten, und diese Grenze ist willkürlich. Die Tatsache, dass in Deutschland Kinder mit Down-Syndrom heutzutage vor allem von Frauen unter 35 geboren werden, liegt daran, dass diese Frauen noch keine Untersuchung angeboten bekommen.

7. SSW geschafft

Heute war mein erster Untersuchungstermin bei der Gynäkologin. Früher hätte es keinen Sinn gemacht, weil man nichts beim Ultraschall gesehen hätte. Und es war mir wichtig, bei der ersten Ultraschalluntersuchung etwas zu sehen. Um sicher zu sein, dass das Embryo diesmal an der richtigen Stelle sitzt. Das tut es. Die seitlichen Stiche, die ich am Wochenende gespürt habe, sind normal. Ausatmen. Wahrscheinlich habe ich mir umsonst Sorgen gemacht, weil ich fast alle zu erwartende Symptome einer Schwangerschaft beobachtet habe, minus der Übelkeit. Ich musste sogar am Wochenende neue BHs kaufen, weil die neueste, die ich vor Weihnachten gekauft hatte, schon (zur Freude des Ehemannes) zu klein sind. Bei einer unnormalen Schwangerschaft wäre es nicht so gewesen.

Ich kann nicht behaupten, dass ich beim Anblick vom Embryo etwas wie Glück oder Stolz oder Liebe empfunden habe. Und das, obwohl die Gynäkologin mir den Herzschlag gezeigt hat. Das Embryo, das fünf Wochen alt ist[1], sieht gerade wie ein Wurm aus, wobei man schon den Kopf vom noch vorhandenen Schwanz differenzieren kann, und ich habe mich ein bisschen unwohl gefühlt, dieses Ding in meinem Bauch zu wissen. Komisch. Bis jetzt muss ich feststellen, dass die Schwangerschaft mich nicht besonders glücklich macht. Es freut mich eher zu sehen, wie der zukünftige Vater sich freut. Mir ist es noch egal, obwohl ich körperlich alles tue, um das Kind nicht zu gefährden. Ich bin vor allem froh, dass mir durch die Schwangerschaft keine schwere gesundheitliche Probleme drohen. Ich frage mich, ob ich normal bin. Das ändert sich vielleicht, wenn ich weiß, dass wirklich alles in Ordnung ist. Ich hoffe sehr. Diese Gefühllosigkeit finde ich erschreckend.

[1] Die Schwangerschaftswochen werden ab dem ersten Tag der letzten Periode gezählt, also zwei Wochen vor der Empfängnis.

Die Schlaflosigkeit hält an

Das ist echt ätzend. Die zwei letzten Nächte waren doch so gut gelaufen. Jetzt fängt es wieder an.

Gestern Abend sind wir um elf ins Bett gegangen, nachdem ich auf der Couch vor dem Film fast eingeschlafen wäre. Um halb drei bin ich aufgewacht. Toilette besucht. Einschlafen konnte ich danach nicht mehr. Nicht, dass mir irgendwelche Gedanke durch den Kopf gegangen sind. Ich habe mich einfach nicht mehr müde gefühlt. Ich konnte auch keine gemütliche Schlafposition mehr finden. Der Ehemann hat nur ganz leise geschnarcht.

Um halb vier bin ich zur Couch im Wohnzimmer gewechselt. Aber selbst dort kam der Schlaf nicht. Der Ehemann muss meine Abwesenheit irgendwie gemerkt haben, weil er plötzlich lauter geschnarcht hat. Es war trotz geschlossener Tür nicht zu überhören. Zu seiner Verteidigung muss ich sagen, dass er seit ein paar Tagen leicht erkältet ist todeskrank liegt. Kurz nach vier habe ich die erste S-Bahn in der Ferne gehört. Sowie die erste Autos, deren Motoren bei der Kälte erstmals mit hohem Druck auf der Gaspedale für einige Sekunden erwärmt werden müssen, bevor sie los fahren können.

Ich bin aufgestanden. Was soll’s, der Schlaf will nicht kommen. Jetzt sind es die lauten kleinen Schneepflüge, die man aus dem Bürgersteig hört.

