Häusliche Quarantäne, Tag 2

Heute fühle ich mich müde. Meine Augen sind warm. Nachdenken ist schwer. Ich sitze auf der Couch und gucke Netflix[1]. Nachdem wir am Nachmittag diese idiotischen Videosendungen von SAT1[1] geguckt haben. Ich vermeide sie sonst. Kaum lustig, blöde Kommentare und der Timer geht mir auf den Keks. Heute genau richtig für meinen kranken Gehirn.

Schön war, dass wir bei dem Wetter auf dem Balkon frühstücken konnten. Ohne Pulli. Am Sylvester. Verrückt. So was kannte ich nur von Südfrankreich. Bei dem Wetter wäre ich so gerne nach Starnberg gefahren. Aber. Nicht nur Corona habe ich heute, sondern auch meine Periode dazu. Stark. Mein Bauch schmerzt.

Heute Abend freue ich mich aufs leckere Essen, das der Ehemann liebevoll zubereitet. Ohne Alkohol für mich, klar. Ich bin krank. Und ich freue mich über zwei Folgen SchleFaZ[1]. Wenn ich nicht einschlafe.

[1] Unbezahlte Werbung, da Namensnennung.

Dieser Beitrag ist ursprünglich auf Meckereien & Co. erschienen.

Jahresrückblick in Bildern

2021 war ein beschissenes Jahr. Ich kann nur hoffen, dass 2022 besser wird.

Januar war in Ordnung, wobei der Ehemann fast jedes Wochenende nach Berlin musste, um sich um den Nachlass von seinem Vater zu kümmern. Februar ist mein Bruder gestorben. Und zum Schluss habe ich mir Corona geholt, mein Vater versucht uns einen Teil vom Erbe meines Bruders zu klauen, und das Paket, dass ich zu meiner Mami vor Weihnachten geschickt hatte, ist bei UPS[1] spurlos verschwunden.

Zur Ablenkung bin ich durch mein Fotoarchiv gegangen und habe mir zwölf Lieblingsbilder des Jahres ausgesucht – ein pro Monat. Einige waren noch nicht veröffentlicht.

16.01. Süße Fußstapfen im Schnee, Starnberg, am Seeufer. 28.02. Mandelblüten, viel zu früh, bei meiner Mami. Eine Mittagspause. 13.03. Kirschblüten, auch viel zu früh, bei meinem Bruder.
14.04. Käsekuchen mit Himbeeren. 09.05. Badewiese am Starnberger See. 06.06. Beerensalat mit Basilikum.
24.07. Versehentliche Collage aus Bonbons. 21.08. Faulbaum-Bläulinge, bei einer Wanderung im Rofan fotografiert. 10.09. Erster Urlaubstag in Haigerloch. Vom Schloss aus fotografiert.
23.10. Sonne durch einen Baum am Schlossmuseum Murnau. 21.11. Luftballonfahrt mit dem Ehemann. 08.12. Wunderschöner Sonnenaufgang.

[1] Trotz Namensnennung ist dies keine unbezahlte Werbung für UPS, ich bin so was von sauer auf die. Der Ehemann meint, der Stress und der Schlafmangel, den ich dadurch bekommen habe, sind vielleicht der Grund, warum ich an Corona erkrankt habe und er nicht.

Dieser Beitrag ist ursprünglich auf Meckereien & Co. erschienen.

Und ab nach Hause

Corona-Schnelltests, heute Abend durchgeführt. Rechts, der Test vom Ehemann. Links, mein Test.

Der Plan war, bei der Familie vom Ehemann bis zum Wochenende zu bleiben. Jetzt packen wir zusammen und fahren heute Abend nach Hause. Ein Glück, dass die Cousine Kerstin, bei der wir wie jedes Mal übernachten, mit ihrer kleinen Familie seit Sonntag in Frankreich ist. Sie sollten heute Abend später zurück kommen. Zeit, die Wohnung kräftig zu lüften und die Oberflächen zu desinfizieren, bevor wir abreisen.

