Es ist wie in den Tropen

Tagsüber heiß, abends Gewitter. Das hatten wir schon die ganze letzte Woche, nur am Wochenende ging’s besser. Heute zittert sogar der Boden unten meinen Füßen im Arbeitszimmer, wenn der Donner grollt.

Letztes Jahr habe ich nicht so häufig so heftig in Erinnerung, aber bei einem starken Gewitter hatten sich Fenstersprossen an der Außenseite der Fenster aus dem Arbeitszimmer verabschiedet. Wir hatten es ein bisschen spät der Vermieterin gemeldet und es hat bis gestern gedauert, bis ein Handwerker kam, um sie zu ersetzen. Es musste dafür warm genug sein. Der Handwerker hat auch wackelige Sprossen an den anderen Fenstern getauscht, unter anderen an der Balkontür. Als er fertig wurde, sagte er, sie wären sofort fest geklebt, da würde erstmal nichts mehr passieren, ich könne ohne Angst die Scheiben wischen. Tja. Die Tür zum Balkon hat schon eine Sprosse verloren, alleine dadurch, dass der Ehemann gestern Abend die Tür geöffnet hat.

Dieser Beitrag ist ursprünglich auf Meckereien & Co. erschienen.

Aus gegebenem Anlass

Seit den Nachrichten am Dienstag, geistert mir dieses Lied durch den Kopf.

Ich war ganz überrascht zu erfahren, dass es den Vorwurf auf sich gezogen hat, selber homo- und transfeindlich zu sein. Ich habe es ganz anders verstanden. Mehr zum Thema in diesem Video.

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Heiß

Es ist so heiß, dass der Ehemann heute vor seinem Laptop eingeschlafen ist. Wir waren beide zu Hause. Ich war dabei, eine Email für einen Kunden zu verfassen, als ich ihn plötzlich schlafen hörte. Nicht direkt schnarchen, noch nicht, kurz davor. Ich bin aufgestanden und um den Raumtrenner leise gegangen, der unser Arbeitszimmer teilt: Sein Kopf lag gegen die obere Kante von seinem Stuhl angelehnt, zur Decke geneigt, der Mund war offen und die Augen geschlossen. Ich habe ihn geweckt. Keine fünf Minuten später hat er einen Anruf von einem Kollegen bekommen.

Das liegt an der Hitze, und nicht am gestrigen Fußballspiel. Als deutsch-französisches Ehepaar haben wir uns das Spiel angeschaut, auch wenn mir Fußball eigentlich Schnuppe ist. Ich wollte Chips und Bier für den Abend planen, da ich nach der Rückfahrt aus Berlin nicht kochen wollte, aber ich habe es nicht ganz geschafft und uns dazu einen Salat gemacht. Und im letzten Moment Brot gebacken, weil ich auf dem Markt in Pasing beim Umsteigen nicht mehr dran gedacht hatte. Wir hatten uns just vor Spielbeginn auf die Couch niedergelassen, als die Nationalhymnen gespielt wurden. Nach der Marseillaise wollte mir der Ehemann etwas erzählen. Ich habe ihn unterbrochen: „Ich kenne die deutsche Nationalhymne noch nicht mal“, habe ich ihm gesagt[1]. „Ich will sie jetzt hören, weil wir sie in dieser EM nicht mehr lange hören werden“, habe ich fies hinzugefügt. Der Ehemann, „klar, verstehe“. Ein paar Sekunden später: „Hey, Moment mal!“ Ich schiebe seine verzögerte Reaktion auf die lange Zugfahrt.

