Auf dem Damenklo

Wir haben gestern unsere Stammkneipe nach der Arbeit besucht. Ein Irish Pub, ein bisschen abseits von der Einkaufsmeile, trotzdem immer gut besucht. „Stammkneipe“ ist vielleicht übertrieben, so häufig gehen wir nicht hin, das letzte Mal war schon über einen Monat her. Die Kellner dort erkennen uns nicht, wenn wir ankommen. Fairerweise muss ich sagen, ich erkenne die Kellner auch nicht. Entweder, weil ich mir Gesichter, die ich nur sporadisch sehe, nicht merken kann, oder weil sie alle Studenten mit kurzen Arbeitsverträgen sind, die ständig kommen und gehen.

Donnerstagabends gibt es in der Kneipe eine Band, die Musik auf einer kleinen Bühne in einer Ecke spielt. Meistens Country oder Ähnliches. Jedes Mal eine andere Band. Ich denke immer, wir sollten häufiger hin, um nach der Arbeit auszuschalten. Und gestern war der Tag richtig blöd gelaufen. Langweilig, ohne Antrieb… Seit der Ankündigung vor drei Monaten kann ich mich ohnehin nicht mehr so richtig für meine Arbeit begeistern. Wieso mir den Arsch reißen, wenn mit großem Maul und weniger Aufwand mehr erreicht werden kann? Und wenn Mr Keen eine Dauerstelle bei uns bekommt, erscheint mit eine längere Beschäftigung in der Gruppe sowieso viel weniger attraktiv. Meine Bewerbungen haben bis jetzt leider noch keine Früchte getragen.

Gestern habe ich also, noch auf Arbeit, dem Ehemann eine Nachricht geschickt, ob er Lust hätte, zur Kneipe zu gehen. Um halb acht haben wir uns dort verabredet. Ich bin direkt von der Arbeit aus hin gefahren. Ein Cider vom Faß bestellt, bevor der Ehemann, der zwischendurch auf der Couch zu Hause eingeschlafen war, mit zwanzig Minuten Verspätung angekommen ist. Ein Chili con Carne gegessen, weil das Mittagessen schon recht lange her war. Noch ein Brown Ale vom Faß getrunken. War das vielleicht lecker! Ich weiß nicht, ob ich Brown Ale vorher schon probiert hatte. Ich neige sonst immer dazu, ein Murphy’s Red zu bestellen. Ach ja, mein Verdacht hat sich nicht bestätigt, obwohl der Ehemann berichtet hat, dass es zwischendurch beim Sex wie während der letzten Schwangerschaft war — der Muttermund hat sich ganz dicht angefühlt. Danach habe ich aber eine so starke Periode bekommen, dass kein Zweifel mehr möglich war. Vermutlich habe ich wieder eine sehr frühe „unbemerkte“ Fehlgeburt bekommen. Also habe ich mir erlaubt, Alkohol zu trinken.

Natürlich musste ich nach einer Weile die Toilette besuchen. Keine Schlange. Eine Frau ging gerade raus, als ich ins Vorbadezimmer rein kam. Eine andere Frau mit kurzen blonden Haaren war gerade dabei, die Tür der einzigen Toilette hinter sich zu sperren. Ein bisschen laut war sie dabei, um nach kurzer Zeit zu sagen, „die Tür geht nicht zu, warte, komm nicht rein!“ „Kein Problem,“ habe ich geantwortet. Ich habe neben dem Waschbecken gewartet. Ein paar Minuten später: „Och nee, es ist kein Papier mehr da!“ Ich habe aus dem Papierspender für die Hände ein längeres Blatt genommen und ihr durch den Spalt der Tür entgegengestreckt. „Danke, aber was übrig blieb hatte gerade noch gereicht.“ Sie ist aus der Toilette gegangen und ich bin nach ihr rein gekommen. Beim Schieben der Tür habe ich noch gesehen, wie sie ihre Hose vor dem Spiegel zu gemacht hat. Dabei ist ihr ein recht lauter, eklig klingender Furz entwichen. Aus reiner Gewohnheit habe ich die Tür verriegelt. Ging doch problemlos. Nach dem Leeren der Blase habe ich zum riesigen Plastikbehälter für die Klopapierrolle gegriffen. Drin war eine noch nicht aufgemachte dicke Rolle, die sich relativ leicht öffnen ließ. Offensichtlich war die Frau zu sturzbesoffen, um die Toilette richtig bedienen zu können. Wenigstens hatte sie die Klobrille sauber gelassen.