Wie konnte es dazu kommen, dass ich mich zwei Wochen nach der Booster-Impfung infizieren lassen konnte? Und warum ist der Test vom Ehemann negativ, wo wir doch die ganze Zeit zusammen waren?

Am Heiligabend waren wir beim Onkel und der Tante, beide über achtzig, mit dem Rest der Familie. Ich hatte dem Ehemann vorgeschlagen, mit dem Taxi zurück zu seiner Cousine zu fahren, damit er Wein trinken konnte. Ich war noch dabei, vor dem Haus meine Maske in meiner Tasche zu suchen, als der Freundliche Taxifahrer[1], den uns die Tante immer empfiehlt, ankam. „Es macht nichts, Sie können so einsteigen“, rief er mir zu. Nix da. Maske gefunden, angezogen, eingestiegen. War das der Moment, als ich Corona bekommen habe? Die Trennplastikfolie zwischen Fahrer und hinterem Raum hing so lose dass sie überflüssig war.

Am Montag habe ich Schnupfen bekommen. Das passt vom Zeitpunkt her. Ich habe zuerst gedacht, ich hätte den Schnupfen vom Onkel bekommen, da er bei unserer Ankunft erkältet war. Schnelltest beim Testzentrum gemacht, negativ. Gestern ist ein trockener Husten dazu gekommen. Ich bin heute im Haus geblieben, während der Ehemann zu seinem Onkel gefahren ist. Ich habe ihn gefragt, Schnelltests zu besorgen. Als die Flüssigkeit im Fenster stieg, ist die erste Linie sofort erschienen, noch bevor die Kontrollzone nass wurde. Der Ehemann hat daraufhin einen Test gemacht. Negativ. Wir sind zum Testzentrum nochmal gefahren und haben 79€ für einen PCR-Test bezahlt. Das Ergebnis ist gerade per Email angekommen. Positiv. Verdammt.

Es ist bestimmt nur eine Frage der Zeit, bis der Ehemann nachweislich Corona bekommt. Keusch waren wir nicht, auch wenn ich seit Montag auf Küsse verzichte.

[1] Vermutlich auch unbezahlte Werbung, da Namensnennung.

Dieser Beitrag ist ursprünglich auf Meckereien & Co. erschienen.

„Dreist“ hätte mein Geburtsname sein sollen

Da ich den Namen von meinem Vater bekommen habe.

Heute beim Aufstehen habe ich eine Nachricht von ihm auf dem Handy entdeckt. Das passiert sehr selten, höchstens an meinem Geburtstag, für Weihnachten und Neujahr. Das hatte er letztens sogar eingestellt, 2020 hatte ich keine Nachricht von ihm bekommen. Das war mir recht. Seit dem Tod von meinem Bruder nimmt er sporadisch wieder Kontakt auf.

Heute war es kurz nach zehn, als ich seine Nachricht gemerkt habe. Ich habe momentan, im Urlaub, den Ruhemodus von Handy bis halb elf ausgedehnt. Nur Nachrichten aus ausgewählten Nummern kommen durch – die vom Ehemann und meiner Mutter.

Mein Vater gehört nicht zu den Anruf-Ausnahmen. Eigentlich ist er der Grund, warum ich überhaupt bei jedem neuen Handy sofort den Ruhemodus konfiguriere. Wenn er mal Nachrichten schreibt, dann gerne um unmöglichen Uhrzeiten. Zuletzt um 05:21 morgens am Samstag nach Heiligabend, wie ich im Nachhinein gesehen habe. Das ist so frech dass ich gar nicht drauf antworte. Als ich als Doktorandin ganz weit weg nach Deutschland geflüchtet war und noch kein Handy hatte, hatte ich mich schon damals daran gewöhnt, nachtsüber den Stecker vom Festnetztelefon zu ziehen, weil er sonst gerne sonntags in aller Frühe angerufen hatte. Diese Art psychologischer Belästigung war alles, was ihm übrig geblieben war, da physische Gewalt nicht mehr ging.

Die Nachricht von meinem Vater, drunter meine Antwort.

