Feiertag

Ich sitze alleine auf der Couch im Wohnzimmer meiner sonst immer noch fast leeren Wohnung und genieße die freie Zeit. Mal nichts zu tun muss auch sein. Kein Pendeln. Morgen arbeite ich. Das Wetter is nicht so toll, mal Sonne, mal graue Wolken, frisch ist es, windig, und es soll noch regnen. Ich bleibe lieber zu Hause. Vielleicht schaffe ich es, die zahlreiche Fotos, die ich bei unseren Wanderungen in den letzten Wochenenden gemacht habe, fertig zu bearbeiten und einige davon hochzuladen. Wir hatten echt tolle Zeiten, das will ich hier fest halten.

Der Ehemann ist jetzt auf Reise mit seinen Kumpeln. Nicht für Vatertag. Ein Schulfreund hat Geburtstag und will in seiner Heimat groß feiern. Ein halbes Jahrhundert ist es wert. Die Jungs sind heute Nacht in Tel-Aviv gelandet und scheinen Spaß zu haben. Sei es ihnen gegönnt.

Spät schlafen konnte ich heute Morgen nicht. Einerseits mache ich mir immer Sorgen, wenn der Ehemann fliegt. Andererseits kann ich morgens eh schlecht schlafen, wenn Licht ins Schlafzimmer kommt. Trotz Außenjalousien wird es früh hell.

Gestern Abend war ich sowieso schon nach Feierabend auf der Couch eingeschlafen. Bestimmt zwei Stunden lang lag ich da, bis der Ehemann sich kurz vor Boarding meldete. Eine Migräne hatte ich bekommen, die erste seit längerer Zeit. Ich vermute, das Wetter war schuld. Wir haben Gewitter bekommen, und seit mittags fühlte ich mich im Büro unwohl. Der Himmel war sehr schwer mit bedrohlichen dicken grauen Wolken, zum Glück ist der Regen nicht so stark geworden.

Schon blöd, weil wir auf Arbeit eine Grillparty veranstaltet hatten. CEO#2, Mitgründer der Firma, der mein Vorstellungsgespräch geführt und die Entscheidung über meine Einstellung getroffen hatte, verlässt die Firma. Ganz freiwillig war das nicht, obwohl er versucht hat, es so darzustellen, als er uns vor drei Monaten informiert hatte. Seit der Übernahme der Firma vor einigen Jahren hatte er nur noch einen befristeten Vertrag, und dieser wurde einfach nicht verlängert. Stattdessen haben wir eine vom Mutterkonzern ausgewählte Frau bekommen, die sicherlich auch gut ist. Dass CEO#2 uns verlässt hat aber viele von uns überrascht und traurig gemacht, meinen direkten Chef deutlich spürbar.

Um mich bei CEO#2 für meine Einstellung zu bedanken, habe ich Taboulé für die Grillparty gemacht – nicht wie mein Salat mit Petersilie und Tomaten, sondern richtig im Ottolenghi-Tamimi-Stil, mit ganz dünn geschnittener Petersilie und Minze. War das vielleicht aufwendig! Das Waschen der Kräuter allein hat schon lange gedauert. Ich habe Krämpfe in der linken Hand bekommen, die die gestapelten Blätter die ganze Zeit zusammen gehalten hat, damit ich sie mit dem scharfen Messer vorsichtig schneiden konnte. Über drei Stunden habe ich gebraucht. So sorgfaltig war ich beim letzten Mal nicht. Dank Wasserkocher konnte ich sogar ein kleines bisschen Couscous reinmischen. Das Ergebnis war jedoch geschmacklich nicht ganz zu meiner Zufriedenheit. Dafür hätte ich mehr Gewürze gebraucht, die alle noch in meiner Küche in Berlin sind. Das native Olivenöl Extra von Kristal aus dem türkischen Gemüseladen hat meine Erwartungen nicht erfüllt. Trotzdem ist der Salat sehr gut angekommen, der Zitrone sei Dank.

Die Migräne habe ich gestern Abend mit Paracetamol und Süßigkeiten versucht zu vertreiben. Schlafen hat offenbar am besten geklappt. Heftige Krämpfe habe ich nach dem Aufwachen auf der Couch in den Waden und Füßen bekommen, obwohl ich regelmäßig Magnesiumcitrat einnehme, seitdem ich wieder so viel Sport treibe. Ich glaube, ich schlafe nicht genug.

Heute Abend mache ich mir einfach Couscous mit roher, frisch geschnittener Möhre und Paprika. Minze kommt noch rein, die ich vom Taboulé übrig habe. Ein Bier habe ich mir bei unserem Indthailiener hinter dem Bahnhof geholt – so von uns schmunzelhaft benannt, weil er Küche aus der ganzen Welt in seiner elend langer Menükarte anbietet. Trotzdem ist das Essen dort in Ordnung, wenn man keine Küche hat. Günstig auf jeden Fall.