Schlafstörungen in der Schwangerschaft sind normal. Das berüchtigte Gedankenkarussel kann ich für meine Schlaflosigkeit nicht verantwortlich machen. Ich denke nicht besonders an irgendetwas. Ich versuche nur, ganz normal wie immer einzuschlafen. Sport treibe ich immer noch. Weniger regelmäßig, da es mit dem Urlaub eine längere Pause gab, aber letzte Woche war ich zweimal im Fitnessstudio. Abends esse ich meistens leichte Kost und ich leide nicht an Sodbrennen. Es muss an der Hormonenumstellung liegen. Wie gut, dass ich diese Woche krank geschrieben bin. So kann ich nach Bedarf tagsüber kurze Nickerchen einbauen.

Es bleibt nur abzuwarten, dass mein Körper sich an die Schwangerschaft gewöhnt. Was kann ich sonst probieren? Meinen Konsum an Kaffee habe ich schon länger reduziert. Eine Tasse morgens, ein Cappuccino oder ein Espresso nach dem Mittagessen, das war’s. Die überall gelobte heiße Milch mit Honig hat bei mir noch nie geholfen. Ich habe sie gestern Abend trotzdem getrunken, weil es doch immer wieder erzählt wird, dass es helfen soll. Nöö, stelle ich schon wieder fest. Ein warmes Bad am Abend hatte ich letzte Woche auch. Ich konnte zwar gut einschlafen, musste aber in der Nacht aufwachen. Homöopathie kommt nicht in Frage. Als Wissenschaftler weiß man, dass nichts dahinter steckt. Noch mehr Bewegung am Tag? Einen abendlichen Spaziergang machen? Beim Schnee und bei der Glätte habe ich keine Lust dazu.

Wirklich schwanger

Das behauptet zumindest der Test:

20170112_test

Einen medizinischen Beweis fehlt mir aber noch. Bei der Gynäkologin hieß es, es wäre noch zu früh, um mit Ultraschall etwas zu sehen. Einen Termin bei ihr habe ich erst in zweieinhalb Wochen.

Ich bin also heute stattdessen zu meinem Hausarzt gegangen, und er hat mich am Dienstag für Blut- und Urin-Untersuchungen bestellt. Und für eine ganze Woche krank geschrieben. Da ich schon ein paar Spontan-Aborte und eine Bauchhöhlenschwangerschaft hinter mir habe, sollte ich mich möglichst ausruhen.

Eine Woche im Krankenhaus

Sie hatte gut angefangen, diese Woche. Am Montag war ich mit dem Kurs sehr beschäftigt. Studenten empfangen, Vorlesungen gehalten, Führung durch unsere Labore (ein großes Lob an unsere Verwaltung, die alle Studenten noch rechzeitig anmelden konnte)… Die Gruppe war toll, die Studenten haben viele interessierte Fragen gestellt. Ich habe mir nur eine halbstündige Mittagspause gegönnt und ein Bagel auf die Schnelle gegessen. Nachmittags konnte ich mich kurz entspannen, während Winfried zum Schluß seine Vorlesung gehalten hat.

Als ich am Ende der Vorlesung von meinem Stuhl aufgestanden bin, habe ich plötzlich Schmerze im unteren Bereich vom Bauch gespürt. Es hat sich wie ein Verdauungsproblem angefühlt. Toilette besucht, ohne Ausscheidung. Merkwürdig. Zurück in meinem Zimmer, hatte ich den Eindruck, Messerstiche im Unterleib zu haben. „Cola trinken,“ meinte Winfried. Da der erster Kurstag vorbei war, habe ich beschlossen, Feierabend zu machen und bin von Martin mit dem Auto abgeholt worden. Bei den Bauchschmerzen hatte ich keine Lust auf eine lange Fahrt mit der S-Bahn. Zu Hause habe ich mich hingelegt. Um dem Verdauungstrakt zu helfen, habe ich eine Kürbissuppe gegessen. Es hat nicht geholfen, und die Schmerze haben nicht nachgelassen. Selbst urinieren war schwierig geworden. Konnte es sich um ein Uterusprolaps handeln? In meinem Alter? Vielleicht war es ein Darmverschluss? Es war schon recht spät. Ich habe beschlossen, am nächsten Morgen direkt zum Arzt zu gehen.