Hier die heutige Nachricht und meine Antwort darauf, nachdem ich mit meiner Mutter telefoniert habe. Mein Vater schreibt, für den Notar[1] bräuchte er eine Kopie meines Ausweises, meine Mutter würde Bescheid wissen.

Als ich zuletzt im September bei meiner Mutter zu Besuch war, war ich beim Notar. Eine Kopie meines Ausweises hatte ich ihm bei der Gelegenheit persönlich gereicht und damals hieß es, die Dokumente für die Erbschaft von meinem Bruder wären vollständig und der Fall würde im Oktober abgeschlossen sein. Dass mein Vater mir jetzt sowas schreibt, und nicht der Notar selbst, der doch meine Kontaktdaten hat, fand ich… merkwürdig.

Ich habe meine Mutter angerufen und sie gefragt, ob sie wirklich von irgendwas mit dem Notar wüsste. Sie sagte, meine Schwester, die momentan mit ihrem Sohn bei ihr zu Besuch ist, hätte auch heute eine Nachricht von meinem Vater bekommen und wäre so sauer geworden, dass sie direkt zurück ins Bett gegangen wäre. „Worum geht es denn?“ habe ich nochmal gefragt. Es ginge um die Garage, die meinem Bruder gehört hatte. Davon steht in der Nachricht von meinem Vater kein Wort.

Von dieser Garage hatte ich nie etwas gewusst, bis mich mein Vater bei der Trauerfeier von meinem Bruder von ihrer Existenz in Kenntnis gesetzt hatte. Besonders wichtig war ihm an dem Tag zu betonen, dass diese Garage zwar auf dem Papier meinem Bruder gehörte, sie aber von meinem Vater bezahlt wurde, damit mein Bruder etwas von ihm bekommen und Erbschaftsteuer vermeiden könnte, wenn mein Vater stirbt. Dumm nur, dass mein Bruder früher ging. Mein Vater fühlt sich also betrogen. Rechtlich gesehen teilen wir uns jetzt alle vier diese Garage, mein Vater, meine Mutter, meine Schwester und ich. Als ich wegen Erbschaftsteuer zur Kasse gebeten wurde, waren Kosten für diese Garage enthalten. Ich weiß nicht mal, wo die Garage ist.

Ich vermute, die Situation stinkt meinem Vater, weil er meinen Bruder bevorzugen wollte[2]. Meine Mutter meinte noch, mein Vater wäre mit seiner Freundin gepacst[3] und würde ihr jetzt lieber die Garage überlassen. Aber die Garage hatte er schon meinem Bruder gegeben. Und jetzt will er also an meinen Ausweis ran, denn kein Notar würde über dritte Personen nach persönlichen Dokumenten fragen. Meine Mutter sagte, dass mein Vater versuchen will, die Garage wieder an sich zu ziehen. Ob er mit meinem Ausweis meine Unterschrift fälschen will? Mein Vater ist so hinterhältig, dem traue ich alles zu.

Jedenfalls habe ich ihm geantwortet, der Notar hat schon eine Kopie meines Ausweises und wenn er mehr braucht, kann er mich selber kontaktieren, auf offiziellem Weg. Er erwähnt die Garage in seiner SMS ja gar nicht.

Versehentlich zu mir geschickt.

Gerade als ich auf „Veröffentlichen“ klicken wollte, kam diese weitere Nachricht von meinem Vater an. Ich vermute, an meine Mutter gerichtet und versehentlich zu mir geschickt. Er sagt meiner Mutter, dass ich ihm scheinbar nicht traue und ob sie mich danach (nach meinem Ausweis) fragen kann. Danach könnte er die drei Akten zu irgendeiner Verwaltung nach Nizza schicken. Welche Akte? Ich weiß von nichts. Es klingt, als ob mein Vater Papiere in meinem Namen hinter meinem Rücken ohne mein Einverständnis ausfüllen möchte.

