Nichts für die Minestrone

Ich bin entsetzt. Unsere letzten Bohnen hatte ich zum Trocknen geerntet, um sie später für eine Suppe zu benutzen. Eine Art Minestrone hatte ich im Kopf. Aus frischen Bohnen aus der Terrasse hatte ich uns schon im frühen Herbst einen ganz leckeren Chili con Carne gemacht. Nachdem ich die Bohnen zuerst separat gekocht und das Wasser entsorgt hatte, weil die Feuerbohnen sonst giftig sind.

Ich hatte mich erkundigt, wie die Bohnen zu lagern sind. Seitdem haben die vor sich hin getrocknet, und mit dem ganzen Trubel am Ende des Jahres (neuer Arbeitsvertrag, Familienbesuch über Weihnachten, Wohnungssuche…), habe ich nicht besonders aufgepasst. Die Bohnen waren in einem dunklen, trockenen Ort, was könnte denn passieren? Tja.

So ganz wie Bohnenfliegen sehen die Viecher nicht aus. Auf dem Rücken ist es auch schwer zu sagen. Ich wollte sie mir genauer anschauen und dabei ist mir aufgefallen, dass sie sogar noch leben! Da streckt jemand ein Beinchen, dort zittert eine Antenne… Sind sie gerade geschlüpft? Die Löcher sehen schön sauber rund aus, die Deckel liegen auf dem Teller rum. Sie haben sich den Weg nach draußen gefressen. Die Bohne oben rechts hat den runden Deckel dran, vielleicht ist jemand noch dabei, da raus zu kriechen.

Was tun damit? Weg schmeißen geht nur, wenn ich gleich die Tüte in die Mülltonne draußen am Parkplatz entsorge. Sonst haben wir die Viecher überall in die Wohnung. Da ich aber heute Morgen mit einem bösen versteiften Nacken aufgewacht bin, will ich mich lieber schonen. Den Ehemann habe ich schon zum Einkaufen fürs Abendessen geschickt. Also habe ich die Bohnen zurück zur Terrasse in die Kälte gebracht.

Wenn ich die Minestrone mache, wird es ohne die Feuerbohnen aus der Terrasse sein. Ich will mir nicht vorstellen, dass es schon Larven in den Bohnen gab, als ich den Chili gemacht hatte. Äh, zu spät.

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Die Ferien sind vorbei

Das war heute morgen nicht zu übersehen. Es war schwierig genug, zur Arbeit zu fahren. Überfüllte Busse. Als ich in den ersten Bus eingestiegen bin, habe ich den ersten freien Sitzplatz genommen, an den ich vorbei gegangen bin. Direkt neben der Tür. Gut, dass ich nicht gezögert habe, weil noch ganz viele Schüler eingestiegen sind. So dicht aneinander gepackt! An der Haltestelle hätte ich nicht gedacht, dass so viele draußen standen. Vermutlich sind sie ausgestiegen, um wieder einzusteigen, weil andere Passagiere raus mussten. Unweit von mir standen zwei Mädchen, die kein Bock darauf hatten, zurück zur Schule zu gehen. Beide voll geschminkt, mit Übergewicht und langen künstlichen Nägeln. „Warum habe ich keine Ausbildung gemacht?“ fragte die eine. „Was für eine?“ wollte die zweite wissen. „Bei Douglas! Dann könnte ich viel Parfum mitnehmen,“ seufzte die erste.

Beim Umsteigen hat es mich recht sauer gemacht, dass zwei Busse an der Haltestelle vorbei gerauscht sind, ohne zu halten. Beide rappelvoll, mit Leuten an den Türen breit geklatscht. Auf den dritten Bus habe ich mitten auf der Straße gewartet. War doch nicht nötig, er war nicht so voll und hat angehalten. Auf die Art habe ich eine Viertelstunde mehr auf dem Weg zur Arbeit gebraucht. Dabei gibt es sogar unterschiedliche Fahrpläne bei Schule und Ferien. Wozu, frage ich mich. Fehlplanung.