Nachtsüber konnte ich nicht gut schlafen. Die Suppe ist lange im Magen geblieben und hat mir neue Magenschmerze verursacht. Am ganzen Brustkorb, sowie seitlich. Ich muss auch schlecht gelegen haben, weil meine Schulter fürchterlich geschmerzt haben. Hätte ich die Symptome bloss gegoogelt. Der Arztbesuch am nächsten Morgen hat nicht mal zwei Minuten gedauert. Ich habe mich hingelegt. Er hat am Bauch leicht gedrückt. Der Schmerz in den Schultern wurde so stark, dass ich angefangen habe, unkontrolliert zu heulen. „Sie gehen sofort zum Krankenhaus“, meinte er, und wir sind zu seiner Sekretärin gegangen, um die Überweisung zu vorbereiten. Als Martin zu uns kam, meinte er, es wäre wahrscheinlich eine Eileiterschwangerschaft. Das habe ich nicht geglaubt. Ich war doch wegen Darmprobleme gekommen, und hatte keine frühe Anzeichen von einer Schwangerschaft wahrgenommen. Auf der Überweisung hat er jedoch „v.a. Appendizitis“ eintragen lassen.

Wir sind zu einem Krankenhaus in der Nähe gefahren, nachdem wir schnell zu Hause eine Tasche zusammengepackt haben und ich meine restliche Vorlesungen für den Kurs an Uschi und Winfried weitergeleitet habe. Die Kollegen mussten für mich einspringen. Beim Krankenhaus bin ich keine zwei Stunden geblieben. Mir ist Blut abgenommen worden. Eine Echographie wurde gemacht. Der Mann, der sie durchführte und kein Gynäkologe war, meinte, es wäre keine Appendizitis, weil mein Bauch nicht hart war, und ich wäre nicht schwanger. Er hatte aber große Mengen an Flüssigkeiten und Blut gesehen, die gar nicht normal waren. Er hat mich zu einem anderen Krankenhaus geschickt, der eine Gynäkologieabteilung besitzt, mit dem Hinweis, dass keine Notwendigkeit für eine stationäre Aufnahme gefunden wurde. Gleichzeitig stand auf dem Überweisungszettel, dass der β-hCG Test positiv war, gefolgt von drei Ausrufezeichen. Vielleicht ein Rest von dem früheren Spontanabort am Anfang des Jahres, meinte der Mann (Arzt kann er definitiv nicht gewesen sein).

Im zweiten Krankenhaus haben wir erneut eine Echographie gemacht, diesmal mit einem Gynäkologen, und ja, da, anscheinend in einer Eileiter, war etwas eingenistet. Ohne Zweifel der Grund für die große Menge an Blut, die bei der ersten Echographie gesehen wurde. Oh Mist. Es passiert nicht nur Anderen. Natürlich musste es möglichst schnell operiert werden, und zwar direkt am Nachmittag. Zum Glück hatte ich morgens nichts essen können, denn ich musste dafür nüchtern sein. Meine allererste OP. Alles, was ich nach der Beruhigungspille noch mitbekommen habe, war, dass jemand sagte, ich hätte gerade eine Sauerstoffmaske bekommen und ich müsste jetzt atmen, tiefer atmen, atmen Sie doch

Beim Aufwachen war ich in einem Raum voll mit anderen Patienten, die zurück aus einer OP waren. Hinter meinem Kopf hat etwas ständig gepiepst. Mir war unglaublich kalt, aber das Zittern hat schnell aufgehört, und das Piepsen ist langsamer geworden. Ich habe gehustet: Ich hatte die ganze Zeit wohl einen Schlauch für eine künstliche Beatmung, habe ich erklärt bekommen. Ich bin zu meinem Zimmer im Bett zurück gerollt worden. Ich war ziemlich benommen, habe aber noch mit Schrecken festgestellt, dass eine transparente Tasche mit einer roten Flüssigkeit neben mir im Bett lag und durch einen Schlauch mit meinem Bauch verbunden war. Letzteres habe ich nur vermutet, weil ich mir meinen Bauch gar nicht anschauen wollte. Die Tasche auch nicht, aber die Krankenschwester meinte, ich müsste sie immer vorsichtig tragen, wenn ich mal aufstehen müsste. Die rote Flüssigkeit drin war kein reines Blut, wie ich gedacht hatte, sondern die Spülflüssigkeit, die noch durch die Drainage langsam entfernt werden musste. Und an beiden Handgelenken hatte ich Katheter. Mir ist erzählt worden, dass ich sehr viel Blut verloren habe, und dass die Schwangerschaft doch nicht in einer Eileiter war, sondern, noch seltener, in der Bauchhöhle. Gute Nachricht, beide Eileiter sind intakt (falls ich mich jemals vom Schreck erholen sollte), aber der Gedanke an einem Baby irgendwo im Bauch ist sehr beunruhigend.

