Augenmigräne

Heute vormittags war komisch. Ich saß vor dem Laptop und war am Arbeiten, als ich plötzlich merkte, dass ich den Bildschirm nicht mehr so gut sehen konnte. Es war nur eine kleine Störung, aber ich musste mich anstrengen, um zu fokussieren. Ich habe die Augen geschlossen und gemerkt, dass etwas in der Mitte vom linken Auge flackerte.

Ich habe versucht, weiter zu arbeiten. Nach einer Weile hat sich der Fleck verbreitet und angefangen, wie ein bunter halber Kreis auszusehen, der aus kleinen Segmenten aus den drei RGB-Grundfarben besteht. Es war schwer, das Muster genau zu beobachten, weil es flackerte. Hinter und um den Kreis war alles verschwommen. Der Kreis ist langsam aber sicher gewachsen. Ich musste Pause machen. Selbst beim Gitarrespielen hatte ich Schwierigkeiten, die Saiten zu sehen. Die Augen zu schließen hat keine Verbesserung gebracht, der Halbkreis war immer noch da.

Ungefähr so kann man sich den Effekt vorstellen, außer, dass die Zick-Zack-Linien geflackert haben:

Das ist nicht mein Laptop für die Arbeit sondern mein privates PC, am Abend mit schlechtem Lichtverhältnis fotografiert. Zick-Zack mit Krita gemalt, in Gimp auf das Foto kopiert und den Bereich um das Zick-Zack in der Foto-Ebene unscharf gemacht. Jetzt fällt mir auf, wie dreckig meine Tastatur ist, der Aufnahmewinkel ist wirklich ungünstig.

Der Kreis ist so lange gewachsen, bis er zum Schluss nur noch am oberen linken Rande von meinem Blickfeld wahrzunehmen war. Es hat vielleicht eine halbe Stunde gedauert. Danach konnte ich wieder gut sehen, aber ich habe mich die nächsten Stunden völlig matschig gefühlt.

Ich erinnere mich, einmal in Berlin diese Erfahrung gemacht zu haben. Es soll nichts Schlimmes sein.

Dieser Beitrag ist ursprünglich auf Meckereien & Co. erschienen.

In Alba

Nach der langen Autofahrt erreichen wir Alba kurz nach zwanzig Uhr[1]. Wir checken ins Hotel ein, haben gerade Zeit, schnell zu duschen, und gehen wieder raus. Der Ehemann will mich in einem bestimmten Restaurant ausführen. Er kennt sich gut aus, er war häufig beruflich zum Einsatz hier. Leider gibt’s das Restaurant nicht mehr. Alternativ gäbe es ein Lokal direkt gegenüber, aber es sieht voll aus, Menschen stehen draußen wie vor einer Studentenkneipe, mich zieht es nicht an.

Wir laufen zurück zum Hotel und bekommen einen Tisch im Restaurant[2] direkt nebenan. Außer uns sitzen nur vier Personen an einem Tisch weiter weg, sie sprechen irgendeine skandinavische Sprache die ich nicht näher identifizieren kann. Das Restaurant sieht viel schicker aus als das Lokal, und das Menü erhobener. Nach dem Abendessen am Schloss Haigerloch wird es meine zweitbeste kulinarische Erfahrung vom Urlaub. Dazu einen exzellenten Barbera d’Alba[2]. Als Nachtisch gönne ich mir das Duo von Cannoli, einmal klassisch sizilianisch und einmal mit Haselnüssen. Die Cannoli sind viel besser als die, die ich bisher aus den italienischen Marktständen in Deutschland kannte, die meistens zu trocken und brüchig sind.

Nach dem Essen machen wir einen kurzen Spaziergang um die Kathedrale, deren Turm nachtsüber mit den Farben der italienischen Flagge beleuchtet wird. Am nächsten Morgen merke ich, den Turm sieht man auch vom Innenhof vom Hotel aus, wo wir das Auto geparkt haben.

Wir verbringen den folgenden Vormittag mit Stadtbummeln. Alba zählt nicht weniger als acht religiöse Gebäude, was Christentum betrifft, laut der italienischen Wikipedia-Seite der Stadt. Wir besuchen die Kirche San Giuseppe (1656) und die Kathedrale San Lorenzo (vom 6. Jahrhundert), die hinter dem großen Altar die Gebeine von San Fortunato enthält. Diese Art Verehrung von verwesten Knochenresten fand ich schon in meiner Kindheit verstörend[3], eine einfache Statue hätte m.E. gereicht. In der Kathedrale hätte es auch den Kopf von San Teobaldo geben sollen, wäre die goldene Büste Anfang der Achtziger nicht gestohlen worden. Eine Informationstafel erwähnt, dass sie vor zehn Jahren in Minneapolis wieder gefunden worden sei, den Weg zurück zur Kathedrale hat sie bis jetzt nicht gefunden.

