Sylvestermenü 2020

Mit Handschrift wie in der Schule, oder fast. Ich habe ewig nicht mehr so geschrieben.

  • Jakobsmuscheln mit Champagne-Sauce
  • Kleiner Salat (Feldsalat und Tomaten)
  • Wolfsbarsch mit Karottenpüree und Zuckerschotten
  • Mandarinen-Mascarpone-Creme

Dazu ein Chablis.

Guten Rutsch!


Dieser Beitrag ist ursprünglich auf Meckereien & Co. erschienen.

Mein Jahr 2020 in Büchern

Das letzte Mal war 2018. Man könnte meinen, mehr Zeit zum Lesen hätte es dieses Jahr gegeben, aber auf Arbeit gibt’s immer mehr zu tun 😒 Ich habe es trotzdem geschafft, wieder Bücher zu lesen. Meine Zusammenfassung, im Laufe des Jahres entstanden:

  • Anna Gavalda, Ensemble, c’est tout. Ein Fundus aus der Stadtbibliothek. Nette Lektüre. Dass der Roman verfilmt wurde, wusste ich nicht. Ich hab’s damals im Kino verpasst, und hätte ich den Film gelesen, hätte ich vermutlich das Buch nicht geliehen, so spannend fand ich es auch nicht. Wenigstens zum ersten Mal seit langem in der Muttersprache gelesen.
  • Philip K. Dick, Do androids dream of electronic sheep? Weil wir Blade Runner geguckt haben, und mir die Handlung ganz anders als meine Erinnerung vom Buch vorkam. Tatsächlich wurden so viele Sachen geändert, dass die ursprüngliche Geschichte fast unkenntlich geworden ist.
  • Mary Basson, Die Malerin[1]. Ebenfalls bei der Stadtbibliothek entdeckt. Seit meinem ersten Besuch habe ich das Münter Haus betreten können, aber drin hatte ich nicht viel über das Leben von Gabriele Münter erfahren (was vielleicht daran lag, dass eine Kollegin, die dabei war, sich schlecht gefühlt hatte und wir den Besuch abbrechen mussten). Das Buch erzählt auf packender Weise das Leben von Münter, ihre damals unkonventionelle Liebesbeziehung zu Kandinsky, der mir den Eindruck von einem kalten narzisstischen Arschloch hinterlassen hat, und ihre heldenhafte Handlung unter dem Nazi-Regime, um seine Werke zu retten. Empfehlenswert.
  • Arthur C. Clarke, Childhood’s End. Anlass war mal wieder der Fernseher. Die Serie wurde im November letztes Jahres ausgestraht, die haben wir uns angeschaut – besser gesagt, der Ehemann hat sie sich angeschaut, während ich die Hälfte auf der Couch verpennt habe. Ich habe jedoch gespürt, dass die Geschichte interessant genug war, um das originale Buch zu lesen. Das Buch war, wie häufig, besser als die Verfilmung. Schon die „Auferstehung“ der Toten am Anfang von der Serie fand ich suspekt, und die Treffen vom Hauptcharakter Ricky Stormgren mit seiner verstorbener ersten Ehefrau während seinen Meetings mit Karellen waren mir zu schnulzig. Beide reine Erfindungen der Filmmacher, die im Buch gar nicht vorkommen.
  • Hermann Hesse, Der Steppenwolf. Wieder ein Buch aus der Stadtbibliothek, weil ich dachte, ich müsste mehr Deutsche Literatur lesen, und der Name Hermann Hesse mir irgendwie bekannt vorkam. Bis zum ersten Treffen mit Hermine war mir das Buch zu langweilig und ich hätte es fast zurück gebracht, ohne es weiter gelesen zu haben. Dann wurde die Geschichte aus meiner Sicht interessanter, bis zum bizarren Ende in Pablos magischen Theater, wo Harry diese komische Zigarre von Pablo raucht und Halluzinationen bekommt, was vermutlich erklärt, warum das Buch in der Sechzigern beliebt wurde. Nun, ist Hermine jetzt tot oder nicht?
