N501Y, Δ69-70 – Über Omikron

Diesen Beitrag habe ich zu lange aufgeschoben. Während der Quarantäne hätte ich Zeit gehabt. Jetzt wo ich wieder arbeite, fällt es mir schwer, mich lange genug dran zu setzen. Jedoch finde ich das Thema der Mutationen von SARS-CoV-2 und deren Auswirkungen auf die Virus-Wirt-Wechselwirkungen spannend. Im Rest vom Text verkürze ich das Wort „Omikron“ durch den griechischen Buchstabe ο.

Mutationsanalyse der Probe vom Ehemann.

Auslöser war das Ergebnis vom ersten PCR-Test vom Ehemann (Bild rechts). Seine Probe wurde für eine Sequenzierung ausgewählt: Die Proteinsequenz von seinen Viren wurde untersucht. Genauer gesagt wurde gezielt nach Mutationen gesucht, um die Variante vom Virus zu bestimmen. Mutationen sind wie ein Fingerabdruck der Varianten. Gefunden wurden die Mutation N501Y im RBM-Bereich (receptor binding motif) und die Deletion Δ69-70 im NTD-Bereich (N-terminal domain) des Stachelproteins. Weil andere Varianten vom Virus mit diesen beiden Mutationen derzeit nicht im Umlauf sind[1], reichen sie für eine eindeutige Identifizierung der ο-Variante. Dabei ist die Mutation N501Y schon in den α-, β- und γ-Varianten vorhanden, aber nicht in der δ-Variante.

Das untere Bild[2] zeigt alle Mutationen der ο-Variante, verglichen mit dem ursprünglichen Virus, mit dem die Pandemie begonnen hat. In diesem früheren Beitrag gibt es eine Erklärung dieser Darstellung.


Wo sich die zwei Mutationen, um die es heute geht, im Virus befinden, sieht man unten[3]. Das erste Bild links zeigt die Struktur vom Stachelprotein der ο-Variante im Bändermodell (PDB Modell 7T9K). Die zwei Mutationen habe ich als dicke Kugeln dargestellt, rot für N501Y und schwarz für Δ69-70.

Das SARS-CoV-2 Virus. Die roten Dreiecke sind die RBM- und NTD-Bereiche der Stachelprotein-Trimere.

Das zweite Bild zeigt die Mutationen im Trimer, weil sich die Stachelproteine gerne zu dritt auf der Oberfläche vom Virus gruppieren. Man sieht drei Proteine, also ist jede Mutation dreimal vorhanden, wobei die dritte Deletion Δ69-70 rechts unterhalb der ersten hinter den β-Faltblättern kaum zu sehen ist. Das dritte Bild zeigt ein einzelnes Stachelprotein, wie es mit dem schwarz dargestellten Rezeptor ACE2 gebunden ist, wenn das Virus den Wirt erfolgreich infiziert. Das letzte Bild zeigt das Stachelprotein, wie es von einem Antikörper[4] (ebenfalls schwarz dargestellt) gefangen wird.

Antikörper gegen das Virus, die man entweder durch eine Impfung oder eine Infektion entwickelt, erkennen das Teil vom Stachelprotein, das am Rezeptor bindet, und ihr Job ist es, es zu fangen, bevor es zum Rezeptor kommt. Es ist also nicht überraschend, dass der Antikörper das Stachelprotein da packt, wo es sonst am Rezeptor binden möchte. Wobei es auch Antikörper gibt, die andere Teile vom Stachelprotein packen, wie zum Beispiel im PDB Modell 7LQV, wo der NTD-Bereich angegriffen wird[5].

An den vier oberen Bildern sieht man, dass nur die Mutation N501Y einen Einfluss auf die Wechselwirkung zwischen Virus und Wirt haben kann. Die Deletion Δ69-70 liegt an einer Seitenschleife zwischen Virusoberfläche und RBD-Bereich und hat keinen Kontakt, weder mit dem Rezeptor noch mit dem Antikörper.

Was diese Deletion bewirkt ist nicht klar, da das Modell genau an der Stelle eine Lücke hat. Proteinmodelle weisen häufig Lücken auf. Meistens passiert es an Schleifen, die kaum Kontakte bilden und lose rum hängen. Solche Schleifen sind beweglicher als der Rest der Struktur. Sie mit herkömmlichen Methoden wie Röntgenbeugung oder Kryo-EM zu beschreiben ist sehr schwer, weil man einen gemittelten Zustand über ganz viele Proteine misst. Wenn eine Schleife flexibel ist, kann sie mehrere Konformationen annehmen und das Mittelbild davon ist zu diffus, um aussagekräftige Informationen zu bekommen.