Wir schlendern die Einkaufsmeile bis zum Ferrero-Platz – am nordöstlichen Rande von Alba sitzt eine Produktionsstätte von Ferrero[2]. Als wir morgens aus dem Hotel gekommen war, dachte ich, die Bäckerei um die Ecke riecht intensiv nach Schokolade, der Ehemann meinte, es wäre das Ferrero-Werk, das über die ganze Stadt duftet. Wir kaufen keine Schokolade. Auf dem Weg zum Platz gibt es viele kleine Boutiquen mit leckeren Spezialitäten, ich fülle lieber meine Tasche voll mit Pasta und Pesto für die Rückkehr nach Hause, um das Urlaubsgefühl zu verlängern. Am Ferrero-Platz trinken wir ein Espresso. Es ist kurz vor zwölf als ich denke, wir sollten nochmal lecker essen gehen, bevor wir wieder ins Auto steigen. Mein Handy zeigt mir eine Osteria keine zwei Minuten vom Platz entfernt. Sie ist in einem Innenhof direkt hinter dem Café. Als wir ankommen sind wir die einzigen Gäste, alle Tische auf der Terrasse sind frei. Eine Viertelstunde später ist es schon voll und die Kellner müssen Leute ohne Reservierung weg schicken – drin wird scheinbar nicht gegessen. Ich bestelle eine Portion Tajarin al sugo di salsiccia, diese Pasta-Sorte kannte ich noch nicht, der Ehemann ist mit seinen Agnolotti glücklich.

Wir fahren am frühen Nachmittag in Richtung Gardasee los, am Ferrero-Werk vorbei. Ich bin fest entschlossen, zurück nach Alba zu kommen, um wenigstens einmal vor Ort die berühmte Trüffel zu essen. Die habe ich diesmal auf den Menüs nicht gesehen, aber wenn Saison ist, werden sie die Restaurants sicherlich anbieten.

[1] Nach der Rückkehr aus dem Urlaub geschrieben, zum Tag des Abfahrt aus Alba zurück datiert.

[2] Unbezahlte Werbung, da Namensnennung und/oder Verlinkung.

[3] Dabei bin ich in einer katholischen Familie gewachsen. Praktiziert haben meine Eltern nicht, taufen lassen haben sie uns trotzdem alle drei, als wir noch nicht mal der Sprache mächtig waren.

Dieser Beitrag ist ursprünglich auf Meckereien & Co. erschienen.

Sonntagabend von Ligurien zum Piemont

Autobahn. Auf der Provençale ging’s, aber sobald wir die Grenze überqueren gibt es an gefühlt jedem Tunnel Bauarbeiten und man muss ständig die Spur wechseln, mal durch den linken Tunnel, mal durch den Rechten. Einheimischen halten sich gar nicht an die Geschwindigkeitsgrenzen, die, verglichen an deutschen Standards für solche Strassenzustände, schon recht lasch sind, trotz angekündigten Radarkontrollen. Vielleicht funktionieren die sonntags nicht. Wir werden häufig überholt, wobei ich den Eindruck bekomme, es hat mehr damit zu tun, dass wir ein deutsches Autokennzeichen haben, als dass wir zu langsam fahren würden. Den Eindruck hatte ich schon in Frankreich. Nach einer Weile gibt’s nur noch einen Stau nach dem dem Anderen. Unsere Ankunftszeit verzögert sich ständig.

Der Navi schlägt uns eine schnellere alternative Route vor, und wir verlassen die Autobahn. Ob es wirklich klug war? Wir kommen ganz schnell auf sehr engen kurvenreichen Bergstrassen, die aussehen, als ob niemals zwei Autos neben einander fahren könnten, und ich lasse mich immer wieder überraschen, dass es doch klappt. Strassen, auf denen ich im Winter nicht unterwegs sein möchte. Bin ich froh, nicht selber zu fahren. Wir werden ein paar Male überholt, obwohl wir schneller als die offiziell erlaubten dreißig Kilometer pro Stunde fahren. Durchgehende weiße Linien in der Mitte der Strasse werden höchstens als Dekoration wahrgenommen. Interessant: Wenn man in Frankreich mit dem Navi einen Ziel angibt, stimmt die gerechnete Ankunftszeit bis zum Schluss, obwohl wir langsamer als erlaubt fahren. In Italien  fahren wir schneller als erlaubt aber unsere Ankunftszeit ändert sich nicht. Wir fahren über den Colle von San Bernardo. Die einsame Wirtschaft dort oben sieht längst verlassen aus. Alle Fenster sind eingeschlagen. Es regnet, wir kriegen dickes Gewitter, und ich bin froh, als wir endlich die Bergstrasse hinter uns lassen.

Nach San Bernardino kommen wir wieder zur Autobahn. Wie auf dem ersten Stück Autobahn schert sich keiner um Sicherheitsabstand. Die Nacht bricht herein. Am Ende kommen wir Dreiviertelstunde später am Ziel als vor der Abfahrt gedacht. Immerhin unfallfrei.

Dieser Beitrag ist ursprünglich auf Meckereien & Co. erschienen.

In Dijon

Wir fahren am Sonntag direkt nach dem Frühstück von Mittelbergheim los[1]. Auf Autobahn haben wir keine Lust, die Strecke an den Ballons des Vosges ist viel schöner. Einen Teil dieser Route war ich schon ein paar Male vor über zwanzig Jahren gefahren.