Und weil das jetzt thematisch so halbwegs passt, ein Liedchen dazu:


Dieser Beitrag ist ursprünglich auf Meckereien & Co. erschienen.

Eine neue Zickengeschichte

Gestern Abend, um die 21:00, in der S42, kurz vor Südkreuz gesehen.

Die Bahn ist voll. Zwischen zwei Türen, nicht weit von mir, stehen zwei Frauen, eine ältere und eine jüngere, um die zwanzig oder weniger. Mit ihnen reist ein Mädchen, bestimmt unter zehn Jahre alt, und ein kleiner Hund mit schwarzer Rückenjacke an der Leine. Sie fallen mir plötzlich auf, weil die junge Frau, mager mit langen schwarzen Haaren und Piercing, in einem angeekelten Ton laut von sich gibt, dass sie hier nicht mehr bleiben könnte und bei der nächsten Station aussteigen müsste. Aus meinem Sitzplatz schaue ich in ihre Richtung. Die Leute um sie herum starren den Boden an und gehen ohne Wort einige Schritte zurück. Dort, vom Hund aus, verläuft eine gelbe Flüssigkeit, mit Gras gemischt. Offensichtlich hat sich der Hund gerade übergeben. Der Zug bremst, wir sind fast am Südkreuz. Die Frauen ziehen an der Leine vom Hund und gehen mit dem Mädchen zur Tür.

Auf der anderen Seite der Tür steht ein Paar. Er ist kahl und hellhäutig, vielleicht Mitte vierzig, sie ist braun mit lockigen Haaren, bildhübsch, und hält eine Rolle Papier in der Hand. Der Mann sagt den Frauen in einem höflichen Ton, sie können doch nicht einfach aussteigen und das Erbrechen da liegen lassen. Die Frauen wirken irgendwie beleidigt, dass jemand es gewagt hat, sie anzusprechen und ihnen Vorwürfe zu machen. „Was sollen wir denn machen?“ fragt die ältere Frau. Er sagt, sie könnten wenigstens mit einem Taschentuch die Flüssigkeit entfernen, die sich immer noch im ganzen Gang im Bremsrichtung verbreitet. Die junge Frau kichert. Die ältere Frau zuckt arrogant mit den Achseln, sagt, sie haben kein Taschentuch, und beide Frauen steigen mit geradem Rücken mit dem Hund aus, ohne um sich herum zu schauen. Das Mädchen schaut besorgt zurück, wird aber mitgeschleppt. Am Bahnsteig angekommen, fragt die alte Frau, ob sie denn das Erbrechen vom Hund hätte lecken sollen. Eine tolle Idee, denke ich, das würde ich gerne sehen, dafür, dass sie nicht mal auf die Idee gekommen ist, sich bei den anderen Gästen überhaupt zu entschuldigen (wäre es nicht das Minimum?).

Die Tür geht wieder zu, wir fahren gleich weiter. Erst jetzt wagt es die junge Frau, dem im Zug gebliebenen Paar anzuschimpfen. Sie ruft „Fickt euch!“ nach ihnen, indem sie den mittleren Finger hoch hebt (und bringt damit wunderbar ihr Niveau zum Ausdruck). „Assis“, denke ich. Ich weiß nicht, ob das Paar die Rufe der Frau gehört haben. Durch die geschlossene Tür habe ich es kaum wahrgenommen, so leise es war, wenngleich die Schimpfworte deutlich waren (ich habe ja feine Ohren). Andere Leute am Bahnsteig haben sie schon komisch geschaut. Der Mann, der einzige, der die Frauen angesprochen hat (alle andere Gäste haben sich vom Anfang an verhalten, als ob plötzlich in die andere Richtung etwas super spannendes statt finden würde), hat auf jeden Fall nichts gemerkt, er stand die ganze Zeit mit dem Rücken zur Tür. Die Frau, die mit ihm reiste, hat gelacht und dem Mann gesagt, „das ist dein Volk“. Das alles sagt schon, was für ein Eindruck Ausländer von Deutschen bekommen.