Meine Mutter klang am Telefon schon ziemlich genervt, als sie mir die Situation schilderte, und meinte, ihretwegen könne mein Vater ihren Anteil an die Garage bekommen. Ich vermute, er hat bei ihr so lange Druck ausgeübt, bis sie nachgegeben hat. Ob er sie gedroht hat? Von einem Streit über diese Garage mit meinem Vater hatte sie mir sonst nie etwas erzählt. Dabei hatte sie meiner Schwester und mir im September nachdrücklich gesagt, wir sollten uns auf keinen Fall von meinem Vater verarschen lassen, die Garage würde meinem Bruder gehören und wir hätten als Nachfolger einen Recht drauf. Mich hat mein Vater bis jetzt nicht gefragt, auf diesen Teil vom Erbe zu verzichten.

Mir wäre es viel lieber, mein Bruder wäre noch am Leben und ich wäre stattdessen im Februar zur Trauerfeier von meinem Vater gegangen.

[1] Der Notar, der das Erbe meines Bruders geregelt hatte.

[2] Wir Mädchen waren ihm ja immer nur eine Schande, weil wir nicht als Jungen geboren wurden.

[3] Davon wusste ich allerdings auch nichts.

Dieser Beitrag ist ursprünglich auf Meckereien & Co. erschienen.

Weihnachten kann kommen

Die Plätzchen sind fertig. Sie duften so schön nach provenzalischen Bäckereien.


Ich habe dieses Rezept nachgebacken, aber den Teig habe diesmal ich dünner ausgerollt. Es sind über achtzig Plätzchen geworden, und mit der selben Backzeit sind sie härter geworden. „Genau wie Plätzchen sein sollten“, sagt der Ehemann. Ich finde sie besser, wenn sie wie beim letzten Mal dicker und innen weicher sind.

Ein anderer Unterschied ist, dass das Rezept fast vegan geworden ist. Fast, weil ich auf Honig nicht verzichten wollte. Die Familie vom Ehemann aus Berlin ernährt sich fast vegan, Honig geht noch. Sonst hätte ich andere Plätzchen backen müssen. Der Orangenblütenhonig unterstreicht das Orangenblütenwasser so gut.

Butter-Ersatz[2]. Die einzige Margarine in meinem Stammbioladen, die ohne Palmöl auskommt. Gut schmeckt sie auch.
Das Ei für den Teig habe ich durch einen halben Esslöffel Flohsamenschalen in 80 Milliliter Wasser gequollen ersetzt. Flohsamenschalen finde ich als Ei-Ersatz für Kuchen und Kekse genial, solange die Eier im ursprünglichen Rezept nicht wesentlich zum Geschmack beitragen, wie beim Clafoutis oder beim Quatre-quarts[1]. Die Flohsamenschalen riechen so schön nussig. Die Butter habe ich durch eine Margarine ersetzt. Zum Schluß habe ich eine Glasur aus einer Mischung von Puderzucker mit Wasser und Orangenblütenwasser auf die Kekse gepinselt, bevor ich sie gebacken habe, anstatt sie mit Eigelb zu bestreichen. Es ist aber keine Glasur geworden. Wenn es überhaupt einen Effekt gab, dann hat die Mischung dazu beigetragen, dass die Plätzchen nicht noch härter geworden sind.

[1] Zwei Rezepte, die ich nicht vegan machen möchte. Lieber ganz andere Kuchen backen, als Clafoutis oder Quatre-quarts ohne Eier zu essen.

[2] Unbezahlte Werbung.

Dieser Beitrag ist ursprünglich auf Meckereien & Co. erschienen.

Mein Tag mit Migräne

Heute habe ich mich beim Aufwachen eigentlich in Ordnung gefühlt. Ungewöhnlich war, dass ich schlafen konnte, bis der Wecker los ging. Meistens bin ich früher wach. Vielleicht weil ich gestern schon um sieben Uhr morgens am Laptop sitzen musste, weil wir eine neue Kollegin aus dem Reich der Mitte kennen lernen wollten.

Als ich heute deutlich später den Laptop aufklappte, merkte ich, ich musste diese Woche nur noch zwei Stunden arbeiten. Weil ich mir den Nachmittag frei genommen hatte. Es wäre blöd gewesen, Überstunden zu arbeiten. Ich habe Skype[1] geöffnet und erstmal auf meinem privaten Rechner meinen letzten Traum niedergeschrieben. Dabei habe ich angefangen, mich sehr müde zu fühlen.