Der beinahe Unfall

Es ist unser dritter Urlaubstag und ich habe genug von Autofahrten. Das Auto ist bequem, dass ist nicht das Problem. Das lange Sitzen und die Idiotie mancher Verkehrsteilnehmer gehen mir auf den Keks. Am Ende einer Ortschaft kurz nach Mittelbergheim fahren wir die maximal erlaubten fünfzig Kilometer pro Stunde[2], ein Auto klebt uns am Arsch. Der Fahrer setzt zum Überholen an, gerade als wir in einer Kurve nach rechts sind, und verfehlt nur ganz knapp ein Oldtimer-Cabrio, das gerade aus der Kreuzung nach der Kurve uns entgegen kommt. Trotzdem, der Ehemann fährt weiterhin gerne Auto.

Wir treffen mehrere Fahrradfahrer unterwegs, viele tragen dicke Nummer auf die Kleidung gepinnt, einige werden dicht von Autos mit Sponsoren gefolgt, es muss ein Rennen geben. Es wundert mich, dass die Strassen dafür nicht gesperrt sind.

Am Col du Bonhomme machen wir eine kleine Pause. Die Gegend sieht toll aus und ich würde gerne wandern gehen. Wir haben leider zu wenig Zeit dafür, wenn wir bei Tageslicht in Dijon ankommen wollen, es reicht gerade für ein paar Fotos.

Auf der Weiterfahrt kommen wir auf eine breitere, gerade Strasse, die durch eine Ortschaft[3] führt, und ich sehe groß auf einem Schild auf der linken Seite, dass in dem Laden, vor dem es steht, Munster fermier des Vosges verkauft wird. Das habe ich seit über zwanzig Jahren nicht mehr gegessen. Ich schreie „Halt, Halt, Halt!“ und da zu dem Zeitpunkt niemand hinter uns fährt, niemand uns entgegen kommt und der Parkplatz links nur halb voll ist, hält der Ehemann an. Im Laden kann man auch Kaffee trinken, was nötig ist, und ich kaufe einen großen Munsterkäse. Wem jetzt denkt, na dann viel Spaß bei dem Geruch im warmen Auto bis zur Provence, sage ich, weit gefehlt. Diesen Käse habe ich während meiner Diplomzeit in der Gegend kennengelernt und er ist fantastisch, er hat gar nichts mit dem Munster zu tun, den man sonst aus dem Supermarkt in Frankreich oder aus gut sortierten Käseläden in Deutschland kennt. Er riecht ganz frisch und schmeckt herrlich, so richtig kann ich es nicht beschreiben, einfach mal dahin fahren und probieren. Jedenfalls, für die Fahrt haben wir den Käse in der Kühlbox gehalten, wir haben kaum etwas im Auto bemerkt, außer, wenn man die Kühlbox geöffnet hat.

Es ist kurz nach vier, als wir das Hotel in Dijon erreichen. Ich bin müde und habe Kopfschmerze. Als wir im Zimmer sind, mutieren die Kopfschmerze zur Migräne. Ich verdunkle das Zimmer und lege mich hin, während der Ehemann spazieren geht. Gegen sieben Uhr abends geht es mir geringfügig besser. Wir gehen essen. Der Ehemann hatte auf dem Handy nach Restaurants gesucht und nichts Besonderes gefunden. Auf der Webseite vom Guide Michelin gibt es einige interessante Restaurants, die hat er wohl nicht gesehen. Bei den Kopfschmerzen will ich sowieso nicht lange laufen, die Altstadt (Fußgängerzone) ist für meine Sommerschuhe zu glatt, und wir landen in einem Restaurant an der Markthalle. Die Eier meurette als Vorspeise kannte ich nicht und ich werde sie auf jeden Fall nachmachen. Das Hähnchen in Senfsauce „vom Chef“ war eine Enttäuschung, einfach ein Stück Hähnchen lieblos auf dem Teller mit einer Art Senf-Béchamel geklatscht, es sah nicht sehr appetitlich aus und hat nur so lala geschmeckt.

Am nächsten Morgen schlendern wir durch die Altstadt von Dijon. Die Markthalle hat geschlossen, es ist Montag. Ich mache erst jetzt Fotos. Am Sonntagabend waren mir viel zu viele Touristen unterwegs.

Bilder der Kirche Notre-Dame, die wir nicht besucht haben. Der Stuck oberhalb von der Tür wurde kurz nach der französischen Revolution zerstört. Die Fassade war zu groß um sie mit der Kamera zu fotografieren. Jedenfalls nicht von meinem Standpunkt aus. Sie ist voll von lustigen Wasserspeiern.

Dijon wirkt verspielt. Überall in der Stadt sieht man Käuzchen abgebildet. Stolpersteine auf dem Bürgersteig. Die Eule ist ein Symbol der Stadt. Sie ist in einer Kante der Kirche eingemeißelt und sieht gut poliert aus. Der Grund: Es soll Glück bringen, sie mit der linken Hand zu streicheln. Vor zwanzig Jahren wurde sie randaliert und dank einer früheren Abformung[4] wieder restauriert. Und sonst, Space Invaders[5] haben die Stadt erobert.

