Spaziergang am Tegeler See

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Es wird spannend

Ich habe am letzten Donnerstag eine Email von der Firma in München bekommen. Ob ich ab Januar bei ihnen anfangen könnte? Na klar! Was gibt es zu zögern? Wir haben schon gleich am Abend mit dem Ehemann in unserer Stammkneipe gefeiert.

Die Gehaltsfrage muss noch geklärt werden. Ich hatte beim Vorstellungsgespräch mein aktuelles Gehalt erwähnt und mir wurde gesagt, dass ich definitiv mehr erwarten könnte. Ich hätte auch nicht weniger gefragt, da ein Umzug von Berlin nach München höhere Kosten mit sich bringt. Ein Arbeitgeberwechsel muss sich lohnen. Dass wir schon darüber diskutiert hatten, schien mein Interviewer aber inzwischen vergessen zu haben, weil er mich nochmal am Freitag danach gefragt hat. Wenn wir uns einigen können, könnte ich diese Woche noch direkt nach meinem Vorstellungsgespräch in München vorbei kommen, um den neuen Arbeitsvertrag zu unterschreiben! Nun, seitdem ich meine Gehaltsvorstellung angegeben habe, habe ich keine Rückmeldung bekommen. Ich denke, wenn es zu viel verlangt wäre, würden sie schon versuchen, runter zu handeln, statt nichts mehr von sich hören zu lassen. Vermutlich werde ich noch heute informiert. Ich habe gestern Abend bei der Tagung mit meinem hoffentlich zukünftigen direkten Chef gesprochen, der nicht die Person ist, mit der ich meinen Vertrag verhandle, und er schien zuversichtlich zu sein.

Inzwischen liegt auch die Verlängerung meines aktuellen Arbeitsvertrags für ein weiteres Jahr bei der Personalabteilung zum Unterschreiben bereit. Da ich diese Woche nicht auf Arbeit bin, kann ich es erst ab nächster Woche unterschreiben. Ich hoffe, es kommt nicht dazu, und ich kriege vorher den Arbeitsvertrag in München. Sonst muss ich die Verlängerung unterschreiben, und ich kann danach nicht mehr so schnell kündigen.

Für Winfried wird es hart, wenn es klappt. Kate ist schon weg. Tomasz verlässt uns Ende Dezember, da sein Vertrag nicht verlängert wird. Die Stelle gibt es noch und wurde ausgeschrieben, aber er selbst kann nicht mehr beschäftigt werden. Sinnlos, diese „du darfst nicht länger als X Jahre bei uns arbeiten“ Regelungen in der Wissenschaft. Egal für ihn, er hat schon eine neue Stelle in seiner Heimat gefunden. Das macht aber jetzt zwei Wissenschaftler, die auf einmal die Gruppe verlassen und nicht so schnell ersetzt werden können. Selbst wenn neue Postdocs kommen, werden sie eine Weile brauchen, bis sie den guten Betrieb der Geräte für unsere Nutzer gewährleisten können. Und nun soll ich auch meine Verlängerung nicht unterschreiben? Ich, die zusätzlich eine der Wenige bin, die Rufbereitschaft macht? Und die noch Software entwickelt, die von Nutzern aus aller Welt benutzt wird und die gewachtet werden muss? Da wird Winfried durch drehen. Wenn ich die Verlängerung unterschreibe, wird er bestimmt nicht mit einem Auflösungsvertrag einverstanden sein.

Aber ehrlich gesagt, es ist mir langsam egal. So sehr es mir für ihn Leid tut, er wird schon eine Lösung finden. Diesen ewigen leeren Versprechen auf eine langfristige Einstellung glaube ich nicht mehr, und ich bin auch nicht mehr daran interessiert, seitdem Mr Keen bei uns eine Dauerstelle hat. Rufbereitschaft will ich nicht mehr und ich sehne mich nach einem Job, wo ich meine Wochenende nicht mehr opfern muss. Und wir haben gerade erfahren, dass die Betriebsplanung sich ab dem nächsten Jahr ändern wird und jetzt sogar am Sonntag gearbeitet werden soll! Ohne mich. Es muss in München klappen!