Ach ja, Bier darf ich wieder trinken. Das Problemchen hat sich wie erwartet von alleine gelöst, was mich ehrlich gesagt sehr erleichtert. Auch im wahrsten Sinne des Wortes. Die drei Kilogramme, die ich trotz Sport und vorsichtiger Ernährung unfassbar schnell auf der Waage bekommen habe, sind wieder weg.

Advertisements

Wochenende in Berlin

Das Wochenende hat am Freitag nach einem frühen Feierabend angefangen, als ich mich auf den Weg zum Hauptbahnhof gemacht habe. Ich hätte die Arbeit später verlassen können, aber die U-Bahn hat mich schon mal im Stich gelassen und ich wollte das Risiko nicht eingehen, den Zug zu verpassen. Das Wetter war traumhaft und ich dachte, es wäre schön, unterwegs ein Eis zu essen. Besser doch erst zum Bahnhof ankommen, dort finde ich bestimmt ein gemütliches Eiscafé. Nicht. Ich glaube, alle Bahnhof-Vorplätze, die ich bis jetzt besucht habe, sind besser gestaltet als in München. Ich habe mir ein Eis bei den zwei asiatischen Frauen in der Bahnhof-Halle neben einem der Eingängen geholt, die meine Bestellung kaum verstanden haben, und habe es auf dem Bürgersteig neben den Taxis, aber immerhin in der Sonne, gegessen. Ich kenne mich in München in Sachen Eisdielen nicht aus, aber der Laden hinter dem Bahnhof Pasing, Buongiorno, bietet weitaus viel leckereren Eissorten an.

Der Ehemann hat mich am Bahnhof abgeholt und wir sind zum Savignyplatz Tapas essen gegangen. Das Restaurant, wo wir bei unserer ersten Nacht waren. Um die Uhrzeit wurden schon erste Tische auf der Terrasse wieder frei. Die Luft war wärmer als in München und wir haben einen schönen Abend dort verbracht, wobei es auffällig häufig Krankenwagen und Polizeiwagen zu hören gab. Ich vermute dass es mit dem Wetter zu tun hat. Ich hatte schon mal den Eindruck, dass die Leute in Berlin mit steigenden Temperaturen aggressiver werden, statt sich über das schöne Wetter zu freuen. Die anschließende Fahrt mit dem Taxi nach Hause hat meinen Eindruck nicht geändert. Zum Glück haben wir einen super coolen Fahrer erwischt, der nicht wie Sau fuhr und vom Dialekt her eindeutig Berliner war. So viele Leute haben uns unterwegs von rechts und links überholt, dass er auch meinte, das Wetter macht die Leute verrückt. Und auf der ganzen Strecke sind wir Polizeiwagen mit Blaulicht begegnet. Ich war froh, den Ehemann überedet zu haben, nicht mit ÖPNV nach Hause zu fahren.

Gestern konnten wir früh aufwachen, und ich bin zum Fitnessstudio gegangen, um beim Wassergymnastikkurs mitzumachen. Die Kursleiterin hat so ein tolles Intervall-Programm entwickelt, man fühlt sich nach einer Dreiviertelstunde ausgepowert, wenn man alles gibt. Trotzdem gab es viele ältere Leute im Wasser (geschätzt Ü70), die mit Freude in ihrem Tempo mitgemacht haben. Es ist super, wenn es Kurse gibt, wo jeder davon profitiert, egal in welchem Fitness-Zustand. Die anderen Wasser-Kurse, die ich bei Fitness First gemacht habe, ob in Berlin oder München, sind nicht so herausfordernd und ich habe danach nicht den Eindruck, wirklich etwas geleistet zu haben. Nach dem Sport sind wir zum Markt gegangen, um wieder mal leckere Crêpes zu essen. Groß war unsere Enttäuschung, als wir festgestellt haben, dass die Französin ihren Stand nicht mehr betreibt. Stattdessen sind wir zu einem französischen Lokal bei uns gegangen. Es ist eher ein Lebensmittel-Laden, wo der Besitzer vorne noch ein Paar Tische hingestellt hat und Kleinigkeiten zum Essen anbietet. Ich hatte eine grobe Pastete mit Cornichons. Echte Cornichons, nicht die, die mit Zucker eingelegt werden, nein, richtig sauer in Essig eingelegte Cornichons! Das tat so gut! Weil…