Unser Hauptziel an diesem Morgen ist die Boutique von Maille[5]. Wir kaufen einige Gläser Senf. Die Boutique bietet Sorten an, die man sonst in dem Handel nicht findet. Senf, lerne ich, wird traditionell mit Weißwein hergestellt, nicht mit Essig. Ich nehme auch den Senf mit Rosé mit. Beim Probieren stelle ich fest, der Rosé-Senf ist ganz mild und vielleicht ein bisschen zu salzig für mein Geschmack. Der Senf mit Weißwein steigt richtig in die Nase, wie Senf halt schmecken sollte.

Nach einem letzten Spaziergang setzen wir unsere Reise fort, jetzt nach Saint-Rémy-de-Provence.

[1] Nach der Rückkehr aus dem Urlaub geschrieben, zum Tag des Abfahrt aus Dijon zurück datiert.

[2] Ich gebe zu, ich bin eine nervige Beifahrerin und habe immer einen Auge auf dem Tacho. Wenn wir zu schnell fahren, weiß der Ehemann Bescheid, solange bis wir wieder unter der Geschwindigkeitsgrenze liegen.

[3] Ich wusste schon nicht mehr wo, aber der Kartenzahlungsvorgang aus meinem Kontoauszug hat geholfen: La Bresse[5].

[4] Ich hätte „Moulage“ geschrieben, da es die französische Bezeichnung dafür ist und das Wort ins Deutsche (und ins Englische) übernehmen wurde. Leider ändern andere Sprachen häufig die Bedeutung von den Wörtern, die sie klauen. Gut, dass ich den Begriff zur Sicherheit geprüft habe. Eine Moulage ist auf Deutsch (und auf Englisch) eine Abformung, die nur dem Zweck der Wundedarstellung dient und in der Medizin Anwendung fand.

[5] Unbezahlte Werbung, da Namensnennung und/oder Verlinkung.

Dieser Beitrag ist ursprünglich auf Meckereien & Co. erschienen.

Weinprobe im Elsass

Die zweite Etappe vom Urlaub[1] bringt uns am Samstag von Haigerloch zum Elsass. Wohin genau weiß ich erstmal nicht, der Ehemann hat diesen Teil geplant. Wir fahren nicht Autobahn und halten auf halber Strecke an der Kniebis-Hütte[2], wo wir uns ein Stück Schwarzwaldtorte teilen. Einige hundert Meter weiter hält der Ehemann wieder an, um die Aussicht zu genießen. Er probiert die Panorama-Funktion von meiner Kamera aus. Das ist nicht etwas, was ich gerne mache, ich finde es verwirrend, das links und rechts vom Bild das selbe zu sehen ist – wobei es im Bild unten nicht so extrem ist, einen Teil der Straße hinter ihm, wo ich mich aufgehalten habe, hat der Ehemann nicht aufgenommen.

Der Rhein bei Regen

Der Weg nach Frankreich führt uns weiter entlang eine kleine, enge Bergstrasse und kurz vor Oppenau kommen wir unerwartet zu einem Stau. Viele Autos stehen auf der Straße, die Leute sind ausgestiegen. Das machen wir auch. Der Ehemann läuft bis zur Kurve unten, wo man durch die Bäume orangefarbene blinkende Lichter sieht: Zwei Abschleppwagen sind da, es gab einen Unfall. Die Strasse ist gesperrt. Er überlegt kurz, ob wir umdrehen sollen. Ich rate ihn davon ab. Ich habe keine Lust, diese kurvige Strasse wieder hoch zu fahren, um noch kleinere Strassen zu benutzen. Es fängt an zu regnen. Nach zwanzig Minuten Wartezeit ist die Unfallstelle schon geräumt und wir können weiter fahren. Den beschädigten Autos nach zu beurteilen, scheint mir die Unfallursache klar zu sein: Zu dicke Autos für eine zu kleine Straße, und ein Mangel an Rücksicht. Wir hatten Glück, nicht selber in dem Unfall verwickelt zu sein, auch wenn es nur Sachschaden war. Es regnet weiter, als wir den Rhein überqueren.

Wir erreichen das Ziel, Mittelbergheim, kurz nach vier Uhr nachmittags. Sobald der Ehemann das Auto geparkt hat, während ich das Gepäck im Zimmer ausgepackt habe, schleppt er mich zu einer Weinprobe, bevor der Laden schließt. Der Grund unseres Besuches ist, dass er schon mal mit seinem Vater hier war. Wenigstens praktisch, die Boutique liegt direkt gegenüber vom Hotel. Nach der Fahrt ist mir nicht wirklich danach, der Kopf schwirrt mir schon, bevor wir überhaupt anfangen. Der Wirt schenkt uns gut gefüllte Gläser, für eine Probe, es sind jedes mal fast zehn Zentiliter. Ich nippe am Glas um den Geschmack festzustellen und der Wirt muss jedesmal meinen Wein weg kippen, um den Nächsten ins Glas zu gießen. Der Ehemann leert alle seine Gläser selber. Ich finde zwei Flaschen, die meiner Mami bestimmt gefallen werden, ein Auxerrois „vieilles vignes“[2] und ein Sylvaner „spontané“[2] ohne Sulfit. Nach der Probe besuchen wir den Keller vom Produzenten, und machen einen Spaziergang durch die Reben am Zotzenberg.

