Erster Arbeitstag

Fast wäre ich ins Bett gegangen, ohne meinen ersten Arbeitstag in München in meinem Tagebuch fest zu halten.

Viel gibt es eigentlich nicht zu berichten. Die meisten neuen Kollegen sind noch im Urlaub. Ich habe vormittags kurz mit dem Chef und Tim, meinem Zimmerkollegen, Kaffee getrunken, und danach haben wir meinen Arbeitsplatz fertig eingerichtet. Ich habe mich ein bisschen eingearbeitet. Die richtige Arbeit fängt noch nicht an. Morgen haben wir eine längere Diskussion, um meine Tätigkeiten besser zu planen. Ich habe immer noch die Sorge, dass mein Chef viel höhere Erwartungen an mich hat, als was ich wirklich bringen kann. Ich muss mich daran erinnern, wie erstaunlich schnell ich doch in meiner letzten Stelle produktiv werden konnte, obwohl ich bei meiner Anstellung noch nicht mal mit Python programmieren konnte.

Vor der Arbeit bin ich mit dem Ehemann zu einer Wohnungsbesichtigung gefahren. Die Wohnung ist toll, hat leider keine Tiefgarage, und schon eine Einbauküche. Da unsere Küche recht hochwertig ist, aus Massivholz und Granit, wollen wir sie auf jeden Fall mitnehmen können. Sie war teuer genug, wir wollen sie nicht irgendwelchen unbekannten Mietern auch nur zeitlich überlassen. Wir könnten sie auch eine Zeit lang irgendwo lagern… Diese Punkte hätten wir im Vorraus berücksichtigen können, aber der Ehemann ist auch widersprüchlich in seinen Angaben… Mal ist die Tiefgarage nur ein Wunsch, mal ist es doch sehr wichtig, dabei haben wir nicht mal ein Auto, er will nur sein Motorrad unterbringen. Wir benutzen nur das Auto vom Schwiegervater, wenn er es nicht braucht.

Was mich vor allem an der Wohnung gestört hat, ist die Lage. In sich toll. Leider an der Spitze eines Hügels, und ich kenne mich, sobald ich alleine bin und es ein bisschen glatt wird, verfalle ich in Panik. Ich bin in der Lage, einfach am Straßenrand verkrampft stehen zu bleiben und zu heulen, was für Anderen gar nicht nachvollziehbar ist. Vor allem, wenn die Straße eine Neigung hat. Ein Taxi anrufen kann ich nicht jedesmal. Der Bus, der sonst direkt vor der Haustür fährt, kommt gerade einmal pro Stunde. Wenn es mal ausfällt, was im tiefen Winter durchaus passieren kann, bin ich dann eine Stunde zu spät auf Arbeit. Oder ich müsste mir schnell ein kleines Auto zulegen. Mit Fahrstunden, da ich zuletzt vor zwanzig Jahren gefahren bin, und einer dementsprechend teuren Versicherung, und den anderen Kosten, die dazu kommen… Der Preisvorteil von der Wohnung schwindet. Wir könnten gleich mitten in München wohnen.

Ich habe also den Abend im Hotelzimmer damit verbracht, neue Anzeigen auf Immobilienscout zu suchen und Kontaktanfragen zu schicken. Bei der miesen Internetverbindung ist es kein Spaß. Vielleicht sollte ich mir ein prepaid-Stick ohne Vertrag für Internet besorgen. Mit dem Hotel bin ich insgesamt nicht wirklich zufrieden. Das Bett ist unbequem, mir tun schon die Schulter weh. Man kriegt alles mit, was in den Nachbarzimmern passiert. Wenn jemand im Klo die Spüle tätigt, macht es einen Höllenlärm. Fernseher oder Radio hören sich an, als ob sie aus dem eigenen Zimmer kämen. Die Lüftung im Badezimmer ist unglaublich laut. Und ab fünf Uhr morgens werden Mülltonnen vor meinem Fenster gerollt… Ich vermute, das ist was man bei dem Preis erwarten kann… Und sowas muss ich aushalten, solange ich keine Wohnung habe.

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Der Narzisst

Mr Keen ist ein Narzisst. Seitdem ich dieses Video entdeckt habe, dank Carrie, bin ich fest davon überzeugt. Und habe verstanden, was ein Narzisst ist. Hier folgen ein Paar Punkte, bei denen ich Mr Keen in unzähligen Situationen bildlich vor den Augen bekommen habe.

„Der Narzisst[1] befreit sich und sagt, ich gehe jetzt weg, ich ignoriere dich jetzt. […] Narzissten sind verletzte Kinder.“ Ja. Sein kindliches Verhalten beobachte ich immer wieder, wenn er sich als Opfer fühlt, weil er beleidigt wurde oder nicht genug Aufmerksamkeit bekommen hat oder was weiß ich. Er geht an einem vorbei, ist plötzlich an Leute sehr interessiert, mit denen er sich sonst kaum unterhält, dreht einem dabei demonstrativ den Rücken zu und tut, als ob man nicht existieren würde. Ich habe häufig gedacht, genau so hatte sich meine Katze verhalten, wenn ihr irgendwas nicht gepasst hatte[2]. Merkt er gar nicht, wie lächerlich seine Reaktion ankommt? Nein. Er wendet anscheinend ein Muster an, das er seit der Kindheit kennt, weil er vermutlich in einer dysfunktionalen Familie aufgewachsen ist.

„Der Narzisst manipuliert seinen Umfeld“. Dabei habe ich zum ersten Mal im Video den Begriff flying monkeys gehört, der offenbar nicht ins Deutsche übersetzt wurde. Ich musste an die Geschichte denken, als Mr Keen seine Frau[3] als flying monkey benutzt hat, damit sie die Frau von Pawel (zu Hause mit einem frischen Säugling) anruft, um ihr zu sagen, wie verdächtig häufig Pawel alleine mit Kate Kaffeepausen macht… Weil sich Mr Keen dadurch vernachlässigt fühlte. Krank ist das, echt.

„Der Narzisst lässt dich verrückt erscheinen“. Oder lässt dich schlecht aussehen. Zusammen mit dem letzten Punkt: Die Manipulation vom Umfeld, damit du Opfer als Täter erscheinst. Das hat er bei Kate versucht, nachdem sie unsere Gruppe verlassen hat. Vor einer Woche hat ein Kollege einen runden Geburtstag gefeiert und die ganze Gruppe eingeladen. Kate hatte zugestimmt, bevor sie von ihrem Glück mit dem neuen Job erfahren hatte. Mr Keen war, was mir nicht bewusst war, für die Organisation von einem Geschenk für den Kollegen zuständig. Ich hatte von meinem IT-Kollegen ganz kurzfristig vom Geschenk erfahren und dachte, er würde sich darum kümmern. Kate war jedenfalls nicht mehr da und wusste nichts davon. Nach der Feier ist Mr Keen durch die Büros gegangen, um Geld zu sammeln. In meinem Büro, wo auch unser HiWi sitzt, hat er gefragt, ob Kate denn beigetragen hätte. Sie hätte ja die Karte bei der Feier unterschrieben. Keine Ahnung, war meine Antwort. Ich organisiere das Geschenk nicht, er müsste es doch selber wissen. Na ja, nachdem Kate endlich sein wahres Ich erkannt hat, hat er sie völlig ignoriert. Mit ihr hat er nicht mehr geredet und nicht mal reagiert, wenn wir mit den anderen Kollegen in seinem Büro über ein Abschiedsgeschenk für sie diskutiert hatten. Also hat er sie gar nicht gefragt, hat aber angefangen ganz laut zu erzählen, dass sie so ein Miststück wäre, weil sie kein Geld für das Geschenk zahlen wollte (kurz zusammen gefasst). Das habe ich natürlich laut widersprochen, bis er aufgehört hat, über sie zu lästern, und habe dem Studenten erklärt, dass Mr Keen immer ganz schnell dabei ist, andere unberechtigterweise zu beschuldigen. Die Nachricht muss bei Mr Keen angekommen sein, er ignoriert mich seitdem.

