Vorstellungsgespräche

Mal aus der anderen Seite erlebt.

Ich hatte schon in meiner früheren Uni als Gleichstellungsbeauftragte an Berufungskommissionen teilgenommen. Ich hatte dabei nicht viel zu tun. Ich musste vor allem darauf achten, dass alle Kandidaten fair behandelt werden und keine Diskriminierung statt findet. In unserer Uni hieß „Gleichstellungsbeauftragte“ für viele noch „Frauenbeauftragte“, und ich hatte als Vorgabe, mich für Frauen zu engagieren. Bei meiner ersten Berufungskommission wurde keine Frau eingeladen. Es gab ziemlich genau einen Kandidat. Es handelte sich um eine „Leer-Professur“, die zusammen mit einem Forschungszentrum laufen sollte. Das Forschungszentrum stellte das Geld zur Verfügung, die Uni war nur involviert, um das mit dem „Professor“ zu begründen. Dem Forschungszentrum ging es darum, einen bestimmten Forscher zu behalten, der schon woanders eine neue Stelle gefunden hatte. Es war gar nicht vorgesehen, dass andere Kandidaten sich bewerben. Als Gleichstellungsbeauftragte begann mein Job erst bei den Vorstellungsgesprächen an, ich hatte also wirklich nichts zu tun in diesem Fall. Bei meiner zweiten Berufungskommission wurden eine Frau und vier Männer eingeladen. Ich muss sagen, dass ich die Frau nicht empfehlen konnte. Ich weiß nicht mehr genau, welche Argumente die Mitglieder der Kommission gegen sie gefunden hatten. Meine Bemerkung hat den Ausschlag gegeben: Die Frau hatte einfach kein Forschungsprogramm vorbereitet und hatte während der Diskussion ihren potentiellen Kollegen gefragt, ihr zu sagen, worüber sie denn forschen sollte. Schlecht, wenn man sich auf einer Professur bewirbt. Es wird doch erwartet, dass man selbst eine eigene Forschungsrichtung entwickelt.

Heute war ich nur als zukünftige Kollegin bei den Gesprächen. Wir haben gerade zwei neuen befristeten Postdoc-Stellen mit Kooperationspartnern, und die ausgewählten Kandidaten haben sich heute bei uns vorgestellt und Vorträge gehalten. Unser Chef hatte uns vor zwei Wochen das Programm geschickt, es war mir heute Morgen schon völlig aus dem Kopf gegangen. Gut, dass meine Kollegen darüber gesprochen haben. Die Vorträge selbst habe ich nicht verstanden. Es ist nicht meine Fachrichtung. Vier Kandidaten haben sich vorgestellt, aber ich habe nur drei gesehen, die vierte Person hat den Vortrag über Internet gehalten, ich war nicht dabei. Eine Kandidatin fand ich spontan sehr sympathisch. Ihr Vortrag hat mir gar nicht gefallen. Fachlich kann ich nicht beurteilen, aber sie hatte auf einmal eine sehr unangenehme Stimme, eine arrogante Körperhaltung, und es war sehr mühsam, ihr zu folgen. Als die Fragen kamen, wirkte sie plötzlich wieder ganz anders. Ich habe erst dann gemerkt, dass sie nur extrem nervös beim Vortrag war. Unser Chef meinte danach, er hätte selber nichts verstanden. Und es ist sein Fach. Über den zweiten Kandidaten habe ich gar keine Meinung entwickelt. Zu fade. Der dritte Kandidat hat von weitem den besten Vortrag geliefert. Er gab den Eindruck, fachlich sehr gut zu sein. Er hat auch mehr Erfahrung als die anderen, die gerade ihre Doktorarbeiten abgeschlossen haben. Beim persönlichen Gespräch war er sehr entspannt. Mit Mieke hatten wir auf ihn gesetzt. Martin meinte, dass er zu entspannt wirkte. Er scheint sehr gut über die Mitarbeiter recherchiert zu haben, da er wusste, dass ich erst seit Juli hier arbeite (jetzt weiß ich, wer sich vor kurzem meinen Profil auf LinkedIn angeschaut hat). Über das Projekt für die Stelle wirkte er aber nicht so gut informiert zu sein, oder nicht sehr interessiert. Wir haben Martin gefragt, für wenn er sich am Ende entscheiden würde, und er konnte keine Antwort geben. Ich war kurz darauf, zu sagen, dass es so typisch wäre, da Martin mir unfähig erscheint, irgendwelche Entscheidungen zu treffen (sein schwankendes Verhalten mit mir zeigt, dass er nicht weißt, was er will – er hat auch, seitdem ich ihn kenne, schon drei mal seine Meinung darüber geändert, ob er sich eine Wohnung kaufen will oder nicht). Ich habe meine Bemerkung mit Mühe unterdrückt. Am Ende ist es unser Chef, der die Entscheidung trifft. Seine Beurteilung über die Kandidaten fand ich interessant. Den dritten Kandidat will er nicht unbedingt haben. Er meint, mit seiner Erfahrung müsste er mehr drauf haben, sein Vortrag war zu oberflächlich. Außerdem wäre die Gefahr vorhanden, dass er aufgrund seiner Erfahrung nicht unbedingt alles umsetzen würde, was sich unser Chef wünscht. Genau das Problem hätte er mit meinem Vorgänger erlebt. Andererseits wünscht er sich Leute, die nicht mit der Hand geführt werden müssen, die selbstständig arbeiten und ihre eigene Ideen mitbringen, damit er mit ihnen diskutieren kann – wofür man Erfahrung braucht. Das typische „frisch-aus-der-Uni-mit-zehn-Jahren-Erfahrung“-Profil.

Ich habe heute so gut wie gar nicht arbeiten können. Und am Donnerstag machen wir das gleiche Spielchen wieder, für die zweite Stelle.


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Bewerbungsstatistik

Jetzt, wo ich meinen neuen Arbeitsvertrag unterschrieben habe, wollte ich mir die Statistik meiner Bewerbungen seit meiner Anmeldung als Arbeitssuchende[1] genauer anschauen. Ich habe ja für die Arbeitsagentur immer meinen Stand der Bewerbungen mit Excel bearbeitet, es sollte schnell gehen.