Interessante Strassenbeleuchtungen mit verschiedenen Wappen. Unten rechts, die katholische Kirche Saint-Etienne.

Auf dem Weg zur Kirche und nur des Bildformates wegen unten links, eine animierte Rekonstruktion der traditionellen Weinherstellung. Die restliche Fotos wurden auf dem Weg zurück zum Hotel aufgenommen.

Den Abend verbringen wir im Restaurant vom Hotel. Der Ehemann war, schon vor der Buchung, enttäuscht, dass die Besitzer der Weindomäne das Hotel nicht mehr selber betreiben. Er mag es nicht, wenn Orte sich ändern, in denen er früher Zeit verbracht hat. Das Restaurant bietet keine traditionelle Küche mehr, das Essen war trotzdem hervorragend. Nach einem nächtlichen Spaziergang gehen wir ins Bett. Es ist im Zimmer viel zu warm, wie schon die Nacht davor in Haigerloch. Um drei Uhr morgens liegen wir beide wieder wach und völlig verschwitzt. Der Ehemann öffnet das Fenster vollständig. Draußen ist es kalt und nicht mehr laut, die letzten Feiernden fahren ihren Autos mit lauter Musik nicht mehr. Das Beeindruckendste: Im ganzen Dorf wurden die Strassenbeleuchtungen ausgeschaltet. So einen Sternenhimmel habe ich selten gesehen.

[1] Nach der Rückkehr aus dem Urlaub geschrieben, zum Tag des Abfahrt aus dem Elsass zurück datiert.

[2] Unbezahlte Werbung, da Namensnennung und/oder Verlinkung.

Dieser Beitrag ist ursprünglich auf Meckereien & Co. erschienen.

Spaziergang in Haigerloch

Unser erster Urlaubstag[1]. Wir fahren den langen Weg nach Südfrankreich. Die erste Etappe erreichen wir am Freitagabend nach fast vier Stunden Autofahrt über vorwiegend Landstrassen, nachdem wir auf halber Strecke auf dem Wanderparkplatz in Seekirch Pause machen. Der Ehemann parkt unwissentlich unter zwei Pflaumenbäumen, die noch voll mit Früchten beladen sind. Es wundert mich, dass so viele noch hängen. Sie schmecken leicht säuerlich aber gut, einige sind am Boden gefallen.

Wir verbringen die Nacht im Schloss[2], nach einem leckeren Abendessen im Restaurant. Ein Rezept aus dem Septembermenü werde ich auf jeden Fall versuchen nachzukochen: Crème brûlée mit Ziegenkäse, die als Vorspeise serviert wurde. Ein Gaumenschmaus. Ich habe seitdem viel darüber gelesen und in meinem Familienkreis nachgefragt, scheinbar kann es sehr schnell mit der Dosierung daneben gehen. Die, die ich gegessen habe, war unter der Zuckerhaube leicht karamellisiert, der Ziegenkäse war dezent und hatte nicht dominiert. Mit dem Carpaccio von der Ringelbeete in Vinaigrette, mit dem sie serviert wurde, hatte sie leider nicht wirklich harmoniert.

Am nächsten Morgen machen wir einen Rundspaziergang, bevor wir weiter in Richtung Frankreich fahren. Vom Schloss aus hat man eine wunderbare Aussicht auf die Stadt und ihre Umgebung. In der Eyach sitzt eine Ente ganz ruhig, die Anderen bleiben auf der Betonfläche, vermutlich sind sie noch nicht ganz wach. Die perfekte halbe Kreiswelle, die von der Ente im Wasser ausgeht, kann ich nicht unfotografiert lassen.

Wir laufen durch den Tor den Gehweg an der Schlosskirche vorbei zur Stadt herunter. Es gäbe einiges zu besuchen, zum Beispiel das Atomkellermuseum[2], oder die ehemalige Synagoge, da es bis zum zweiten Weltkrieg eine große jüdische Gemeinschaft in dem Ort gab. Für alles bleibt uns vor der Weiterfahrt zu wenig Zeit und die verbringen wir lieber mit einem Spaziergang beim noch schönen Wetter. So entdecken wir den Brunnen mit der Statue von Sankt Nepomuk. Den Namen kenne ich doch. Unweit davon sehen wir eine Kopie von einer alten Glasmosaik, die an das Gefecht erinnert, bei dem der Graf Albrecht II. von Hohenberg das Leben verlor. Nach der Brücke laufen wir eine kleine Straße (Steigle) hoch, wieder runter, durch die Eyachgasse und einen kleinen Radweg lang, an der Schlossmühle worbei, bis wir nach einer zweiten Brücke links ein Stück Wald mit einem steilen Weg erreichen, wo sich Mücken über unsere Anwesenheit freuen. Ich habe zum Glück Schutz in Form von einem Zitronengras-Spray für die Haut dabei.