Ach ja. Ich wollte es nicht. Schließlich habe ich die Pille drei Monate lang genommen und es geschafft, mit gezielter Verschiebung der Einnahme meine Periode so anzupassen, dass der Eisprung in der Woche fällt. Vielleicht habe ich nicht mehr aufgepasst, die Samenzellen können ganz schön lange überleben… Jedenfalls habe ich den Eisprung nach drei Monaten Abwesenheit genau so pünktlich wie erwartet deutlich gespürt und dem Ehemann zu verstehen gegeben, dass wir aufpassen sollten. Haben wir. Es war am Osterwochenende, und trotz hormoneller Planung waren wir also fürs lange Wochenende zusammen. Ich vermute, dass es noch Samenzellen vom vorherigen Wochenende gab. Sonst kann ich nicht erklären, wieso meine Periode bis jetzt ausgeblieben ist, ich trotz fleißigem Kaloriendefizit und Sport plötzlich leicht zunehme, die leichte Übelkeit, die mich seit einigen Tagen begleitet und dieses charakteristisches Ziehen im Unterleib spüre. Et merde. Ich bin immer noch in der Probephase. Das Gute ist, dass man es bis Juli nicht merken wird, und bis jetzt ist mein Chef mit mir sehr zufrieden. Andererseits hat die Erfahrung gezeigt, dass es eh sehr wahrscheinlich nicht halten wird. Mal schauen. Jetzt soll gefälligst der Ehemann endlich zu mir ziehen, auch wenn er erstmals Arbeitslos ist. Ein Anspruch auf Arbeitslosengeld hätte er trotz Kündigung, weil ich für die Arbeit umziehen musste. Ich bin es satt, in schwierigen Situationen alleine klar kommen zu müssen. Wie bei der letzten Fehlgeburt, oder bei dem Tod meiner Katze.

So. Heute haben wir Freunde zum Brunch eingeladen und ich hatte viel Spaß daran, für sie in der Küche zu werken. Ich vermisse meine Küche. Es gab Hummus, Avocado-Aufstrich, Bohnen-Salat, Taboulé, Obstsalat… Ich dachte, es wäre zu viel, aber die haben ordentlich rein gehauen. Nach diesem schönen Nachmittag auf dem Balkon sitze ich jetzt wieder im Zug und bin in einer Stunde zu Hause.

So plötzlich kann die Welt kippen

Heute Morgen dachte ich, der Tag fängt schon scheiße an. Meine S-Bahn, die nur alle zwanzig Minuten kommt, ist heute zu früh abgefahren. Ganze zwei Minuten zu früh! Ich war um 07:59 noch nicht zum Treppenuntergang angekommen, und konnte meinen Ohren nicht glauben, als ich sie ankommen hörte. Ich war noch nicht die Treppe zum gegenüberliegenden Bahnsteig herunter gelaufen, schon fuhr sie wieder weg, obwohl sie laut Plan erst um 08:01 fahren soll. Angepisst war ich, und ich durfte zweiundzwanzig Minuten auf die nächte Bahn im Schatten warten. Die einzige Stelle in der Sonne hatte schon ein Typ mit seiner eklig stinkende Kippe für sich beansprucht.

Es kam unerwartet schlimmer, und auf einmal erscheinen Probleme mit dem ÖPNV völlig nebensächlich. Ich hätte früher Feierabend machen können, aber eine Schwierigkeit ließ mich länger am Rechner sitzen. Mit ihrer üblichen frechen Art hatte mich schon Ute gefragt, wie lange ich denn heute im Büro bleiben würde. „So lange, bis ich fertig bin“, war meine Antwort. Beim Programmieren kann man nicht einfach so bei einem ungelösten Problem fürs Wochenende aufbrechen.  Das Problem habe ich nicht vollständig gelöst, als ich doch gehen musste. Ich konnte mich nicht mehr konzentrieren.

Meine Freundin Mei aus Aachen hat mich angerufen. Ich hatte gerade das Zimmer verlassen, als sie sagte, „Karl ist tot“. Karl, ihr Mann. Das war wie ein Schlag. Karl, der nur ein paar Tage zuvor noch auf Facebook stolz seine neue „Frühjahr-Frisur“ zur Schau stellte. Karl, der immer so lustig drauf war. Man stirbt doch nicht einfach so! Woran er gestorben ist, was passiert ist, konnte mir Mei nicht mehr sagen. Dafür haben ihre Kräfte nicht gereicht. Er ist gestern in der Wohnung gefunden worden, sagte sie. Mit Mitte vierzig? Wie passiert denn sowas?