Dass er immer wieder versucht, die Gruppe zu manipulieren, habe ich mehrmals beobachtet. Einmal, als Winfried unterwegs war und Mr Keen die Leitung vom Gruppenmeeting überlassen hatte… Ich hatte die Woche davor Rufbereitschaft. Normalerweise ist der Sonntag entspannt. Keine Nutzer an den Geräten[4], es kann nichts schief gehen. Denkste. Als ich am Samstag die Nutzer für den Tag eingewiesen hatte, habe ich erfahren, dass Winfried jemandem ausnahmsweise versprochen hatte, am Sonntag unsere Geräte benutzen zu dürfen. Ich habe an meinem Plan von einer Wanderung nichts geändert und dem Nutzer gesagt, da ich nicht informiert wurde, könnte ich bei Problemen nicht sofort helfen, da ich am Sonntag unterwegs war. Alles klar. Ich bin an dem Tag dreimal angerufen worden. Es waren sehr einfache Probleme, die kurz am Telefon zu lösen waren. Ich habe es am Montag im Meeting erwähnt, weil es technische Probleme waren, die sich meine Kollegen anschauen sollten. Die Reaktion von Mr Keen war äußerst merkwürdig. Wie konnte es Winfried wagen, mir den Sonntag zu verderben, indem er unerfahrene Nutzer arbeiten läßt? Man kann doch nicht erwarten, dass wir auch am Sonntag Rufbereitschaft leisten sollen! Was für ein Stress ich doch hatte! Huch, habe ich mir zuerst gedacht. Mr Keen sorgt sich plötzlich um mein Wohlbefinden? Natürlich nicht. Er hat sich nur vorgestellt, wie es ihm gegangen wäre, wäre er statt ich dran gewesen. Und er war schon dabei, die Gruppe zum Aufruhr anzustiften: Wir müssten Winfried sagen, so geht es nicht, und uns weigern, den Nutzern zu helfen, wenn wir schon so eine harte Woche hinter uns haben. Sein Plan ist nicht aufgegangen. Wir können den Nutzern, dank denen übrigens unsere Gruppe überhaupt noch existiert, nicht vorwerfen, dass wir Probleme hatten, bevor sie zu ihrer gebuchten Messzeit kommen. Information von Winfried hätte ich mir gewünscht, sonst nichts. Schließlich werden wir für Rufbereitschaft extra bezahlt, auch am Sonntag.

Das letzte Beispiel war, als der Nachfolger von Kate bekannt gegeben wurde: Walter, ein fast fertiger Doktorand aus einer Gruppe, mit der wir viel Kontakt haben. Der Vorteil: Er hat in seiner Arbeit die Methode von Kate angewendet, kann sie mit wenig Einarbeitung weiter entwickeln, und hat auch unsere Geräte schon benutzt. Mr Keen mag ihn aber nicht. Walter wäre nicht respektvoll. Obwohl er „nur“ Doktorand ist, würde er sich als Besserwisser verhalten und seinen Platz nicht kennen. Die Realität: Walter ist jemand, der genau wissen will, wie unsere Geräte funktionieren, und lieber tausendmal nachfragt, als Fehler zu machen, wenn er danach auf sich selbst gestellt ist. Dabei passiert es, dass er Fragen stellt, die auf Schwächen von unseren Geräten hinweisen. Sie sind ja nicht perfekt. Und das ist es, was Mr Keen stört, da er sich um die Entwicklung der Geräte kümmert. Scheinbare Kritik, auch wenn sie keine ist, kratzt an seinem Ego[5]. Also hat er versucht, als wir nur zu zweit zum Büro unterwegs waren, mir die übelsten Geschichten über Walter zu erzählen. Zum Beispiel, Walter wäre jemand, der ständig heimlich über Anderen schlecht reden würde. Ach ja? Das kann man wohl eher von Mr Keen sagen. Der Chef von Walter persönlich soll es noch Mr Keen und Winfried erzählt haben. Nee, so ein Verhalten können wir in der Gruppe echt nicht gebrauchen, habe ich Mr Keen gesagt. Ich meinte dabei Mr Keen. Das Lästern ist ein absolutes No-Go. Wenn er ein persönliches Problem mit Walter hat, soll er mit Winfried darüber reden, nicht mit mir. Wenig später habe ich erfahren, dass Tomasz sich dasselbe über Walter in einem „vertraulichen Gespräch“ mit Mr Keen anhören musste. Weil Tomasz durch das Gespräch verunsichert wurde und Kate gefragt hat, ob es stimmt. Nein, stimmt es nicht. Kate hat mich deswegen gefragt, ob Mr Keen auch bei mir über Walter gelästert hätte. Ja, hat er. Sein Versuch ist gescheitert. Walter kommt zur Gruppe.

Es gäbe noch viel zu erzählen. Vielleicht ein anderes Mal.

[1] Oder die Narzisstin.

[2] Scheiße. Jetzt wird es mir klar. Katzen sind alle Narzisstische Wesen. Wenn sie auf dem Boden den Bauch zeigen und mit ihren Pfoten in der Luft so süß aussehen und schnurren, dann, um uns vergessen zu lassen, dass sie längst die Welt erobert haben.

[3] Ich kann immer noch nicht glauben, dass er eine freiwillige Frau zum Heiraten finden konnte.

[4] Das kommt noch, aber jetzt bin ich raus.

[5] Und wir sollten die Logbüber unserer Geräte vertuschen, weil unsere Nutzer sie auch lesen und drin schreiben. Selbst wenn er es nicht so ausgedrückt hat, hat er es in einem Gruppenmeeting ernsthaft vorgeschlagen. „Was für einen schlechten Eindruck machen wir bei den Nutzern, wenn sie sehen, welche Probleme auftreten? Wir als Team sollten doch nichts schlechtes in den Logbüchern schreiben.“ Ich sehe es im Gegenteil als meine Pflicht, unsere Nutzer darauf aufmerksam zu machen, wenn irgendwas nicht richtig funktioniert. Logbücher vertuschen? Das grenzt für mich an wissenschaftlichem Fehlverhalten. Winfried saß an dem Meeting nebenan mit glasigem Gesichtsausdruck und merkwürdigem Lächeln auf den Lippen und sagte dazu: Nichts. Manchmal frage ich mich, ob Mr Keen ihn nicht hypnotisiert hat.

Immer noch keinen Vertrag

Letzte Woche hatte ich mein zweites Vorstellungsgespräch in München. Ich fürchte, so einen guten Eindruck habe ich nicht hinterlassen.