  • Alphonse Daudet, Lettres de mon moulin. In der Grundschule hatten wir die Einleitung mit den Kaninchen, die vor der Mühle im Kreis sitzen, studiert. Erst im Nachhinein merke ich, wie viele Schriftsteller wir in der Schule auf dem Programm hatten, die sich mit der Provence befasst hatten. Ob es im Rest von Frankreich auch so war, oder nur bei uns, weil die Lehrerin uns eine Art Heimatliebe vermitteln wollte? Den Rest von den Lettres hatte ich sonst nie gelesen. So habe ich erst jetzt erfahren, dass der Alphonse Daudet ein Antisemit war. Tiefe Enttäuschung, auch wenn es nur in einem seiner Briefe zum Erscheinen kommt.
  • Albert Camus, La peste. Wikipedia behauptet, das Werk gehöre zur Pflichtlektüre in den Französischen Schulen. Das stimmte zu meiner Zeit wenigstens nicht, da ich es dieses Jahr zum ersten Mal mit dreiundvierzig gelesen habe. Studiert hatten wir L’étranger, wie bereits erwähnt. Man könnte es vom Zeitpunkt her glauben, aber der COVID-19-Ausbruch hatte mit meiner Literaturauswahl gar nichts zu tun. Das Buch lag schon seit einem guten Jahr im Regal und wartete darauf, dass ich endlich Zeit finde, es aufzuschlagen.
  • Alphonse Daudet, Le petit chose. Letztes Jahr im Herbst in der Dorfbücherei bestellt, von meiner Mami aufbewahrt und nach Weihnachten nach Hause mitgebracht. Eine humorvoll geschriebene fiktionalisierte Autobiografie.
    Wir begleiten den Hauptcharakter Daniel durch seine früheste, glückliche Kindheit, auf dem Gelände der Familienfirma im Languedoc. Die Firma geht Bankrott und die Familie muss in den kalten Norden (nach Lyon) umziehen, wo sie in Armut lebt. Daniel kommt zur Schule und wird aufgrund seines schwächlichen Aussehens gehänselt. Einen Teil von diesem Lebensabschnitt hatten wir in der Schule studiert. Nach seinem Studium arbeitet er in der Schule als Aufseher. Er verlässt sie, nachdem er dank seines Schreibtalents für einen Freund Liebesbriefe an die Tochter eines lokalen Politikers schreibt, die zu ihm zurück verfolgt werden. Er wird dafür blamiert und zieht nach Paris zu seinem Bruder Jacques um, der ihm helfen will, seinen Traum einer literarischen Laufbahn zu verwirklichen. Daniel verliebt sich in die Tochter einer bürgerlichen Familie. Er macht ihr den Hof, bis er seine Nachbarin kennenlernt, eine Kurtisane und Theaterschauspielerin, die ihm den Kopf dreht. Sie leben eine Zeitlang zusammen in einem heruntergekommenen Viertel, spielen in Theaterstücken, leben über ihre Verhältnisse, und wir erleben Daniels geistlichen Abfall, bis er sich von seiner Geliebten trennt – Jacques entführt ihn nach einer Theaterausführung, wofür Daniel sehr dankbar ist.
    Nebenbei erfährt man, dass Alphonse Daudet nicht nur wie oben geschrieben ein Antisemit war, sondern allgemein ausländerfeindlich, wie er die schwarze Bedienstete seiner Geliebte lächerlich beschreibt. Wie viele Autoren seiner Zeit. Heißt das, dass wir mit unserer modernen Weltanschauung ihre Bücher jetzt nicht mehr lesen, Schande über sie rufen und ihnen sogar ihre Auszeichnungen aberkennen sollen, wie am 13.11. dieses Jahres im Tagesspiegel[1] Artikel Monsteraustreibung über H.P. Lovecraft zu lesen war? Die Literaturgeschichte neu zu schreiben um nur das wahrzunehmen, was einem genehm ist, ist auch nicht die Lösung. Wie soll man sonst begreifen, dass sich zum Beispiel so viele Franzosen mit dem Vichy-Regime arrangiert haben, wenn man ausblendet, dass Rassismus damals, siebzig Jahre nach diesem Roman, noch stark in der Gesellschaft verankert war?