Mei arbeitet weit vom gemeinsamen Zuhause und hat ihre eigene Wohnung für die Woche. Jedes Wochenende ist sie nach Hause gependelt. Ich kann mir gut vorstellen, was in ihrem Kopf durch geht. Ob es hätte verhindert werden können, wenn sie eine Stelle näher von zu Hause gefunden hätte? Und welche Schuldgefühle muss sie haben, nachdem sie mir schon gesagt hatte, sie wünschte sich manchmal, sie würde sich von ihm trennen? Trotzdem sitzt der Schmerz tief, das war nicht zu überhören. Ich wünsche, ich könnte bei ihr sein. Urlaub darf ich erstmal nicht nehmen, aber vielleicht kann ich an einem Wochenende zu ihr fahren, statt nach Berlin. Wenigstens hat sie die Schwiegerfamilie, die sich um sie kümmert. Ich wünsche ihr ganz viel Kraft.

Glätte

Meine Wetter-App hatte mir erhöhte Temperaturen versprochen. Ich hatte mich darüber gefreut, weil es heißen würde, dass der Schnee endlich verschwinden würde. Auf dem Bahnsteig macht es mir keinen Spaß, wenn es Rutschgefahr gibt. Es macht mir eh nirgendwo Spaß.

Ich war nicht begeistert, als ich nachmittags im Büro aus dem Fenster schaute und die vielen Schneeflocken runten kommen sah. Der Weg, den ich morgens nutze, war wieder ganz weiß, nachdem er heute endlich frei vom Schnee geworden war. Aber es kam schlimmer, denn danach hatten wir einen leichten Regen. Und es hat nicht gereicht, um den gefallenen Schnee zu verschmelzen, nein. Als ich Feierabend gemacht habe, war der Schnee zu einem rutschigen Matsch geworden. Es hatte ja eine Glättewarnung für den Abend gegeben. In München selbst geht es noch, weil so viele Menschen unterwegs sind und alles zertrampelt hatten. Als ich aber zu Hause ankommen bin, war der Weg von der S-Bahn völlig glatt. Sowie der Bahnsteig. So sieht es meistens aus:

Schnee_SBahn

Vorbereitung scheint bei uns fehl am Platz zu sein. Weder vor dem Hotel im Nachbarhaus noch bei uns wurde gestreut. Es war wie eine Eislaufbahn. Ich bin auf der Straße gegangen. Da fahren sowieso so wenige Autos, man läuft keine Gefahr, überfahren zu werden. Ich frage mich, ob ich morgen gut zur Arbeit ankommen kann. Ich sollte vielleicht später als sonst gehen.

Zum Glück habe ich ein klitzekleines bisschen mehr Sicherheitsgefühl auf Glätte bekommen, auch wenn ich immer noch fürchterlich schimpfe und es so gut es geht vermeide, mich darauf zu bewegen. Am letzten Wochenende hatte ich die glorreiche Idee, mit dem Ehemann auf dem Wank eine Schneewanderung zu machen. Mit dem Zug brauchen wir keine zwei Stunden dahin. In Garmisch-Patenkirchen angekommen, war kaum Schnee zu sehen. Uns wurde von einem Einheimischen in einem Lebensmittelladen versichert, dass man keine Schneeschuhe brauchen würde. Es stimmt, dass viele Leute uns zu Fuß überholt haben. Ich weiß nicht, wie sie es schaffen, so schnell unterwegs zu sein.  Als mir klar wurde, dass ich dem Verkäufer aus dem Dorf niemals hätte vertrauen schenken sollen, war es zu spät um umzukehren, da wir aufwärts gingen. Sonst hätte ich den glatten Weg runter gehen müssen, was noch schlimmer als erklimmen ist. Der liebe Ehemann hat mir sehr geduldig gezeigt, wie ich meine Füße setzen sollte, um einen besseren Stand auf Glätte zu bekommen. Man sollte auf der Außenkante oder Innenkante vom Fuß abrollen, je nach dem, ob man runter oder hoch geht, und es stimmt, man rutscht nicht mehr so viel! Es hat mir viel Überwindung und Nerven gekostet, aber wir haben es am Ende bis zur Mittelstation geschafft. Nur, weil ich meine Stöcke mitgenommen hatte. An manchen Stellen war es so glatt, dass ich mich nur noch über die Stöcke fest halten konnte. Meine Muskel haben geschrien, meine Füße haben weh getan, ich habe fast Krämpfe bekommen. Gut, dass wir danach Gondel fahren konnten. Mit richtigen Schneeschuhen hätten wir es bestimmt bis zur Spitze geschafft.

Wegen des Schneefalls hatten wir keine Aussicht. Mir ging es sowieso vor allem um Sport. Bei besserem Wetter werden wir auf jeden Fall zurück kommen. Die Gegend hat mir sehr gefallen. Das Frühstück im Café Berge war schon mal hervorragend. Ich habe dort das beste Müsli serviert bekommen, das ich je gegessen habe. Mit Amarant und Beeren. Das Dorf ist entzückend, auch wenn es auf mich viel zu religiös wirkt. Am Hotel der Drei Mohren kann man noch ganz politisch unkorrekt Zigeunerbratwurst bestellen, was wir nach dem tollen Frühstück nicht mehr probiert haben. Danach war ich zu sehr mit dem Gehen auf dem Schnee beschäftigt, um noch Fotos zu machen. Wir sind bei Tageslicht zurück zum Bahnhof gekommen und hatten insgesamt einen tollen Tag, von den Schwierigkeiten auf dem Schnee mal abgesehen.