Über die Auswirkungen von N501Y auf Wechselwirkungen mit dem Rezeptor ACE2 und Antikörpern werde ich in einem späteren Beitrag berichten. Sonst wird es hier viel zu lang.

[1] In der α-Variante sind auch beide Mutationen N501Y und Δ69-70 vorhanden. Die α-Variante ist aber von der δ-Variante letztes Jahr abgelöst worden.

[2] ο-Bild vom Stanford HIVDB Team, von PhiLiP zur Verfügung gestellt, unter der Lizenz Creative Commons Attribution-Share Alike 4.0 International. Ich habe die Bereiche, die nicht zum Stachelprotein gehören, aus dem ursprünglichen Bild heraus geschnitten.

[3] Bilder mit PyMOL[6] gemacht.

[4] PDB Modell 7MJJ. Es handelt sich hier nicht um die ο-Variante, sondern um die ursprünglichen Variante, in der die Mutation N501Y eingefügt wurde. Die Forscher, die das Modell veröffentlicht haben, haben das Stachelprotein produziert, nachdem sie die Mutation gezielt eingeführt haben. Der Artikel dazu: Zhu, X. et al. (2021). „Cryo-electron microscopy structures of the N501Y SARS-CoV-2 spike protein in complex with ACE2 and 2 potent neutralizing antibodies“. PLoS Biol 19: e3001237-e3001237.

[5] Cerutti G. et al. (2021). „Potent SARS-CoV-2 neutralizing antibodies directed against spike N-terminal domain target a single supersite“. Cell Host & Microbe 29(5): 819-833.

[6] Unbezahlte Werbung, da Namensnennung und Verlinkung.

Dieser Beitrag ist ursprünglich auf Meckereien & Co. erschienen.

Cookie- und Privatsphäre-Einstellungen

Wie Webseiten ihre Besucher hinters Licht führen.

Am Beispiel von WetterOnline[1], eine von vielen Webseiten, die diesen fiesen Trick anwenden. Weil ich dort gerade mal wieder aufgefordert wurde, die Cookies-Häkchen zu setzen, und es hat mich daran erinnert, dass ich lange darüber geschrieben haben wollte. Es hätte genau so gut eine andere Webseite treffen können. Chip[1] zum Beispiel.

Unten links, die Cookies-Begrüßungsseite von WetterOnline[2]. Ich besuche die Webseite ab und zu und speichere meine Präferenzen, aber irgendwie muss ich es immer wieder erneut tun. Man bemerke, wie der „Akzeptieren“-Knopf so prominent hervorgehoben wird, und der „Einstellungen“-Knopf direkt drunter mit der Farbeinstellung fast unsichtbar ist. Ich klicke trotzdem auf „Einstellungen“ und lande zur zweiten Seite unten mittig. Hier ist wieder ein krasser Sichtbarkeitskontrast zugunsten vom „Alles akzeptieren“-Knopf zu sehen. Die Standardeinstellung sind immerhin gemäß DSVGO richtig auf „Ablehnen“ gesetzt. Scrollt man aber in dieser Seite runter, merkt man weitere Einstellungen, deren Werte nicht sichtbar sind, sondern sich hinter einem Link namens „Einstellungen anpassen“ verbergen. Diese Einstellungen betreffen „einige Anbieter auf Basis von berechtigtem Interesse, ohne Ihre Zustimmung“. Ja, richtig gelesen. Folgt man diesem Link, kommt man zu einer dritten Seite, unten rechts, wo alles, was man in der vorherigen Seite geglaubt hatte abzulehnen, mit nur einem Klick aktiviert werden kann. Spoiler: Für Erstbesucher dieser Seite ist diese Einstellung standardmäßig aktiviert. Bei mir unten rechts steht es nur deaktiviert, weil ich die Webseite nicht zum ersten Mal benutze und sie sich meine Auswahl gemerkt hat.

Ich nenne diese Art Seiten „versteckte Einstellungen“, obwohl sie unter einem Link zu finden sind, weil ich nicht glaube, dass viele Leute damit rechnen, dass noch woanders weitere Einstellungen gesetzt werden, oder sich die Mühe geben, alles durchzulesen. Selber Schuld, kann man sagen, aber hinter der Vorgehensweise steckt schon Absicht. Es ist wie das Kleingedruckte in Verträgen.