Der botanische Garten in Cambridge

Bevor die Tagung anfängt, habe ich mir ein bisschen Zeit genommen und den botanischen Garten besucht. Die wichtigsten Touristenattraktionen hatte ich schon bei meinem ersten Aufenthalt in der Gegend besucht, und auch wenn es schön war, wollte ich etwas anderes sehen. Also ab zum botanischen Garten, der auch noch nicht weit vom Hauptbahnhof liegt.

Den ersten Eingang zum botanischen Garten konnte ich nicht benutzen, weil ich zeitgleich mit einer Militärparade die Bahnhofstraße runter gegangen bin, und der Eingang direkt hinter einem Denkmal für die gefallenen Soldaten im ersten Weltkrieg liegt. Heute gab es vor dem Denkmal eine Zeremonie, mit Schweigeminuten und Gedichten und Hymnen, das Publikum hat sogar mitgesungen. Aber deswegen war der Eingang zum botanischen Garten gesperrt. Ich habe den Eingang von der Bateman Street benutzt.

Der Garten selbst ist sehr schön und ordentlich angelegt. Von weitem nicht so groß wie in Berlin, jedoch gab es viele Pflanzenarten und Bäume die ich noch nicht kannte. Die Skabiosen, die ich auch bei uns auf der Terrasse gepflanzt haben, scheinen sich hier recht wohl zu fühlen. Einige Bäume sind für Kinder mit Augen am Stamm gekennzeichnet, und sie werden dazu aufgefordert, Samen oder Äste zu sammeln, um sich einen Zauberstab zu basteln. Wie die Buche, die aus zwei Buchen „gebastelt“ wurde.

Die wunderschöne Katze, die mehrmals an mir vorbei gerauscht ist, hat sich anscheinend ihr Zuhause im botanischen Garten gemacht. Während meines ganzen Besuches hörte ich von überall kleine Kinder, die plötzlich so aufgeregt „Kitty! Kitty!“ gerufen haben. Wenn sie wüssten, wie die Katze ein graues Eichhörnchen einen Baum hoch gejagt hat…

In Cambridge ist es gerade nicht sehr warm, seit gestern bin ich nur am Frieren, und nach einer Weile musste ich zu den Gewächshäusern gehen. Bei den Kakteen hat mir der „Hasenohrenkaktus“ besonders gefallen. Ganz viele atemberaubenden Blumen waren zu sehen, zu viele, um alle zu zeigen. Vor allem die, die wie ein bunter Vogelkopf aussieht und deren Namen ich mir nie merken kann. Sie darf in keinem botanischen Garten fehlen. Das Gebäude selbst wirkt recht gemütlich, aus Holz und mit genug Sitzplätzen, um in Ruhe und in der Wärme zu entspannen.

Zum Schluß gab es noch eine Tasse Kaffee mit Pastry im Café des Gartens, und schnell zurück zum Hotel. Mittlerweile ist es sehr winding und bedeckt geworden. Mir ist es so kalt hier!

Süßkartoffeln im Backofen mit Quark-Limette-Sauce

Die Zutaten (für 2 Personen)

  • 2 nicht zu großen Süßkartoffeln
  • Olivenöl
  • Grobkörniges Salz
  • 4 Esslöffel Magerquark
  • Saft einer Limette
  • 1 Teelöffel Honig
  • 1/2 rote Zwiebel
  • 1/2 Bund Schnittlauch
  • 1/2 Espressolöffel Chilipulver