Im Wald laufen wir nicht lange, und schon kommen wir zum Kapffelsen an, den wir vom Schloss aus links von Haigerloch gesehen hatten. Drauf wurde ein großes Kreuz am 10. September 2009 von der freiwilligen Feuerwehr errichtet. Von dort aus hat man eine schöne Aussicht auf die Stadt. Nach einer unglaublich kurzen Strecke erreichen wir wieder das Schloss von der anderen Seite.

Der Himmel ist inzwischen bedeckt. Wir fahren los.

[1] Nach der Rückkehr aus dem Urlaub geschrieben, zum Tag des Geschehens zurück datiert.

[2] Unbezahlte Werbung, da Namensnennung und/oder Verlinkung.

Dieser Beitrag ist ursprünglich auf Meckereien & Co. erschienen.

Wanderung im Rofan

Der Beitrag, den ich vor zwei Wochen geschrieben haben wollte, hätte der Router nicht versagt.

Wir haben das Wochenende am Achensee in Österreich verbracht. Es waren gerade zwei Stunden mit dem Auto von zu Hause entfernt. Wir hatten uns spontan dazu entschieden, weil das Wetter endlich schön aussah.

Der Ehemann hatte ein Hotelzimmer reserviert. Vieles war ausgebucht, die Auswahl war nicht groß gewesen. Als wir am Freitagabend angekommen sind, hat der Ehemann geparkt und ich bin ihm zum Hotel gefolgt. Wo wir erfahren haben, dass wir dort gar kein Zimmer reserviert hatten. Nach einer kurzen Ratlosigkeit wurde klar, wir waren am falschen Hotel, unser lag zweihundert Meter weiter. Warum kommt mir diese Situation so bekannt vor?

Unser Hotel wirkte von weitem nicht so einladend wie das Erste aus. Von draußen schallte Schlagermusik, ich hätte gleich die Flucht ergriffen, hätten wir dort nicht gebucht. Der Mann am Empfang, der im Rollstuhl ankam, erklärte uns, wir bräuchten hier keine Maske tragen, der Spuck wäre vorbei. Ja, genau so ernst wurde es damals in Ischgl gehandhabt. Manche Leute sind unbelehrbar. So ein Pech, ich wäre viel lieber im ersten Hotel gelandet, wo am Eingang ein Desinfektionsmittelspender nicht zu übersehen mitten im Weg stand. Wenigstens war das Zimmer schön und man hörte drin nichts von der Musik.

Das Restaurant vom Hotel sah nicht gemütlich aus, die Küche würde eh gleich schließen, haben wir erzählt bekommen, und wir sind zum ersten Hotel[1] zurück gegangen, das viel gehobener ausgesehen hatte. Das Essen war auch fantastisch und unglaublich preiswert. Wir haben gleich für den nächsten Abend einen Tisch reserviert. Besser als der „Nostalgie-Abend“, den uns der Hotelbesitzer beim Einchecken für den nächsten Tag angepriesen hatte.

Am Samstagmorgen sind wir, nach einer Stärkung im überfüllten Frühstücksraum, zur Seilbahn gegangen und hoch gefahren. Es war recht früh aber viele Leute waren unterwegs. Eine andere Seilbahn ging vom Gschöllkopf bis zur Seilbahnstation, wo Leute recht schnell herunter geflogen wurden. Das sah sehr spaßig aus, ich weiß nur nicht, ob es mit meiner Höhenangst wirklich eine gute Idee gewesen wäre.

Der Anfang der Wanderung ist traumhaft schön und einfach, für die Bergbegeisterte die ich nicht bin. Ich mache ja nur für den Ehemann mit. Bergauf geht’s auch einfacher als bergab. Nach einer Weile erreichen wir ein Schild, auf dem steht, man sollte auf Steinfälle achten. Was der Ehemann mir verschwiegen hatte: Der Wanderweg geht ab hier von grün (einfach) zu rot (mittelschwer). Der Weg wird schmal und links geht’s teilweise steil bergab. Mir wird unwohl, ich komme doch ohne Panikattacke bis zur Raststelle neben dem Kletterweg.

Wir hatten schon in früheren Wanderungen schlimmere Situationen erlebt, wie zum Beispiel einmal im Massif de l’Esterel, wo der Weg einfach eine Lücke hatte, links steil runter, rechts steil hoch, und man einen riesigen Schritt ins Leere machen musste, um voran zu kommen. Ich war über zehn Minuten da blockiert geblieben. So schlimm war es an dem Samstag also nicht. Trotzdem gab es Stellen, wo ich mich gefragt hatte, was mache ich denn hier und warum tue ich mir das an. Nach der Rast sind wir den Weg weiter hoch gegangen und ab einer Stelle ging’s plötzlich sehr steil hoch, ohne die Möglichkeit sich fest zu halten, und es sah mehr wie klettern als wandern aus (nicht fotografiert, der Kletterweg unten rechts war bei der Rast). Ich habe gesagt, ab hier mache ich nicht mehr mit und wir sind zurück gegangen. Das war die Stelle, ab wo der Wanderweg schwarz eingestuft wird, verriet mir später der Ehemann.