Dieses berechtigte Interesse scheint ein Schlupfloch in der DSGVO zu sein, das sich nahezu jede Webseite zunutze gemacht hat. Bei vielen Webseiten steht an der Stelle, dass es sich um Benutzung durch Anbieter außerhalb des IAB-Standards handelt. Die Formulierung variiert. Unten das Beispiel von der oben genannten Webseite von Chip, die ich kaum benutze. Hier wird wenigstens der „Einstellungen“-Knopf nicht so perfide versteckt, aber bei den erweiterten Einstellungen ist erstmal alles erlaubt. Vielleicht sollte man sich als Besucher glücklich schätzen, dass die Möglichkeit der Ablehnung überhaupt angeboten wird.

Ach so, fast hätte ich vergessen zu gucken, wie das Wetter aktuell bei mir ist. Schön sonnig, das sehe ich ja aus dem Fenster. Knapp zwei Grad. Mache ich doch einen kurzen Spaziergang in der Mittagspause? Ach nee, keine Zeit mehr, den Beitrag zu verfassen hat zu lange gedauert.

[1] Wohl unbezahlte Werbung, da Namensnennung und Verlinkung.

[2] Ich zeige Screenshots von den Webseiten, wie sie am Bildschirm von einem Rechner erscheinen. Über die Darstellung auf Mobiltelefonen rede ich gar nicht. Es ist eigentlich noch schlimmer, auf dem Handy. Es ist immer genau dann wenn man denkt, jetzt ist es sicher, weiter zu scrollen, um den „Einstellungen“-Knopf zu suchen, dass ein zusätzliches Element der Seite lädt und man plötzlich aufs Versehen auf „Akzeptieren“ klickt. Ein Schelm, der Böses dabei denkt.

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Matrix Resurrections

Hätte ich nicht geguckt, hätte der Ehemann nicht darum gebeten, nach der Quarantäne endlich wieder ins Kino zu gehen. Außer uns war nur eine weitere Person ganz hinten im Saal. Private Ausführung, quasi.

Der Film war doof. Könnt ihr euch sparen.

Es sei denn, ihr steht auf schwache Handlungen, lange sinnlose Bösewichtmonologen und langweilige, überflüssige Kampfszenen. Überflüssig, weil man erklärt bekommt, dass man kein Telefon mehr braucht, um zurück geholt zu werden, aber die Leute trotzdem in der Falle am Kämpfen bleiben müssen, anstatt dass die Freude den Stecker ziehen.

Der Film ist übersät mit Szenen aus den früheren Filmen. An The Walking Dead musste ich irgendwie auch viel denken, bei der Schwarmattacke.

Das Beste an dem Film war vielleicht die Musik beim Abspann.

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Quatre-quarts mit grünem Tee

Auf dem Teller mit Clementine, zum Farbvergleich. Beide harmonieren geschmacklich sehr gut.

Ich hatte Lust, einen Kuchen mit Matcha-Pulver zu backen. Matcha ist die japanische Bezeichnung für grünen Tee. Woher die Lust kam, weiß ich gerade nicht. Vielleicht, weil ich zu viele Animes auf Netflix[1] während meiner Quarantäne geguckt habe. Auf Japanisch mit Untertiteln.

Der erste Kuchen, der mir für einen Versuch einfiel, war der Quatre-quarts. Das Ergebnis hat uns sehr gut gefallen.

Ich habe es wieder nicht geschafft, mich an die offizielle Mengenangabe zu halten, und habe nur 200 g statt 250 g Zucker genommen. Es schmeckt so schon süß genug, finde ich, genau richtig.

Die Zutaten (ergibt 16 Stücke von nicht ganz zwei Zentimeter Dicke)

  • 4-5 Eier (250 g)
  • 250 g Weizenmehl
  • 250 g Butter
  • 200 g brauner Zucker
  • 10 g Matcha-Pulver

Die Zubereitung

  • Den Backofen bei 180°C vorheizen.
  • Das Mehl in eine Schüssel wiegen, dann eine Backform mit einem Stück der 250 g Butter einfetten und ein bisschen vom Mehl in die eingefettete Backform wälzen. Überschüssiges Mehl zurück in die Mehl-Schüssel geben. Ich habe früher das Einfetten und Einmehlen der Backform immer nach der Vorbereitung vom Teig gemacht, wenn ich kein Backpapier benutzt habe, aber so rum spart man an Mehl, oder besser gesagt, schmeißt man nicht unnötig Mehl weg. Die vielleicht zwei Gramm Mehl, die dadurch nicht in den Teig gehen, sind für die Konsistenz vom Kuchen vernachlässigbar. Dass es mir erst heute eingefallen ist…
  • Den Rest Butter bei kleiner Hitze zur Schmelze bringen, dann von der Hitzequelle nehmen.
  • Die Eier mit dem Zucker und dem Matcha-Pulver schaumig rühren.
  • Zuerst Mehl, dann die Butter in den Teig geben und gut rühren.
  • Den Teig in die Backform gießen.
  • Den Kuchen zehn Minuten bei 180°C backen lassen.
  • Nach den zehn Minuten, die Form aus dem Ofen nehmen. Den Ofen bei 140°C einstellen.
  • Mit einem scharfen Messer, einen Schnitt mittig im Kuchen einschneiden.
  • Den Kuchen weitere vierzig Minuten bei 140°C backen lassen.
  • Den Kuchen gut auskühlen lassen, bevor man ihn aus der Backform nimmt.