Der erster Katheter ist am nächsten Tag entfernt worden, der zweite noch ein Tag danach. Die Tasche ist ebenfalls bis Donnerstag an meinem Bauch gebunden geblieben. Es war ziemlich ätzend, alles einhändig machen zu müssen. Schon beim Aufstehen hatte ich immer Angst, drauf zu drücken und den Schlauch weg zu reißen. Beim Toilettengang hatte ich immer einen schmerzenden Druck tief in der Blase gespürt. Ich habe nur darauf gewartet, die Tasche los zu werden. Beim Entfernen vom Schlauch bin ich vom Schmerz fast zur Decke gehüpft und habe laut „Putain“ geschrieen (auf Deutsch schimpfen kommt mir nicht natürlich). Den Schmerz habe ich zwei mal hintereinander bekommen. Warum kriegt man vorher keine lokale Betäubungsspritze? Ich habe mich aber danach total befreit gefühlt und keine Hinderung mehr beim Ausscheiden gehabt. Das einzige, was mir noch Sorgen gemacht hat, ist die Klammer an meinem Bauchnabel, die ich durch das Pflaster spüren konnte. Die Entfernung würde wie beim Schlauch bestimmt sehr schmerzhaft sein. Als ich dies einer Ärztin mitteilte, hat sie mich zuerst überrascht geschaut und die Wunde geprüft: Es gab keine Klammer. Ich hatte nur den Knoten gespürt, der von alleine weg gehen sollte.

Ich habe mich relativ schnell erholt. Gestern konnte ich schon mit Martin zwei mal draußen um das Gebäude spazieren gehen. Vielleicht auch, um die komische Frau aus irgendeinem Katho-Verein nicht zu sehen, die fest dazu entschloßen war, mich unbedingt zu besuchen, obwohl ich ausdrücklich gesagt hatte, dass ich keine Seelensorge haben wollte. Zwei Mal ist sie unangekündigt (und von meiner Sicht aus unerlaubt) in meinem Zimmer mit ihren lauten hohen Absätzen herein geplatzt, um ganz laut autoritär durch den Raum zu rufen, dass sie mich besuchen wollte. Jedesmal lag ich im Bett. Beim ersten Mal, kurz nach dem Mittagessen, habe ich sie raus geschickt (und habe ihr Angebot von einem Flyer abgelehnt). Beim zweiten Mal war’s gestern früh, um die unverschämte Uhrzeit von nicht mal 07:30: Ich habe getan, als ob ich noch schlafen würde und sie mich gerade geweckt hätte, und da meine Nachbarinnen sie sich komisch angeschaut haben, hat sie ganz schnell ohne Wort das Zimmer wieder verlassen. Als ich mich bei der Krankenschwester über sie beschwert habe, war sie sehr überrascht und hat mich nach einer Beschreibung der Frau gefragt. Was ich mich frage ist, woher kannte sie denn meinen Namen, und warum hatte sie gar nicht versucht, mit meinen Nachbarinnen im Raum sonst zu sprechen? Kurz danach, als ich beim Frühstück war, ist der Oberarzt mit seinem Team zu mir bekommen, um mir zu sagen, dass ich eine „Exote“ war. Bauchhöhlenschwangerschaften sind so selten. Wie sollte man auf sowas reagieren? Ich habe mich für ein „Ach?“ entschieden (ich hätte mir den Status gerne gespart), und er hat mich dann nach meinem Zustand gefragt.

Heute Morgen bin ich endlich entlassen worden. Wie es aussieht muss ich einiges nachholen. Ich habe in der ganzen Zeit gar nicht ferngesehen. Über die schlimme Ereignisse von gestern weiß ich noch Bescheid, aber warum gibt es plötzlich überall auf Facebook Regenbögen? Und vor allem muss ich es schaffen, diese stinkende Wunde am Bauchnabel möglichst sanft zu reinigen. Jetzt kann ich mir wenigstens wieder meinen Bauch ohne Ekel anschauen. Mein Bauchfell schmerzt noch, aber die Ärztin meint, er wäre durch das Aufblasen mit Luft bei der OP normal und würde noch mehrere Tage dauern.