Das Wochenende in Berlin verlief gut. Ich habe mir gleich nach dem Einchecken im Hotel, und nach einem leckeren Büffelmilcheis mit Basilikum[2], ein Kleid für die Beerdigung vom Schwiegervater am Montag gesucht. Am Naturkaufhaus[2] wurde ich fündig und ich bin so vom Kleid[2] begeistert! Obwohl schwarz und halb langärmlig, wurde es mir tagsüber in der Sonne nicht zu warm, dafür habe ich im kühleren Spätabend nicht gefroren, als wir aus Christinas Wohnung zurück zum Hotel gegangen sind. Reine Baumwolle. Das einzig Doofe ist, es wird schnell zerknittert, was bei einem schwarzen Kleid zum Glück nicht so schlimm ist. Am Sonnabend konnten wir ins Restaurant essen gehen, zum ersten Mal seit langem, und ich hätte mir gar keine Sorge bezüglich Test machen müssen: An gefühlt jeder Ecke steht ein Corona-Testzentrum, sogar kostenlos, und als wir da waren, waren wir die Einzigen, die sich testen lassen wollten. Außerdem sind wir im Restaurant doch gar nicht nach einem Test gefragt worden.

Am Sonntag haben wir vormittags den botanischen Garten besucht, mal wieder. Leider hatte ich meine Kamera nicht aufgeladen und nach der Kohlmeise, die auf einer Hecke so schön die Pose eingenommen hatte und die ich trotz Aufregung halbwegs scharf fotografieren konnte[3], war es vorbei.

Eine nette Begegnung gab es auch am späten Montagabend, nach dem Familientreffen nach der Beerdigung, als wir zu Fuß auf dem Weg zum Hotel an einer Hecke vorbei gelaufen sind. Etwas drin war sehr laut. Selbst für eine Amsel war es sehr laut und es war nachts. Ich habe mich um die Hecke geschlichen und einen Marder entdeckt. Der ist ein paar Meter weg gelaufen, hat sich dann auf den hinteren Pfoten gestellt, um uns genauer zu beobachten, und hat dann endgültig die Flucht ergriffen, obwohl wir weit geblieben sind. Wenn er unentdeckt bleiben will, muss er lernen, leiser zu sein.

[1] Die Einbürgerungspläne sind eingeschlafen. Es ist seitdem zu viel passiert.

[2] Unbezahlte Werbung, da Namensnennung und/oder Verlinkung.

[3] Es hat geholfen, dass ich vor einigen Tagen heraus gefunden habe, wie man den Kamera-Ton beim Scharfstellen ausschaltet.

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Gedanken im Zug

Ingolstadt.

Ich sitze am Tisch und nasche am Schokoladenstück, das uns der Kontrolleur mitgebracht hat. In unserem Abteil ist es angenehm. Wir sitzen nur zu zweit und die Temperatur ist gerade richtig eingestellt. Ich hatte ein Pulli gepackt, weil ich es schon ganz anders erlebt habe, im Zug im Sommer. Das wäre doch egal gewesen, da wir im Abteil selber die Temperatur regeln können.

Wir sind unterwegs nach Berlin. Der Anlass ist nicht fröhlich. Der Ehemann hatte auf den Sommer gesetzt, in der Hoffnung, dass die Corona-Fallzahlen wie letztes Jahr genug sinken und sich mehr Leute treffen können, um die Trauerfeier für seinen Vater zu organisieren. Das ist wichtig, weil so viele von seinen Freunden im hohen Alter sind. Inzwischen sind die meisten von ihnen vollständig geimpft.

Gerade sind wir aus Nürnberg weiter gefahren. Wir haben die Dame vom Bistro glücklich gemacht. Ab heute gibt es nämlich wieder gastronomischen Service in der ersten Klasse, und bis zu unserem Abteil wollte niemand von ihr etwas haben. Die Leute haben sich an die Monate ohne Service gewöhnt. Ich freue mich aber immer auf einen schwarzen Kaffee.