Als erstes habe ich es geschafft, trotz sorgfältiger Planung zu spät anzukommen. Den Ort kannte ich schon ungefähr, da ich mehrmals am Forschungszentrum war, aber das Institut selbst lag an einer noch unbekannten Stelle. Ich war eigentlich sehr früh angekommen. Der Pförtner am Eingang vom Gelände hatte mir erklärt, wo das Gebäude zu finden war, aber ich habe mich trotzdem verlaufen. Links, über die Brücke, dann dem Weg entlang durch die Wiese… Keine Wegbeschilderung und unauffällige Gebäudenummerierung, es musste schief gehen. Als mir klar wurde, dass ich nicht pünktlich ankommen konnte, habe ich den Gruppenleiter angerufen. Der ist dann mit dem Fahrrad durchs Gelände gefahren, bis er mich gefunden hat. Ich war zu weit weg gelaufen, der „Weg durch die Wiese“ war nicht mal zwei Meter lang und direkt vor dem Gebäude. Die Bezeichnung „Wiese“ war recht übertrieben. Ich hatte mir eine viel größere Fläche vorgestellt.

Der Vortrag lief gut, aber mich hat es irritiert, dass ich mehrmals wegen Fragen unterbrochen wurde. Gut, warum nicht. Es wurde mir nur vorher in der Einladung mitgeteilt, dass ich zwanzig Minuten Zeit hätte, und so konnte ich gar nicht mehr wissen, wie lange ich noch reden sollte. Eigentlich hat keiner auf die Uhr geschaut. Danach sind alle weg gegangen, außer der Gruppenleiter, der alleine mit mir reden wollte. Ich war gar nicht darauf gefasst, was danach geschah. Ich dachte, wir unterhalten uns. Nicht wirklich. Er hatte sich Übungen ausgedacht, die ich dann ohne Vorbereitung lösen musste. Über Datendarstellung, Zahlenpräzision… Viele theoretische Fragen, die ich nie gelernt habe. Damit musste ich mich bis jetzt nicht auseinander setzen. Ich bin halt von der Ausbildung her Physikerin, Programmierung habe ich durch Praxis gelernt. Ich dachte, es wäre von vorne rein klar, durch meine Bewerbungsunterlagen und spätestens im Laufe des Vortrages, dass ich eher mit Frontend-Entwicklung zu tun habe und keine wissenschaftlichen Algorithmen selbst entwickle. Das war dem Gruppenleiter anscheinend nicht offensichtlich, und er sah definitiv nicht zufrieden aus. Inzwischen habe ich mich über die gefragten Themen informiert, aber es zählt nicht mehr.

Was soll’s, nach einem ausführlichen und interessanten Gespräch mit einem Mitarbeiter der Gruppe, der sich mit einer ähnlichen Aufgabe wie ich beschäftigt, bin ich zur Firma gefahren. Der Arbeitsvertrag lag bereit vor. Ich habe ihn in zweifachen Ausführung unterschrieben, sowie der Vertreter vom CEO. Der CEO selbst war abwesend, seine Unterschrift fehlte noch. Mit wurde versichert, dass er, sobald er am Montag zurück kommt, den Vertrag unterschreiben würde. Ich würde eine PDF Datei davon bekommen, und meine Kopie vom Vertrag würde mir per Post zugeschickt. Ob ich nun meinen Arbeitgeber informieren könnte? Klar, meinte der Vertreter. Mein zukünftiger Chef, den ich schon bei der Tagung letzte Woche getroffen hatte, hat mich dann mit breitem Grinsen empfangen und einem Teil des Teams vorgestellt. Er hat mir mit Begeisterung erzählt, was ich alles zu tun hätte, wenn ich in Januar anfange.

Nun, heute ist Mittwoch. Und bis jetzt habe ich immer noch keinen Vertrag bekommen, weder per Post noch elektronisch. Nicht mal eine Email, um mich über die Verspätung zu informieren. Ich mache mir Sorgen. Natürlich habe ich letzte Woche meinen Chef sofort informiert, da der Vertreter vom CEO so zuversichtlich war. Da ich doch nicht die Verlängerung von meinem Vertrag unterschreibe, wird sich einiges in dem Betriebsablauf ab Januar ändern. Je früher mein Chef Bescheid weiß, desto besser. Mein Chef hat wiederum die Personalabteilung darüber informiert, dass der neue Arbeitsvertrag nicht mehr benötigt wird. Ich habe also meinen aktuellen Job hingeschmissen, und habe immer noch nichts in der Händen, um meine neue Anstellung ab Januar zu beweisen. Scheiße.

Gestern kam ein neuer Vermittlungsvorschlag der Arbeitsagentur. Wenigstens nicht so absurd wie beim letzten Mal, auch wenn meine Chancen als wissenschaftliche Referentin sehr gering sind. Meine bisherige Bewerbungen auf solchen Stellen sind immer ohne angegebenen Grund abgelehnt worden.

Es wird spannend

Ich habe am letzten Donnerstag eine Email von der Firma in München bekommen. Ob ich ab Januar bei ihnen anfangen könnte? Na klar! Was gibt es zu zögern? Wir haben schon gleich am Abend mit dem Ehemann in unserer Stammkneipe gefeiert.

Die Gehaltsfrage muss noch geklärt werden. Ich hatte beim Vorstellungsgespräch mein aktuelles Gehalt erwähnt und mir wurde gesagt, dass ich definitiv mehr erwarten könnte. Ich hätte auch nicht weniger gefragt, da ein Umzug von Berlin nach München höhere Kosten mit sich bringt. Ein Arbeitgeberwechsel muss sich lohnen. Dass wir schon darüber diskutiert hatten, schien mein Interviewer aber inzwischen vergessen zu haben, weil er mich nochmal am Freitag danach gefragt hat. Wenn wir uns einigen können, könnte ich diese Woche noch direkt nach meinem Vorstellungsgespräch in München vorbei kommen, um den neuen Arbeitsvertrag zu unterschreiben! Nun, seitdem ich meine Gehaltsvorstellung angegeben habe, habe ich keine Rückmeldung bekommen. Ich denke, wenn es zu viel verlangt wäre, würden sie schon versuchen, runter zu handeln, statt nichts mehr von sich hören zu lassen. Vermutlich werde ich noch heute informiert. Ich habe gestern Abend bei der Tagung mit meinem hoffentlich zukünftigen direkten Chef gesprochen, der nicht die Person ist, mit der ich meinen Vertrag verhandle, und er schien zuversichtlich zu sein.

Inzwischen liegt auch die Verlängerung meines aktuellen Arbeitsvertrags für ein weiteres Jahr bei der Personalabteilung zum Unterschreiben bereit. Da ich diese Woche nicht auf Arbeit bin, kann ich es erst ab nächster Woche unterschreiben. Ich hoffe, es kommt nicht dazu, und ich kriege vorher den Arbeitsvertrag in München. Sonst muss ich die Verlängerung unterschreiben, und ich kann danach nicht mehr so schnell kündigen.

Für Winfried wird es hart, wenn es klappt. Kate ist schon weg. Tomasz verlässt uns Ende Dezember, da sein Vertrag nicht verlängert wird. Die Stelle gibt es noch und wurde ausgeschrieben, aber er selbst kann nicht mehr beschäftigt werden. Sinnlos, diese „du darfst nicht länger als X Jahre bei uns arbeiten“ Regelungen in der Wissenschaft. Egal für ihn, er hat schon eine neue Stelle in seiner Heimat gefunden. Das macht aber jetzt zwei Wissenschaftler, die auf einmal die Gruppe verlassen und nicht so schnell ersetzt werden können. Selbst wenn neue Postdocs kommen, werden sie eine Weile brauchen, bis sie den guten Betrieb der Geräte für unsere Nutzer gewährleisten können. Und nun soll ich auch meine Verlängerung nicht unterschreiben? Ich, die zusätzlich eine der Wenige bin, die Rufbereitschaft macht? Und die noch Software entwickelt, die von Nutzern aus aller Welt benutzt wird und die gewachtet werden muss? Da wird Winfried durch drehen. Wenn ich die Verlängerung unterschreibe, wird er bestimmt nicht mit einem Auflösungsvertrag einverstanden sein.