Insgesamt habe ich 149 Bewerbungen geschrieben. Für einige mag es sich unglaublich hoch anhören, aber es ist in meiner Branche nicht unüblich. Bei promovierten Akademikern in der Chemie habe ich häufig von 200 oder sogar 300 Bewerbungen gehört. Ich liege damit eher im unteren Bereich, ich hätte mehr Bewerbungen schreiben können. Von diesen 149 Bewerbungen habe ich 77,2% Absagen bekommen und bei 3,4% habe ich nicht mal eine Empfangsbestätigung bekommen. Es hat sich also seit der Zeit meiner Promotion vor zehn Jahren stark verbessert, weil damals aus meiner Erfahrung eine Empfangsbestätigung oder überhaupt eine Antwort eher die Ausnahme war. Bei 10,7% meiner Bewerbungen bin ich zu einem Gespräch eingeladen geworden. Aus den 19,5% übrig gebliebenen Bewerbungen, bei denen ich seit der Empfangsbestätigung nichts mehr gehört habe, wären wahrscheinlich auch Absagen geworden, da diese noch offenen Bewerbungen schon zu lange liegen[2]. Falls ihr euch in diesen Zahlen grob erkennt: Nur nicht aufgeben! Ein Freund hat mir letzte Woche von einem seiner ehemaligen Arbeitskollegen erzählt[3], der gerade nach zwei Jahren Arbeitssuche endlich etwas gefunden hat. Es gibt aber auch Fälle, wo Leute nicht mal 20 Bewerbungen geschickt haben und sofort erfolgreich wurden, siehe meine Kollegin.

Ich muss sagen, ich habe großes Glück mit dieser Stelle gehabt. Hätte sie nicht geklappt, wäre ich immer noch arbeitslos, hätte am Montag eine dreimonatige Weiterbildung in Qualitätsmanagement angefangen[4] und müsste heute an einem Gruppentreffen bei der Arbeitsagentur teilnehmen, um über die Beantragung von Hartz IV informiert zu werden[5]. Ich bin froh, dass es mir erspart wurde. Ich muss mich unbedingt bei Theo, meinem früheren Kollegen, bedanken, der mich meinem neuen Chef bei der Fachtagung in März vorgestellt hat. Es ist die einzige Stelle, bei der ich den Ausschreibungstext nicht gesehen hatte, weil sie nicht in einer Jobbörse stand sondern nur in einer von mir unbekannten Mailing-Liste bekannt gegeben wurde. Ich hätte mir echt gewünscht, dass meine ehemaligen Institutsleiter oder Chef, mit denen ich immerhin über zehn Jahren gearbeitet habe, mich so aktiv unterstützt hätten, wie dieser Kollege, mit dem ich nur kurz während meiner Diplomarbeit vor vierzehn Jahren über Email Kontakt hatte und den ich sonst so selten getroffen habe.

Jetzt bleibt mir nur noch, die Personalbearbeiter bei den noch offenen Bewerbungen zu informieren, dass meine Bewerbungen nicht mehr aktuell sind. Ich habe heute Morgen angefangen, und brauche noch einige Zeit dafür.

[1] Schon ein Jahr! Wie die Zeit vergeht…
[2] Ich habe heute Nachmittag einen Anruf verpasst. In der Nachricht sagte der Mann, er möchte sich mit mir über meinen Lebenslauf unterhalten.
[3] Ja, das berühmte „ein Freund von einem Freund“…
[4] Ohne Erfolgsgarantie bei späteren Bewerbungen in diesem für mich neuen Bereich.
[5] Bei der Stelle in Holland haben sie mich zwar ganz kurz nach dem Gespräch angerufen, aber doch nur um mir auf diesem Wege eine persönlichere Absage zu erteilen.


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Ein Tag in Karlsruhe

Gestern war schon hart. Ich bin um 05:00 aufgestanden, um mit einem Zug gegen 06:00 zu fahren. Die Idee war, um die 09:00 in Karlsruhe anzukommen, um eine Stunde Zeit zu haben, bis zum Ort des Vorstellungsgespräches zu fahren. Es war warm, der Zug wurde schnell voll, es war eine gute Idee, einen Sitzplatz reserviert zu haben. Ich saß an einem Tisch. Auf der anderen Seite des Ganges saß eine Frau in Begleitung von einem Arbeitskollegen. Sie fuhren zu einer Stadt, deren Namen ich schon vergessen habe, um bei einer Messe Ergebnisse vor verschiedenen Firmen vorzustellen – das habe ich erfahren, weil sie sich die ganze Zeit mit einer Freundin am Telefon unterhalten hat. Sie war dabei so laut, dass ich beschlossen habe, mir im Speisewagen in Ruhe ein Croissant mit Kaffee als Frühstück zu gönnen. Als ich zehn Minuten später zurück kam, war sie immer noch am quatschen. Zum Glück sind wir dann durch Tunnels gefahren, die Verbindung wurde mehrmals abgebrochen, und sie hat eingesehen, dass es keinen Sinn machte, weiter telefonieren zu wollen.

In Karlsruhe ist mir erst aufgefallen, dass es ein sehr warmer Tag werden würde. Ich hatte eins vor der Fahrt vernachlässigt: Mich über das Wetter zu informieren. Mit meinem Kostüm war ich schnell verschwitzt. Ich habe die Jacke ausgezogen und bin mit öffentlichen Verkehrsmitteln zum Forschungszentrum gefahren. An der Pforte waren andere Gäste vor mir, die ebenfalls einen Besucherausweis brauchten. Es hat so lange gedauert, dass ich trotz schnellen Laufens mit fünf Minuten Verspätung zum Termin angekommen bin. Das Institut liegt gut zehn Minuten zu Fuß von der Pforte entfernt. Die Sonne hat auf dem Weg voll geknallt. Auf den Wiesen habe ich die gleichen gelben Blumen wie in meiner Heimat gesehen. Ich habe gedacht, allein wegen des Wetters wäre es schon toll, dort zu arbeiten.

Ich habe im Gebäude die Jacke wieder angezogen und bin zur ersten Etage gegangen. Von meinem Empfang bin ich enttäuscht gewesen. Die Organisatoren haben es scheinbar für unnötig gehalten, irgendwelche Getränke anzubieten – dass habe ich noch nie erlebt, ich hatte bei allen anderen Gesprächen immer mindestens einen Kaffee oder Wasser angeboten bekommen. Vor allem bei der Hitze hätte ich es gestern nötig gehabt. Es sagt für mich schon einiges darüber aus, wie das Wohlbefinden der Mitarbeiter an diesem Institut geschätzt wird. Ich bin zu einem Raum gebeten worden, der trotz vielen Fenstern sehr dunkel wirkte. Zwei Personen waren da, der noch junge Institutsleiter und die Gleichstellungsbeauftragte[1]. Der Institutsleiter hat sich am Tisch gegenüber von mir mit dem Rücken zu den Fenstern so platziert, dass ich ihn kaum sehen konnte: Ich habe die ganze Zeit mit einer dunklen Gestalt gesprochen, deren Gesichtszügen ich nicht mal erkennen konnte. Von dem Gespräch bin ich auch nicht überzeugt gewesen. Es war interessant, aber obwohl ich die Anforderungen erfülle, denke ich nicht, dass ich für die Stelle geeignet bin[2]. Nach dem Gespräch habe ich mit der Leiterin der Personalabteilung kurz gesprochen und einige organisatorischen Fragen geklärt.