Die Zubereitung

  • Süßkartoffeln backen:
    • Backofen bei 180 °C vorheizen.
    • Die Süßkartoffeln gründlich waschen und abtrocknen.
    • Jede Süßkartoffel mit einem Messer der Länge nach tief einschneiden (aber nicht komplett halbieren!).
    • Zwei große Stücke Alu-Folie ausbreiten.
    • Die Süßkartoffeln in Olivenöl einreiben und mit Salz und Pfeffer rundherum würzen.
    • Süßkartoffeln getrennt in Alu-Folie einwickeln und eine gute Stunde im Backofen backen lassen. Die Süßkartoffeln müssen nach der Backzeit weich und leicht zu schneiden sein.
  • Quark-Limette-Sauce vorbereiten:
    • In einer mittelgroßen Schüssel, den Quark mit dem Limettensaft und dem Honig rühren.
    • Zwiebel und Schnittlauch ganz fein schneiden und hinzufügen.
    • Mit Salz und Chilipulver nach Geschmack würzen.
    • Bis zum Ende der Backzeit der Süßkartoffeln ziehen lassen und nochmal kurz rühren.
  • Süßkartoffeln nach der Backzeit aus den Alu-Folien raus nehmen, auf Teller anrichten und mit Quark-Limette-Sauce gießen.

Mit angeröstetem Sesam würde es bestimmt auch gut schmecken.

Nährwertangaben

pro Portion fürs Rezept
Energie (kcal) 270 540
Eiweiß (g) 15,1 30,2
Kohlenhydrate (g) 42,5 85
davon Zucker (g) 15,2 30,4
Fett (g) 5 10
Ballaststoffe (g) 6,1 12,2

Unwohl

Heute bin ich zu Hause geblieben. Es gibt genug Überstunden, die ich abbauen kann. Das Wochenende war hart, ich war nach dem Horror-Samstag zum letzten Mal um drei Uhr morgens von den Nutzern angerufen und aus dem Schlaf gerissen worden. Natürlich konnte ich danach nicht so schnell wieder einschlafen und war am Sonntag platt. Damit war der Tag im Eimer, auch für den Ehemann, und wir haben nichts unternommen.

Gestern war ich auf Arbeit, wenn nur, um das Rufbereitschaftshandy los zu werden. Befriedigend war das nicht. Bis zum Ende des Jahres haben wir ab dieser Woche keinen Nutzerbetrieb mehr. Die Kollegen dürfen ab jetzt einfach für die Rufbereitschaft bezahlt werden, ohne dass sie dafür wirklich etwas leisten, denn automatische Anrufe aus unserer Alarmanlage sollte es kaum geben. Na ja, das gab es auch vor Kurzem, dass es ernsthafte technische Probleme gab, und ich war auch dran, und dazu noch an einem Wochenende… Selbst wenn ich es unerwähnt ließ, trug es obendrauf zu meiner Unmut bei. Irgendwie muss ich Pech anziehen.

Gestern Abend habe ich mich jedenfalls körperlich sehr schlecht gefühlt. Vielleicht hat es mit dem ganzen Stress zu tun. Ich hatte starke Bauchschmerze und Rückenschmerze, als ob ich meine Periode bekommen würde. Die hatte ich zuletzt vor zweieinhalb Wochen. Sie war plötzlich ganz heftig gekommen, und schon dermaßen verspätet, dass ich dachte, wieder schwanger zu sein. Vor allem, weil ich eines Abends dachte, meine Brust wäre dicker geworden. Nein. Alle Tests sind negativ ausgefallen. Dass meine Temperatur leicht erhöht war, lag vermutlich an die Blasenentzündung.

Und jetzt, die kriege ich wirklich wieder, die Periode! Heute mit extra Portion Schwindelgefühl. Morgen habe ich meinen Termin beim neuen Arzt für den Gesundheitscheck, ich weiß nicht, ob es eine so gute Idee ist. Die Urinprobe kann ich schon mal nicht liefern. Das konnte ich letzte Woche auch nicht, als ich zur Blutabnahme hin gegangen bin. Ich war noch dabei, meine Mykose, die als Folge der Breitbandantibiotika gegen die Blasenentzündung gekommen ist, zu behandeln. Das hatte ich schon mal wegen der letzten Periode abbrechen müssen. Und jetzt auch wieder. Ob ich diese Mykose jemals los werde? Seit der Blasenentzündung verzichten wir auf Geschlechtsverkehr, das reicht jetzt langsam!