 

Nichts für die Minestrone

Ich bin entsetzt. Unsere letzten Bohnen hatte ich zum Trocknen geerntet, um sie später für eine Suppe zu benutzen. Eine Art Minestrone hatte ich im Kopf. Aus frischen Bohnen aus der Terrasse hatte ich uns schon im frühen Herbst einen ganz leckeren Chili con Carne gemacht. Nachdem ich die Bohnen zuerst separat gekocht und das Wasser entsorgt hatte, weil die Feuerbohnen sonst giftig sind.

Ich hatte mich erkundigt, wie die Bohnen zu lagern sind. Seitdem haben die vor sich hin getrocknet, und mit dem ganzen Trubel am Ende des Jahres (neuer Arbeitsvertrag, Familienbesuch über Weihnachten, Wohnungssuche…), habe ich nicht besonders aufgepasst. Die Bohnen waren in einem dunklen, trockenen Ort, was könnte denn passieren? Tja.

So ganz wie Bohnenfliegen sehen die Viecher nicht aus. Auf dem Rücken ist es auch schwer zu sagen. Ich wollte sie mir genauer anschauen und dabei ist mir aufgefallen, dass sie sogar noch leben! Da streckt jemand ein Beinchen, dort zittert eine Antenne… Sind sie gerade geschlüpft? Die Löcher sehen schön sauber rund aus, die Deckel liegen auf dem Teller rum. Sie haben sich den Weg nach draußen gefressen. Die Bohne oben rechts hat den runden Deckel dran, vielleicht ist jemand noch dabei, da raus zu kriechen.

Was tun damit? Weg schmeißen geht nur, wenn ich gleich die Tüte in die Mülltonne draußen am Parkplatz entsorge. Sonst haben wir die Viecher überall in die Wohnung. Da ich aber heute Morgen mit einem bösen versteiften Nacken aufgewacht bin, will ich mich lieber schonen. Den Ehemann habe ich schon zum Einkaufen fürs Abendessen geschickt. Also habe ich die Bohnen zurück zur Terrasse in die Kälte gebracht.

Wenn ich die Minestrone mache, wird es ohne die Feuerbohnen aus der Terrasse sein. Ich will mir nicht vorstellen, dass es schon Larven in den Bohnen gab, als ich den Chili gemacht hatte. Äh, zu spät.

Die Ferien sind vorbei

Das war heute morgen nicht zu übersehen. Es war schwierig genug, zur Arbeit zu fahren. Überfüllte Busse. Als ich in den ersten Bus eingestiegen bin, habe ich den ersten freien Sitzplatz genommen, an den ich vorbei gegangen bin. Direkt neben der Tür. Gut, dass ich nicht gezögert habe, weil noch ganz viele Schüler eingestiegen sind. So dicht aneinander gepackt! An der Haltestelle hätte ich nicht gedacht, dass so viele draußen standen. Vermutlich sind sie ausgestiegen, um wieder einzusteigen, weil andere Passagiere raus mussten. Unweit von mir standen zwei Mädchen, die kein Bock darauf hatten, zurück zur Schule zu gehen. Beide voll geschminkt, mit Übergewicht und langen künstlichen Nägeln. „Warum habe ich keine Ausbildung gemacht?“ fragte die eine. „Was für eine?“ wollte die zweite wissen. „Bei Douglas! Dann könnte ich viel Parfum mitnehmen,“ seufzte die erste.

Beim Umsteigen hat es mich recht sauer gemacht, dass zwei Busse an der Haltestelle vorbei gerauscht sind, ohne zu halten. Beide rappelvoll, mit Leuten an den Türen breit geklatscht. Auf den dritten Bus habe ich mitten auf der Straße gewartet. War doch nicht nötig, er war nicht so voll und hat angehalten. Auf die Art habe ich eine Viertelstunde mehr auf dem Weg zur Arbeit gebraucht. Dabei gibt es sogar unterschiedliche Fahrpläne bei Schule und Ferien. Wozu, frage ich mich. Fehlplanung.