Auf Arbeit waren die Ferien auch vorbei. Ich habe ganz viele neue Leute kennen gelernt, und natürlich konnte ich mir nicht alle Namen merken. Meine Zimmerkollegin Ute ist ebenfalls aus ihrem Urlaub zurück gekommen. Nach einem Tag geht sie mir schon auf die Nerven. Sie kommt mir ein bisschen wie Nina vor, in ihrer Art, obwohl sie wenigstens nicht so dumm wirkt. Bei unserem ersten Treffen im November hatte sie eher einen kompetenten Eindruck hinterlassen. Das kam davon, dass sie so affirmativ und selbstbewusst redet. Wie Mr Keen. Bei ihm war es alles Schau, bei Ute denke ich, es kann in ihrem Fach begründet sein. Obwohl ich schon mitgekriegt habe, wie sie heute genau so selbstbewusst in einem ganz anderen Thema Quatsch erzählt hat. Sie redet leider ununterbrochen und dabei ist es ihr völlig egal, was ihre Zuhörer denken. Sie erwartet Zustimmung und wenn sie sie nicht bekommt, fällt sie einem ins Wort und redet weiter. Sie lässt keine Unterbrechung zu und Gespräche mit ihr sind eher Monologen. Irgendwann habe ich ausgeschaltet, als sie sich mit Tim „unterhalten“ hat (ihm fällt sie auch ins Wort). Meine Arbeit muss erledigt werden. Mir ist aber aufgefallen, sie denkt, ihr würde weiterhin zuhören, weil sie manchmal auf Reaktionen meinerseits wartet, ohne mich vorher explizit angesprochen zu haben. Wozu soll ich zuhören und reagieren, wenn sie eh erwartet, dass ich ihr in allem zustimmen sollte? Anstrengend. Ich muss mir ganz schnell eine Überlebensstrategie aussuchen.

Eine Woche ist rum

Auf Arbeit ist noch nicht viel passiert. Scheinbar. Ich habe eine Aufgabe bekommen und lerne dabei viel. Ich muss mich jetzt mit Access und Visual Basic vertraut machen, um mehr Funktionalität in dem Programm von meinem Chef zu bringen. Sein Programm ist aber recht kompliziert geschrieben, und mein Chef selber kann teilweise nicht mehr nachvollziehen, warum der Code an manchen Stellen so aussieht. Wie gut, dass ich wenigstens vor fünf Jahren Grundlagen von Datenmanagement mit SQL gelernt hatte! Einiges ist noch gut genug in meinem Kopf erhalten, dass ich wenigstens die Datenbankabfragen verstehe.

Von lauter Aufregung habe ich am ersten Arbeitstag glatt vergessen, die Pille einzunehmen. Und das in der ersten Woche nach der Periode, was am gefährlichsten ist. Ich habe es am nächsten Tag gemerkt, als ein komisches Gefühl sich in meinem Bauch bemerkbar machte. Ich habe sie also mit etwa zwölf Stunden Verspätung eingenommen, und weiter gemacht wie geplant. Tja, ob ich jetzt schwanger werde? Nach all den Versuchen seit der Fehlgeburt, wo es nicht geklappt hat, wäre es ziemlich blöd, ausgerechnet jetzt, wo ich meine neue Stelle in der teuresten Stadt Deutschlands eingetreten habe. Hoffen wir, dass es nicht dazu kommt. Daraus lerne ich, es ist besser, die Pille morgens statt abends einzunehmen. Da hat man mehr Zeit, in so einem Fall wieder daran zu denken, statt gut sieben Stunden durch Schlaf zu verlieren. Als der Ehemann mich am Wochenende besucht hat, habe ich ihn darum gebeten, Kondome mitzubringen.

Es traf sich gut, dass er am Wochenende gekommen ist, denn es gab weitere Wohnungsbesichtigungen. Jetzt ist es mir aber zu spät, um darüber zu berichten. Morgen stehe ich früh auf, um die ganze Zeit nachzuholen, wo ich letzte Woche zu Besichtigungsterminen fahren musste.