Das mit dem Stress wird jedenfalls länger dauern. Am Wochenende muss ich zu einer Tagung nach England fliegen, und am Tag meiner Rückkehr geht es gleich weiter nach München zum Vorstellungsgespräch. Wofür ich noch eine Präsentation vorbereiten muss. Bezahlbare Flüge zwischen Berlin und München gibt es schon nicht mehr, ich muss mit der Bahn fahren. Es wird knapp, von Schönefeld zum Hauptbahnhof zu fahren. Das heißt, ich werde gar nicht dazu kommen, zwischendurch den Ehemann zu sehen.

Wenigstens was Schönes: Kate nimmt auch an die Tagung teil. Einen Tisch bei NOPI habe ich uns schon für den letzten Abend gebucht. Darauf freue ich mich riesig!

Basilikum-Pesto

Die Zutaten (für zwei Personen)

  • Ganz viele Basilikum-Blätter (um die 150 muss ich aus unserem Basilikum gepflückt haben)
  • 1 frische Knoblauchzehe
  • 30 g Parmesan
  • 1 gut gefüllter Esslöffel Ricotta
  • 1 Handvoll Pinienkerne
  • 2 Prisen Salz (grob)
  • 2 Esslöffel Olivenöl

Die Zubereitung

  • Die Basilikum-Blätter waschen und sorgfältig mit einem Tuch abtrocknen. Das hat bei mir am längsten gedauert.
  • In einer Pfanne ohne Fett, die Pinienkerne braun rösten und beiseite stellen.
  • Den Parmesan reiben.
  • In einem hohen Becher, alle Zutaten zusammen mit dem Pürierstab pürieren.

Nährwertangaben

pro Portion fürs Rezept
Energie (kcal) 265 530
Eiweiß (g) 9,3 18,5
Kohlenhydrate (g) 4,2 8,4
davon Zucker (g) 1,8 3,5
Fett (g) 23,2 46,4
Ballaststoffe (g) 0,6 1,1

Das neue Vorstellungsgespräch kommt wie gerufen

Ich bin erschöpft und habe die Schnauze voll. Schuld ist mal wieder die Rufbereitschaft. Der Chef hatte letzte Woche angekündigt, dass er am jetzigen Wochenende eine private Angelegenheit wahrnehmen wollte und hatte nach Freiwilligen gefragt, um seine Pflichten zu übernehmen. Ich bin erstmals still geblieben. Florian hat sich bereit erklärt, die Messgäste von heute einzuweisen. Alle anderen Kollegen hatten eine Ausrede, warum sie die Rufbereitschaft nicht machen konnten. Wem ist es hängen geblieben? Richtig.

Dass wir heute Nacht ohne Unterbrechung schlafen konnten, hatte ich beim Aufstehen leichtsinnig als gutes Zeichen gesehen. Das war nur die Ruhe vor dem Sturm. Denn ab halb eins hat das Handy angefangen zu klingen, und danach war es einfach die Hölle. Beim ersten Anruf waren wir mit dem Ehemann gerade auf dem Weg vom Markt nach Hause unterwegs. Irgendwas hinderte die Fortsetzung einer Messung. Angekommen, Rechner hochgefahren, auf Arbeit eingeloggt, scheinbare Ursache des Problems gefunden und behoben, Nutzer zufrieden. Bis zum nächsten Anruf eine Stunde später. Genau dasselbe Fehlerbild, aber diesmal gab es gleich zwei unabhängige Probleme, die ich auch lösen konnte. Beim dritten Anruf eine halbe Stunde später war ich schon recht genervt. Immer wieder das Problem, eine andere Ursache, die behoben wurde, und danach ging nichts mehr. Ich hatte schon aufgegeben, aber Florian, der sich bestens mit der Maschine auskennt und den ich versucht hatte anzurufen, hat sich zurück gemeldet und konnte anscheinend das Problem vorübergehend endgültig beheben. Von seinem Auto aus, mit seinem Laptop. Der war mit seiner Freundin unterwegs, der Arme, es hat mir echt Leid getan, ihn nach Hilfe fragen zu müssen. Inzwischen war es schon halb sieben, und ich hatte den ganzen Nachmittag nichts anderes machen können. Doch, kochen konnte ich, und zwar nur, weil Florian mit den Nutzern ausgemacht hatte, dass sie eine halbe Stunde Pause machen. Und es war nicht alles, weil andere Nutzer auf einem anderen Gerät auch zweimal anrufen mussten, weil die Robotik zickte. Jetzt, kurz vor zehn Uhr abends, bin ich noch voll gestresst und ich frage mich, ob ich in der Lage sein werde, einschlafen zu können, und wenn ja, wie lange ich wohl schlafen werde, bevor der nächste Anruf kommt. Gestern gab es doch kein Problem! Gestern war auch Mr Keen den ganzen Tag selber an dem Gerät am Messen. Ich frage mich, ob er irgendwas angestellt haben kann, um mir das Wochenende zu verderben. Das würde ich ihm zutrauen.