Da die Mietwohnung vom Schwiegervater jetzt neu vermietet wurde, haben wir uns ein Hotelzimmer gebucht. Bei Christina, seiner Cousine in Berlin, meint der Ehemann nicht gut schlafen zu können. Berlin fühlt sich nicht mehr wirklich wie zu Hause an. Ich habe lange die Hauptstadt vermisst, aber nach über einem Jahr Home Office ist es mir egal geworden, wo ich lebe. So lange die Vermieterin die Miete nicht erhöht. Da trauere ich unserer Eigentumswohnung schon nach. Aber ich habe gemerkt, es hat was, nicht mehr in einer Hauptstadt zu leben. Die ärztliche Versorgung ist besser. Das ist ein wichtiger Punkt. Jünger wird man nicht. Man muss hier nicht Monate warten, um einen Termin zu bekommen. Wenn ich ein Problem habe, gehe ich zu meiner Hausarztpraxis, und dort wird bei den Kollegen telefoniert, ob ich gleich an dem Tag ran komme, wenn ich zu einer Fachpraxis überwiesen werden muss. In Berlin hatte ich selbst nach einem von meinen vielen Spontanaborten keine Gynäkologie-Praxis in meinem neuen Kiez gefunden, nach dem Umzug mit dem damals noch nicht Ehemann, die mich als neue Patientin annehmen wollte.

Mist. Auf einmal wird es mir viel zu warm. Dabei trage ich nur einen kurzen Jeansrock und ein T-Shirt. Ich frage den Ehemann, ob es ihm auch zu warm ist. Nein, sagt er. Es muss die Menopause sein. Meine letzte Regelblutung liegt jetzt fast drei Monate her. Oder liegt es an der Schokolade-Kaffee-Kombination am frühen Morgen? Der Ehemann hat ganz lieb die Temperatur runter gestellt.

Apropos Gesundheit, ich frage mich, warum es keine Möglichkeit gibt, sich im Zug testen zu lassen. Ich meine nicht den Kanton Zug in der Schweiz, das ist nämlich das, was ich als Ergebnis bekomme, wenn ich „Corona Schnelltest im Zug“ in Suchmaschinen eingebe. Wir haben für heute Abend einen Tisch in einem Restaurant reserviert, und müssen ein negatives Testergebnis vom Tag vorweisen. Heute früh sind wir durch den ganzen Hauptbahnhof in München gelatscht und haben keine einzige Apotheke gefunden. Wir kommen nachmittags in Berlin an und an einem Samstag kann ich mir vorstellen, dass die Leute Schlangen stehen werden, um sich testen zu lassen. Wenn wir keinen Test bekommen, holen wir uns ein Sandwich. Dabei sitzen wir gut viereinhalb Stunden im Zug. War es in all den Monaten nicht möglich, ärztliches Personal an Bord einzustellen, um Schnelltests anzubieten? Von mir aus nur an den Haltestellen, wenn es nicht wackelt. Oder hat keiner dran gedacht? Selbst wenn es teurer als in Apotheken gewesen wäre, hätte ich das Angebot heute gerne wahrgenommen. Da hat die Bahn die Gelegenheit verpasst, Geld zu verdienen.

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Auf dem Balkon

Ich habe heute Balkon Office gemacht. Vormittags war das Wetter toll. Ich habe die Kamera mitgenommen und die Gelegenheit genutzt, die Pflanzen zu fotografieren.

Die Himbeeren haben wir aus Berlin mitgebracht. Wir hatten sie beim Staudenmarkt am botanischen Garten gekauft. Besonderheit: Die reifen Früchte sind gelb. Die Blaubeeren haben wir im Frühling bei einer Gärtnerei[1] in Starnberg gefunden. Der Zitronen-Thymian kommt ebenfalls von dort, weil unser früherer Thymian, den uns die Spatzen in Berlin zum Blumenkasten gebracht hatten, dieses Jahr nicht mehr erwacht ist. Ein Jammer. Ob er von der super invasiven Pflanze verdrängt wurde, die wir am Anfang vom Frühling deswegen beseitigt haben, und die eh nicht mal geblüht hatte? Es war im Kasten recht eng geworden. Oder haben es die Ameisen mit ihrer Blattläusenkolonie übertrieben? Jedenfalls, der neue Thymian riecht und schmeckt wunderbar.