Wir haben noch keine Wohnung, aber eins haben wir geschafft: Ein Jahresabo zum Deutschen Museum zu erwerben. Gar nicht so teuer: 52€, sogar für uns beide! Wir haben den ganzen Samstagnachmittag dort verbracht. Am Abend waren wir im Kino, und ich kann Loving Vincent wärmstens empfehlen. Das Wochenende haben wir heute vor dem letzten Besichtigungstermin mit einem schönen Spaziergang an der Isar abgerundet. Was nötig war, da wir es uns auch gut gehen lassen haben. Am Freitagabend hatte ich uns einen Tisch am Jagdschlössl gebucht. Ich hatte gute Kritik über ihren Fisch gelesen, und es stimmt, mein Saibling auf Kürbis-Risotto war einfach fantastisch. Nachdem der Ehemann sich heute auf dem Rückweg zum Flughafen gemacht hat, habe ich das Fitnessstudio besucht, da ich überall in Deutschland in der Kette trainieren darf. Ich war aus Zeitmangel ewig nicht mehr sportlich tätig gewesen und habe daher als Neueinstieg nicht zu viel gemacht. Vielleicht schaffe ich es, morgen zur Wassergymnastik zu gehen.

Mein Jahr 2017 in Büchern

Ein Jahr geht zu Ende, und ich stelle wieder fest, seitdem ich nicht mehr alleine als Single lebe, lese ich viel weniger. Da ich mal gefragt wurde, ob und was ich gerne lese, kommt jetzt eine Revue der Bücher, die mir 2017 in die Hände gefallen sind.

Bücher

  • Albert Camus, L’étranger. Wir hatten mit dem Ehemann mal über erste Sätze von Romanen diskutiert, und diese kannte er noch nicht. « Aujourd’hui, maman est morte. Ou peut-être hier, je ne sais pas. » Im Gymnasium hatte uns der Lehrer im Literaturunterricht gesagt, diese zwei Sätze wären die Berühmtesten überhaupt. Wenn alle Literaturlehrer in allen französischen Gymnasien das ihren Schülern erzählen, dann stimmt es auch irgendwann 😀 Quatsch, selbst Wikipedia erwähnt es. Weil ich aber nach über zwanzig Jahren nicht mehr wusste, worum es sonst in dem Buch ging, nachdem die Mutter gestorben ist, habe ich es mir gekauft. Das Buch wird als ein der Hauptwerke vom Existentialismus beschrieben. Wenn ich mich vage an La Nausée von Sartre erinnere, kommt es mir vor, als ob es hauptsächlich um gefühllose sexuelle Erfahrungen ginge, um den Sinn des Lebens wieder für sich zu entdecken. Aber Philosophie ist ja nicht meine Stärke, schließlich bin ich in dem Fach für die Abitur grandios durchgefallen. Das hat man davon, wenn man seine Mathe-Aufgaben im Philosophie-Unterricht schreibt.
  • George Cham & Daniel Whiteson, We have no idea. Ein lustig geschriebenes Buch über alles, was man in der Physik noch nicht weiß.
  • Neil Gaiman, Norse Mythology. Neil Gaiman ist einer meiner Lieblingsautoren. Ich konnte es mir nicht entgehen lassen, die nordische Mythologie auf seiner zauberhaften Schreibweise erzählt zu bekommen.
  • Günter Grass, Rede vom Verlust. Leider immer noch sehr aktuell.
  • Sybil Marshall, The Book of English Folk Tales. Das Buch hatte ich mir letztes Jahr für Weihnachten gewünscht. Ich habe ein Faible für Märchen aller Art. Diese Sammlung bietet viel mehr als Märchen, es geht auch um Legenden und Erzählungen von lokalen historischen Ereignissen in England. Die Autorin hat sich bemüht, sogar die einzelnen Dialekten in den Dialogen wiederzugeben. Besonders gut gefallen hat mir die Schmuggler-Geschichte Bury Me in England (und der französische Matrose! My sheep, she is La Belle Jeanne. We ’ave English m’sieur on board. Köstlich!). Die fast vierzigseitige Einleitung habe ich, weil sie am Anfang des Buches lag, ebenfalls gelesen, was nicht immer leicht war. Dadurch habe ich verstanden, was folklore wirklich bedeutet: folk lore, „Wissen des Volkes“. Gut, Wikipedia wusste es auch schon längst.
  • Terry Pratchett, The Shepherd’s Crown. Ich habe alle Discworld Bücher gelesen. Und sowieso alle Bücher von Terry Pratchett. Mehrmals. Einige Bücher sind nur noch mit großer Vorsicht zu behandeln, da einzelne Blätter nicht mehr fest sitzen. Nur dieses Buch, das posthum veröffentlicht wurde, noch nicht. Ich hatte es sofort gekauft, als es verfügbar wurde, aber die Tatsache, dass es danach kein neues Buch mehr von ihm geben würde… 😥 Ich habe es dieses Jahr endlich geschafft.
  • Hariett Beecher Stowe, Uncle Tom’s Cabin. Eine Bildungslücke geschlossen.