Nährwertangaben

pro Portion fürs Rezept
Energie (kcal) 240 3837
Eiweiß (g) 3,5 56,5
Kohlenhydrate (g) 23,6 378,2
davon Zucker (g) 12,4 198,3[2]
Fett (g) 14,6 233,3
Ballaststoffe (g) 0,4 6,9

[1] Unbezahlte Werbung, da Namensnennung und/oder Verlinkung.

[2] Interessant. Ich merke erst jetzt, dass 100 g brauner Zucker nicht ganz 100 g Zucker laut fddb[1] entsprechen.

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Der Husten lässt langsam nach

Es wurde Zeit. Ich huste immer noch, nur ein bisschen weniger.

Doch nicht gut[1].
Ich habe beschlossen, die Medikamente, die ich mir am Dienstag geholt hatte, nicht mehr zu benutzen.

Von den Kapseln gegen Reizhusten, die ich für die Nacht einnehmen sollte, kriege ich Kopfschmerze. Am Dienstagabend dachte ich, die Kopfschmerze kämen davon, dass ich zum ersten Mal seit langem unter vielen Menschen war. Mir schwirrte der Kopf. Ich war an dem Tag auch müde. Am Mittwoch hatte ich gut geschlafen, aber nach der Einnahme der Kapsel habe ich Kopfschmerze gekriegt. Und ich habe trotzdem nachtsüber Reizhustenattacken bekommen. Am Donnerstag habe ich keine Kapsel genommen,  am Freitagabend wieder. Als ich dann nachts heftig husten musste, habe ich plötzlich starke Kopfschmerze links gespürt, die bis zu meinem Nickerchen auf der Couch gestern Nachmittag geblieben sind. Bei jedem Hustenanfall hat meine Schläfe gepocht. Da die Kapseln scheinbar eh nichts bringen, lasse ich sie in der Schublade. In der Packungsbeilage steht nichts von Kopfschmerzen als mögliche Nebenwirkungen.

Die Tropfen zur Schleimlösung haben keine Nebenwirkung ausgelöst. Sie sind nur einfach nicht für meinen Husten geeignet. Der Schleim, den ich ab und zu beim Husten merke, kommt doch nicht aus den Bronchien. Es ist mir am Freitag bewusst geworden, als ich tagsüber gemerkt habe, wie mir extrem viel Schleim aus der hinteren Nasenhöhle ständig in den Rachen geflossen ist. Das ist es, was meine Reizhustenattacken verursacht. Ich brauche dagegen keine Tropfen für die Bronchien. Es wird seit gestern weniger Schleim. Dabei ist meine Nase die ganze Zeit trocken, sie läuft gar nicht.

Doof ist, dass ich einen längeren chirurgischen Eingriff im Kieferraum für morgen geplant hatte. Den musste ich verschieben. Nicht zu denken, war passieren würde, wenn ich einen Hustenanfall bekomme, während der Arzt am Werkeln ist.

[1] Unbezahlte Werbung.

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Verlängerte Quarantäne für den Ehemann – Über PCR-Tests

Der Ehemann dachte, es wäre besser, seinen PCR-Test gestern zu machen, anstatt heute, am letzten Tag der Quarantäne, damit er sein Ergebnis rechtzeitig bekommt und morgen zurück ins Büro kann. Vorausgesetzt, das Ergebnis ist negativ. Das ist nicht der Fall. Jetzt muss er bis Montag warten, weil er einen neuen Test-Termin erst am Sonntag bekommen konnte. So lange musste er vor zwei Wochen nicht warten. Der starke Anstieg der Fallzahlen lässt sich bemerken.

Mein erster positiver PCR-Test.

Verwundert war er darüber, dass sein CT-Wert sich erhöht hat. Ich hatte mich schon gefragt, was dieser Wert von 16.54 bei mir zu bedeuten hat. Ich hatte angenommen, es wäre eine Art Virenkonzentration, wobei die Einheit fehlen würde. Weit gefehlt. Der Ehemann hat beim Gesundheitsamt nachgefragt. Die Leute am Telefon waren so lieb, ausführlich auf seine Frage einzugehen. Ich habe danach ein bisschen recherchiert.