Kurz nach 11:00 war ich schon fertig. Ich habe Michael, einen ehemaligen Kollegen, angerufen, der fünf Jahren in meinem früheren Institut gearbeitet hat, bevor er zum Forschungszentrum gewechselt ist. Er hat mir die Maschine gezeigt, die er jetzt am Synchrotron betreut. Wir haben über die Nutzer gelästert, die manchmal mit Proben ankommen, aber gar nicht wissen, was sie damit anstellen wollen, wobei ich mich dann frage, wie sie einen erfolgreichen Antrag auf Messzeit schreiben konnten – ich werde in Berlin bestimmt den gleichen Ärger bekommen. Wir haben mittags in der Kantine zusammen gegessen. Es war so warm, bestimmt um die 35°C, dass ich die Jacke meines Kostüms nicht mehr angezogen habe. Nach dem Mittagessen hatten wir eine lange Kaffeepause, und ich konnte danach andere wissenschaftliche Geräte sehen. Ich hatte für einen Zug um 17:00 reserviert und Michael hat mich zum Bahnhof mit seinem Auto gefahren.

Bei der Rückfahrt hat sich mein Ischias plötzlich wieder heftig gemeldet. Ich habe zum ersten Mal seit langem gedacht, wie schön es wäre, eine Diclofenac-Tablett dabei zu haben. Zum Glück war es mir im ICE bequem genug, und der Schmerz hat nachgelassen. Ich habe die Nürnberger Würstchen mit Kartoffelsalat im Speisewagen gegessen, ich wollte sie schon lange mal probiert haben. Das kühle Weizenbier dazu war super – der Speisewagen war der einzige Wagen ohne Klimaanlage. Der Zug hatte Verspätung und ich musste mit einem späteren Anschlusszug weiter fahren. Meine Mami hat mich angerufen, um über den Verlauf des Gespräches informiert zu werden, aber ich saß noch im Zug und die Verbindung war schlechter Qualität. Im Zug war auch eine Truppe von Rentnern anwesend, die sich auf der Treppe zwischen beiden Etagen niedergelassen hatte. Dabei war eine Frau, die so laut ihre Meinung über alles Mögliche ununterbrochen sagen musste, dass die Frau vor mir ausgerastet ist und selber noch angefangen hat, sich laut über die Frau zu beschweren. Ich war froh, aus dem Zug auszusteigen.

[1] Gleichstellungsbeauftragten habe ich allerdings bei Gesprächen in der Industrie nie gesehen, nur an Unis oder Forschungszentren.
[2] Außerdem habe ich vorgestern per Email eine gescannte Kopie meines neuen Arbeitsvertrages in Berlin bekommen, den unterschreibe ich am Montag.


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Ich glaube nicht daran

Ich sitze gerade im Zug aus Holland zurück und habe noch etwa zwei Stunden Zeit, bis ich kurz nach Mitternacht wieder zu Hause bin (und diesen Eintrag veröffentliche). Wenigstens ist das ältere Paar, das vor mir saß, endlich weg. Sie haben die ganze Zeit, wie soll ich sagen, schlechte Gerüche von sich raus gelassen. Es war immerhin gut überlegt, eine Zugverbindung mit möglichst langen Umsteigezeiten zu planen. Alle Züge hatten heute Morgen mindestens fünf Minuten Verspätung.

Mit dem Gespräch von heute Nachmittag bin ich nicht zufrieden. Wir haben vieles diskutiert, auf Englisch, und ich habe gezeigt, dass ich fachlich sehr gut für die Stelle passe, trotzdem denke ich, es wird ein Flop. Ich glaube langsam, mir fehlt bei Vorstellungsgesprächen einfach an Arroganz, um in der freien Wirtschaft zu arbeiten. Es fällt mir schwer, zu behaupten, dass ich besser als andere Kandidaten bin, die ich nicht kenne, und das auch noch zu begründen, obwohl es offensichtlich von mir erwartet wird. Mann, wie ich diese blöden Fragen hasse, selbst wenn ich mir längst eine parate Antwort überlegt habe. Es ist für mich fast genauso schlimm wie die Frage, warum man sich bei einem bestimmten Unternehmen beworben hat. Dass man arbeitslos ist, nach Arbeit sucht und auf der Profilbeschreibung passt, darf man nicht sagen. Nein, man muss immer irgendwas erzählen, um glaubhaft zu machen, dass man in erster Linie eine große Vision hat und nicht daran interessiert ist, Geld zu verdienen. Hypokrisie pur. Ich habe etwas erzählt, das meiner Meinung nach für die Firma eine wichtige Entwicklung in der Software für Datenverarbeitung wäre (sie stellt analytische Instrumente in meiner Branche her). Es war ein kompliziertes Thema, aber der Gruppenleiter hat ja gesagt, dass er Physik studiert hat. Ich habe den Eindruck bekommen, er hat doch nicht verstanden, was ich ihm gesagt habe. Und hat deswegen eine Reaktion gehabt, die für mich blöde Situationen verspricht, falls ich dort arbeiten sollte: Er hat dann behauptet, es wäre wahrscheinlich gar nicht nötig, diesen Punkt zu verbessern. Obwohl er am Anfang noch gesagt hatte, ein Ziel wäre es, besser als eine andere bestimmte konkurrierende Firma zu sein, bei der ich weiß, dass genau dieser Punkt eine schwache Stelle ist. Eine Dank-Email muss nach einem Vorstellungsgespräch geschickt werden, ich glaube, ich hänge dran mein Poster der letzten Tagung als PDF, in dem ich das Problem genauer beschrieben habe. Tja, ich dürfte spätestens in zwei Wochen Bescheid wissen. Wenn ich nichts höre, brauche ich dann nicht länger zu warten.