Mir reicht’s. Die dreihundert Euro, die man dafür zusätzlich zum Gehalt bekommt, sind es einfach nicht wert, so viel Stress in der freien Zeit zu bekommen. Der Ehemann leidet auch darunter, wenn das Handy nachtsüber klingelt, oder wenn wir am Wochenende bei schönem Wetter zu Hause bleiben müssen, weil irgendwas an den Geräten nicht stimmt. Und das mit dem zusätzlichen Geld stimmt nicht mal, wie ich gerade gemerkt habe. In den letzten zwei Monaten habe ich genau so viel überwiesen bekommen als während meiner Schwangerschaft, als ich von Rufbereitschaft befreit wurde! Ich muss mich am Montag beschweren. Den ganzen Scheiß will ich nicht auch noch kostenlos machen. Schlimm genug, dass unsere Verwaltung immer neue Gründe erfindet, warum meine Reisekosten nicht vollständig erstattet werden.

Ich habe gestern eine neue Einladung zu einem Vorstellungsgespräch bekommen. Wieder in München. Diesmal geht es rein um Software-Entwicklung. Hoffentlich klappt es endlich. Nichts wie weg von hier!

VERDAMMT, SCHON WIEDER EIN ANRUF!

Rufbereitschaft

Diesen Traum hatte ich gestern Nacht.

Ich war unterwegs, für einen kurzen Urlaub. Es war am Wochenende. Ich befand mich in einem Schlafzimmer in einer Stadt. Es war dunkel, ich war alleine. Das Licht hatte ich nicht angeschaltet und ich konnte teilweise die Fensterkreuzschatten an der Wand sehen. Meine kleine Reisetasche lag auf einer blauen Holzkommode. Ich wollte ins Bett gehen.

Plötzlich ertönte der Klingelton vom Rufbereitschaftshandy. Wie immer, wenn das Handy nachtsüber klingelt, ging mein Puls sofort in die Höhe. Stress. Doch nicht schon wieder ein Problem an den Geräten! Aber Moment mal, ich war doch im Urlaub! Und Rufbereitschaft hatte ich gar nicht! Eine schnelle Suche in meiner Reisetasche ergab doch, dass das kleine weiße Handy sich tatsächlich drin befand. Hatte ich vergessen, es dem nächsten Kollegen zu übergeben? Wer war denn diese Woche für Rufbereitschaft zuständig? Gerne hätte ich im Kalender nachgeprüft, aber ich hatte gerade keinen Zugang. Ich habe aufgelegt. Im Geiste habe ich versucht, meine anderen Kollegen zu kontaktieren, aber keiner war ansprechbar. Was nun? Das Handy fing wieder an zu klingeln.