Ich habe die zwei Stunden gearbeitet. Eine kleine neue Funktionalität musste in der LIMS implementiert werden. Ich hätte es normalerweise in einer halben Stunde geschafft, aber es hat anderthalb Stunde gedauert. Diffuse leichte Kopfschmerze sind aufgetaucht. Ich habe zwei Paracetamol geschluckt. Zum Schluß gab es in der Mittagszeit ein firmenübergreifendes Meeting mit der Chefin, und ich war froh, meine Kamera ausschalten zu können, weil ich nicht zeigen wollte, wie mies es mir auf einmal ging. Eine Übelkeit stieg und ich konnte nur noch mit Mühe am Schreibtisch sitzen bleiben.

Nach dem Meeting habe ich den Laptop zu geklappt, mich ausgezogen und ins Bett gepackt. Ein Glück, dass ich diesmal meinen Magen nicht leeren musste. Das ist mir nämlich schon letzte Woche Mittwoch passiert, als mich eine heftige Migräne-Attacke heim besucht hatte. Ich habe heute bis drei geschlafen, bis ein Postbote bei mir klingelte. Ich bin nicht ran gegangen. Ich lag nackt im Bett und konnte hören, wie ein Nachbar die Tür schon geöffnet hatte. Danach war nichts mehr zu hören. Wie ich es hasse, wenn Postboten alle Klingeln auf einmal tätigen!

Ich bin aufgestanden. Mir ging’s besser aber nicht top. Reis mit roten Linsen gekocht und gegessen. Netflix[1] geguckt. Ich warte jetzt drauf, dass der Ehemann aus der Arbeit zurück kommt.

Doof ist, dass ich mir heute den Nachmittag frei genommen hatte, weil ich mich mit den Kollegen aus der Gruppe zu einer inoffiziellen Weihnachtsfeier treffen wollte. Ich habe absagen müssen. Dabei hatte ich mich richtig gefreut, sie alle wieder zu sehen.

Ob die Migräne eine verspätete Nebenwirkung der Booster-Impfung von vorgestern ist? Ich mache eher den Wetterumschwung dafür verantwortlich. Als ich heute früh zum Lüften alle Fenster aufgerissen hatte, war eine dicke dunkelgraue Wolkendecke in der Nähe zu sehen. Als es mir schlecht wurde, war blauer Himmel und strahlender Sonnenschein. Als ich dann um drei geweckt wurde und mich besser gefühlt hatte, war es wieder grau.

[1] Unbezahlte Werbung, da Namensnennung.

Dieser Beitrag ist ursprünglich auf Meckereien & Co. erschienen.

Träge

Ich war mit dem Ehemann in einer großen Halle. Die Halle war rund, sie war eher ein runder Gang, wie ein Donut, mit hoher Decke, und gelb/orangefarbenen Wänden. Viele technische Gegenstände lagen rum neben der Wand, Röhre, Teile von wissenschaftlichen Geräten. Es sah wie in einem Forschungsreaktor aus.

Wir haben uns mit einer Bekannte auf einem breiten, mit blauem Stoff bezogenen Tisch hingesessen. Mehr hingelegt als hingesessen, wirklich. Links von mir war auch Winfried. „Hey, das Team von Programm #1 ist auch da!“ rief plötzlich meine Bekannte aus. Uschi lief tatsächlich an uns vorbei, nach rechts. „Stimmt, er ist zurück zur Gruppe gekommen, das muss eine Umstellung gewesen sein“, sagte ich[1]. „Ja, jetzt bin ich der Chef“, sagte Winfried. „Das gebe ich nicht zurück.“