Ich werde mich jetzt damit beschäftigen, den Flug zu meinen Eltern zu buchen. Ich muss noch morgen die ganzen Reisekosten dieser Woche beantragen, ein Blatt zur Arbeitsagentur für die Weiterbildung schicken, und eventuell mit Mei mittags essen gehen, falls sie das zwischendurch nicht vergessen hat und ich früh genug aufwachen kann. Ich bin jetzt wirklich müde. Gut, dass ich auf meinem Laptop einige meiner CDs kopiert habe. Eine gefällt mir sehr, die ich gerade höre: Flamenco arabe von Hossam Ramzy an der Tabla und Jose Luis Monton an der Gitarre. Einfach herrlich, diese beide Musiker zusammen. Gerne hätte ich eine Choreographie darüber gelernt, aber meine damalige Bauchtanzlehrerin wollte es nicht. Sie mag Hossam Ramzy nicht, sie findet seine Musik zu klassisch. Schade.


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Vorstellungsgespräch in Berlin

Das Kostüm für morgen ist gebügelt, das Butterbrot ist geschmiert. Ich wollte noch vor dem Gespräch von morgen in Holland über den Verlauf des gestrigen Tages berichten.

Das Institut lag gerade zehn Minuten vom Hotel entfernt. Als ich zum Gebäude ankam, habe ich einen jungen Mann mit schwarzem Anzug ankommen gesehen. Ich habe vermutet, dass er Mitkandidat #1 wäre, und hatte recht. Wir haben uns gegenseitig vorgestellt und auf den bequemen Sesseln im Eingang ein wenig diskutiert. Kurz danach kam mein zweiter Mitkandidat #2 an. Wir haben da gewartet, bis unsere Gesprächspartner angekommen sind. Sie sind zum Hörsaal für die Vorträge gegangen und wir konnten unsere Präsentationen auf dem Laptop kopieren.

Ich war von der Ausstattung vom Hörsaal enttäuscht. Es gab kein Pult, der Laptop wurde einfach auf einem Stuhl der ersten Reihe gestellt, und wir haben einen einfachen Laserpointer bekommen, der keine Fernbedienung fürs Laptop hatte. Irgendwie hat mich der starke Eindruck nicht verlassen, dass ich schon mal in dem Hörsaal gesessen hatte. Bei einer früheren Fachtagung? Es kann sehr gut sein, ich komme nur nicht mehr drauf. Kurz danach ist die dritte Mitkandidatin angekommen, sie sprach kein Deutsch und hatte sich auf dem Weg verlaufen. Hätte ich doch allen angeboten, zusammen am Abend vorher essen zu gehen, wie ich am Wochenende gedacht hatte, hätten wir gemeinsam zum Vorstellungsgespräch gehen können. Wir waren sowieso noch nicht so weit und wurden mehrfach so insistent über den Kaffeeraum im ersten Geschoss informiert, dass wir auch dorthin unseren „Prüfern“ gefolgt sind. Ein der beide Männer, #1, meinte, es wäre bestimmt dazu gedacht, damit wir uns vor den Vorträgen entspannen können, es war für ihn aber das allererste Vorstellungsgespräch, weil er gerade im Schreiben seiner Doktorarbeit steckt, und er meinte, er würde sich nicht trauen, noch irgendwas zu schlucken, das Frühstück war ihm schon schwierig genug gewesen. Gutmütig wie ich bin, habe ich auch noch versucht, ihn aufzumuntern. So eine blöde Kuh kann ich manchmal sein.

Die Vorträge selbst kamen mir danach sehr schnell vor. Ich war als zweite dran und war als Physikerin die einzige, die nichts mit Biologie zu tun hat. Wir teilen nur eine gemeinsame Messmethode. Ich habe den anderen zugehört und war dabei froh, wenn ich irgendwas von ihren Ergebnissen verstanden habe. Sie haben mir aber gesagt, bei meinem Vortrag ging es ihnen genauso. Und ich dachte, ich hätte extra versucht, didaktisch zu sein… Der Vorteil war, dass ich am Schluss gar keine fiese Frage bekommen habe. Bei meinen Mitkandidaten sind teilweise solche Fragen gestellt worden, bei denen ich dachte, es war offensichtlich, dass die „Prüfer“ sie durchbohren wollten. Bei Mitkandidat #1 waren die Fragen sogar auf einem solchen Grundniveau, dass ich es als beleidigend für ihn empfunden hatte. Aber offensichtlich konnte er mit der Frage nichts anfangen.

Nach den Vorträgen wurde es schon Zeit für die Mittagspause. Wir sind zu viert alleine geblieben und haben beschlossen, zur Mensa zu gehen – was uns nach ein bisschen Verlaufen tatsächlich gelungen ist. Nachmittags hatten wir individuelle Gespräche. In der ersten halben Stunde hatte ich frei, zusammen mit der anderen Mitkandidatin, und wir haben auf den Sesseln auf der zweiten Etage geplaudert. Sie sagte, sie wollte vor allem in Deutschland arbeiten, weil ihr Freund auch hier ist. Ich habe ihr über meine Erfahrungen in Deutschland erzählt. Sie hat mir gesagt, unsere zwei Mitkandidaten würden ihr Angst machen. Wahrscheinlich würden sie eher die Stelle bekommen. Ich fand es frech, dass sie mich nicht als ernste Mitkandidatin betrachtet hat. Danach habe ich eine Gruppenbesprechung gehabt, die meiner Meinung nach gar nicht schlecht lief, und nach der Besprechung sollte ich eine halbe Stunde mit dem aktuellen Inhaber der Stelle sprechen.