Der Rückweg zur Hütte, der mir am Anfang so einfach vorkam, wirkte zum Schluß doch nicht ohne. Weil wir bergab gingen und die Perspektive dadurch ganz anders wirkt. Ich habe mich teilweise gefragt, ob es wirklich der selbe Weg war, aber es gab nur den einen Weg. Außerdem haben meine Füße recht weh getan, vor allem die Zehe, weil sie bergab gegen die Schuhspitze gestossen sind. Meine Wanderschuhe sind einfach nicht für die Berge gedacht. Ich brauche welche, die bis zum Knöchel hoch gehen und verhindern, dass der Fuß im Schuh rutscht. Mein kleiner rechter Zeh wurde in den Tagen danach wieder dunkelviolett, sowie der linke große Zeh. Beim letzten Mal war der Nagel doch nicht abgefallen, und es sieht jetzt auch nicht danach aus.

Ich hatte bis zum Warnungschild großen Spaß, unterwegs die vielen Blumen zu fotografieren. Der Augentrost ähnelt die Klaffmäulchen auf unserem Balkon sehr. Und die Schmetterlinge! Diese Exemplare hatte ich noch nie gesehen. Es gab unglaublich viele davon. Auf dem Rückweg hat sich ein von den Dunkelroten auf mein nasses T-Shirt gesetzt. Ich hatte Angst, ihn zu zerquetschen, und habe ihm meinen Finger angeboten, damit er von dort weg fliegen kann. Er ist auf dem Finger geklettert aber dort schien er sich wohl zu fühlen, er hat mit seinem Rüssel den Salz von meinem Finger gesaugt. Es hat gekitzelt. Er ist gut fünf Minuten da geblieben, bevor ich ihn davon überzeugen konnte, weiter weg zu fliegen. Ein anderer Schmetterling hat sich auf dem Rucksackträger vom Ehemann gesetzt und bis zur Einkehr in die Hütte transportieren lassen.

Kühe kurz vor der Einkehr.

Am nächsten Tag wollte ich in den Achensee schwimmen gehen. Leider und entgegen der Wettervorhersage sind wir schon um sieben von einem Gewitter geweckt worden. Wir sind früh zum Frühstücksraum gegangen, und es war noch überfüllter als am Tag davor. Keine freie Auswahl, wir wurden plaziert. Ich habe fast mit meiner Nachbarin Ellbogen an Ellbogen gegessen, obwohl wir nicht am selben Tisch saßen. Wir haben deswegen schnell gefrühstückt, schnell das Zimmer geräumt, ausgecheckt mit dem Vorhaben, nie wieder zu diesem Hotel zu kommen, und auf dem Weg nach Hause die Chagall-Austellung[1] besucht.

[1] Unbezahlte Werbung, da Verlinkung.

Dieser Beitrag ist ursprünglich auf Meckereien & Co. erschienen.

Der Herbst ist da

Das habe ich am Morgen nach der Upgrade-Nacht letzte Woche gemerkt. Nicht nur mein Kopf war im Nebel. Als ich die Plissees im Gästezimmer, wo ich geschlafen hatte, um den Ehemann um vier Uhr nicht zu wecken, herunter genommen habe, war der ganze Viertel verschwommen. Selbst nachdem ich die Brille auf die Nase gesetzt habe.

Der Starnberger See, vom Steg zum Wasser aus. Hinter dem Balken, die Alpen, die man mit dem Rest Nebel nicht sieht.

Gestern war das Wetter schön. Wir haben beschlossen, im Starnberger See zu schwimmen. Vermutlich das letzte Mal, dieses Jahr. Wir fahren demnächst in den Urlaub und wenn wir zurück kommen wird das Wasser noch kälter sein, wie letztes Jahr. Gestern war der See knapp unter 18 °C und als wir gegen halb zehn in Starnberg angekommen sind, lag Nebel in der Luft. Erst um zehn kam die Sonne durch.

Ich hatte das Ende vom Sommer schon vor drei Wochen geahnt, als wir eines Abends mit dem Ehemann auf dem Balkon saßen und merkten, man hörte die Mauersegler nicht mehr. Sie waren alle abgeflogen. Bei dem miesen Sommer, den wir hatten, kann ich das sehr gut nachvollziehen. Ich liebe den Schrei der Mauersegler, den ich meine Kindheit lang in der Provence im Sommer gehört hatte. Mauersegler assoziiere ich mit alten, hellbraunen Steinmauern, blauem Himmel und sengender Hitze. Sie plötzlich nicht mehr zu hören hinterlässt eine Lücke. Vielleicht dank den Mauerseglern habe ich mich in Berlin so wohl gefühlt. In all meinen Jahren in Aachen hatte ich sie nie wahrgenommen. Zu regnerisch für sie, bestimmt.

Heute habe ich auf dem Balkon frühstücken wollen, als der Ehemann wegen GDL-Streik mit dem Auto zur Arbeit gefahren ist. Der Tisch und die Klappstühle waren über Nacht draußen geblieben, nachdem wir gestern Abend auf dem Balkon gegessen haben. Ich habe die Wohnzimmertür geöffnet. Sie hat sofort beschlagen. Mein Tee ist draußen ganz schnell abgekühlt. Der Thermometer in der Küche sagte, wir hätten zehn Grad auf dem Balkon.