Aber ehrlich gesagt, es ist mir langsam egal. So sehr es mir für ihn Leid tut, er wird schon eine Lösung finden. Diesen ewigen leeren Versprechen auf eine langfristige Einstellung glaube ich nicht mehr, und ich bin auch nicht mehr daran interessiert, seitdem Mr Keen bei uns eine Dauerstelle hat. Rufbereitschaft will ich nicht mehr und ich sehne mich nach einem Job, wo ich meine Wochenende nicht mehr opfern muss. Und wir haben gerade erfahren, dass die Betriebsplanung sich ab dem nächsten Jahr ändern wird und jetzt sogar am Sonntag gearbeitet werden soll! Ohne mich. Es muss in München klappen!

Das neue Vorstellungsgespräch kommt wie gerufen

Ich bin erschöpft und habe die Schnauze voll. Schuld ist mal wieder die Rufbereitschaft. Der Chef hatte letzte Woche angekündigt, dass er am jetzigen Wochenende eine private Angelegenheit wahrnehmen wollte und hatte nach Freiwilligen gefragt, um seine Pflichten zu übernehmen. Ich bin erstmals still geblieben. Florian hat sich bereit erklärt, die Messgäste von heute einzuweisen. Alle anderen Kollegen hatten eine Ausrede, warum sie die Rufbereitschaft nicht machen konnten. Wem ist es hängen geblieben? Richtig.

Dass wir heute Nacht ohne Unterbrechung schlafen konnten, hatte ich beim Aufstehen leichtsinnig als gutes Zeichen gesehen. Das war nur die Ruhe vor dem Sturm. Denn ab halb eins hat das Handy angefangen zu klingen, und danach war es einfach die Hölle. Beim ersten Anruf waren wir mit dem Ehemann gerade auf dem Weg vom Markt nach Hause unterwegs. Irgendwas hinderte die Fortsetzung einer Messung. Angekommen, Rechner hochgefahren, auf Arbeit eingeloggt, scheinbare Ursache des Problems gefunden und behoben, Nutzer zufrieden. Bis zum nächsten Anruf eine Stunde später. Genau dasselbe Fehlerbild, aber diesmal gab es gleich zwei unabhängige Probleme, die ich auch lösen konnte. Beim dritten Anruf eine halbe Stunde später war ich schon recht genervt. Immer wieder das Problem, eine andere Ursache, die behoben wurde, und danach ging nichts mehr. Ich hatte schon aufgegeben, aber Florian, der sich bestens mit der Maschine auskennt und den ich versucht hatte anzurufen, hat sich zurück gemeldet und konnte anscheinend das Problem vorübergehend endgültig beheben. Von seinem Auto aus, mit seinem Laptop. Der war mit seiner Freundin unterwegs, der Arme, es hat mir echt Leid getan, ihn nach Hilfe fragen zu müssen. Inzwischen war es schon halb sieben, und ich hatte den ganzen Nachmittag nichts anderes machen können. Doch, kochen konnte ich, und zwar nur, weil Florian mit den Nutzern ausgemacht hatte, dass sie eine halbe Stunde Pause machen. Und es war nicht alles, weil andere Nutzer auf einem anderen Gerät auch zweimal anrufen mussten, weil die Robotik zickte. Jetzt, kurz vor zehn Uhr abends, bin ich noch voll gestresst und ich frage mich, ob ich in der Lage sein werde, einschlafen zu können, und wenn ja, wie lange ich wohl schlafen werde, bevor der nächste Anruf kommt. Gestern gab es doch kein Problem! Gestern war auch Mr Keen den ganzen Tag selber an dem Gerät am Messen. Ich frage mich, ob er irgendwas angestellt haben kann, um mir das Wochenende zu verderben. Das würde ich ihm zutrauen.

Mir reicht’s. Die dreihundert Euro, die man dafür zusätzlich zum Gehalt bekommt, sind es einfach nicht wert, so viel Stress in der freien Zeit zu bekommen. Der Ehemann leidet auch darunter, wenn das Handy nachtsüber klingelt, oder wenn wir am Wochenende bei schönem Wetter zu Hause bleiben müssen, weil irgendwas an den Geräten nicht stimmt. Und das mit dem zusätzlichen Geld stimmt nicht mal, wie ich gerade gemerkt habe. In den letzten zwei Monaten habe ich genau so viel überwiesen bekommen als während meiner Schwangerschaft, als ich von Rufbereitschaft befreit wurde! Ich muss mich am Montag beschweren. Den ganzen Scheiß will ich nicht auch noch kostenlos machen. Schlimm genug, dass unsere Verwaltung immer neue Gründe erfindet, warum meine Reisekosten nicht vollständig erstattet werden.

Ich habe gestern eine neue Einladung zu einem Vorstellungsgespräch bekommen. Wieder in München. Diesmal geht es rein um Software-Entwicklung. Hoffentlich klappt es endlich. Nichts wie weg von hier!

VERDAMMT, SCHON WIEDER EIN ANRUF!

Die Zukunft sieht düster aus

Die liebe Kate hat sich von uns verabschiedet. Ganz unerwartet war es nicht, sie hatte mir schon erzählt, dass sie sich beworben hatte und für Vorstellungsgespräche eingeladen wurde. Für die meisten Kollegen kam es abrupt vor, da sie sie eine Woche vor ihrem letzten Arbeitstag  informiert hat. Es ging alles so schnell, selbst für sie. Ich wünsche, es könnte bei mir auch so schnell gehen.

Tomasz verlässt uns bald, da sein Vertrag abläuft. Mir sind auf einmal zu viele Leute weg, die ich schätze, und was übrig bleibt motiviert mich nicht genug, weiter in der Gruppe zu arbeiten. Mein DFG-Antrag liegt mir nicht mehr in den Händen und ist immer noch nicht von unseren Uni-Partnern eingereicht worden (ich selber darf das nicht alleine). Es ist zu spät, um ab Januar weiter beschäftigt zu werden. Winfried droht jedoch damit, mir trotz Wissenschaftszeitvertragsgesetzes einen neuen Vertrag für ein Jahr zaubern zu können. Durch Gespräche mit der Geschäftsleitung hätte er eine mündliche Zusage bekommen und ich sollte mir keine Sorgen machen. Ich mache mir Sorgen, dass er mir tatsächlich einen neuen Vertrag anbieten könnte. Er will mich nicht los lassen. Ich habe die Schnauze voll und nutze meine knappe Freizeit, um Bewerbungen zu schreiben. Die Firma aus München hat sich nicht mehr gemeldet, obwohl meine Kontaktperson mir nochmal vor zwei Monaten geschrieben hatte, dass ich Ende September einen Vorschlag bekommen würde. Ich muss nachhaken. Ich will weg von hier.