Momentan blüht es immer noch fleißig auf dem Balkon. Im Frühling hatten wir begeistert ganz viele wilde Bienen um die Blumen gesehen. Jetzt nicht mehr so richtig. Das Klaffmäulchen hat sich schon letztes Jahr im Körbchen mit den wunderschönen Tulpen angesiedelt, woher aus immer es gekommen ist. Die Tulpen sind dieses Jahr doch nicht geblüht und nach einem scheuen Herausstrecken der Blätter sind sie eingegangen. Wir hätten die Zwiebeln vor dem Winter in einen der Blumenkasten draußen einpflanzen sollen. Der Kein-Phlox, der laut Pl@ntNet[1] Goldlack sein könnte, scheint sich wohl zu fühlen, da er dieses Jahr wieder blüht – im Gegenteil zur Salbei neben ihm, unten links im Bild, die noch nie bei uns geblüht hat. Die anderen Blumen sind alle dieses Frühling zu uns eingezogen. Der Immergrün war vielleicht ein Fehler. Wir haben ihn gekauft, weil er unglaublich viele Bienen angezogen hatte, als wir ihn in der Gärtnerei entdeckt hatten, aber er will sich ausbreiten und nicht im Topf bleiben. Das Problem: Die großen Blumenkasten sind schon voll, und so viel Platz haben wir nicht mehr, auf dem Balkon. Diese Pflanze würde sich besser in einem Garten fühlen.

Ist es wirklich eine Kamille, die im ehemaligen Thymian-Kasten wächst? Die Pflanze ist nicht zum ersten Mal da aber ich kann mich nicht erinnern, sie je blühen gesehen zu haben. Auf der anderen Seite im Kasten ist jetzt anstatt der super invasiven, jetzt entsorgten Pflanzen ein Silberdistel gekommen. Die Kletterpflanze, unten „Wildling“ genannt, die wie Bohnen aussieht und sich in den Nadelbaum hoch gearbeitet hat, habe ich selber eingepflanzt. Ich hatte die Samen aus der Wiese vor der Arbeit gesammelt, im Herbst, vor anderthalb Jahren. Eigentlich wollte ich die Saat-Esparsette eingepflanzt haben und ich hatte sie das ganze Jahr über ganz genau beobachtet, bevor ich ihre Samen genommen hatte. Aber da wo ich sie im Blumenkasten gesteckt habe, ist die Kletterbohne gekommen. Dieses Jahr also zum zweiten Mal. Der Lavendel daneben kommt aus der Heimat in der Provence. Der Ehemann hatte ihn bei unserem ersten gemeinsamen Besuch bei meinen Eltern aus dem Wald geholt. Er hat immer sehr spät im Sommer geblüht.

Im kleinen Topf der Spinnweb-Hauswurz wächst unter anderem etwas, das wie die „Kamille“ oben aussieht. Das Grünzeug ganz links im Bild ist inzwischen entfernt. Das Ding ist auch so ein Unkraut, das sehr lang wird, kaum blüht, aber dafür ganz viel Futter frisst, was die anderen Pflanzen, die wir uns ausgesucht haben, auch gerne fressen würden. So ein Exemplar hatten wir letztes Jahr im Tulpen-Körbchen, und weil wir nicht Bescheid wussten, hatten wir es wachsen lassen. Es ist am Boden auf dem Balkon lang und lang und lang geworden und hat so eine dicke Wurzel gebildet, dass es ein Akt war, sie zu entfernen, ohne den Rest zu beschädigen. Unten mittig ist ein Topf, in dem wir nichts eingepflanzt haben, aber in dem es jetzt viel Moos gibt, und Gras, das gerade niedlich blüht. Und wenn ich schon von unerwünschten Gästen in Töpfen rede, sieht man unten rechts Horn-Sauerklee im Gardenien-Topf.

[1] Unbezahlte Werbung, da Namensnennung und/oder Verlinkung.

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Beerensalat mit Basilikum

Ich bin gestern zum Bio-Supermarkt einkaufen gegangen. Der Ehemann war in Berlin und alleine war mir nicht danach, mit ÖPNV nach Starnberg zum Markt zu fahren. Außerdem war ich müde. Ohne den Ehemann schlafe ich schlecht ein, es ist mir erst gegen vier Uhr morgens gelungen.