Ich bin vom Stress aufgewacht. Ich habe diese Woche keine Rufbereitschaft, aber die psychische Belastung ist anscheinend so groß geworden, dass ich auch in ruhigeren Zeiten Alpträume davon bekomme. Ich zucke immer erschrocken, wenn ich diesen Nokia-Klingelton in der Bahn oder sonst wo höre, weil er recht häufig benutzt wird. Ich muss zusehen, dass ich mich weg bewerbe.

Hausarzt gewechselt

Ich war schon länger mit unserem Hausarzt unzufrieden. Der Ehemann hatte ihn uns ausgesucht, bevor wir zusammen umgezogen sind. So praktisch auf der anderen Seite der Straße. Das war vor drei Jahren.

Mich hat es vom Anfang an gestört, wie sehr es im Treppenhaus und in der Praxis nach Zigarettenqualm stinkt. Sobald man die Haustür öffnet, wird man von dem Mief begrüßt. Meistens hat es in der Praxis nicht so stark gestunken, und ich hatte immer gedacht, es wäre ein Nachbar im Haus, der die ganze Zeit so raucht. Nein. Es lag daran, dass die Fenster in der Praxis häufig weit geöffnet sind, um zu lüften. Der Arzt hat eine Küche hinter dem Warteraum, und als ich eines Morgens bei der Eröffnung vor dem Schreibtisch seiner Sekretärin stand, saß er da am Küchentisch mit breit geöffneter Tür und rauchte. In seiner Praxis. In völliger Verachtung seiner Patienten. Das darf doch nicht wahr sein! Der Arzt ist auf Bewertungsportalen dafür bekannt, dass er seine Patienten leicht krank schreibt, wahrscheinlich deswegen ist seine Praxis trotzdem gut gefüllt, überwiegend von kerngesund aussehenden jungen Menschen.

Als er mich vor zweieinhalb Jahren mit Verdacht auf Appendizitis wegen Bauchschmerzen zur Notaufnahme vom nächsten Krankenhaus geschickt hatte, dachte ich nach der OP, immerhin hat er mich dahin geschickt und mir so das Leben gerettet. Ich hatte innerlich viel Blut verloren. Gut, es war keine Appendizitis sondern eine Bauchhöhlenschwangerschaft, aber wie soll man bei so starken Schmerzen so schnell die richtige Diagnose stellen? Die Möglichkeit einer Extrauteringravidität hatte er erwähnt, obwohl er nicht daran glaubte und die zusätzlichen Schulterschmerzen ignoriert hatte. Im Nachhinein: Er hätte drauf kommen sollen. Wir hätten auf jeden Fall viel Zeit gespart, wenn er mich gleich zu einem Krankenhaus mit einer Gynäkologie-Abteilung geschickt hätte.

So sah mein Radiusköpchen im letzten Sommer aus.

Nach der Fehlgeburt am Anfang des Jahres bin ich bei ihm gewesen. Ich hatte einige Wochen zuvor Schmerzen in meinem linken Ellbogen gespürt. Ein Dreivierteljahr davor hatte ich mir den Radiusköpchen angebrochen, und nach der Behandlung wurde der Riss nicht geprüft. Nicht, dass es den Arzt interessiert hätte, er hatte sich damals die Tomographie-Erbegnisse gar nicht angeschaut. Der Bruch war komplizierter als gedacht. Als ich also während der Schwangerschaft Schmerzen bekommen hatte und den Unterarm nicht mehr so weit drehen konnte, bin ich zur Orthopädie gegangen. Wegen meines Zustandes kam Radiologie nicht in Frage, der Unterschied zum rechten Arm war aber deutlich zu sehen. Nach der Fehlgeburt bin ich zurück zum Hausarzt gegangen. Der Schmerz war wieder weg, der Arm sah normal aus, es gab kein akutes Problem, was die Nutzung der Sprechstunde bei der Orthopädie rechtfertigen würde. Außerdem hatte der Hausarzt damals die Tomographie angefordert. Tja. Alles, was er mir verordnet hat, waren Antidepressiva. „Mit ihrem Arm ist alles in Ordnung, Sie haben ein Problem im Kopf“, verkündete er mir. Ist ja klar, nach der Fehlgeburt drehe ich jetzt durch, war seine Schlussfolgerung. Es hat mich recht sauer gemacht. Ich habe beschlossen, nie wieder zu ihm zu gehen.