Auf Arbeit waren die Ferien auch vorbei. Ich habe ganz viele neue Leute kennen gelernt, und natürlich konnte ich mir nicht alle Namen merken. Meine Zimmerkollegin Ute ist ebenfalls aus ihrem Urlaub zurück gekommen. Nach einem Tag geht sie mir schon auf die Nerven. Sie kommt mir ein bisschen wie Nina vor, in ihrer Art, obwohl sie wenigstens nicht so dumm wirkt. Bei unserem ersten Treffen im November hatte sie eher einen kompetenten Eindruck hinterlassen. Das kam davon, dass sie so affirmativ und selbstbewusst redet. Wie Mr Keen. Bei ihm war es alles Schau, bei Ute denke ich, es kann in ihrem Fach begründet sein. Obwohl ich schon mitgekriegt habe, wie sie heute genau so selbstbewusst in einem ganz anderen Thema Quatsch erzählt hat. Sie redet leider ununterbrochen und dabei ist es ihr völlig egal, was ihre Zuhörer denken. Sie erwartet Zustimmung und wenn sie sie nicht bekommt, fällt sie einem ins Wort und redet weiter. Sie lässt keine Unterbrechung zu und Gespräche mit ihr sind eher Monologen. Irgendwann habe ich ausgeschaltet, als sie sich mit Tim „unterhalten“ hat (ihm fällt sie auch ins Wort). Meine Arbeit muss erledigt werden. Mir ist aber aufgefallen, sie denkt, ihr würde weiterhin zuhören, weil sie manchmal auf Reaktionen meinerseits wartet, ohne mich vorher explizit angesprochen zu haben. Wozu soll ich zuhören und reagieren, wenn sie eh erwartet, dass ich ihr in allem zustimmen sollte? Anstrengend. Ich muss mir ganz schnell eine Überlebensstrategie aussuchen.

Eine Woche ist rum

Auf Arbeit ist noch nicht viel passiert. Scheinbar. Ich habe eine Aufgabe bekommen und lerne dabei viel. Ich muss mich jetzt mit Access und Visual Basic vertraut machen, um mehr Funktionalität in dem Programm von meinem Chef zu bringen. Sein Programm ist aber recht kompliziert geschrieben, und mein Chef selber kann teilweise nicht mehr nachvollziehen, warum der Code an manchen Stellen so aussieht. Wie gut, dass ich wenigstens vor fünf Jahren Grundlagen von Datenmanagement mit SQL gelernt hatte! Einiges ist noch gut genug in meinem Kopf erhalten, dass ich wenigstens die Datenbankabfragen verstehe.

Von lauter Aufregung habe ich am ersten Arbeitstag glatt vergessen, die Pille einzunehmen. Und das in der ersten Woche nach der Periode, was am gefährlichsten ist. Ich habe es am nächsten Tag gemerkt, als ein komisches Gefühl sich in meinem Bauch bemerkbar machte. Ich habe sie also mit etwa zwölf Stunden Verspätung eingenommen, und weiter gemacht wie geplant. Tja, ob ich jetzt schwanger werde? Nach all den Versuchen seit der Fehlgeburt, wo es nicht geklappt hat, wäre es ziemlich blöd, ausgerechnet jetzt, wo ich meine neue Stelle in der teuresten Stadt Deutschlands eingetreten habe. Hoffen wir, dass es nicht dazu kommt. Daraus lerne ich, es ist besser, die Pille morgens statt abends einzunehmen. Da hat man mehr Zeit, in so einem Fall wieder daran zu denken, statt gut sieben Stunden durch Schlaf zu verlieren. Als der Ehemann mich am Wochenende besucht hat, habe ich ihn darum gebeten, Kondome mitzubringen.

Es traf sich gut, dass er am Wochenende gekommen ist, denn es gab weitere Wohnungsbesichtigungen. Jetzt ist es mir aber zu spät, um darüber zu berichten. Morgen stehe ich früh auf, um die ganze Zeit nachzuholen, wo ich letzte Woche zu Besichtigungsterminen fahren musste.

Wir haben noch keine Wohnung, aber eins haben wir geschafft: Ein Jahresabo zum Deutschen Museum zu erwerben. Gar nicht so teuer: 52€, sogar für uns beide! Wir haben den ganzen Samstagnachmittag dort verbracht. Am Abend waren wir im Kino, und ich kann Loving Vincent wärmstens empfehlen. Das Wochenende haben wir heute vor dem letzten Besichtigungstermin mit einem schönen Spaziergang an der Isar abgerundet. Was nötig war, da wir es uns auch gut gehen lassen haben. Am Freitagabend hatte ich uns einen Tisch am Jagdschlössl gebucht. Ich hatte gute Kritik über ihren Fisch gelesen, und es stimmt, mein Saibling auf Kürbis-Risotto war einfach fantastisch. Nachdem der Ehemann sich heute auf dem Rückweg zum Flughafen gemacht hat, habe ich das Fitnessstudio besucht, da ich überall in Deutschland in der Kette trainieren darf. Ich war aus Zeitmangel ewig nicht mehr sportlich tätig gewesen und habe daher als Neueinstieg nicht zu viel gemacht. Vielleicht schaffe ich es, morgen zur Wassergymnastik zu gehen.