Ich habe seit einiger Zeit die Idee, eine süße Taboulé-Variante zu machen, mit Erdbeeren, Basilikum und Minze. Minze war im Laden nicht vorhanden. Es gab viele Erdbeeren, und daneben große Beerenkisten im Angebot, wo die Beeren noch gut aussahen aber offensichtlich nicht mehr lange. Ich habe zugeschlagen. Die Kiste hat den Eindruck erweckt, alles würde weg geschmissen werden, wenn es nicht verkauft wird, weil es Samstag war. Ob ich in einen Marketing-Trick reingefallen bin?

Beerensalat mit Basilikum.

Dadurch ist erstmal dieser Obstsalat für die Rückkehr vom Ehemann am Abend entstanden, mit viel weniger Kräuter als in meiner Vorstellung. Hoffentlich komme ich dieses Jahr noch dazu, meine ursprüngliche Idee einzusetzen. Das Rezept kommt heute ausnahmsweise ohne Nährwertangaben, weil ich schlicht vergessen habe, die Zutaten zu wiegen.

Die Zutaten

  • Erdbeeren
  • Himbeeren
  • Heidelbeeren
  • Eine Handvoll Basilikumblätter
  • Saft einer Limette
  • 1 Esslöffel Honig

Die Zubereitung

  • Die Beeren putzen und faule Teile abschneiden.
  • Die Erdbeeren klein schneiden, die Himbeeren halbieren und alle Beeren in eine Schale tun.
  • Die Basilikumblätter unter Wasser putzen, kurz schütteln, um das meiste Restwasser zu entfernen, und in dünnen Streifen schneiden. Die Streifen zu den Beeren geben.
  • Den Honig im Limettensaft auflösen.
  • Die Limettensaft-Honig-Mischung auf die Beeren verteilen und mit einem Löffel gut umrühren.

Dieser Beitrag ist ursprünglich auf Meckereien & Co. erschienen.

Von Karlsfeld nach Dachau

Am Sonntag haben wir unsere Würm-Wanderung fortgesetzt. Wir sind mit der Bahn nach Karlsfeld gefahren und bis zur Mündung der Würm in die Amper gegangen. Somit haben wir in vier Etappen die Würm auf ihren fast vierzig Kilometern von ihrer Quelle aus begleitet, wobei wir insgesamt weitaus mehr als vierzig Kilometer gelaufen sind. Von Starnberg nach Gauting (gut, wir sind andersrum gelaufen, und die ersten Kilometer der Würm aus dem Starnberger See durchs Leutstettener Moos sind für Fußgänger nicht zugänglich), von Gauting nach Pasing, von Pasing nach Karlsfeld und jetzt von Karlsfeld nach Hebertshausen[0].

Der Himmel war bedeckt, als wir um halb elf den Bahnhof Karlsfeld verlassen haben. Kalt war es nicht. Das perfekte Wetter für eine Wanderung. Der Ehemann hatte unsere Route auf Komoot[1] geplant. Nach keinen fünfhundert Metern mussten wir schon wegen einer Brückensperrung nach einem alternativen Weg suchen. Der Umweg über den Parkplatz war nicht lang und ich habe mich über den Buchfinken im Baum gefreut, den ich mit stärkster Vergrößerung fotografiert habe. Diesmal ohne die Halos um die hellen Stellen, die mich bei unserem letzten Spaziergang gestört hatten. Wir sind der Würm gefolgt, und nicht dem Würmkanal. Unterwegs sind wir an eine Kita mit einem süßen Rutschboot vorbei gekommen. Am Eichinger Weiher lud eine Bank für eine kurze Pause ein. Ein Stückchen weiter lagen viele Rehe auf einer eingezäunter grüne Fläche – das Eichinger Wäldchen. Nach der Brücke der Bayernwerkstraße haben wir einen Topf Honig am Automaten von einem Bauernhof gekauft. Auch etwas, das ich erst seitdem ich in Bayern lebe kenne.

Langsam hat die Sonne die Wolken vertrieben. Der Weg war weiterhin absolut flach und ohne Herausforderung, trotzdem fing mein Ischias schon an, sich zu melden. Die intensive Putzaktion am Tag davor mit dem Ehemann war vermutlich schuld, ich war schon mit Ischias-Schmerzen ins Bett gegangen.