Comics

  • Pénélope Bagieu, Culottées, Tome 1 & Tome 2. Man fährt nicht an Angoulême vorbei, ohne ein paar Comics mitzunehmen. In zwei Bändern erzählt und zeichnet die Autorin das Leben von dreißig außergewöhnlichen Frauen, die den Zwängen ihrer Zeiten getrotzt und dadurch ihre Gesellschaften beeinflusst haben. Beinhaltet teilweise richtig harten Stoff.
  • Neil Gaiman, Coraline. Die von Philip Craig Russell illustrierte Version vom gleichnamigen Roman.
  • Marcel Gottlieb, dit Gotlib, Les dingodossiers. L’intégrale.
  • Ralf König, Pornstory. Schön älter, ich war nur noch nicht dazu gekommen, es zu lesen.

Ich schreibe wie

Analysetool, entdeckt bei Carrie. Eine nette Beschäftigungsidee, während die ersten Böller schon auf der Straße und im Hinterhof knallen.

Die Hits aus den Einträgen vom letzten halben Jahr:

Vielleicht doch keine so gute Idee und ganz viele andere Texte:

Ich schreibe wie
Stieg Larsson

Das Forschungsprojekt von AnwaltMap – anwälte. Ich schreibe wie…

Offener Brief an Jasmina und nicht so viele andere Texte:

Ich schreibe wie
Joanne K. Rowling

Das Forschungsprojekt von AnwaltMap – anwälte. Ich schreibe wie…

Die Ausreißer:

Unwohl:

Ich schreibe wie
Sidney Sheldon

Das Forschungsprojekt von AnwaltMap – anwälte. Ich schreibe wie…

Eine Knirpssche Frechheit:

Ich schreibe wie
Erich Maria Remarque

Das Forschungsprojekt von AnwaltMap – anwälte. Ich schreibe wie…

Der verlorene Regenschirm:

Ich schreibe wie
Friedrich Glauser

Das Forschungsprojekt von AnwaltMap – anwälte. Ich schreibe wie…

Außer Joanne K. Rowling kenne ich keine der anderen Autoren, und selbst Rowling habe ich nicht auf Deutsch gelesen.

Eine Knirpssche Frechheit

Ich hatte mir nach dem Verlust von meinem Lieblingsregenschirm schweres Herzens einen neuen gekauft. Wir waren mit dem Ehemann bei Karstadt und hatten lange gesucht, bis wir einen guten Regenschirm gefunden hatten. Es war wieder ein Knirps, wobei ich schlucken musste, weil der Preis bei ähnlicher Qualität verglichen mit meinem verlorenen Regenschirm mittlerweile doppelt so hoch geworden war. Damals hatte ich 30€ beim Kaufhof gelassen, diesmal waren es satte 60€ (59,99€), um einen stabilen Regenschirm zu bekommen, den man mit einfachem Knopfdruck wieder schließen kann. Heftig. Der war immerhin recht schick, der neuer Regenschirm, mit seinem roten Karomuster.