Mein Jahr 2017 in Büchern

Ein Jahr geht zu Ende, und ich stelle wieder fest, seitdem ich nicht mehr alleine als Single lebe, lese ich viel weniger. Da ich mal gefragt wurde, ob und was ich gerne lese, kommt jetzt eine Revue der Bücher, die mir 2017 in die Hände gefallen sind.

Bücher

  • Albert Camus, L’étranger. Wir hatten mit dem Ehemann mal über erste Sätze von Romanen diskutiert, und diese kannte er noch nicht. « Aujourd’hui, maman est morte. Ou peut-être hier, je ne sais pas. » Im Gymnasium hatte uns der Lehrer im Literaturunterricht gesagt, diese zwei Sätze wären die Berühmtesten überhaupt. Wenn alle Literaturlehrer in allen französischen Gymnasien das ihren Schülern erzählen, dann stimmt es auch irgendwann 😀 Quatsch, selbst Wikipedia erwähnt es. Weil ich aber nach über zwanzig Jahren nicht mehr wusste, worum es sonst in dem Buch ging, nachdem die Mutter gestorben ist, habe ich es mir gekauft. Das Buch wird als ein der Hauptwerke vom Existentialismus beschrieben. Wenn ich mich vage an La Nausée von Sartre erinnere, kommt es mir vor, als ob es hauptsächlich um gefühllose sexuelle Erfahrungen ginge, um den Sinn des Lebens wieder für sich zu entdecken. Aber Philosophie ist ja nicht meine Stärke, schließlich bin ich in dem Fach für die Abitur grandios durchgefallen. Das hat man davon, wenn man seine Mathe-Aufgaben im Philosophie-Unterricht schreibt.
  • George Cham & Daniel Whiteson, We have no idea. Ein lustig geschriebenes Buch über alles, was man in der Physik noch nicht weiß.
  • Neil Gaiman, Norse Mythology. Neil Gaiman ist einer meiner Lieblingsautoren. Ich konnte es mir nicht entgehen lassen, die nordische Mythologie auf seiner zauberhaften Schreibweise erzählt zu bekommen.
  • Günter Grass, Rede vom Verlust. Leider immer noch sehr aktuell.
  • Sybil Marshall, The Book of English Folk Tales. Das Buch hatte ich mir letztes Jahr für Weihnachten gewünscht. Ich habe ein Faible für Märchen aller Art. Diese Sammlung bietet viel mehr als Märchen, es geht auch um Legenden und Erzählungen von lokalen historischen Ereignissen in England. Die Autorin hat sich bemüht, sogar die einzelnen Dialekten in den Dialogen wiederzugeben. Besonders gut gefallen hat mir die Schmuggler-Geschichte Bury Me in England (und der französische Matrose! My sheep, she is La Belle Jeanne. We ’ave English m’sieur on board. Köstlich!). Die fast vierzigseitige Einleitung habe ich, weil sie am Anfang des Buches lag, ebenfalls gelesen, was nicht immer leicht war. Dadurch habe ich verstanden, was folklore wirklich bedeutet: folk lore, „Wissen des Volkes“. Gut, Wikipedia wusste es auch schon längst.
  • Terry Pratchett, The Shepherd’s Crown. Ich habe alle Discworld Bücher gelesen. Und sowieso alle Bücher von Terry Pratchett. Mehrmals. Einige Bücher sind nur noch mit großer Vorsicht zu behandeln, da einzelne Blätter nicht mehr fest sitzen. Nur dieses Buch, das posthum veröffentlicht wurde, noch nicht. Ich hatte es sofort gekauft, als es verfügbar wurde, aber die Tatsache, dass es danach kein neues Buch mehr von ihm geben würde… 😥 Ich habe es dieses Jahr endlich geschafft.
  • Hariett Beecher Stowe, Uncle Tom’s Cabin. Eine Bildungslücke geschlossen.

Comics

  • Pénélope Bagieu, Culottées, Tome 1 & Tome 2. Man fährt nicht an Angoulême vorbei, ohne ein paar Comics mitzunehmen. In zwei Bändern erzählt und zeichnet die Autorin das Leben von dreißig außergewöhnlichen Frauen, die den Zwängen ihrer Zeiten getrotzt und dadurch ihre Gesellschaften beeinflusst haben. Beinhaltet teilweise richtig harten Stoff.
  • Neil Gaiman, Coraline. Die von Philip Craig Russell illustrierte Version vom gleichnamigen Roman.
  • Marcel Gottlieb, dit Gotlib, Les dingodossiers. L’intégrale.
  • Ralf König, Pornstory. Schön älter, ich war nur noch nicht dazu gekommen, es zu lesen.