Wir haben einen Kaffee geholt und auf der Terrasse draußen diskutiert. Es wurde eine ganze Stunde. Mir ist danach aufgefallen, weil wir den Tagesablauf per Email bekommen hatten, dass es vorgesehen war, dass er nur mit mir spricht und nur eine halbe Stunde, meine Mitkandidaten waren mit anderen Mitarbeitern beschäftigt. Ein gutes Zeichen? Wir haben über vieles diskutiert. Ich fand ihn sehr sympathisch. Er hat auch eine Katze, die er leider nicht nach Berlin mitnehmen konnte. Berlin mag er sowieso nicht. Er hat mir erzählt, dass er es müde war, so viele befristete Verträge in der Wissenschaft durch zu machen, und dass er sich endlich mal niederlassen möchte. Er ist zu dem Schluss gekommen, dass es als Wissenschaftler nicht möglich ist, und hat jetzt ein neues Studium fürs Lehramt begonnen. Diese verbitterte Erkenntnis ist mir leider allzu oft zu den Ohren gekommen. Wissenschaftler im öffentlichen Dienst in Deutschland haben es schwer. Und es ist kein Leben, ständig für einen zwei oder drei Jahren langen Vertrag umziehen zu müssen. Dabei kann man keine Pläne für die Zukunft machen. Kein Haus kaufen. Keine ernste Beziehung aufbauen, zum Beispiel, das habe ich bei jedem meiner Umzüge bis jetzt festgestellt. Es ist kein Zufall, wenn ich jetzt lieber ledig bleibe. Ich habe selber häufig genug feststellen müssen, dass es keinen Zweck hat. Genau das hat mir ein anderer Wissenschaftler aus meiner Uni letztes Jahr auch erzählt, der Mitte vierzig ist. Auf einen Punkt waren wir uns gestern einig: Es ist eine Schande, wie wenig Geld Wissenschaftler an Großforschungseinrichtungen in England verdienen. Zwischendurch haben wir uns auch daran erinnert, über die Stelle sachlich zu sprechen. Am Ende hat er mir angeboten, im Büro über die Webcam die wissenschaftlichen Geräte zu schauen. Genau dort haben wir Mitkandidatin #3 im Gespräch mit den anderen Mitarbeitern gefunden. Danach hat sie mir mehrmals gesagt, „Wow, du warst eine ganze Stunde mit ihm?“ Worauf ich geschlossen habe, dass es doch möglich ist, dass ich für diese Stelle tatsächlich in Frage komme, obwohl meine Biologiekenntnisse aus dem Gymnasium stammen. Wichtig für die Stelle ist ja, dass man gut programmieren kann, und ich konnte aus meinen Mitkandidaten nicht erkennen, dass sie jemals programmiert hätten.

Als wir alle durch waren, haben wir im Kaffeebereich gewartet, weil wir noch die Formulare für die Reisekosten bekommen sollten. Mitkandidat #1 hat erzählt, dass es ihm während des Gruppengespräches empfohlen wurde, sich auf eine andere Stelle bei denen zu bewerben. Es klang, als ob sie ihn nicht für diese Stelle haben wollten. Ich fand’s hart, dass er auf dieser Art bei einem ersten Vorstellungsgespräch inoffiziell aber direkt eine Absage am gleichen Tag bekommt. Die zwei anderen haben nichts Besonderes über ihr Gespräch erzählt. In meinem Gespräch haben sie mir ausdrücklich gesagt, was ich alles nachzuholen hätte, wobei ich geantwortet hatte, dass es mir bewusst ist, ich aber über eine schnelle und gute Auffassungsgabe verfüge und es als kein Problem betrachte. Ich bin es allerdings nicht gewöhnt, mich selbst so affirmativ zu loben, aber es stimmt, lernen kann ich gut und schnell, meine (wenige) neidische Kommilitonen haben es während meines Studiums hinterlistig häufig zum Ausdruck gebracht – haben mich deswegen gemobbt, was mir aber egal war, ich habe es nicht als eine schlechte Erfahrung eingestuft und hatte eher Mitleid für sie. Winfried, ein der drei „Prüfer“, mit dem ich bei der Tagung in März zuerst geredet hatte, hat mit mir gesprochen und sich mit mir so verhalten, als ob er mich schon als eine seiner Mitarbeiter betrachten würde. Aufgrund meiner vielen Pleiten nach Vorstellungsgesprächen will ich mir keine Hoffnung machen, aber irgendwie ist die Hoffnung doch da. Ich hoffe sehr, dass ich nicht wieder enttäuscht werde.


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Jubelstimmung

Denn ich gerade meine Emails abgerufen habe, und drin war eine neue Einladung für ein Vorstellungsgespräch. Nächste Woche Donnerstag nachmittags, in Holland. Zwischen vier und fünf Stunden Zug. Hin. Das ist noch in einem Tag zu schaffen.

Dann muss ich noch für das Vorstellungsgespräch nächste Woche Dienstag in Berlin einen Vortrag vorbereiten. Ich weiß, ich habe schon vor kurzem einen Vortrag halten müssen. Aber jetzt muss es auf Englisch sein, und die Leute, die es hören, sind keine Laien in meinem Gebiet wie beim letzten Mal. Ich muss also weniger über die Methoden und mehr über die Ergebnisse erzählen. Und nebenbei auch mir das Programm herunterladen und anschauen, das mit Python umprogrammiert werden soll. Das war, neben der Gerätebetreuung für Messgäste, die Haupttätigkeit, die ich mit den Anbietern der Stelle bei der Tagung in März diskutiert hatte. Problem: Das Programm ist für große biologische Strukturen gedacht, ich habe aber nur Erfahrung mit kleinen anorganischen Strukturen. Nun, das wissen sie, ein großes Hindernis kann es also nicht sein.

Ich habe morgen Vormittag einen Termin bei einer der drei Firmen, die die Qualitätsmanagement-Weiterbildung anbieten. Ich habe zuerst diese ausgewählt, weil sie am einfachsten von zu Hause aus mit dem Bus zu erreichen ist, es gibt viele Buslinien, die ohne Umstieg dahin fahren. Sonst sind sie alle vom Programm aus ziemlich gleich.

Sollte es mit der Weiterbildung klappen, und sollte ich nichts Besonderes von den beiden Stellen hören, werde ich Anfang Juni zu meinen Eltern fliegen. Sonst hätte ich bis Ende September keine Gelegenheit mehr dazu. Und es wäre gar nicht so schlecht, ausnahmsweise im Mittelmeer schwimmen zu können, bevor die ganze Touristenmeute auftaucht und ihren Dreck am Strand hinterlässt. Das habe ich während meines Studiums häufig gemerkt. Ich hatte im Frühling am Wochenende gerne mit einer Freundin vormittags am Kiesel-Strand gelernt (Sand haben wir dort nicht), gerade 40mn zu Fuß vom Campus entfernt. Um 08:00 ist keiner auf der Prom‘ außer die Jogger, man kann wunderbar den Tag mit ein bisschen Brustschwimmen beginnen, und man muss beim Lernen nur darauf aufpassen, dass der Wind die handgeschriebenen Notizen nicht weg reißt. Die Qualität vom Meereswasser ist im Mai-Juni wirklich nicht mit der Hochsaison in Juli-August zu vergleichen. Ob Meereswasser gegen Psoriasis hilft…


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Heute Morgen

Ich bin zu meinem Termin beim Arbeitsamt gegangen. Besser gesagt, mit dem Bus gefahren. Vorne war ein Sitzplatz frei, den ich beansprucht habe. Es war ziemlich warm im Bus, bei mir in der Wohnung friere ich zurzeit. Drei Haltestellen und eine Bauarbeit später, hat es einen Fahrerwechsel gegeben. Ein gut aussehender und sehr netter junger Fahrer hat unseren Bus übernommen. Blöderweise war ich trotz zwei Kaffees genau in dem Moment nur noch am Gähnen, was er ziemlich lustig fand. Ich sollte häufiger um die Uhrzeit mit dieser Linie fahren, es war eine gute Abwechslung von unseren sonst Muffelfahrern.