  • Yejide Kilanko, Der Weg der Töchter[1]. Der erste Roman von Yejide Kilanko erzählt das Erwachsen und das Leben einer nigerianischen Frau, Morayo. Fängt der Roman in leichter, lebensfreundlicher und humorvollen Stimmung an, wird der Leser auf einmal von der harten Realität ins Gesicht geschlagen, als Morayo mit zwölf Jahren von ihrem Cousin, der in der Familie aufgenommen wurde, nicht „bedrängt“, wie in der Zusammenfassung des Buches auf Internet mild beschrieben ist, sondern vergewaltigt wird, und das Monate lang, bevor sie aus Liebe zu ihrer jüngeren Schwester das Schweigen bricht, da diese langsam durch das Wachsen auch das Interesse des Cousins erregt. Der Cousin wird aus der Familie raus geworfen und zurück zu seiner Mutter gebracht, obgleich Morayo, vor allem durch ihre Mutter, seitdem Ablehnung empfindet. Sie lebt weiter, studiert, arbeitet, wird zu einer selbstbewussten Frau, aber das Trauma wird sie nie verlassen. Parallel zu Morayos Geschichte wird die ihrer Tante Morenike erzählt, die früher als Teenager von einem einflussreichen Freund ihres Vaters auf dem Weg zur Schule vergewaltigt und davon schwanger wurde. Morenike wurde deswegen von der Schulleitung rausgeschmissen, bis sie in einer weit gelegenen Gegend ihren Sohn zur Welt brachte. Beide Frauen verbindet, dass sie als Opfer von Vergewaltigung bestraft werden, ob durch die ablehnende Mutter oder die Schule, und die Täter unbekümmert weiter leben, als ob nichts passiert wäre. Den Opfern wird unterstellt, sie wären nicht unschuldig und hätten die Täter verführt, oder wären nicht abgeneigt gewesen. Keine so archaische Haltung, wie man heute glauben mag, für die Zeit, als Morayo wuchs. Diese Darstellung von Opfern war im Frankreich meiner Kindheit, in den Achtzigern, immer noch in den Medien zu hören. Und man findet heutzutage noch Leute, die meinen, Opfer von Sexualverbrechen sollten sich nicht so anstellen, so schlimm wäre es nicht. Zum Kotzen ist es.
  • Zoya, Mein Schicksal heißt Afghanistan. Eine Frau kämpft für die Freiheit[1]. Als eBook von der Stadtbibliothek ausgeliehen. Die beeindruckende Geschichte einer junger Frau, die in einem besetzten Land aufwächst, zunächst durch Sowjets, dann durch die Talibans. Ihre Eltern werden für ihre politischen Ansichten und ihren Kampf gegen die Gewalt an Frauen ermordet. Sie flüchtet mit ihrer Großmutter nach Pakistan, wo sie, wie einst ihre Mutter, Mitgliederin der Widerstandsorganisation RAWA wird. Wenn ich daran denke, was ich in dem Alter für Problemchen hatte, kommt es mir doch recht lächerlich vor. Mehr zur Autorin kann man der Webseite von der RAWA entnehmen.
  • Maja Lunde, Die Geschichte des Wassers. Die Tante vom Ehemann hatte mir die Lektüre letztes Jahr empfohlen.
  • Maja Lunde, Die Geschichte der Bienen. Ich hätte dieses Buch vor der Geschichte der Wassers lesen wollen, da es das erste Buch der Autorin zur Umweltthematik ist, aber es war ausverkauft, als ich im Februar beim Hugendubel[1] war. Daher habe ich zuerst die Geschichte des Wassers gelesen. Es macht nichts, diese Bücher bauen nicht aufeinander auf. Ich habe die Geschichte der Bienen im Juli gekauft. Schlimm. Obwohl ich jetzt drei Jahre im Münchner Raum lebe, kaufe ich immer noch meistens in Berlin ein, ob für Bücher oder Kleider. Ich fürchte, ich werde mich mit München nie so richtig anfreunden. Jedenfalls. Je mehr ich Bücher von dieser Autorin lese, desto mehr habe ich den Eindruck, sie hat ein ernsthaftes Problem mit Männern, wie sie quasi alle als widerliche, lächerliche oder empathielose Charakter in ihren Büchern beschreibt.