Kurz vor dem letzten Foto begegnen wir einer Schwanfamilie, links versteckt vom Weg bei der schlecht riechenden Müllverbrennungsanlage. Sechs Küken, fünf grau, ein weiß. Ich hatte immer geglaubt, kleine Schwäne wären alle grau.

Nachdem wir Dachau erreicht haben, sind wir über die Straße rechts dem Weg gefolgt, anstatt durch die Stadt zu gehen. Es gab einen Schild für einen Gasthof oder Biergarten, so genau habe ich nicht verstanden, der Ehemann wollte dahin. Wir haben die Wirtschaft leider nicht gefunden und sind einem Weg links gefolgt, bis wir wieder an der Würm waren. Dort wurde sie gezähmt und sie sah total gelangweilt aus. Floss sie vorher fröhlich um Kurven rum, schien sie hier sich kaum zu bewegen. Lieblos haben Leute an ihrem Ufer Flaschen Bier liegen laßen. Nicht mal lokales Bier. Nach einer kurzen Strecke an Feldern vorbei sind wir überraschenderweise zu einer Filmkulisse vom Bayrischen Rundfunk gekommen. Andere freundliche Fahrradfahrer sind zeitgleich angekommen und haben sich den gefakten[2] Ortskern durch das Tor angeschaut. Ein Stückchen weiter haben wir bequeme Liegebänke gefunden, und haben dort Mittagspause gemacht. Ich hatte Zucchini-Manouri-Krapfen mit Sauerrahm-Kardamom-Koriander-Dip mitgebracht, die ich am Tag davor aus einem Rezept meines NOPI Kochbuches[1] gemacht hatte.

Der Weg hat uns dann zur Gedenkstätte Dachau geführt. Die Würm läuft durch das ehemalige Konzentrationslager, aber da dieser wegen der Pandemie geschlossen ist, mussten wir einen Umweg finden, um die Wanderung fortzuführen. Allein vor dem Tor vom KZ zu stehen, habe ich Klumpen im Magen und im Hals gespürt. Ich verstehe die Gruppe ausländischer Jugendlicher nicht, die vor uns ständig gelacht und Selfies gemacht haben. Ob die Muslime waren? Selbst wenn, ich verstehe Judenhass nicht. Make hummus, not war.

Nach dem KZ-Gelände sind wir durch das kleine Ort Würmmühl gelaufen. Wir kommen an die Würm nicht mehr ran und laufen bei der Amper, bis wir den Zusammenfluss der Würm und der Amper erreichen. Geschafft. Demnächst fangen wir eine Amper-Wanderung an, weil, warum nicht?

Der Ehemann hatte den Weg nur bis hier geplant. Mein Ischias tat weh und meine Blase war langsam voll. Ich habe vorgeschlagen, bis zur S-Bahn-Station in Hebertshausen zu gehen. Ich hätte mich über einen Biergarten unterwegs gefreut, um mich leichter zu fühlen, aber wir haben keinen gefunden. Hallo? Ich dachte, wir wären in Bayern? Als wir den Bahnhof erreicht haben, hatten wir Zeit, bevor der nächste Zug nach München kam. Wir haben uns kurz die Kapelle St. Maria Walpertshofen angeschaut.

Unterwegs fotografiert:

Am Abend, nachdem wir auf der Couch entspannt hatten, habe ich so starke Muskelkater wie lange nicht mehr bekommen. Ich konnte nicht mehr am Herd für längere Zeit stehen bleiben. Home Office ist schuld. Der Ehemann hat für uns gekocht. Am Montag ging’s mir zum Glück schon viel besser.

[0] Ich merke erst jetzt beim Nachlesen, der Titel vom Beitrag ist ungenau. Wir sind weiter als Dachau gelaufen. Egal, das ändere ich jetzt nicht mehr.

[1] Unbezahlte Werbung, da Namensnennung und/oder Verlinkung.

[2] Vom Duden[1] genehmigt. Schlimm ist das.


Dieser Beitrag ist ursprünglich auf Meckereien & Co. erschienen.