Das war bis vor einem Monat. Denn was habe ich gemacht? An einem Tag, als es drohte, leicht zu regnen, ich aber einfach mit Regenjacke zur Arbeit raus gehen wollte, hat mich der Ehemann überredet, den neuen Regenschirm doch mitzunehmen. Die kleine Handtasche war schon voll , ich musste ihn also zusätzlich tragen. Und was habe ich getan? Ihn im Bus beim Aussteigen liegen lassen. Es war ja irgendwie klar, dass es passieren musste, daher war mein erster Impuls gewesen, ihn gar nicht mitzunehmen. Ärgerlich ist, dass ich an dem Tag nicht mal was vom Regen mitbekommen hatte, ich hätte es mir echt sparen können. Dass ich mein Bauchgefühl so leicht strapazieren lasse… Und nochmal Mist, schon wieder ist ein Regenschirm weg, und diesmal habe ich ihn nicht mal den ganzen Sommer behalten.

Was soll’s, lange jammern hilft nicht, ein neuer Regenschirm muss her. Aber nochmal so lange in Karstadt suchen zu müssen wollte ich nicht. Es geht auch online. Ich also gleich am Abend zum Knirps Shop… Wie der Regenschirm hieß, wusste ich nicht mehr, den Schild hatte ich längst entsorgt. Aber wenn ich den gleich aussehenden Regenschirm beim gleichen Preis finde, sollte es auch klappen. Dachte ich. Ich wurde schnell fündig und bestellte den Regenschirm.

Was ich bekommen habe ist eine absolute Frechheit. Das Gestell wirkte wackelig und gar nicht so stabil, der Griff sah billig aus, der Schirm ließ sich nicht mal mit Knopfdruck wieder schließen, und für diese minderwertige Ware sollte ich genau das gleiche wie für das tolle Modell aus Karstadt bezahlen? Ich habe es nochmal geprüft, aber ich bin wirklich nicht auf einer Betrugsseite gelandet, es ist wirklich der Shop von Knirps, bei dem ich bestellt habe. In der Email zur Bestellungsbestätigung gab es eine Widerrufsbelehrung, und ich habe laut dieser innerhalb vierzehn Tage nach Empfang der Ware das Formular elektronisch und die Ware per Post zurück geschickt. Die automatische Email-Antwort zum Widerruf habe ich bekommen, aber sonst gar nichts. Ich bin gespannt auf den nächsten Kontoauszug meiner Kreditkarte.

Mein Fazit ist jedenfalls: Nie wieder beim Knirps Shop bestellen.

Im Médoc

Endlich sind wir im Urlaub. In Frankreich. Ich habe mich darauf gefreut. Auf den Urlaub. Nicht so sehr auf Frankreich. Urlaub in Frankreich, ohne meine Eltern zu besuchen, fühlt sich komisch an.

Wir sind zuerst im Médoc angekommen. Über Amsterdam nach Bordeaux geflogen. Der Ehemann hatte ein Auto bei Europcar gemietet. Das war vielleicht ein Fehler! Wir sind wegen Verspätung kurz vor fünf Uhr nachmittags gelandet. Nachdem wir das Gepäck geholt haben, hat sich der Ehemann auf dem Weg zu den Mietwagenläden gemacht. Ich habe draußen warten wollen. Die Sonne schien, ich habe sie in Berlin lange genug vermisst. Kurz danach ist der Ehemann zu mir gekommen. Er hatte eine Nummer gezogen, es waren fünfzig Nummer vor ihm und gerade drei Personen waren da, um die Kunden zu empfangen. Wir haben zwei Stunden warten müssen, bis unsere Nummer am Schalter dran kam. Was für eine Unverschämtheit! Wir haben das Auto schon über ein Monat her gebucht, und die anderen Kunden kamen sicherlich auch nicht unangekündigt, wieso konnten die Leute bei Europcar nicht den Ansturm von Kunden planen und sicher stellen, dass genug Angestellte zur Verfügung stehen? Oder dass die gebuchte Wagen tatsächlich vorhanden sind? Wir haben — schon wieder — ein größeres Auto als geplant bekommen, weil unser Wunschmodell nicht mehr da war. Ich freue mich nicht darüber. Der Ehemann hätte auch lieber ein kleineres Modell zu fahren gehabt — wie halt gebucht. Nee. Ob das an Europcar liegt, oder eher daran, dass man in Frankreich nichts gebacken kriegt, frage ich mich. Wir hatten ja gerade auf Arbeit viel Ärger mit einer französischen Firma, die es zum zweiten Mal nicht geschafft hat, uns die versprochene Leistung zu liefern.

