Verlängerte Quarantäne für den Ehemann – Über PCR-Tests

Der Ehemann dachte, es wäre besser, seinen PCR-Test gestern zu machen, anstatt heute, am letzten Tag der Quarantäne, damit er sein Ergebnis rechtzeitig bekommt und morgen zurück ins Büro kann. Vorausgesetzt, das Ergebnis ist negativ. Das ist nicht der Fall. Jetzt muss er bis Montag warten, weil er einen neuen Test-Termin erst am Sonntag bekommen konnte. So lange musste er vor zwei Wochen nicht warten. Der starke Anstieg der Fallzahlen lässt sich bemerken.

Mein erster positiver PCR-Test.

Verwundert war er darüber, dass sein CT-Wert sich erhöht hat. Ich hatte mich schon gefragt, was dieser Wert von 16.54 bei mir zu bedeuten hat. Ich hatte angenommen, es wäre eine Art Virenkonzentration, wobei die Einheit fehlen würde. Weit gefehlt. Der Ehemann hat beim Gesundheitsamt nachgefragt. Die Leute am Telefon waren so lieb, ausführlich auf seine Frage einzugehen. Ich habe danach ein bisschen recherchiert.

Der CT-Wert sagt, wie viele PCR-Zyklen man machen musste, um die Anwesenheit von Corona-Viren nachweisen zu können. Um das zu verstehen, muss man wissen, was genau ein PCR-Test macht. Das sollte der Ehemann eigentlich sehr gut wissen, schließlich hat er in einem seiner früheren Jobs mit PCR-Maschinen für Qualitätskontrolle in der Lebensmittelindustrie gearbeitet.

PCR steht für polymerase chain reaction, auf Deutsch: Polymerase-Kettenreaktion (also wäre die deutsche Abkürzung eigentlich PKR). Etymologisch erklärt sind Polymerasen Enzyme[1] (weil Endung mit „ase“), die „Polymere“ (lange Ketten aus kleinen Einheiten) machen. Und das machen sie in Kettenreaktionen, das heißt, dass es ein exponentielles Wachstum gibt. Kettenreaktion kennt man zum Beispiel aus der Kernspaltung in einem Reaktor. Oder aus der Vermehrung von Kaninchen. Bei PCR werden aus der entnommenen Probe DNS-Stücke exponentiell vermehrt. Das geschieht so, grob vereinfacht:

  • die DNS wird durch Temperaturerhöhung denaturiert, um beide Stränge der Doppelhelix auseinander zu trennen,
  • für jeden Strang wird aus Nukleotiden einen Komplementär-Strang durch DNS-Polymerasen[2] erzeugt, der am Strang haftet,
  • die Temperatur wird gesenkt,
  • man erhält am Ende von diesem „Zyklus“ aus einem DNS-Strang zwei identischen DNS-Stränge.

Nach einem zweiten Zyklus bekommt man viermal so viel DNS, nach dem Dritten achtmal, nach dem Vierten sechszehnmal… Beim nten Zyklus 2n-mal. Die DNS wird exponentiell vermehrt, wie man von einer Kettenreaktion erwartet. Na ja, nicht ganz, weil nach einer bestimmten Anzahl von Zyklen die Vermehrung von Kopierfehlern anfängt, das Ergebnis zu fälschen. Dieses Bild macht den Prozess verständlich:

PCR zur DNS-Vermehrung. Bild von Enzoklop, unter der Lizenz Creative Commons Attribution-Share Alike 4.0 International.

Wann die Kettenreaktion aufhört, hängt davon ab, wie viele Zyklen man für das Experiment mit der Maschine programmiert hat. Da es sich um ein exponentielles Wachstum handelt, kann sie theoretisch auch aufhören, wenn kein Nukleotid mehr zur Verfügung steht. Das wäre aber ein grober experimenteller Fehler.

Hatte der Ehemann bei seinem letzten Test einen CT-Wert von 24, hat er heute 33, also ist seine Virenlast verglichen mit dem letzten Test 29=512 mal kleiner geworden. Bei 33 Zyklen ist man schon an der Grenze, ab der die Kopierfehler nicht mehr vernachlässigbar werden. Ich wette, hätte er seinen Test erst heute am letzten Tag der Quarantäne gemacht, wie eigentlich vom Gesundheitsamt empfohlen, wäre das Ergebnis negativ gewesen, und wir hätten am Wochenende etwas unternehmen können.

Was ich mich frage ist, warum werden CT-Werte nicht als ganze Zahlen angegeben?

[1] Die meisten Enzyme sind Proteine.

[2] Ich fürchte, langsam lässt sich meine Vergangenheit als eifrige Wikipedianerin nicht mehr vertuschen. Ich habe früher so gerne über wissenschaftliche Themen geschrieben, als ich noch Single war und Zeit hatte.

Dieser Beitrag ist ursprünglich auf Meckereien & Co. erschienen.

3 Gedanken zu “Verlängerte Quarantäne für den Ehemann – Über PCR-Tests

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