[1] Unbezahlte Werbung, da Namensnennung und/oder Verlinkung.

Dieser Beitrag ist ursprünglich auf Meckereien & Co. erschienen.

Senfeier mit Kartoffelpü

Es ist das zweite Mal dass ich dieses Rezept probiere. Beim ersten Versuch war ich nicht so richtig zufrieden, heute war das Ergebnis sehr gut.

Das Rezept ist für vier Portionen angegeben. Wir haben allerdings heute alles zu zweit verputzt (außer, dass wir „nur“ zwei Eier pro Person hatten, was dann 962 kcal pro Portion macht), weil wir über den Tag kaum etwas gegessen hatten. Die ganze Zeit bei der Familie wurde zu viel gegessen. Nun wurde der Hunger am Abend doch zu groß. Selbst mit acht Eiern, um auf vier Portionen zu kommen, sollte die Sauce (eine Béchamel-Variante mit Senf und Zwiebeln) bei der angegebenen Menge nicht zu knapp werden. Dazu gab’s Bier.

Die Zutaten (für 4 Portionen)

  • 8 Eier
  • 50 g Butter
  • 1 halbe Zwiebel
  • 2 gehäufte Esslöffel Mehl
  • 250 g Milch
  • 250 g Wasser
  • 4 Esslöffel Senf (moutarde de Dijon)
  • Kartoffelpüree mit Topinamburen („Kartoffelpü“, sagt der Ehemann, daher der Titel)
  • Salz
  • 1 Frühlingszwiebel

Die Zubereitung

  • Die Eier in Wasser fest kochen, abschrecken und abkühlen lassen.
  • In einem Topf, die Butter erhitzen.
  • Die halbe Zwiebel ganz fein in Würfel schneiden und in der Butter glasig dünsten.
  • Mehl zu den Zwiebeln geben und mit einem Holzlöffel kräftig rühren.
  • Schnell die Milch dazu geben und gut umrühren. Die Sauce wird schnell dick.
  • Wasser zur Sauce geben und weiterhin mit dem Holzlöffel rühren.
  • Senf untermischen und nach Geschmack salzen.
  • Wenn die Sauce dicker wird, die Eier schälen und in dem Topf mit der Sauce kurz erwärmen.
  • Die Frühlingszwiebel in dünne Ringe schneiden.
  • Mit einer Portion Püree mit Frühlingszwiebelringen obendrauf gestreut servieren.

Nährwertangaben (inkl. Püree)

pro Portion fürs Rezept
Energie (kcal) 556,3 2225
Eiweiß (g) 22 88
Kohlenhydrate (g) 35,9 143,5
davon Zucker (g) 9,1 36,5
Fett (g) 35,4 141,4
Ballaststoffe (g) 11,5 45,8


Dieser Beitrag ist ursprünglich auf Meckereien & Co. erschienen.

Kartoffelpüree mit Topinamburen

Butter gehört in ein gutes Püree reichlich. Ich habe nicht so viel Butter benutzt, weil das Püree als Beilage für eine schon deftige Speise gedacht war.

Die Zutaten (für 4 Portionen als Beilage)

  • 600 g Kartoffeln (mehlig kochend)
  • 3 Topinambure
  • 50 g Butter
  • Wasser
  • Salz

Die Zubereitung

  • Die Kartoffeln und Tampinambure schälen, kurz unter Wasser spülen und in grobe Stücke schneiden.
  • Alle Stücke zusammen in einen Topf geben und nicht ganz mit Wasser bedecken.
  • Aufkochen lassen und zwanzig Minuten mit Deckel drauf köcheln lassen.
  • Mit einem Kartoffelstampfer mit dem Kochwasser im Topf stampfen. Nicht übertreiben, kleine Stückchen sollten noch erkennbar sein.
  • Butter untermischen.
  • Nach Geschmack salzen.
  • Sollte das Püree ein bisschen zu flüßig sein, wie bei mir, einfach für einige Minuten bei schwacher Hitze ausdampfen lassen. Dabei umrühren, damit das Püree am Boden vom Topf nicht anbrennt.