Da Kate geht, wird die Mittagspause blöd. Wir hatten uns häufig vom Rest der Gruppe getrennt und waren woanders essen gegangen, manchmal mit anderen Kollegen, aber in letzter Zeit nie mit Mr Keen. Ich müsste ab jetzt mit den Anderen gehen, was ihn einschließt. Ich glaube, ich fange lieber an, mir Brot zu schmieren.

Eigentlich trägt Mr Keen eine gewisse Verantwortung dafür, dass Kate geht. Das hat sie mir erzählt, und obwohl ich schon nicht viel von ihm hielt, hätte ich nicht gedacht, dass er tiefer sinken könnte. „Weißt du, Mr Keen ist nicht so nett, wie er aussieht“, meinte sie mich plötzlich warnen zu müssen, als wir vor einem Monat unseren Betriebsausflug hatten. Ach was! Kate hatte schon eine Vorwarnung bekommen, aber die Beiden hatten sich danach versöhnt. Nicht, dass sie eine Affäre hatten, aber sie haben sich häufig außerhalb der Arbeit getroffen. Sie fand ihn interessant, weil er viel gereist ist und einiges über viele Länder zu erzählen hat, und er hat viele Bücher über Psychologie gelesen, worüber sie gerne diskutiert hatte. Alles sehr freundlich, wobei es ihr manchmal unheimlich vor kam, wie er sich mit ihr verhielt. Mir kam es schon lange komisch vor, wie häufig er mit den anderen Postdocs etwas abends oder an Wochenenden unternommen hat, und seine Frau alleine gelassen hatte. Aber Mr Keen ist jemand, der versucht, sich bei allen gut darzustellen. Sich einzuschleichen. Daher hat er immer mit gespielter Begeisterung gemeinsamen Ausflüge vorgeschlagen. Mir kam seine Weise nicht natürlich vor, und ich habe kaum an Aktivitäten außerhalb der Arbeit teil genommen. Mir meine Freizeit verderben, indem ich Mr Keen ertragen muss? Kommt nicht in Frage. Die Anderen sind so geblendet und kaufen ihm seine Freundlichkeit ab, und Kate ist keine Ausnahme. Dass die Beiden sich so häufig privat getroffen hatten, wusste ich aber nicht.

Ohne in Details gehen zu wollen, hat er mit ihr richtig Psychoterror betrieben, so dass sie am Ende nur noch von sich selbst gezweifelt hat. Anscheinend ist er jemand, der nicht genug Aufmerksamkeit bekommen kann, und extrem eifersüchtig auf die Anderen ist. Es war mir aufgefallen, wie er am Anfang reagiert hatte, dass ich ständig dienstlich unterwegs bin. „Ich will auch endlich mal auf Tagungen fahren und Vorträge vor Publikum halten,“ hatte er mal Winfried neidisch gesagt. Er sehnt sich nach Ruhm und Anerkennung. Dafür hat er nicht genug geleistet. Florian ist halb so lange wie er in der Gruppe und hat viel mehr erreicht. Aber es ging noch viel krasser, wie Kate mir erzählte. Er hat mitbekommen, dass sie häufig mit Pawel Kaffeepause macht. Ich habe auch die Beiden mehrmals mit der Tasse in der Hand außerhalb vom Büro gesehen. Schön, wenn sie sich gut verstehen, schließlich sitzen sie im gleichen Zimmer. Er hat sich bei ihr beschwert, sie würde dadurch Pawel absichtlich von ihm fernhalten. Paranoid ist er also auch. Und um ihrem ihm gegenüber unverschämten Treiben ein Ende zu setzen, hat er sich etwas echt Geisteskrankes ausgedacht. Seine Frau sollte Pawels Frau anrufen und ihr sagen, dass ihr Mann viel zu häufig seine Zeit mit Kate verbringt. Mir sind die Kinnladen herunter gefallen, als sie mir das erzählte. Es hat aber nicht geklappt, sie macht immer noch Pausen mit Pawel. Vielleicht, weil Mr Keen gerade vier Wochen Urlaub hatte.

Mr Keen hat Kate ständig Vorwürfe an den Kopf geschmießen, über Sachen, die er eigentlich selber macht. Er hat sich bei ihr als Opfer dargestellt, obwohl er derjenige ist, der Kate psychologisch immer wieder angegriffen hat. Er sagt immer vor den Anderen über dreiste Verhaltensweisen, „aber so was würde ich nie machen“, um es doch genau zu tun. Wenn ihm etwas Böses ausrutscht, sagt er dann, dass war nur Spaß, er würde es nicht so meinen. Und ob er es doch so meint! Aber weil er sich davon distanziert, glauben es ihm die Leute auch! Ich verstehe es nicht.

Irgendwann wurde es Kate bei ihrem letzten Streit zu viel und ihr sind die Schuppen von den Augen gefallen. Er ist ihr böse geworden, dass sie nicht mehr nach seiner Pfeife tanzt. Sie hat jetzt Angst, alleine mit ihm zu sein und nennt ihn einen Psychopath. Wie gut, dass sie nicht im gleichen Zimmer arbeiten. Er hat ihr viele Hass-SMS geschickt, die sie gleich gelöscht hat, weil es sie so stresst. Was für ein Fehler! Das wäre doch die Lösung, um ihn los zu werden! Wenn Winfried endlich mit Beweisen mitbekommen würde, wie Mr Keen sich wirklich mit seinen Kollegen verhält! Aber Kate will ihm nichts sagen, und so kann ich das, was ich nur vom Erzählen erfahren habe, ihm nicht mitteilen. Jetzt, wo sie uns verlässt, frage ich mich, wen er sich demnächst als Opfer aussucht.

Ein Vermittlungsvorschlag der Arbeitsagentur

Vorgestern habe ich eine Email der Arbeitsagentur bekommen. Ich habe zuerst an eine Art Spam oder Phishing gedacht, weil die Email so aussah:

Völlig anonymisiert und mit einer mehr als bedürftige Formatierung, das wirkt sehr unseriös. Aber es gab weder dubiosen Link zum Anklicken noch verdächtigen Anhang, und die ursprüngliche IP-Adresse des Absenders gehört tatsächlich der Arbeitsagentur. Es könnte echt sein.

Ich müsste mich also in meinem Konto bei der Arbeitsagentur einloggen, um den Ermittlungsvorschlag zu lesen. Das ist immer so eine Sache, bei der Arbeitsagentur. Ich habe schon so viele verschiedene Nutzernamen und Passwörter bekommen, dass ich nicht mehr weiß, mit welchen ich mich nun einloggen soll. Mit den letzten, die geklappt haben, das müsste schon gut ein halbes Jahr her sein. Ich habe meine Login-Daten mit Sicherheit in meinem Firefox-Profil gespeichert. Der Hacken: Es war unter Windows, nicht unter Ubuntu. Windows habe ich immer noch nicht auf meinem Rechner reinstalliert. Und ich täte gut, daran zu denken, vorher eine Sicherheitskopie von meinem Windows-Firefox-Profil zu machen.

Seit Mittwoch habe ich mich gar nicht darum gekümmert. Mit dem Stress auf Arbeit hatte ich die Email schon total vergessen. Es war also gut, dass die Arbeitsagentur mir den Ermittlungsvorschlag zusätzlich per Post zugeschickt hat. Der Allererste, den ich seit meiner Anmeldung im Dezember letzten Jahres bekomme! Dadurch weiß ich allerdings, dass ich dort immer noch als Arbeitssuchende gelte. Ich brauche mich also nicht nochmal darum zu kümmern. Die Arbeitslosigkeit kann kommen.