Als wir nach einer Stunde Fahrt zu unserem Hotel angekommen sind (wie schnell die Leute hier unterwegs sind! Wir sind auf einer 110 km/h Straße von Autos überholt worden, die bestimmt bei 150 km/h fuhren), war es schon halb neun. Wir konnten noch gerade einen Tisch im Restaurant bekommen. Die Küche machte um neun schon zu. Das Essen war hevorragend, der Kir Médocain (Brombeerlikör mit Rotwein) hat mich sehr angenehm überrascht, aber entspannen konnten wir wegen der blöden Warterei auf den Mietwagen am Flughafen nicht wirklich. Süß fand ich den Hase, der auf der Wiese in aller Ruhe das Gras fraß, und das Kätzchen, das den Hase weg gejaggt hat, wenn die Gäste dem Hase zu viel Aufmerksamkeit geschenkt haben, um sich dann gegen ihre Beine zu reiben.

Geschlafen haben wir gut, aufwachen war trotzdem schwer. Wir sind heute nach La Rochelle gefahren. Ich war den ganzen Tag müde und mir ging es erst besser, als wir auf der Insel Oléron eine kurze Pause am Strand gemacht haben. Kaffee getrunken, obwohl es schon nach vier Uhr nachmittags war, und im Ozean geschwommen. Der Ehemann ist lieber am Strand geblieben. In La Rochelle sind wir am frühen Abend angekommen. Apéritif auf einem Schiff getrunken, Muscheln mit Roquefort in einem Restaurant am Hafen gegessen. Früh zum Hotel (Mercure) gekommen. Der Ehemann hatte sich, wie auch immer, einen Sonnenbrand geholt. Es war doch den ganzen Tag bedeckt.

Wir waren relativ früh im Bett. Der Ehemann schläft jetzt seelisch. Ich kann nicht, obwohl ich den ganzen Tag so müde war. Ich frage mich, ob ich abends am Restaurant wirklich ein Déca bekommen habe. Mein Buch kann ich nicht lesen, weil das Licht den Ehemann beim Schlafen stören würde. Viel auf Internet lesen leider auch nicht, weil die Internetverbindung vom Hotel ziemlich miserabel ist. Ständig wird sie unterbrochen. Ich hasse es, im Bett zu liegen und nicht schlafen zu können.

Die eklige Entdeckung des Tages

Ohne Bild, denn ich war so angeekelt, dass ich alles sofort weg geschmissen habe.

Ich wollte zum Frühstück eine Banane essen. Habe im Korb gegriffen, wo die Bananen sind, und habe eine genommen. Die fühlte sich ein bisschen klebrig an. Als ich sie öffnen wollte, habe ich gemerkt, dass ein kleiner Wurm an meinem Zeigefinger klebte. Igitt! Sofort Hände gewaschen. Der Ehemann hat die restlichen Bananen gewaschen. Ich dachte, der Wurm, woher auch immer, wäre auf die Banane angekommen.

Ich habe mich also am Tisch hin gesessen und die gewaschene Banane geschält. Und da traute ich meinen Augen nicht: Aus dem Inneren der Banane hat sich etwas bewegt, und ein Wurm hat sich herausgestreckt. Wahrscheinlich war er überrascht, dass die Schale plötzlich nicht mehr da war. Mir hat es den Appetit auf Bananen schlagartig verdorben. Der Ehemann, der sich gerade eine andere Banane in sein Müsli klein geschnitten hatte, war ebenfalls angeekelt. Wir haben alles weg geschmissen.