Der CT-Wert sagt, wie viele PCR-Zyklen man machen musste, um die Anwesenheit von Corona-Viren nachweisen zu können. Um das zu verstehen, muss man wissen, was genau ein PCR-Test macht. Das sollte der Ehemann eigentlich sehr gut wissen, schließlich hat er in einem seiner früheren Jobs mit PCR-Maschinen für Qualitätskontrolle in der Lebensmittelindustrie gearbeitet.

PCR steht für polymerase chain reaction, auf Deutsch: Polymerase-Kettenreaktion (also wäre die deutsche Abkürzung eigentlich PKR). Etymologisch erklärt sind Polymerasen Enzyme[1] (weil Endung mit „ase“), die „Polymere“ (lange Ketten aus kleinen Einheiten) machen. Und das machen sie in Kettenreaktionen, das heißt, dass es ein exponentielles Wachstum gibt. Kettenreaktion kennt man zum Beispiel aus der Kernspaltung in einem Reaktor. Oder aus der Vermehrung von Kaninchen. Bei PCR werden aus der entnommenen Probe DNS-Stücke exponentiell vermehrt. Das geschieht so, grob vereinfacht:

  • die DNS wird durch Temperaturerhöhung denaturiert, um beide Stränge der Doppelhelix auseinander zu trennen,
  • für jeden Strang wird aus Nukleotiden einen Komplementär-Strang durch DNS-Polymerasen[2] erzeugt, der am Strang haftet,
  • die Temperatur wird gesenkt,
  • man erhält am Ende von diesem „Zyklus“ aus einem DNS-Strang zwei identischen DNS-Stränge.

Nach einem zweiten Zyklus bekommt man viermal so viel DNS, nach dem Dritten achtmal, nach dem Vierten sechszehnmal… Beim nten Zyklus 2n-mal. Die DNS wird exponentiell vermehrt, wie man von einer Kettenreaktion erwartet. Na ja, nicht ganz, weil nach einer bestimmten Anzahl von Zyklen die Vermehrung von Kopierfehlern anfängt, das Ergebnis zu fälschen. Dieses Bild macht den Prozess verständlich:

PCR zur DNS-Vermehrung. Bild von Enzoklop, unter der Lizenz Creative Commons Attribution-Share Alike 4.0 International.

Wann die Kettenreaktion aufhört, hängt davon ab, wie viele Zyklen man für das Experiment mit der Maschine programmiert hat. Da es sich um ein exponentielles Wachstum handelt, kann sie theoretisch auch aufhören, wenn kein Nukleotid mehr zur Verfügung steht. Das wäre aber ein grober experimenteller Fehler.

Hatte der Ehemann bei seinem letzten Test einen CT-Wert von 24, hat er heute 33, also ist seine Virenlast verglichen mit dem letzten Test 29=512 mal kleiner geworden. Bei 33 Zyklen ist man schon an der Grenze, ab der die Kopierfehler nicht mehr vernachlässigbar werden. Ich wette, hätte er seinen Test erst heute am letzten Tag der Quarantäne gemacht, wie eigentlich vom Gesundheitsamt empfohlen, wäre das Ergebnis negativ gewesen, und wir hätten am Wochenende etwas unternehmen können.

Was ich mich frage ist, warum werden CT-Werte nicht als ganze Zahlen angegeben?

[1] Die meisten Enzyme sind Proteine.

[2] Ich fürchte, langsam lässt sich meine Vergangenheit als eifrige Wikipedianerin nicht mehr vertuschen. Ich habe früher so gerne über wissenschaftliche Themen geschrieben, als ich noch Single war und Zeit hatte.

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Reizhusten

Corona habe ich offiziell nicht mehr, das Virus ist durch PCR nicht mehr nachweisbar. Ich habe trotzdem immer noch einen fiesen, hartnäckigen Husten.

Das ist lästig. Bei Videokonferenzen mit den Kollegen kann ich nicht lange reden, ohne husten zu müssen. Ich wache nachtsüber gegen fünf Uhr morgens auf und kriege so einen heftigen Hustenanfall, dass ich erstmal aufstehen und ein Glas Wasser zur Beruhigung trinken muss. Danach klappt es mit dem Weiterschlafen nicht mehr. Wenn ich zurück im Bett bin, bin ich schon wach. Wie gestern. Deswegen bin ich müde. Und deswegen schlafe ich momentan immer noch getrennt vom Ehemann, obwohl er keine Symptome mehr hat. Er soll wenigstens seinen Schlaf kriegen. Morgen ist sein letzter Tag Quarantäne.