Leider, aber auch nicht unerwarteterweise, hat sich der Ermittlungsvorschlag als nutzlos entpuppt. Und das ist etwas, das ich immer wieder feststellen muss: Die Leute bei der Arbeitsagentur haben keine Ahnung, was sie Wissenschaftlern anbieten sollen, selbst wenn es ein spezielles Team für Akademiker gibt. Worum es in der Ausschreibung geht: Eine Universität für Verwaltungswissenschaften sucht nach Forschungsreferenten. Die zwei ersten Punkte des Anforderungsprofils:

  • überdurchschnittlicher Universitätsabschluss (Master oder gleichwertig) in Politikwissenschaft oder einer anderen Sozialwissenschaft oder Wirtschaftswissenschaft mit volkswirtschaftlicher Ausrichtung,
  • gute Kenntnisse der Methoden der empirischen Sozialforschung.

Als promovierte Physikerin meint die Arbeitsagentur, ich würde wie Faust auf Auge auf die Stelle passen? Physik und Politik fangen beide mit „P“ an und enden beide mit „ik“, das ist ungefähr alles, was beide Fächer verbindet (Frau Merkel ausgenommen). Überqualifiziert wäre ich mit meiner Promotion sowieso, da sie nach Leuten mit Master suchen. Das wissen sie, bei der Arbeitsagentur, immerhin fängt der Brief mit „Sehr geehrte Frau Dr.“ an. Und vom Wissenschaftszeitvertragsgesetz scheint die Arbeitsagentur auch nie was gehört zu haben, denn die Stelle ist befristet, und somit komme ich auch nicht in Frage.

Was ist das für eine schlampige Arbeitsvermittlung? Würden sie auch einem ausgebildeten Frisör vorschlagen, sich als Maurer zu bewerben? Oder haben sie meine Unterlagen mit denen von einem arbeitssuchenden Politikwissenschaftler verwechselt?

Hallo Du, der diese Zeilen liest. Du bist Politikwissenschaftler, Sozialwissenschaftler oder Wirtschaftswissenschaftler (m/w) und hast aus unbegreiflichen Gründen von der Arbeitsagentur ein unpassendes Stellenangebot für einen Physiker (m/w) mit Programmierkenntnissen bekommen? Melde Dich, ich tausche gerne!

Eigentlich will ich nicht mehr

„Hast du an deinem Antrag weiter gearbeitet?“ fragte mich heute Winfried nach unserem wöchentlichen Meeting. Gemeint war mein DFG-Antrag, den wir seit einem Jahr ständig umschreiben und der mir eine weitere Finanzierung ermöglichen soll, nachdem mein Vertrag am Ende des Jahres ausläuft. Vorausgesetzt, der Antrag wird nicht abgelehnt.

Winfried ist gerade aus dem Urlaub zurück gekommen. Drei Wochen war er weg. Drei Wochen, in denen ich nach Lust und Laune an meinen Programmen frei arbeiten konnte. Programm#1 hatte ich in einem schlechtem Zustand bekommen, als ich seine Entwicklung vor vier Jahren übernommen hatte. Damals kannte ich mich noch nicht mit Python aus. Ich habe schlechte Programmiergewohnheiten aus dem Code meines Vorgängers gelernt. Heute weiß ich besser Bescheid. Programm#1 funktionierte ja, aber ich habe im Laufe der Zeit erkannt, dass er von jemandem geschrieben wurde, der Python mit Fortran-Denkmustern missbraucht hat. Grauenhaft. Da ich drei Wochen Ruhe hatte, habe ich den Code grundsätzlich gereinigt. Das wird mir oder meinen Nachfolgern in Zukunft viel Zeit sparen, um weitere Funktionalitäten einzubauen.

Was ich in den drei Wochen nicht gemacht habe, ist, an dem DFG-Antrag zu arbeiten. Bis heute Morgen, als ich ahnte, dass die Frage kommen würde. Also habe ich ganz schnell einen neuen Absatz mit Abbildung geschrieben. „Ja, habe ich,“ konnte ich Winfried ehrlich antworten. „Aber eigentlich habe ich keinen Bock,“ habe ich unerwähnt gelassen.

Fakt ist, ich habe keinen Bock mehr. Die Arbeit an meinen Projekten macht mir weiterhin Spaß, aber wenn ich sehe, wie sich unsere Gruppe entwickelt, würde ich lieber meinen Vertrag auslaufen lassen und die Arbeitslosigkeit mit offenen Armen empfangen.

  • Mr Keen hat jetzt einen permanenten Vertrag, und der blosse Gedanke, ihm langfristig täglich begegnen zu müssen, gibt mir Magenschmerze. Ich könnte kotzen, und es ist nicht übertrieben. Ich kriege wirklich einen schweren Klumpen im Magen, wenn ich zu sehr darüber nachdenke. Aber ich habe genug über ihn geschrieben.
  • Es gibt meinen zum Glück nicht mehr Zimmergenosse, dem ich hier immer noch keinen Namen gegeben habe und der jetzt mit meinem armen IT-Kollegen sitzt. Soll er Moritz heißen. Moritz hat auch eine unbefristete Stelle und ist zu unserer Gruppe infolge einer Umstrukturierung gekommen. Ich kann ihn mittlerweile nur noch schwer ertragen, wenn er mit uns Mittagspause macht (auch einer, der meint, mit vollem Mund reden zu müssen) oder im Meeting sitzt (und immer ganz laut blöde Kommentare abliefert, die nur er lustig findet). Nervig finde ich, wie er seit einem halben Jahr über seine Fußschmerze jammert, ohne die logische Konsequenz daraus zu ziehen: Abzunehmen. Das würde ihm und seinem schwer belasteten Fuß viel besser tun, als die ganzen Maßnahmen, die er bis jetzt verordnet bekommen hat. Nee, zu anstrengend für ihn. Wie die Arbeit, wirklich. Wie stolz erzählt er, dass er morgens und abends an dem Zeiterfassungsgerät, das am weitesten liegt, sich abstempelt, um gut fünf Minuten gratis am Tag auf seinem Überstundenkonto zu bekommen! Er beschwert sich immer, dass die Arbeitsbedingungen und das Geld besser sein könnten, ist aber selber ein echt fauler Sack. Ganz die Vorurteile, die man über Betriebsradmitgliedern hört. Das ist er nämlich. Was er in seiner Anwesenheitszeit im Büro wirklich treibt, außer ganz laut zu telefonieren, weiß keiner. Nicht mal Winfried, würde ich behaupten.
  • Über Nina, die Nachfolgerin von Mieke, habe ich noch nichts erzählt, aber sie geht mir gewaltig auf dem Keks. Egal, was man sagt, muss sie immer grundsätzlich widersprechen. Sie ist auch die Erste, die über Anderen lacht, selbst wenn sie nicht wirklich versteht, worum es geht. Verstehen tut sie eigentlich selten. Sie ist zu uns vor einem Dreivierteljahr gekommen, um das Chemielabor zu leiten. Das macht sie gut. Nehme ich an. Ich bin ja so gut wie nie im Labor. Was sie gar nicht kann, und auch nicht muss, ist, Messungen an unseren Geräten durchzuführen. Sie hatte mir mal am Anfang aus Neugier Fragen gestellt, und es ist klar, dass sie von der Messmethode und der ganzen physikalischen Theorie dahinter noch nie etwas gehört hatte. Das ist in sich nicht schlimm. Was ich aber nicht ertragen kann, ist, wie sie sofort am Anfang in den Meetings laut über unsere Nutzer gelacht hat, oder „Tss tss tss“ und „wie kann man nur“ von sich gegeben hat, wenn wir erzählten, dass sie Probleme an den Geräten verursacht hatten. Die Details waren dabei so technisch, dass sie als Neulinge und Laie sie kaum verstehen konnte. Nein, sie reagiert nur auf den Tonfall der Stimme des Erzählers. Eine ziemlich blöde Zicke.