Die Bananen hatte der Ehemann letzte Woche ausnahmsweise beim Basic gekauft. Ich überlege, ob ich mir jetzt dringend einen Ersatz als Kalium-Lieferant aussuchen soll, oder weiterhin beim türkischen Laden am S-Bahnhof Bananen kaufen soll. Dort ist es mir noch nie passiert. Ich hatte auch bis jetzt nie gehört, dass man Würmer in Bananen finden kann.

Faul

Schuld ist das Wetter. Wer will schon bei dem Regen irgendwas unternehmen? Also, ich nicht. Starken Dauerregen schaue ich mir lieber zu Hause aus dem Fenster mit einer gemütlichen Tasse heißer Schokolade an.

Dabei war ich in letzter Zeit voll Energie und Motivation. Seitdem ich eines Morgens fast zwei Stunden zur Arbeit gebraucht habe, weil irgendwelche Deppen die S-Bahn-Verkabelung in Brand gesetzt haben, bin ich wieder regelmäßig aufs Rad gestiegen. Wenn ich am Tag hin und zurück radle, habe ich 42 Kilometer in den Beinen. Fast 1000 kcal, meint fddb. Das mit dem weiter Abnehmen klappt aber nicht. Weil ich seit Monaten keinen Bock mehr habe, alles einzutragen, was ich esse. Ich dachte, es ginge, ich hätte jetzt einen guten Überblick darüber, was ich essen sollte, aber mein Gewicht bleibt konstant. Immerhin.

Fahrrad will ich aber nicht bei jedem Wetter fahren. Erst recht nicht, wenn es regnet. Vor zwei Wochen bin ich kurz vor Ankommen auf Arbeit von einem Gewitter erwischt worden. Ich dachte, ich würde es noch rechtzeitig schaffen. Ich wollte zu den Fahrradständern vor unserem Gebäude langsam abbiegen. Weil es plötzlich angefangen hatte, so stark zu regnen, habe ich nicht gemerkt, dass die Räder schon total naß waren. Die Bremsen haben nur gequietscht. Ich war schon am Lenken und habe gespürt, wie die Reifen auf dem Asphalt keinen Halt mehr hatten und wie das Fahrrad seitlich gerutscht ist. Es war zum Glück kein Auto auf der Straße, als ich dort gelandet bin. Auf dem linken Ellbogen, der den Schock doch gut überstanden hat. Nur Schürfwunden, und ein großer blauer Fleck in der Innenseite vom linken Oberschenkel, wo der Sattel geknallt hat. Heute ist schon nichts mehr davon zu sehen.

Ich bin auch wieder regelmäßig zum Fitnessstudio gegangen. Ich war seit Mai ständig am Wochenende verreist und bin nur seit drei Wochen fleißig bei der Wassergymnastik am Samstagvormittag dabei. Die Kursleiterin, die vorher da war und einen schönen runden Bauch hatte, ist jetzt wahrscheinlich in Mutterschutz. Ich fand ihren Kurs gut, aber jetzt, wo ich ihre Vertretung kenne, will ich sie gar nicht mehr zurück haben! Die Vertreterin hat ein ganz anderes Programm, mit Übungen, die man wie beim Intervall-Training wiederholt, acht Mal zwanzig Sekunden, mit zehn Sekunden Pausen zwischendurch. Am Anfang fühlt sich die Übung ganz leicht an, aber nach der dritten Wiederholung wird es schon super anstrengend. Meine Lieblingsübung ist die, wo man sich am Beckenrand mit den Armen hoch hebt und langsam runten ins Wasser gleiten lässt. Einfach der Hammer. Vorher hatte ich kein Problem, zwei Kurse hintereinander zu machen. Jetzt bin ich schon mit dem Ersten völlig fertig und habe wirklich den Eindruck, etwas geleistet zu haben.