Nach dem Bus brauchte ich nur fünf Minuten bis zur Arbeitsagentur. Ich war ein bisschen früh da und habe im Flur vor der Tür gewartet. Es war sehr warm dort, sie heizen bestimmt noch, ich musste meine Jacke aus Wolle ausziehen (ich habe sie gerade zu Hause wieder angezogen, Mitte Mai heize ich definitiv nicht mehr, verflucht noch mal). Um 09:00 habe ich an der Tür geklopft und habe meinen Bearbeiter zum ersten Mal gesehen. Ich hatte sonst nur Email-Kontakt oder Telefongespräche mit ihm gehabt. Er sah gar nicht aus, wie ich ihn mir vorgestellt hatte. Er ist bestimmt über 50, mit schon grauem kurzem Bart, pummelig, und sehr nett. Ich muss hier schon Glück haben, wenn man hört, wie es in anderen Jobcenters ist, bisher fand ich meine Bearbeiter bei persönlichen Gesprächen immer sehr freundlich und hilfreich. Er hat angefangen, mir über die Firmen zu erzählen, die die Weiterbildung Qualitätsmanagement anbieten. Er hat mir die Flyers der Firmen gedruckt, und alle bieten sogar zusätzlich zur QM-TÜV-Zertifizierung das Six Sigma Green Belt an. Da ich es in vielen Stellenausschreibungen gefragt gesehen habe, bin ich von der Weiterbildung begeistert. Mein Berater hat dann gesagt, dass ich weiterhin das volle Arbeitslosengeld bekommen würde. Ich hatte es nicht erwartet, aber es stimmt. Es ändert sich etwas, aber gar nicht, wie ich dachte, da ich sogar durch die Weiterbildung einen Monat mehr an Arbeitslosengeld bekomme. Ich habe gestaunt. Mir bleibt jetzt nur noch die Unterlagen genau zu lesen, und Terminen bei beiden Firmen in der Stadt zu vereinbaren, um mehr über die Weiterbildung zu erfahren, bevor ich entscheide, zu welcher ich gehe. Und die Weiterbildung ist zwar Vollzeit geplant, aber ich hatte im Kopf „meine“ Vollzeit an der Uni, und sie entspricht gar nicht der normalen Vollzeit, da der Tagesablauf nur bis 16:30 geplant ist, es bleibt also noch viel Zeit abends übrig.

Nach dem Termin wollte ich zu Fuß nach Hause gehen, und unterwegs Lebensmittel einkaufen. Ganz untypisch für mich, mitten in der Woche. In meinem üblichen Supermarkt am Theater war eine Frau an der Kasse, die ich sonst nur selten sehe, eine andere Französin, wie ich. Es ist blöd, dass wir nur an der Kasse ab und zu plaudern. Ich habe viel Obst und Gemüse gekauft, und zum ersten Mal im Jahr sogar Aprikose. Die sind klein, rötlich orange und kommen aus Spanien. Und sie schmecken super, obwohl für mich die Aprikosenzeit erst Juni-Juli ist (wir hatten früher im Garten bei meinen Eltern einen Aprikosenbaum). Ich habe viel mehr gekauft als ich wollte, da mir einfiel, dass ich noch Milch brauchte, und Gnocchi waren im Angebot – da ich noch Kapern von meiner letzten Caponata übrig hatte, konnte ich mittags Gnocchi mit einfacher scharfer Tomaten-Kapern-Sauce machen, lecker.

Mit meinen Schuhen war es übrigens doch nicht so toll, nach Hause zu gehen, ich habe hinter beiden Knöcheln jetzt dicke Blasen, die rechts ist beim Gehen auch geplatzt. Es sind flache schwarze Mokassins, ich hatte sie seit dem Anfang vom Winter nicht mehr getragen. Und mein Ischias hat mir wieder weh getan. Das tut er seit letzter Woche, deshalb bin ich noch nicht zurück zum Fitness-Studio gegangen. Na ja, ich war wieder dort Sonntagnachmittag, habe eine Stunde Cross-Training gemacht, über 500kcal gebrannt, und habe Schmerze. So ein Mist.


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Homepage – Weiterbildung – Einladung

Irgendwie sind die letzten Tage sehr schnell vergangen. Ich habe angefangen, an meiner persönlichen Homepage zu arbeiten. Zuerst offline, auf meinem Rechner. Ich kümmere mich später um den Provider und die Domain-Registrierung. Wie ich das mache: Kein besonderes Programm, „einfach“ .html Dateien in meinem Lieblingstexteditor bearbeiten, Emacs. Ich habe sogar ein Stylesheet in .css gemacht, zum allerersten Mal. Das hat also viel Zeit gekostet. Ich gehöre auch zu den Leuten, die nichts merken, wenn sie intensiv am Arbeiten sind. Das heißt, dass ich mich schon dazu gezwungen habe, ins Bett zu gehen, weil es schon über 01:00 morgens war. Aber es macht Spaß. Mein Design ist fertig, ich brauche nur noch den Inhalt zu schreiben. Warum ich das tue? Ich habe in mehreren Artikeln gelesen, dass man als Bewerber eine persönliche Homepage haben sollte. Also los. Ich konnte sogar ein der neuesten Bewerbungsfotos benutzen, die ich gestern bei meiner Fotografin abgeholt habe. Mein einziges Problem ist das Einfügen eines Kontaktformulars mit captcha in meiner Kontaktseite. Es gibt verschiedene Versionen im Internet, die man mit einem Link einbetten kann, aber damit gebe ich mich nicht zufrieden. Ich möchte lieber einen Stück Code haben, statt irgendein Link einzufügen, bei dem ich nicht weiß, wie lange es gültig bleibt. Und auch weil ich für jede Seite drei Versionen habe, auf Deutsch, Englisch und Französisch. Das Formular soll bitte schön in allen drei Sprachen gleich aussehen, nur mit übersetzten Feldern. Natürlich schaut man sich den Quelltext von professionellen Seiten an. Aber der Code ist auf so vielen Seiten verteilt… Ich gebe erstmal auf, ich versuche es am Schluss wieder. Mit JavaScript habe ich noch nie gearbeitet.