Einen neuen Arzt hatte ich mir leider noch nicht ausgesucht, als ich vor zehn Tagen aus heiterem Himmel eine Blasenentzündung bekommen habe. Ich war gerade aus einem zweitägigen Workshop mit dem Bus aus dem Flughafen zurück nach Hause gefahren. Nach der Haltestelle hatte ich gut zehn Minuten Fußweg, worüber ich mich freute. Mir ging’s blendend. Beim Aussteigen habe ich plötzlich so einen schmerzhaften Harndrang gespürt, das war unglaublich. Ich konnte keine zehn Meter laufen, ohne eine kurze Pause einlegen zu müssen, um den Urin in der Blase zu halten. Die Nacht war hereingebrochen, die Gegend nicht so stark besiedelt, und obwohl ich so gerne einfach am Straßenrand meine Blase geleert hätte, konnte ich nicht. Es war mir zu hell beleuchtet, vereinzelte Leute waren noch unterwegs. Ich trug einen langen Mantel und habe ernsthaft daran gedacht, mir in die Hose zu pinkeln. Aber dann, die Sauerei in den Schuhen… Ich habe es bis nach Hause geschafft. Habe alles am Boden fallen lassen, bin am erstaunten Ehemann vorbei gerauscht und samt Schuhe und Mantel zum Klo gerannt. Hat es weh getan! Und zum Schluß war der Urin rötlich gefärbt. Den ganzen restlichen Abend hatte ich Harndrang, obwohl ganz wenig zu entsorgen war, und es gab Blut im Urin. Am nächsten Morgen musste ich zum Arzt. Als ich ihn gefragt habe, ob er eine Urinprobe wollte, hat er gelacht. Ich habe pauschal Antibiotika gegen E. Coli bekommen. Wie lange möchte ich denn krank geschrieben werden, wollte er wissen. Gar nicht, war meine Antwort. Ich programmiere, habe also keine schwere körperliche Arbeit, und es macht mir Spaß. Das war für ihn unbegreiflich. Eine junge Frau soll hübsch sein und nicht so viel denken, hat er mir gesagt. Was will ich mit Programmieren? Ah ja, ich hatte schon mitgekriegt, wie frauenfeindlich er seine weiblichen Hilfskräfte behandelt. Und er war schon dabei, mir geistesabwesend das Formular für eine Krankschreibung zu füllen. Die habe ich abgelehnt.

Mir hat’s gereicht. Der Ehemann hat sich letzte Woche einen grippalen Infekt geholt und ich habe etwas davon bekommen. Wir mussten beide zum Arzt. Diesmal war eine Krankschreibung nötig. Wir haben einen anderen Arzt gefunden, der zwar weiter weg liegt, dafür einen viel besseren Eindruck macht. Die Praxis stinkt nicht wie ein Rauchsalon, der Empfangsbereich sieht sauberer und professioneller aus, das Wartezimmer ist viel angenehmer gestaltet, und der Arzt nimmt mich ernst, wenn ich etwas erzähle! Dass ich übrigens nach der Behandlung mit Antibiotika eine vaginale Mykose entwickelt habe, überrascht ihn nicht, es ist bekannt. Das ist die Art von Information, die ich gerne von meinem ehemaligen Arzt bekommen hätte. Ich habe es nicht kommen gesehen. Ich finde nun, langsam könnten die Wehwehchen aufhören. Einen Monat dauert es schon an. Was der neue Arzt sonst angesprochen hat ist, dass wir einen Termin für einen Gesundheitscheck vereinbaren sollen. Darauf hat jeder Versicherter ab 35 alle zwei Jahre einen Anspruch, und das hatte mir der vorherige Arzt verschwiegen! Ich bin froh, dass wir die Praxis gewechselt haben.