Eigentlich hätte man die Frauen wegen Beleidigung anzeigen lassen sollen. Ich hatte Zeit, ich hätte mich sogar als Zeugin bereit gestellt. Vom Verhalten und Aussehen der Frauen her glaube ich kaum, dass sie viel verdienen. Es würde ihnen nicht schaden, als Erziehungsmaßnahme Strafgeld für ihr Benehmen zu bezahlen. Schließlich hat mein Vater selber schon auf dieser Weise von einem verbalen Angreifer Geld bekommen. Leider fuhr der Zug schon weg, und wenn die Betroffenen von der Beleidigung nichts merken, kann ich auch nichts für sie machen.


Dieser Beitrag ist ursprünglich auf Meckereien & Co. erschienen.

Mit Kindern fliegen

Für einige eine Herausforderung, wie ich schon mal erfahren durfte.

Gestern sind wir aus unserem verlängerten Wochenende bei meinen Eltern zurück gekommen. Martin wollte meine Familie kennen lernen, und zum Glück hat sich mein Vater einigermaßen normal verhalten, was bei ihm nicht unbedingt zu erwarten ist. Es gab nicht zu viel von seiner üblichen vulgären Sprache zu merken (es hat auch geholfen, dass Martin nicht perfekt Französisch beherrscht), und von seinem letzten Zwischenfall ist er doch nicht so begeistert gewesen, wie ich vermutet hatte, im Gegenteil. So lange sind wir nicht bei ihm geblieben, da wir bei meiner Mutter auch zu Besuch waren. Aber ich weiche vom Thema ab.

Der Rückflug ging nicht direkt nach Berlin, und wir mussten in Frankfurt umsteigen. Wir sind mit Lufthansa geflogen, da wir uns so spät um die Reiseplanung gekümmert haben, dass es keinen großen Preisunterschied mehr mit anderen Fluggesellschaften gab. Wir waren in der letzten Reihe. Vor uns saßen eine ältere Frau am Gang und ein Mann. Der Sitzplatz am Fenster war unbesetzt. Kurz vor dem Start ist eine Stewardess zum Mann gekommen und hat ihm mitgeteilt, er sollte einen anderen Sitzplatz benutzen, als den, den er schon gebucht hatte. Die Begründung: Nur so könnte eine Frau mit ihrer noch sehr jungen Tochter zusammen sitzen. Hatte die Frau es verpennt, sich um die Sitzplatzreservierung rechtzeitig zu kümmern? Mit Martin hatten wir es erst am Tag davor gemacht, und es waren noch einige freie Paare von Sitzplätzen vorhanden. Gut, es kann sein, dass sie im letzten Moment den Flug buchen musste.

Wofür ich weniger Verständnis habe, ist, wie sie sich dabei verhalten hat. Dass der Mann aus seinem Sitzplatz weg musste, schien ihr völlig normal zu sein, sie hat sich nicht mal für die Störung entschuldigt oder dafür bedankt, dass er den Platz für sie frei gemacht hat. Da sie ursprünglich vorne saß, und alle anderen Gästen schon auf ihren Sesseln waren, hat sie ihr Gepäck mitgenommen, um dann festzustellen, dass es keine Möglichkeit mehr gab, es in ihrer Nähe aufzuräumen. Den kleinen Koffer hat sie einfach mitten im Gang gelassen und sich nicht mehr darum gekümmert. Als ein Mitarbeiter vorbei kam und dies merkte, nahm er den Koffer mit, um ihn weiter vorne zu packen, und sagte der Frau, im Gang könnte er nicht bleiben, da die Gehwege frei bleiben sollten. Wie reagierte die Frau? Sie hat sich über den Mann aufgeregt, und dabei versucht, ihre Sitznachbarin in ihrer Lästerei über die Lufthansa einzuwickeln (was erfolglos blieb).

Genau wie die Frau, die die Windel ihres Kindes mitten im Flugzeug gewechselt hat, hätte sie eigentlich die Mitarbeiter im Flugzeug um Hilfe fragen können. Ob sie auf das zweite Kind während des Umziehens des Anderes in den dafür aufgerüsteten Toiletten aufpassen oder den Koffer woanders packen könnten, bestimmt wäre es ohne Problem und ohne Ärger gewesen. Wollen sie sich dadurch als „starke Frauen“ angeben? Der Eindruck, den ich dabei habe, ist vor allem, dass Erziehung und gute Manieren an ihnen vorbei gegangen sind.