Ich schreibe wie

Analysetool, entdeckt bei Carrie. Eine nette Beschäftigungsidee, während die ersten Böller schon auf der Straße und im Hinterhof knallen.

Die Hits aus den Einträgen vom letzten halben Jahr:

Vielleicht doch keine so gute Idee und ganz viele andere Texte:

Ich schreibe wie
Stieg Larsson

Das Forschungsprojekt von AnwaltMap – anwälte. Ich schreibe wie…

Offener Brief an Jasmina und nicht so viele andere Texte:

Ich schreibe wie
Joanne K. Rowling

Das Forschungsprojekt von AnwaltMap – anwälte. Ich schreibe wie…

Die Ausreißer:

Unwohl:

Ich schreibe wie
Sidney Sheldon

Das Forschungsprojekt von AnwaltMap – anwälte. Ich schreibe wie…

Eine Knirpssche Frechheit:

Ich schreibe wie
Erich Maria Remarque

Das Forschungsprojekt von AnwaltMap – anwälte. Ich schreibe wie…

Der verlorene Regenschirm:

Ich schreibe wie
Friedrich Glauser

Das Forschungsprojekt von AnwaltMap – anwälte. Ich schreibe wie…

Außer Joanne K. Rowling kenne ich keine der anderen Autoren, und selbst Rowling habe ich nicht auf Deutsch gelesen.

Eine Knirpssche Frechheit

Ich hatte mir nach dem Verlust von meinem Lieblingsregenschirm schweres Herzens einen neuen gekauft. Wir waren mit dem Ehemann bei Karstadt und hatten lange gesucht, bis wir einen guten Regenschirm gefunden hatten. Es war wieder ein Knirps, wobei ich schlucken musste, weil der Preis bei ähnlicher Qualität verglichen mit meinem verlorenen Regenschirm mittlerweile doppelt so hoch geworden war. Damals hatte ich 30€ beim Kaufhof gelassen, diesmal waren es satte 60€ (59,99€), um einen stabilen Regenschirm zu bekommen, den man mit einfachem Knopfdruck wieder schließen kann. Heftig. Der war immerhin recht schick, der neuer Regenschirm, mit seinem roten Karomuster.

Das war bis vor einem Monat. Denn was habe ich gemacht? An einem Tag, als es drohte, leicht zu regnen, ich aber einfach mit Regenjacke zur Arbeit raus gehen wollte, hat mich der Ehemann überredet, den neuen Regenschirm doch mitzunehmen. Die kleine Handtasche war schon voll , ich musste ihn also zusätzlich tragen. Und was habe ich getan? Ihn im Bus beim Aussteigen liegen lassen. Es war ja irgendwie klar, dass es passieren musste, daher war mein erster Impuls gewesen, ihn gar nicht mitzunehmen. Ärgerlich ist, dass ich an dem Tag nicht mal was vom Regen mitbekommen hatte, ich hätte es mir echt sparen können. Dass ich mein Bauchgefühl so leicht strapazieren lasse… Und nochmal Mist, schon wieder ist ein Regenschirm weg, und diesmal habe ich ihn nicht mal den ganzen Sommer behalten.

Was soll’s, lange jammern hilft nicht, ein neuer Regenschirm muss her. Aber nochmal so lange in Karstadt suchen zu müssen wollte ich nicht. Es geht auch online. Ich also gleich am Abend zum Knirps Shop… Wie der Regenschirm hieß, wusste ich nicht mehr, den Schild hatte ich längst entsorgt. Aber wenn ich den gleich aussehenden Regenschirm beim gleichen Preis finde, sollte es auch klappen. Dachte ich. Ich wurde schnell fündig und bestellte den Regenschirm.

Was ich bekommen habe ist eine absolute Frechheit. Das Gestell wirkte wackelig und gar nicht so stabil, der Griff sah billig aus, der Schirm ließ sich nicht mal mit Knopfdruck wieder schließen, und für diese minderwertige Ware sollte ich genau das gleiche wie für das tolle Modell aus Karstadt bezahlen? Ich habe es nochmal geprüft, aber ich bin wirklich nicht auf einer Betrugsseite gelandet, es ist wirklich der Shop von Knirps, bei dem ich bestellt habe. In der Email zur Bestellungsbestätigung gab es eine Widerrufsbelehrung, und ich habe laut dieser innerhalb vierzehn Tage nach Empfang der Ware das Formular elektronisch und die Ware per Post zurück geschickt. Die automatische Email-Antwort zum Widerruf habe ich bekommen, aber sonst gar nichts. Ich bin gespannt auf den nächsten Kontoauszug meiner Kreditkarte.

Mein Fazit ist jedenfalls: Nie wieder beim Knirps Shop bestellen.