Nun, heute ist mir nicht danach. Schuld ist das Wetter, das mich diese Woche von Radeln abgehalten hat. Und dieser Wind! Ist Berlin immer so windig gewesen? Ich habe es anders in Erinnerung. Zum Fitnessstudio wollte ich bei dem Regen auch nicht, da man nur beim Rüberqueren der Straße schon durchnässt wird. Und mit der Periode, die gerade abklingt, wollte ich nicht ins Schwimmbad. Wir wollten eventuell dieses Wochenende eine Radtour nach Potsdam machen, aber da die Wettervorschau nur Regen angekündigt hat, bleiben wir zu Hause. Die Wohnung muss eh mal geputzt werden.

Der verlorene Regenschirm

Meinen letzten Regenschirm habe ich vor vielen Jahren erworben. Vorher hatte ich immer ganz billige Regenschirme gekauft, die recht schnell zerbrachen, sobald es zum Regen ein bisschen Wind gab. Also ziemlich häufig, vor allem, wenn man in Aachen lebt. Nachdem der letzte billige Regenschirm nicht mal einen halben Tag gehalten hat, habe ich beschlossen, mehr zu investieren, und habe mir einen schicken Tachenregenschirm von Knirps geholt. Die von der Verkäuferin angepriesene Windstabilität hat mich überzeugt, sowie der Knopf, der nicht nur den Regenschirm öffnet, sondern den auch zusammen falten lässt. Es war damals ein Schock, vom üblichen 5€ Regenschirm zur 30€ Variante zu wechseln, hat sich aber definitiv gelohnt. So lange hatte ich noch nie einen Regenschirm behalten.

Das war vorher. Jetzt lebe ich nicht mehr alleine, und weil mein Regenschirm so schick aussieht, grau-schwarz mit Hahnentritt-Muster, ist er vom Ehemann recht häufig benutzt worden. Ich habe noch nie gesehen, dass jemand den selben Regenschirm dabei hatte. Bei Regenschirmen dürfte es wie bei Schneeflocken sein: Sie sind alle einzigartig 😀

Ich muss sagen, mit den Jahren ist der Regenschirm nicht mehr so gut geworden. Gegen Wind ist er immer noch recht stabil, aber er tropft jetzt ein bisschen, wenn er naß ist. Man hält ihn über den Kopf und kriegt trotzdem den einen oder anderen Tropf ab. Das sieht man auch daran, dass die Kiele leicht verrostet sind, und der Stoff durchnäßt aussieht an den Stellen, wo das Wasser nicht mehr abperlt. Nicht mehr ganz dicht, der Regenschirm. Trotzdem mochte ich ihn.

Groß war meine Enttäuschung, als der Ehemann mir vor zwei Monaten beichten musste, dass er meinen Regenschirm in der S-Bahn liegen lassen hatte. Er war gerade in Potsdam angekommen und hatte nach dem Aussteigen gemerkt, dass er den Regenschirm nicht dabei hatte. Er ist schnell zurück zum Wagen gerannt, hat aber nichts mehr gefunden. Vermutlich hatte jemand den Regenschirm sofort mitgenommen. Es regnete ja.

Ich komme wieder drauf, weil es momentan so häufig regnet. Wie heute Morgen. Ich bin mit meiner Regenjacke zur S-Bahn gegangen. Habe mich in der S1 hingesessen, zwischen zwei Männern. Ich musste kurz in meiner Tasche zwischen meinen Füßen etwas suchen, und mein Blick ist zufällig zum Regenschirm zwischen den Füßen von meinem Sitznachbarn gewandert — ein asiatisch aussehender gepflegter Mann mittleres Alters mit Anzug, der etwas auf seinem Tablet las. Und ich konnte es nicht fassen: Genau zwischen seinen Füßen lag mein Regenschirm! Ja, genau wie ich ihn in Erinnerung habe, mit seinem Hahnenschritt-Muster und seinen nicht mehr dicht aussehenden Flecken! Was kann man in einer solchen Situation sagen? Leider nichts… Ich hoffe, der neue Besitzer behandelt ihn gut.