Dieser Beitrag ist ursprünglich auf Meckereien & Co. erschienen.

Die Zicke im Zug

Ich bin gestern wieder so lange mit dem Zug gefahren, um meine Katze zu besuchen. Es dürfte das vorletzte Mal sein, ich hoffe sehr, dass ich sie am nächsten Wochenende beim eventuellen Umzug nach Berlin mitnehmen kann. Oder vielleicht kann ich sie schon mitnehmen, auch wenn der Umzug nicht nächstes Wochenende statt findet. Der Mietvertrag für meine neue Wohnung geht erst ab Donnerstag.

Ich war überrascht, dass es so wenige Leute im Zug gab. Gut, ich habe eine andere Verbindung als sonst genommen. Um die gleiche Uhrzeit weggefahren, aber eine Stunde später als sonst angekommen. Ich glaube, wegen Schäden durch Gewitter diese Woche. Das meinte wenigstens eine Kollegin gestern, als ich mich gewundert hatte, warum meine übliche Verbindung nicht zu buchen war und diese so lange dauerte.

Es war also relativ entspannt. Ich bin am Südkreuz eingestiegen und habe mich bequem an meinem reservierten Platz am Tisch installiert. An meinem Tisch saß noch eine Frau mit ihrer Tochter, auf der anderen Seite des Ganges war eine sehr jung aussehende Frau mit zwei Kleinkindern. Alle gut gelaunt und friedlich. Was für ein Kontrast mit den vorherigen Wochen! Die Frau an meinem Tisch meinte, es würde daran liegen, dass die Schulferien in Berlin vorbei sind.

Am Hauptbahnhof sind neue Reisende eingestiegen, und wir haben schnell festgestellt, dass die Sitzplätze doppelt reserviert waren. Da der Wagen so leer war, war es kein Problem. Eine ältere Dame, die bestimmt über 80 war und schwer gehen konnte, ist von ihrer Sitznachbarin für ihr Gepäck geholfen worden. Es hat mich gefreut zu sehen, wie Leute spontan hilfreich sein können, ich habe es in Deutschland nicht so häufig erlebt.

Ich glaube, es war in Hannover, als zwei jungen Frauen zu unserem Wagen eingestiegen sind. Wie die anderen haben sie nach ihren gebuchten Sitzplätzen gesucht und haben sie gefunden: Genau da, wo die ältere Dame mit ihrer Nachbarin saß. Die eine fing gleich an, durch den ganzen Wagen laut zu sagen, dass sie hier reserviert hatten und die beiden Frauen weg gehen sollten. Die ältere Dame konnte nicht viel sagen und hat da gesessen und leicht mit der Hand auf ihrem Stock gezittert (wahrscheinlich eine degenerative Krankheit). Ihre Nachbarin hat erklärt, dass sie ebenfalls diese Sitzplätze reserviert hatten. Die Zicke hat also verlangt, die Fahrtkarten der beiden Frauen zu sehen, und als sie festgestellt hat, dass die Sitzplätze tatsächlich doppelt gebucht waren, fing sie noch an, sich darüber zu streiten, wer denn zuerst die Karten gekauft hätte, weil sie schon in Mai gebucht hatte und meinte, deswegen mehr Anspruch auf genau diese Sitzplätze als die zwei anderen Frauen zu haben, die aber auch durch die Bahn ihre Karten erworben hatten. Wohl gemerkt, der Wagen war noch gut zur Hälfte leer. Der junge Mann hinter mir hat zum Glück sehr schnell reagiert und der Zicke gesagt, dass Sitzplätze doppelt gebucht waren, genau wie seiner auch, und dass sie sich bei den vielen freien Plätzen nicht so anstellen soll und das Geld für ihre Reservierung bei der Bahn zurück verlangen könnte. Daraufhin hat die Zicke endlich die Klappe zu gemacht und ist mit ihrer Reisebegleiterin zu einem anderen Sitzplatz gegangen.


Dieser Beitrag ist ursprünglich auf Meckereien & Co. erschienen.