Dieser Beitrag ist ursprünglich auf Meckereien & Co. erschienen.

Harte Woche

Wir mussten diese Woche eine große Änderung in der Firmendatenbank[1] in Betrieb nehmen. Seit Monaten sitzen wir dran, wobei Arndt den größten Teil der konzeptuellen Arbeit gemacht hat, während Lukas und ich getestet und Bugs behoben haben – nebenbei, weil wir auch andere Pflichten als Programmierung haben. In jedem Team wurden Personen auserwählt, die eine Testversion der Datenbank bekommen haben und uns Rückmeldungen geben sollten, was nicht läuft und was anders gemacht werden sollte. Das war die Theorie. In der Praxis hat so gut wie niemand Zeit, neben der regulären Arbeit eine Software zu testen, wenn man ständig Ergebnisse an Kunden liefern muss.

Arndt wollte schon vor einem Monat zur neuen Datenbank wechseln. Es wäre eine Katastrophe geworden. Wenigstens hatte seine Ankündigung den Effekt, dass alle Teams Panik bekommen haben und doch angefangen haben, die Testversion zu prüfen. Da sowohl Arndt als auch Lukas kurz danach in den Urlaub wollten, hat die Chefin beschlossen, dass die Änderung erst nach ihrer Rückkehr gemacht werden soll. Ich habe weiterhin Bugs behoben, wenn sie mir gemeldet wurden, und bin meiner wissenschaftlichen Tätigkeit nachgegangen.

Letzte Woche waren wir an einem Punkt, an dem wir dachten, jetzt wäre es realistisch, zur neuen Datenbank zu wechseln. Die Chefin wollte, dass wir dies an einem Wochenende machen: Falls irgendwas schief gehen sollte, hätten wir genug Zeit, zurück zur alten Version zu wechseln. Arndt konnte die nächsten Wochenende nicht. Daher wurde beschlossen, die Änderung nachtsüber unter der Woche durchzuziehen. Ich war nicht begeistert aber im Home Office geht es noch.

Nach einem langen Tag Arbeit, den ich nicht frei nehmen konnte, weil ich virtuelle Terminen mit Kunden hatte, haben wir uns also zu dritt durch Videokonferenz getroffen. Und was Arndt wochenlang durchprobiert hatte, ist tatsächlich an dem Abend schief gelaufen. Vielleicht war es vorher schon schief gelaufen und er hatte es alleine nicht gemerkt. Andererseits hatte er sich genau an dem Tag mehr Änderungen ausgedacht, wie neue Fremdschlüsselbeziehungen zwischen Tabellen zu erzwingen, und das hat auch an dem Abend zu Fehlern geführt. Ich weiß nicht, wer kommt sonst auf die Idee, am Tag der Veröffentlichung einer Software neue Änderungen hinzuzufügen, nachdem man sie wochenlang getestet hat?

Der Abend hat bis vier Uhr morgens gedauert. Und am nächsten Tag mussten wir früh erreichbar sein, weil alle Kollegen mit der neuen Software arbeiten können mussten. Und nein, es lief nicht reibungsfrei. Module, die ich extra doppelt und dreimal geprüft hatte, gingen nicht mehr. Wegen der neuen Fremdschlüsselbeziehungen. Teilweise hatte Arndt sie falsch rum gebaut. Wir hatten schon vor einigen Wochen über Fremdschlüsselbeziehungen diskutiert und es wurde mir damals klar, es war ihm nicht klar, in welche Richtung man sie bauen muss. Scheinbar hat er es in der Zeit immer noch nicht verstanden. Dabei ist es keine Raketenwissenschaft, wenn TabelleA.Spalte1 einen Wert von TabelleB.Spalte2 referenziert, dann kann ich einen Eintrag aus TabelleA problemlos löschen, aber keinen Eintrag aus TabelleB, wenn es in TabelleA erwähnt wird. Daher macht es einen großen Unterschied, ob man TabelleA.Spalte1 → TabelleB.Spalte2 oder TabelleB.Spalte2 → TabelleA.Spalte1 schreibt. Am besten beide Richtungen, meint Arndt. So kann man aber gar nichts mehr löschen, wenn es sein muss.

Die lange Nacht hat mich erschöpft. Den Rest der Woche bin ich mit dumpfen Kopf aufgewacht, und ich konnte den Arbeitstag nur mit Ibuprofen[2] durchmachen – wie gut, dass ich das verschrieben bekommen habe, obwohl meine Schulter inzwischen wieder in Ordnung ist. Wir haben mit Hochdruck die meisten Probleme gelöst, jetzt können die Kollegen weiter arbeiten.

Heute ist der erste Tag, an dem ich nicht mit Kopfschmerzen aufgewacht bin.

[1] Das hat mich bis in den Traum verfolgt.

[2] Unbezahlte Werbung, da Namensnennung.

Dieser Beitrag ist ursprünglich auf Meckereien & Co. erschienen.