Gegen Husten gewappnet[1].
Heute Nacht habe ich ausnahmsweise keinen Husten bekommen. Ich bin kurz nach vier aufgewacht, draußen war es laut, und ich konnte wieder einschlafen. Ich war gestern Abend bei der Apotheke und habe mir etwas gegen Husten empfehlen lassen. Hauptsache keine Homöopathie, habe ich der Frau hinter der Theke gesagt. Die Frage, wie mein Husten ist, war schwierig zu beantworten. Meistens ist er trocken, manchmal kommt Schleim mit, aber dann tagsüber. Ich habe erwähnt, dass ich gerade eine Corona-Erkrankung hinter mir habe. Ich habe zwei Medikamente bekommen, ein für die Nacht, ein für tagsüber. 22 €. Ich probier’s zwei, drei Tage aus und werde dann sehen, wie es am Wochenende aussieht. Wenn der Husten zurück kommt gehe ich zur Arztpraxis.

Direkt danach bin ich zu einem lang ersehnten Arzttermin gegangen. Ich hatte ja im Herbst Augenmigräne. Die Häufigkeit ist danach so hoch gestiegen, dass ich im November, eine Woche nach dem grippalen Infekt, vier Anfälle in einer Woche hatte. Die Hausärztin meinte, Augenmigräne sind in sich nichts Schlimmes, aber es wäre jetzt auffällig häufig und ich sollte mich neurologisch untersuchen lassen. Ich habe den Termin selbst geplant, anstatt dass meine Ärztin für mich anruft. Sie ist seit dem Anfang der Impfkampagne im Dauerstress. Die Folge war, dass ich einen Termin erst ab gestern bekommen konnte. Wenn meine Ärztin persönlich anruft, erfolgen Termine viel schneller. Blöderweise haben die Augenmigräne-Anfälle nach dieser Woche im November aufgehört. Ich vermute, weil ich in dem Moment meine Tätigkeit auf Arbeit geändert habe, von intensiver Modellierung, die auf Dauer auf dem Laptop für die Augen recht anstrengend ist, zur reinen Programmierung. Das geht wieder, seitdem wir einen neuen Kollegen bekommen haben. Ob es Sinn macht, nach der langen Zeit ohne Symptome den Termin wahrzunehmen? Ja, meinte der Ehemann.

Gestern Abend war ich also bei der Neurologie-Praxis. Zum ersten Mal. Es war dunkel. Ich war dabei, mich umzuschauen, wo sich der Türöffner bei den Briefkästen befindet, wie auf dem Zettel an der Tür beschrieben, aber ich kam nicht dazu, weil eine Frau, klein, geschätzt um die sechzig, die sich hinter der Tür aufhielt, mich gesehen und die Tür geöffnet hat. Nett, dachte ich zuerst, aber die Frau wurde mir schnell lästig, wie sie anfing, mit mir reden zu wollen, nur um zu erklären, dass sie hier auf eine Freundin wartete. Ein ununterbrochener Redefluss. Ohne Maske, übrigens. Mich interessierte ihre Geschichte nicht und ich war damit beschäftigt, herauszufinden, wo ich hin musste. Es gab keine Beschilderung, im Aufzug auch nicht. Ob ich im richtigen Haus war? Ich musste zurück an die Frau vorbei und war nach der kurzen Begegnung schon genervt von ihr. Als ich zurück in ihre Richtung kam, sagte ich, ich wüsste nicht, wo ich hin musste, ich wollte draußen auf den Briefkästen nochmal schauen. Sie meinte, hilfreich sein zu müssen, aber selber hatte sie auch keinen Schimmer, obwohl sie so selbstsicher tat. Sie ging sofort Richtung Aufzug mir entgegen und da der Flur so eng war, musste ich mit, um den direkten Körperkontakt mit ihr zu vermeiden. Zurück in den Aufzug gedrängt, kam sie mir unheimlich nah, um mir zu zeigen, wo ich drücken müsste, um dann festzustellen, es gab keine Beschilderung und sie könnte auch nicht helfen. Sehe ich so blöd aus, dass Leute denken, ich wäre selber nicht in der Lage, eine Beschilderung in einem Aufzug zu lesen? Selbst vor der Pandemie wäre mir ihr Drängeln viel zu viel Nähe von einer fremden Person gewesen. Ich habe tatsächlich gedacht, schade, dass ich Corona nicht mehr habe, bei ihrem Verhalten hätte sie es verdient, angesteckt zu werden. Verdammt. Ich gehe seit zwei Jahren kaum aus dem Haus, wenn ich nicht einkaufen muss, mache lieber Aktivitäten im Freien, Urlaub in Zeiten niedriger Inzidenz, treffe mich privat nur mit geimpften Personen, wie die Familie für Weihnachten, wasche mir die Hände andauernd und gehe nicht ohne Maske raus, um dann nach Booster-Impfung in einer Taxifahrt Omikron zu kriegen, und die Frau kuschelt quasi mit jeder fremden Person rum, die an ihr zufällig vorbei läuft? Wo ist die Gerechtigkeit[2]?