Gestern ist Mei zu Besuch gekommen. Da ich viel Caponata gekocht hatte, haben wir mittags bei mir gegessen. Sie ist mit Datensätzen gekommen und brauchte Hilfe bei deren Auswertung. Irgendwas stimmte nicht, wir haben das Problem noch nicht gelöst. Sie hat mir den letzten Klatsch vom Institut erzählt. Natürlich ging’s um Lars. Er hat anscheinend bei einer Lehrveranstaltung, die Mei besucht hat, einen großen Quatsch erzählt. Mei hat ihm zuerst geglaubt und in ihrem Institut das frisch Gelernte weiter erzählt. Eine Kollegin dort wusste aber besser und hat ihr bewiesen, dass es falsch war (was nicht schwierig ist). Damit steht das Institut ziemlich blöd rum. Nicht nur bei uns, auch Wissenschaftler in anderen Instituten wissen jetzt, was für einen Clown wir da auf Dauer eingestellt haben, und dass man keine zuverlässige Information von uns bekommen kann. Mir soll’s egal sein, ich arbeite nicht mehr dort. Aber meine Chancen auf einen neuen Job verringern sich, wenn das heruntergekommene Niveau von unseren Lehrveranstaltungen sich rum spricht.

Ich habe heute sonst weiter fleißig Bewerbungen geschickt. Mein Bearbeiter am Jobcenter hat mir eine Einladung geschickt, um mit ihm nächste Woche über die Weiterbildung in Qualitätsmanagement ab Juni zu diskutieren und den Bildungsgutschein zu bekommen. Ich muss ihn dabei definitiv fragen, ob ich dadurch weniger Geld vom Arbeitsamt bekomme. Ich hatte nicht daran gedacht, bis meine Mami mich am Telefon fragte, ob ich während der Weiterbildung weiterhin Geld bekommen würde. Und tatsächlich:

Die Anspruchsdauer des Arbeitslosengeldes mindert sich während der geförderten Weiterbildung für jeweils zwei Tage des Bezuges nur um jeweils einen Tag. Eine Minderung der Anspruchsdauer unterbleibt ganz, wenn bereits zu Beginn der Weiterbildung die Anspruchsdauer 30 Tage oder weniger beträgt. Wird durch die Minderung während der Weiterbildung eine Anspruchsdauer von 30 Tagen erreicht, unterbleibt eine weitere Minderung der Anspruchsdauer. So ist sichergestellt, dass Sie nach Ende der Weiterbildung bei ggf. weiterhin vorliegender Arbeitslosigkeit noch einen Anspruch auf Arbeitslosengeld für mindestens 30 weitere Tage – wenn Sie zu Beginn der Weiterbildung nur noch einen Restanspruch von weniger als 30 Tagen hatten, höchstens diesen Restanspruch – geltend machen können.

Ich glaube, in meinem Fall gäbe es keine Änderung, denn ich seit Oktober arbeitslos bin. Hmm, vielleicht doch. Ich frage trotzdem lieber nach.

Und, tadaaa! Ich habe heute einen neuen Termin für ein Vorstellungsgespräch Ende Mai bekommen. Eine der Stellen, die sich bei der Tagung in März ergeben haben, bei der ich aber dachte, dass ein der beiden Chefs von mir nicht begeistert wäre. Er hat eine Rundmail an allen Kandidaten geschickt. Wir machen an dem Tag anscheinend eine Art Gruppenvorstellungsgespräch. Außer mir sind noch drei anderen Personen eingeladen. Wenn es klappt muss ich Python lernen. Es geht um Programmierung (mit wissenschaftlichem Bezug). Ich hätte Informatik statt Physik studieren sollen.


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Neue Woche

Schlechter als letzte Woche kann sie nicht anfangen. Die nächste „wichtige“ Stellenanzeige, für die ich sehr gut passe, hat ihre Bewerbungsfrist am 1. Mai, also noch ein bisschen Geduld, bevor ich etwas höre. Der Vorteil wäre, dass die Stelle in München ist, und diese Stadt gefällt mir sehr. Ich will auch meine Wochenenden im Englischen Garten verbringen. Ach ja, ich habe mich auf eine andere Stelle dort beworben, als zweite Kontaktwissenschaftlerin für ein Großforschungsgerät, aber obwohl ich sehr gut geeignet wäre, erwarte ich dort nichts. Ich habe mich nur beworben, weil die Stelle in der Jobbörse der Arbeitsagentur stand, ich will Vorwürfe vermeiden. Diese Stelle war schon letztes Jahr in Februar ausgeschrieben. Ich war sogar Ende April zum Gespräch eingeladen worden. Und dann nichts, keine Rückmeldung, oder keine direkte Rückmeldung. Mein damaliger Chef war später dienstlich dort und hat mit dem Leiter des Forschungszentrums gesprochen, und der hat ihm gesagt, die Stelle wäre noch zu besetzen. Von allen Kandidaten, die sich beworben hatten, haben sie niemanden genommen.

Heute scheint die Sonne. Ich habe gleich um 09:00 einen Termin mit einem Trainer aus meinem Fitness-Studio. Ich war wegen meines Ischias sehr lange nicht mehr dort, hatte das Abo aber nicht gekündigt, weil ich nicht einsehen wollte, dass es so lange dauern würde. Sie haben viele neue Geräte in dieser Zeit gekauft, die muss ich kennen lernen, bevor ich sie benutze. Ich bin wieder regelmäßig dort. Und brauche gut 8kg los zu werden. Ich will mein BMI wieder im grünen Bereich haben und einen Sicherheitsabstand zur oberen Grenze haben. Ich will wieder eine super Ausdauer haben, so dass ich nach einem Sprint zum Bus nicht fünf Minuten lang noch brauche, um meinen Atem zum normalen Niveau zu bekommen. Und ich will wieder meine Muskeln trainieren.

Ich hoffe sehr, dass das regelmäßige Sport-Training mir mehr seelische Kraft gibt, um Absagen bei wichtigen Stellen besser zu verkraften. Als ich am Wochenende das Geschirr aus der Spülmaschine raus holen und aufräumen wollte, bin ich auf einmal und völlig überraschend zusammen gebrochen. Fast hätte ich den Gegenstand in meiner Hand weg geworfen, ich wollte plötzlich alles in die Gegend rum schmeißen. Das hat mich sehr erschrocken, ich konnte mich nur noch an der Spüle fest halten und erstmal heulen. Blödes Verhalten. Es war wie ein Impuls, an einem Moment stehst du da und hast nur Aufräumen im Kopf, am nächsten Moment flippst du aus. Dabei dachte ich, mir ging’s schon besser. Ich traue mich nicht, in diesem Zustand andere Menschen für längere Zeit zu sehen. Vor allem Menschen, die über meine Bewerbungsversuche informiert sind. Ich habe kein Bock auf Nachfragen. Und kein Bock auf billiges nicht wirklich gemeintes Mitleid.