Man könnte meinen, dass ich mit allen meinen Kollegen nicht klar komme. Das stimmt nicht. Meine IT-Kollegen sind ganz in Ordnung. Mit Kate unternehmen wir sogar ab und zu etwas außerhalb der Arbeit. Seitdem ich aus dem gemeinsamen Zimmer ausgezogen bin, geht es besser. Vielleicht hat sie jetzt gelernt, selbstständig mit ihrem Rechner umzugehen, da ich nicht mehr da bin, um alle ihre spontanen Fragen zu beantworten. Oder sie fragt jetzt die anderen Zimmergenossen. Florian, unser letzter zugekommener Wissenschaftler, ist auch ganz lieb. Vielleicht zu lieb. Er bemüht sich immer, sich mit allen, aber auch wirklich allen, gut zu verstehen. Selbst wenn Leute ihn nerven. Über Nina hat er sich schon bei mir beschwert, wenn sie sich besonders blöd angestellt hat, aber er verhält sich selbst mit ihr äußerst freundlich. Das könnte ich nicht. Moritz hat er sogar mit einem Spitznamen versehen, und er kennt alle Pförtner am Empfang mit Vornamen. Unheimlich. Vielleicht nerve ich ihn, kriege es aber nicht mit, weil er sich immer so freundlich verhält. Über zu viel Freundlichkeit will ich mich auch nicht beschweren, das ist so untypisch.

Also, obwohl ich mich mit vielen in der Gruppe halbwegs gut verstehen kann, braucht es nur einige wirklich nicht auszuhaltenden Persönlichkeiten, um mir die Stimmung komplett zu verderben. Schlimm, wenn diese Personen noch bis zu ihrer Rente in der Gruppe bleiben werden. Da denke ich, lieber arbeitslos werden, als länger dort zu arbeiten. Ich hatte ja vor sechs Wochen ein Vorstellungsgespräch, aber ein anderer Kandidat wurde gewählt, der besser zur Stellenbeschreibung passt. Zur Stellenbeschreibung, die auf der Webseite der Firma veröffentlicht wurde. Die, auf die ich mich beworben hatte, hatten sie in einer Fach-Mailinglist gepostet, und sie passte wunderbar zu meinem Profil… weil ich vermute, dass das Copy-Paste nicht richtig funktioniert hatte, da es nur einen Teil der Beschreibung auf der Webseite war. Der fehlender Teil war wohl wichtiger. Immerhin haben sie mir geschrieben, dass ich einen großen Mehrwert ins Team bringen würde, und sie melden sich im Herbst, um mir eine Stelle ab dem nächsten Jahr anzubieten. Falls sie nicht zwischendurch ihre Meinung geändert haben.

Morgen habe ich frei

Aber stressig wird es definitiv, obwohl ich mein Bestes tue, um mir keinen Kopf zu machen. Ich werde morgen nämlich nach München reisen. Denn: Ich bin zu einem Vorstellungsgespräch eingeladen worden! Und das, nachdem ich schon vor drei Wochen ein Telefongespräch hatte!

Die Stellenanzeige hatte ich vor anderthalb Monat in einer abonnierten Fach-Mailing-Liste entdeckt und ich war begeistert, weil sie ziemlich genau meinem Profil entsprach. Im Gegenteil zu meinen bisherigen Bewerbungen seit dem Anfang des Jahres. Ich habe mich sofort beworben, und dabei die Webseite des Unternehmens besucht. Die Stelle war dort auch zu finden, allerdings war die Liste der Anforderungen viel länger als die Version der Mailing-Liste, auf der ich mich beworben hatte. Es klang mehr wie die Suche nach der eierliegenden Wollmilchsau. Bei den zusätzlichen Kompetenzen, die der Kandidat haben sollte, habe ich nicht so viel Erfahrung. Laborarbeit, chemische Syntheseverfahren, habe ich in meiner aktuellen Arbeit auch an einfachen Systemen gemacht, aber meistens bin ich nur am Programmieren und Daten auswerten. Im Laufe des telefonischen Vorstellungsgesprächs wurden diese Punkte erwähnt, wobei mein eventuell zukünftiger direkter Chef meinte, es wäre kein Beinbruch, sich das zusätzliche Wissen anzueignen. Stimmt auch.

In dem Gespräch wurde erwähnt, dass nur vier Kandidaten telefonisch kontaktiert werden. Schon mal nicht schlecht. Der Chef der Firma wollte sich persönlich bei mir melden, um mich zu informieren, ob ich vor Ort bestellt werde, also werden von den vier Kandidaten nicht alle eingeladen. Das ist für mich schon eine tolle Leistung, wenn ich so durch das zweite Filter weiter komme. Außerdem soll die Stelle von vorne rein unbefristet sein, und der Firma soll es wirtschaftlich sehr gut gehen. Mal schauen, wie sie auf meine Gehaltsvorstellung reagieren.

Sollte es wirklich klappen, würden wir nach München umziehen. Bei den Immobilienpreisen, eher in der Umgebung von München. Ich wäre echt traurig, unsere jetztige Wohnung verlassen zu müssen. Mit unserer schön eingerichteten Terrasse, all die Pflanzen, und wir haben für den Sommer neue, teure Renovierungsarbeiten im großen Badezimmer bestellt… Ob wir die Wohnung dann vermieten oder verkaufen würden, bleibt zu sehen. Der Ehemann hat gerade eine neue Stelle angefangen, es wäre vielleicht besser, wenn er zuerst ein paar Monate hier bleibt und Erfahrungen sammelt, bevor er sich anderweitig bewirbt. Obwohl er meint, dort grundsätzlich mehr Chancen als in Berlin zu haben. Eine Fernbeziehung will er aber nicht.

Ich sollte jetzt ins Bett gehen und aufhören zu grübeln. Ich muss ja morgen früh zum Flughafen. Und zuerst muss das Gespräch gut laufen, bevor wir weitere Pläne machen.

Ein Anruf der Arbeitsagentur

Ich bin letzte Woche im Urlaub angerufen worden. Die Nummer war versteckt, auf dem Display stand nur „Privat“. Normalerweise Grund genug für mich, um nicht ran zu gehen. Vor allem, da ich mich im Ausland befand und mit meinem O2 Vertrag für jeden eingehenden Anruf 0,75€ zahlen muss. Aber vielleicht war es doch etwas Wichtiges. Ich bin also vorsichtig mit meinem in solchen Fällen üblichen, nichts verratenden französischen „Allo?“ ran gegangen. Nach einer kurzen Verzögerung: „Guten Tag, ich bin Frau Dingsbums von der Arbeitsagentur, mit wem rede ich?“ Da sie angegeben hatte, von der Arbeitsagentur zu sein, habe ich nach einer ebenfalls kurzen Verzögerung meinen Nachnamen verraten. „Gut, das ist die Person, mit der ich reden wollte.“ Eine gute Dosis typisches deutsches Misstrauens, gleich am Anfang vom Gespräch.