Nährwertangaben

pro Portion fürs Rezept
Energie (kcal) 218,5 874
Eiweiß (g) 4,6 18,5
Kohlenhydrate (g) 24,5 98
davon Zucker (g) 3,6 14,3
Fett (g) 10,8 43,1
Ballaststoffe (g) 11 44


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Weihnachten ohne den Schwiegervater

Wir hatten geplant, Weihnachten in Berlin zu verbringen, um den Schwiegervater aus dem Heim zu holen und mit ihm ein paar Tage zu verbringen, nachdem wir Quarantäne einhalten und uns testen lassen. Die Testergebnisse hat der Ehemann in seine App geladen, da die Corona-Warn-App für mein Handy nicht verfügbar ist. So alt ist mein Handy nicht, gerade zwei Jahre, und ich gehöre nicht zu den Suchtkonsumenten, die funktionierende Geräte entsorgen, nur weil ein Neueres auf den Markt kommt. Ein neues Handy für diese App zu kaufen kam für mich daher nicht in Frage. Vor allem, da ich zu Hause arbeite und wenn ich das Haus verlasse, dann überwiegend mit dem Ehemann. Eine App für uns beide muss reichen. Der Ehemann hat sein Test geladen, negativ. Er musste dann sein Test löschen, um mein Test auch zu laden. Ebenfalls negativ. Das war am Samstag.

Unser Plan für Weihnachten wird trotzdem nichts. Wir sind stattdessen in Frankfurt, bei der jetzt engsten Familie vom Ehemann. Der Schwiegervater ist am Anfang des Monates verstorben, und so schnell konnte ich nicht darüber schreiben. Das muss man erstmal verdauen.

Ich sage, Corona ist schuld. Es gab im November einen Fall im Heim. Alle Bewohner wurden dazu aufgefordert, ihre Zimmer nicht mehr zu verlassen, und Besuche wurden verboten. Den Schwiegervater hat es sehr getroffen. Infiziert hat er sich nicht, aber die Ausgangssperre wurde ihm zu viel, vor allem, als sie verlängert wurde, als ein zweiter Fall bekannt wurde. Er hat angefangen, nicht mehr essen zu wollen, und sich geweigert, seine Medikamente zu nehmen. Das Heim hat den Ehemann angerufen, der Ehemann hat mit seinem Vater telefoniert und dachte, er hätte ihn dazu überredet, wieder auf sich zu achten. Aber dann hat der Schwiegervater seine Anrufe nicht mehr angenommen. An dem letzten Sonntag von November wurde der Ehemann so unruhig, dass er auf die Stelle nach Berlin fahren wollte. „Und was dann?“ hatte ich ihn gefragt. Wenn Besuche verboten sind, kommt er nicht ins Heim, egal, was er versucht, den Mitarbeitern zu erzählen. Der Ehemann ist zu Hause geblieben. Sein Vater hat weiterhin keine Anrufe angenommen. Zwei Tage später ist der Ehemann vom Heim angerufen worden. Sein Vater ist friedlich im Schlaf gestorben.

Wir sind nach der Meldung nach Berlin gefahren. Der Ehemann hat auf einmal viel zu regeln gehabt, da er Einzelkind und jetzt Waise ist. Natürlich konnte ich ihn in der Zeit nicht alleine lassen, und Tim, unser neuer Teamleiter seit dem Sommer, war sehr verständnisvoll und hat mich von der Arbeit befreit. Es gab eine kleine Trauerfeier im engsten Kreis. Auf dem Weg zum Bestattungsinstitut war ich richtig froh, dass der Ehemann sich nicht für die Konkurrenz einige Häuser vorher entschieden hat. Wir sind von der S-Bahn-Station aus zu Fuß dahin gelaufen, und ich habe zuerst gedacht, wir wären an eine billige Fahrschule vorbei gelatscht. Nee, es war ein Bestattungsdiscounter und sah furchtbar aus. Der Ehemann hatte sich für die andere Firma entschieden, weil der Name ihm bekannt vorkam. Er hatte nicht mal Zeit, sich über sie richtig zu informieren. Glück gehabt, vor allem, weil der Discounter den selben Namen wie die Bowling-Lounge[1] trägt, wo der Ehemann sonst mit seinen Kumpeln Geburtstag feiert, er hätte auch sagen können, dieser Name kommt ihm bekannt vor. Wenigstens konnten wir uns von dem Schwiegervater in Würde verabschieden. Das Gefühl hätte ich beim Discounter nicht gehabt.