Ich fange sonst schon die vierte Woche im Kurs Datenmanagement mit SQL an. Letzte Woche ging’s um relationaler Entwurf von Datenbank und Dekomposition. Es war schon ein sehr großes Stück auf einmal, ich musste viele Videos mehrmals schauen, bevor ich die Selbsttests machen konnte. Mal schauen, wie ich diese Woche bei der Hausaufgabe war. Wahrscheinlich nicht so gut wie bei den ersten zwei. Man hat eine Stunde Zeit, ich hatte bei der ersten Hausaufgabe nicht mal zehn Minuten gebraucht, bei der zweiten 23 Minuten. Gestern hat es viel länger gedauert.


Dieser Beitrag ist ursprünglich auf Meckereien & Co. erschienen.

Ich mache mir Sorgen

Sollte ich eine Vermisstenanzeige bei der Polizei aufgeben? Seit Tagen bin ich ohne Nachricht, meine Emails bleiben immer unbeantwortet, die letzte war von heute Morgen… Was kann denn den Mitarbeitern meines Jobcenters bei der Arbeitsagentur geschehen sein? Sind sie alle entführt worden? Angerufen habe ich nicht, aus Prinzip, bei den Preisen… Am Ende der letzten Email meines aktuellsten Bearbeiters vor zwei Wochen stand in den Kontaktdaten:

01801 555 111*
[…]
* Festnetzpreis 3,9 ct/min; Mobilfunkpreise höchstens 42 ct/min

Das heißt, Arbeitslose müssen bezahlen, wenn sie mit ihrem Bearbeiter sprechen wollen, es gibt nur diese 01801 Sonderrufnummer, die Flatrate der Telekom hilft nicht mehr weiter. Das ist ganz schön unverschämt, dass man sich noch auf dem Rücken der Arbeitslose auf dieser Weise Geld verdient. Da mache ich nicht mit.

Dabei wollte ich nur wissen, ob ich mich bei einem bestimmten Personaldienstleister bewerben sollte, da eine Anzeige von ihnen in meiner heutigen Email der Jobbörse stand. Ich hatte nie drauf geachtet, aber bei diesem Vermittlungsunternehmen stand auf der Internet-Seite, dass sie bei erfolgreich vermittelten Bewerbern 10% des monatlichen Gehaltes zu sich nehmen. Blutsäuger. Jetzt weiß ich, warum meine ehemalige Beraterin mir sagte, ich sollte die Finger von solchen Angeboten lassen. (Ist es der Grund, warum sie anscheinend nicht mehr dort arbeitet?) Wer aber einen Vermittlungsgutschein der Arbeitsagentur hat, kann kostenlos ermittelt werden. Ich weiß ehrlich gesagt nicht, ob ich einen solchen Gutschein habe, oder Anspruch drauf hätte.

Dann frage ich mich, ist es nicht besser, doch auf einen Teil des eigentlich verdienten Gehaltes zu verzichten, wenn man endlich wieder arbeiten kann? Seit einigen Tagen frage ich mich schon, sollte ich nicht bezahlen, um wieder arbeiten zu dürfen? Vermittler von Arbeitskräften haben ein großes Interesse daran, Bewerber zu einem neuen Job zu schicken, vielleicht geben sie sich mehr Mühe oder können bei den Arbeitgebern mehr Druck machen, um den gewünschten Kandidaten einzustellen.

Die wichtige Frage ist: Haben sie auch eine Ahnung von den Anforderungen für die Stellen, und verstehen sie wirklich, was auf dem Lebenslauf der Bewerber steht? Ich habe da meine Zweifel. Anfang Dezember habe ich eine Jobmesse besucht und bin ins Gespräch mit dem Leiter einer solchen Personalleihfirma gekommen. Er hat mich dann schnell zu einem Vorstellungsgespräch eingeladen, wo ich ihm konkret erklärt habe, wo meine Stärken liegen und was meine Spezialisierung ist. Ich hätte doch vorher besser auf seiner Visitenkarte aufpassen sollen. Magister Artium. Der Mann vermittelt Ingenieure und Wissenschaftler, versteht aber nur Bahnhof davon, was sie machen sollen, er ist nur Manager. Ich habe angefangen, ihm grob und vereinfacht von Magnetismus und frustrierten Spin-Systemen in Kupferverbindungen zu erzählen, und habe seinen wilden verrückten Gesichtsausdruck gemerkt, als er mir zuhörte. Als ich von den Cu2+ Ionen erzählt habe, sagte er dann: „Ja, wir haben Kontakte mit einer Firma, die Kupfer herstellt und umformt, da könnten Sie also arbeiten“. Ich muss gestehen, ich habe mich nicht getraut, ihm zu widersprechen. Er sah so erleichtert aus, das Stichwort „Kupfer“ gehört zu haben, endlich hatte er den Eindruck, etwas zu verstehen. Mit Metallurgie habe ich aber gar nichts zu tun. Ich habe gedacht, ich wäre für seinen Job vielleicht besser als er geeignet. Ein anderes Beispiel habe ich letzte Woche bekommen. Eine Frau aus einer anderen Ingenieurdienstleistungsfirma hat mich angerufen und wollte wissen, ob ich an eine Stelle interessiert wäre. Ich habe ihr gesagt, sie sollte mir den Ausschreibungstext per Email schicken, damit ich es beurteilen kann. Die Anforderungen über die Kenntnisse waren aber sehr weit von dem entfernt, was ich studiert habe. Ich habe ihr gesagt, ich könnte es gerne machen, ich traue mir zu, die neuen Methoden zu lernen, aber ich könnte aufgrund meiner Kenntnisse nicht sofort einsatzbereit sein, da ich schon Einarbeitungszeit brauchen würde. Hätte ich vielleicht lügen sollen, Hauptsache arbeiten? Ich denke immer noch, wenn ich arbeite, will ich auch gut sein, sonst bringt es nichts, weder mir noch dem Arbeitgeber.


Dieser Beitrag ist ursprünglich auf Meckereien & Co. erschienen.