Ich bin auf gut Glück zur ersten Etage geflüchtet. Das Licht war aus und der Schalter nicht leicht zu finden. Als ich ihn fand war ich erleichtert, eine Tür mit den Namen von den Ärzten zu finden. Drin war der Empfang überfüllt. Ich konnte nicht mal die Tür öffnen, direkt dahinter stand ein Mann. Ich habe nur seine gelbe Jacke zu Gesicht bekommen, und ich habe gleich gehört wie eine weibliche Stimme sagte, „so geht es nicht, sie müssen draußen warten“. Der Mann mit der gelben Jacke kam raus, ich stellte mich hinter ihm an. Kurz danach kam eine Frau und stellte sich hinter mir an, dann noch eine, die es sich nach keinen zwei Minuten anders überlegte und weg ging, dann kam ein Mann. Der Flur vor der Praxis war genau so eng wie unten am Hauseingang. Ich war froh, dass der Mann in gelber Jacke rein konnte, bevor ein weiterer Patient kam. Kurz danach war ich dran, es war schon nach meinem Termin, obwohl ich eine Viertelstunde im Voraus gekommen war, aber es war klar, dass die Ärzte Verspätung hatten.

Ich habe mich nach der Anmeldung im halb vollen Warteraum hingesessen. Ich hatte ein Buch zur Überbrückung der Wartezeit mitgebracht, aber zum Lesen bin ich nicht gekommen. Reizhustenattacke. In der Maske ein Genuß. Nicht. Ich habe ein Glas Wasser getrunken und eine der gerade erworbenen Kapseln gegen Reizhusten geschluckt, keine Hilfe. Ich bin schließlich aus der Praxis raus gegangen und habe an der Rezeption gesagt, ich warte vor der Tür. Meinen Namen habe ich nochmal wiederholt. Zum Glück war das Treppenhaus zu dem Zeitpunkt leer, und kurz nachdem sich mein Hals beruhigt hatte, hörte ich, wie mein Name gerufen wurde. Die Rezeptionistin hatte den Namen schon nicht mehr erkannt.

Nach dem Termin bin ich zurück nach Hause gegangen. Seit dem Hustenanfall im Wartezimmer habe ich jetzt einen stechenden Schmerz oberhalb vom rechten Busen, wenn ich mich nach vorne bücke. Ob ich mir beim Husten einen Nerv in der Wirbelsäule eingeklemmt habe? Das ist mir schon mal vor vielen vielen Jahren passiert, als ich Doktorandin war. Ich hatte nach einer Bronchitis immer stärker werdende Schmerze unterhalb vom linken Busen und dachte, es wäre Muskelkater vom vielen Husten. Zum Schluß konnte ich nicht mal gerade stehen. Der Arzt meinte, ein Nerv wäre eingeklemmt, ich hatte mir eine Wirbel raus gehustet. Er hatte sie mir zurecht gedrückt, Knack, danach ging’s mir spürbar besser, der Schmerz hatte aber einen Monaten lang gebraucht, um komplett zu verschwinden.

Wenigstens hat die Kapsel gegen Reizhusten scheinbar heute Nacht geholfen.

[1] Unbezahlte Werbung.

[2] Gerechtigkeit ist nur eine menschliche Erfindung. Der Natur ist es Schnuppe. Sonst wären die Trumps und Bolsonaros dieser Welt schon durch Corona ins Jenseits befördert worden.

Dieser Beitrag ist ursprünglich auf Meckereien & Co. erschienen.

Häusliche Quarantäne, Tag 11

Heute wäre theoretisch mein letzter Tag Quarantäne. Ich habe die Tage durchgezählt ab dem Moment, wo ich mich beim Gesundheitsamt gemeldet habe und die häusliche Quarantäne angeordnet bekommen habe. Es sind eigentlich vierzehn Tage ab dem Tag von den erstem Symptome, nachträglich gerechnet, weil am Tag meiner ersten Symptome der Schnelltest negativ war, heute ist also in Wirklichkeit der vierzehnte Tag.