Später. An dem Tisch, auf dem wir gesessen hatten, hatten wir scheinbar gegessen. Es was nach dem Essen. Der Ehemann räumte alles auf, während ich auf meinem Stuhl nur saß und zuschaute. Kein Bock, irgendwas zu machen. Ein bisschen schlechtes Gewissen habe ich doch bekommen, da der Ehemann so viel getan hatte, und ich habe einen Staubsauger in die Hand genommen, um die Krümel am Boden zu entsorgen. Dabei fiel mir ein, ich hatte keine geeignete Schuhe dafür, nur kleine, hübsche Sandalen, die zu meinem weißen Sommerkleid gut passten. Winfried meinte, ich könnte mich um die Spinnen ganz hinten an der Decke kümmern. Ich bin hin gegangen. Es gab schwarze Flecken, aber als ich näher kam waren sie wirklich nur das – Flecken. Ich bin zurück gekommen.

Wir waren mit dem Ehemann draußen auf einer asphaltierten Brücke. Er schlug vor, einen Spaziergang zu machen. Ich schaute unter der Brücke. Da lief ein Fluss, es wäre schön, am Ufer zu gehen. Aber der Weg sah steinig aus, ich hatte immer noch mein weißes Kleid und meine kleine Sandalen an, und ich lag so gemütlich da. Ich sagte, ich würde nur auf der Straße laufen wollen. Oder er müsste ohne mich spazieren gehen. Er ging ohne mich. In dem Moment kam eine Frau aus der anderen Richtung auf ihn zu. Die Frau sah auf dem ersten Blick nicht so dick aus, aber dann fiel mir auf, wie ihre Oberschenkel in ihrer hellen Jeanshose zwei aufeinander gestapelten Wülste bildeten und so breit waren, dass die Unterschenkel nicht mehr parallel zu einander stehen konnten. Die Frau war in Begleitung einer älteren Frau, vermutlich ihrer Mutter, und die Beiden sperrten dem Ehemann absichtlich dem Weg, damit er gezwungen wurde, zwischen ihnen zu gehen. Dabei fasste ihn die dicke Frau an und versuchte, mit ihm zu flirten, aber er ging nur durch und lief weiter, ohne die Frauen wahrzunehmen. Ich war vom Verhalten der Frau schockiert, und als sie an mir vorbei lief, rief ich „Connasse!“ zu ihr[2]. Etwas passenderes fiel mir nicht ein. Sie lief einige Meter weiter, drehte sich dann doch zu mir und wiederholte, „Connasse!“ Es war aber klar dass sie keine Ahnung hatte, was das bedeutete.

Das Radio weckte mich. Mir fiel auf, wie sehr ich im Traum keine Lust hatte, irgendwas zu unternehmen. Es ist momentan auch so. Vielleicht liegt es daran, dass es auf Arbeit so viel zu tun gibt und ich abends nur noch schwer etwas anderes tun kann als mit dem Ehemann auf der Couch vor dem Fernseher zu sitzen, oder genauer gesagt zu schlafen. Selbst fürs Kochen fehlt mir die Begeisterung. Ich habe sowieso keinen so großen Hunger, wenn ich den ganzen Tag zu Hause im Home Office sitze. Ich fühle mich nur sehr müde. Es könnte auch gerade an die Booster-Impfung vorgestern liegen, obwohl ich sonst kaum Nebenwirkungen hatte. Wieder BioNTech. Es wird jedenfalls dringend Zeit für Urlaub. Ich freue mich drauf.

[1] Das stimmt tatsächlich. Nachdem Uschi uns überraschenderweise verlassen hatte, ist er genau so überraschend vor zwei Jahren zurück zur Gruppe gekommen. Ob es damit zusammen hängt? Mr Keen hat kurz danach gekündigt. Hätte ich damals gewusst, dass ich ihn nur noch zwei Jahre ertragen müsste, hätte ich mich vielleicht nicht so eifrig weg beworben.

[2] Ich finde es nach über zwanzig Jahren in Deutschland immer noch unheimlich schwer, mir deutsche Schimpfwörter anzueignen. Ich habe deutsche Kolleginnen gehabt, für die „blöde Kuh“ schon eine starke Beleidigung war, was auf Französisch eher lustig klingeln würde.

Dieser Beitrag ist ursprünglich auf Meckereien & Co. erschienen.