Ab dem Zeitpunkt habe ich mich schon gefragt, warum sie mich anruft. Hätte ich meinen Arbeitsvertrag nicht verlängert bekommen, wäre ich ab dem 1. März arbeitslos geworden. Mein Vertrag wurde aber verlängert. Ich hatte natürlich schon im Februar meine Daten auf der Jobbörse der Arbeitsagentur aktualisiert, sobald ich den Vertrag unterschrieben hatte. Also hatte ich es sofort versucht. Das hatte sich als doch nicht so einfach erwiesen. Dazu eine etwas längere Erläuterung.

Ich habe mich schon mehrmals als Arbeitssuchende eintragen müssen. Beim ersten Mal, nach meiner Doktorarbeit, als eine Internet-Verbindung zu Hause für mich noch nicht in Frage kam, hatte ich zusammen mit einer Bearbeiterin des noch Arbeitsamtes ein Profil samt Lebenslauf erstellt. Ich habe erzählt und sie hat eingetragen. Ich habe mich danach für die kurze Dauer der Arbeitslosigkeit nicht mehr darum gekümmert, da ich keinen Zugang zu meinen Daten hatte. Ich hatte sowieso keinen Anspruch auf Arbeitslosengeld und musste daher keine Bewerbungsversuche vorweisen, da ich, zu meiner großen Überraschung, in den dreieinhalb Jahren meiner Beschäftigung an der Uni keinen Beitrag zur Arbeitslosenversicherung bezahlt hatte. Ich konnte damals beim Unterschreiben vom Arbeitsvertrag kein Deutsch, aber es wurde drin auch nicht erwähnt… Oder lag es daran, dass ich gleichzeitig als Doktorandin an der Uni angemeldet war und somit einen Studentenstatus hatte? Wie auch immer.

Viele Jahre später, als ich wegen des Wissenschaftszeitvertragsgesetzes und trotz vieler Bewerbungen wieder arbeitslos wurde, habe ich mit neuen Zugangsdaten von zu Hause aus mein Lebenslauf aktualisieren wollen. Dabei ist mir aufgefallen, dass die Bearbeiterin Jahre zuvor ziemlich viel Müll reingeschrieben hatte. Bestimmte Stichwörter passten nur ungenau, einige Fähigkeiten stimmten einfach nicht. Die Beschreibung von Tätigkeiten lag total daneben. Blöderweise konnte ich nichts editieren, weil ich keine Rechte dazu hatte. Für meinen eigenen Lebenslauf in meinem eigenen Profil! Ich habe die Jobbörse deswegen nicht mehr benutzt und mir die Mühe auch nicht gegeben, die neuen Arbeitserfahrungen zu erfassen. Es war auch nicht so, als ob ich jemals von einem Arbeitgeber über diese Plattform kontaktiert worden wäre…

Ich habe mich zuletzt im Dezember als Arbeitssuchende gemeldet. Mit Verspätung, da ich auf Arbeit ziemlich viel zu tun hatte, und erst nachdem mir bewusst wurde, dass es ganz bequem online geht. Wenn man Zugangsdaten hat. Meine alten Daten habe ich nicht mehr gefunden. Außerdem war ich umgezogen, hatte inzwischen geheiratet und einen neuen Namen… Viel einfacher, sich ein neues Profil anzulegen. So konnte ich sauber mein Lebenslauf von vorne richtig angeben, damit die Jobbörse doch nützlich wird. Einige Zeit später bin ich von einer freundlich klingenden Frau der Arbeitsagentur angerufen worden, um Details über meine Anmeldung zu besprechen. Ich habe erwähnt, dass ich früher schon als Arbeitssuchende angemeldet war, und sie meinte, sie würde beide Konten zusammenfügen. Ich habe darauf bestanden, das alte Lebenslauf zu vergessen und nur das neue zu behalten. Kurz danach kamen Briefe mit neuen Zugangsdaten. Meine gespeicherten Nutzernamen und Passwort, die ich mir mühsam ausgesucht hatte, konnte ich vergessen.

Als ich im Februar die Verlängerung von meinem Arbeitsvertrag in der Jobbörse angeben wollte, habe ich die neuen Zugangsdaten benutzt. Es ging nicht. Eine Nachricht ist erschienen, in der stand, dass mein Konto stillgelegt wurde und ich mich an eine Hotline wenden musste. Am Telefon habe ich dann erfahren, dass die Stilllegung aufgrund der Zusammenfügung meiner alten und neuen Konten statt gefunden hatte. Die Frau hat mir neue Zugangsdaten am Telefon diktiert und das Konto entsperrt. Warum hatte ich dann im Dezember nach dem ersten Telefonat neue Zugangsdaten bekommen? Und warum bin ich nicht schriftlich über die Sperrung von meinem Konto in Kenntnis gesetzt worden? Das weiß nur die Arbeitsagentur, falls es wirklich eine Begründung dafür gibt. Und beim Bearbeiten von meinem Lebenslauf habe ich festgestellt, dass es neue Einträge gab… Alle meine bisherige Einträge wurden dupliziert, aber die Kopien darf ich nicht editieren. Die Kontenverwaltung bei der Jobbörse ergibt für mich keinen Sinn.

Ich habe also im Februar die Verlängerung meines Arbeitsvertrages angegeben, und war deswegen nicht wenig überrascht, letzte Woche von der Arbeitsagentur angerufen zu werden. Das oben angefangene Gespräch lief in etwa weiter so: „Sie haben angegeben, bis zum 28. Februar beschäftigt zu sein.“ „Äh, nein, mein Arbeitsvertrag ist verlängert worden, wie ich in meinem Lebenslauf in der Jobbörse eingetragen habe.“ „Sie hätten sich am 1. März als arbeitslos in der Arbeitsagentur persönlich anmelden sollen.“ „Wie gesagt, mein Arbeitsvertrag wurde verlängert, ich bin nicht arbeitslos. Das habe ich in meinem Lebenslauf bereits angegeben.“ Kurze Pause. „Ah ja, sehe ich…“ „Habe ich etwas vergessen zu tun, um Sie darüber in Kenntnis zu setzen?“ „Hmm, dann sollten Sie aber am ersten Tag der Arbeitslosigkeit zur Arbeitsagentur kommen, um sich als arbeitslos anzumelden. Sie können es aber auch früher machen, Sie müssen nicht bis Ende Dezember warten.“ Erstaunen meinerseits, das wusste ich nicht und es trifft sich gut, da ich sonst am 2. Januar dort erscheinen soll, was den üblichen längeren Besuch bei den Eltern ausschließt. Meine Frage hatte sie aber nicht geantwortet. „Was hätte ich zusätzlich machen sollen, damit Sie wissen, dass ich doch nicht ab dem 1. März arbeitslos bin?“ Keine Antwort, sondern gleich die Ankündigung: „Dann werde ich Sie wohl als Arbeitssuchende abmelden.“ „Nein, bitte nicht! Bis Dezember ist es nicht lang, ich will weiter als Arbeitssuchende bleiben!“ „Na gut, ich melde Sie nicht ab. Auf Wiederhören!“

Ich muss prüfen, dass ich immer noch als Arbeitssuchende gemeldet bin. Wenn ich weiß, wo ich danach suchen muss. Sonst verpenne ich bestimmt wieder die nächste Anmeldefrist.