Ich bin zu Fuß zum Testzentrum gegangen. Das erste Mal, dass ich das Haus verlasse, seitdem wir zurück gefahren sind. Ich bin mit der Maske gelaufen. Eine halbe Stunde hin, durch die Felder, zwanzig Minuten zurück auf direkterem Weg. Am Testzentrum zehn Minuten in der Kälte gestanden, es gab eine lange Schlange, trotz Terminvergabe. Eine Frau vor mir stand mit ihren zwei Kindern, weil sie vor der Schule getestet werden mussten, einen Termin hatte sie aber nicht. Sie ist weg geschickt worden. Mir ist eine Strichprobe aus dem Rachen für PCR genommen worden. Als ich zurück nach Hause gekommen bin, habe ich mir eine heiße Schokolade gemacht, und bin dann auf der Couch eingeschlafen.

Mit der erhöhten Anzahl an angefragten PCR-Tests ist es nicht sicher, dass ich das Ergebnis wirklich morgen bekomme. Ich werde also meinen ersten Arbeitstag des Jahres normal anfangen. Wenn ich aber immer noch positiv bin, muss ich krank geschrieben werden. Ich habe noch nicht Bescheid gesagt, dass ich seit dem 3. Januar krank geschrieben bin. Eigentlich war ich nicht mal krank geschrieben worden, als ich meine Praxis telefonisch informiert hatte. Das hat die Ärztin erst gemacht, nachdem der Ehemann ausdrücklich danach gefragt hat, als er sein positives Testergebnis bekommen hatte. Sie hat uns den Schein per Post geschickt und ich habe ihn erst vorgestern, am Freitagabend, bekommen. Ich habe offiziell noch Urlaub. Die erste Woche musste ich im Januar nehmen, weil ich letztes Jahr zu wenig Urlaub genommen hatte. Ich habe schon schlechtes Gewissen, wenn ich wegen der Krankschreibung den Urlaub nachholen muss. Das hatte ich schon mal. Vielleicht kann ich mir die übrig gebliebene Woche einfach auszahlen lassen. Ich weiß nicht, ob die Chefin einverstanden wäre.

Es ist gut wahrscheinlich, dass das Ergebnis positiv sein wird. Ich habe immer noch Symptome. Heute Nacht bin ich wieder wegen Hustenanfalls aufgewacht. Reden ist schwierig, ich komme schnell außer Atem und muss viel husten. Das ist mir heute Abend am Telefon mit meiner Mami wieder passiert. Gestern hatte ich sogar plötzlich leichtes Fieber, obwohl ich die ganze Quarantäne lang sonst fieberfrei war. Der Ehemann ist dagegen wieder symptomfrei, obwohl ich ihn scheinbar angesteckt hatte.

Dieser Beitrag ist ursprünglich auf Meckereien & Co. erschienen.

Häusliche Quarantäne, Tag 9

Heute war mein Gehirn gegen irgendwelche geistige Tätigkeit. Ich war müde. Meine Quarantäne soll am Sonntag enden, vorausgesetzt, ich bin zwei Tage davor symptomfrei. Es sieht nicht so aus. Ich huste und niese immer noch und spucke viel Schleim. Am Sonntag lasse ich mich nochmal testen. Mal schauen.

Inzwischen hat uns die Nachricht erreicht, dass Robert, der Ehemann der Cousine Kerstin, bei der wir über Weihnachten übernachtet haben, jetzt auch positiv getestet wurde. Von mir kann es nicht kommen. Es liegt zeitlich zu lange her, er war schon weg zu seiner Familie in Frankreich, bevor ich meine erste Symptome bekommen habe, und er war noch nicht zurück, als wir wegen meines positiven Tests vorzeitig weg gefahren sind. Das muss er sich beim Skiurlaub nach Sylvester geschnappt haben. Kerstin selbst ist bis jetzt negativ.

Anstatt die fachliche Literatur zu Omikron durchzulesen, habe ich mich heute handwerklich beschäftigt. Ich habe seit einiger Zeit Lust, mit dem Ehemann Go zu spielen. Ein Spiel haben wir nicht, und der Spielladenwaren bei uns ist seit Ende 2021 definitiv geschlossen. Außerdem darf ich noch nicht raus. Ich habe mir ein dünnes Stück Karton geholt, habe ein Quadrat von 42×42 cm2 daraus geschnitten, befestige es noch mit geklebtem Zeitungspapier und wenn es stabil genug wird, übermale ich es mit Acrylfarbe. Dann muss ich noch 192=361 Steine basteln, 180 weiß und 181 schwarz, und dann können wir spielen.

Dieser Beitrag ist ursprünglich auf Meckereien & Co. erschienen.