Der Ehemann gibt den Anschein, es gehe ihm gut. Ich weiß aber, wie schlecht er in letzter Zeit schläft und was für unruhige Träume er hat. Er hat sich am Anfang schuldig gefühlt, dass er sich bei der Nachricht vom Tod seines Vaters nicht nur traurig, sondern auch erleichtert gefühlt hat. Er hat gesehen, wie es dem Schwiegervater schlechter wurde, und es gab keinen Anlass zu glauben, dass sein Zustand sich verbessern würde. Seit dem Schlaganfall wurde seine Aphasie wegen den Corona-Beschränkungen nicht richtig behandelt, und man hat gemerkt, dass es ihn sehr frustriert hat, nicht mehr reden zu können. Lesen konnte er auch nicht mehr. Am Telefon hat er in letzter Zeit viel zu schnell aufgegeben, wenn ihm ein Wort nicht mehr eingefallen ist. Wie wert ist ein Leben, wenn man nicht mehr in der Lage ist, mit anderen Menschen zu kommunizieren? Wenn man sich ständig vom Pflegepersonal missverstanden fühlt und seine Wünsche nicht mehr äußern kann? Der Ehemann hatte seinen Vater verstanden, aber das reicht nicht. Er hat sich jetzt eingeredet, dass sein Vater beschlossen hat, aus dem Leben auszutreten.

Ich frage mich, würde ich in einem solchen Zustand leben wollen? Ich habe dem Ehemann schon gesagt, dass ich mich for Demenz graue. Lieber würde ich eine assistierte Sterbehilfe in Anspruch nehmen, als jahrelang vor mich hin zu vegetieren. Die Unfähigkeit, sich auszudrücken, selbst mit klarem Kopf, möchte ich auch nicht erleben. Nicht auf Dauer. Da wird man nur noch hilflos für jede Art von Missbrauch ausgeliefert, denn wie sollte man sich darüber beschweren können? Deswegen hatte ich mich so viele Sorgen gemacht, als ich im relativ späten Alter mal länger schwanger wurde.

Ob der Schwiegervater also absichtlich gestorben ist? Eine solche Entscheidung könnte ich nachvollziehen, aber kann das einfach so im Schlaf passieren, wenn man sich dafür entschieden hat? Schön wär’s.

[1] Unbezahlte Werbung, da Verlinkung.


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Ein Hauch Weihnachten an den Fenstern

Ich habe am Wochenende die Fenster mit flüssiger Kreide dekoriert. Das hatte ich noch nie gemacht.

Weiß und blau, die einzigen Farben, die im Schreibwarenladen zu kaufen waren. Kennt Bayern keine andere Farben?

Und nebenbei habe ich mir Handstulpen gehäkelt, weil, obwohl die Wohnung gemütliche 22 Grad warm ist, wird es auf Dauer richtig schmerzhaft kalt an den Handgelenken, wenn man den ganzen Tag am Schreibtisch sitzt. Sie sehen ungefähr so aus, außer, dass ich andere Farben benutzt habe, und in durchgehende Kreisen gehäkelt habe, statt Reihen, die ich nur für die Daumenöffnung gemacht habe. So ist die Vorgehensweise viel einfacher, und man braucht am Ende keine Naht. Sie halten ganz schön warm.

Dieser Beitrag ist ursprünglich auf Meckereien & Co. erschienen.

Der gestorbene Vater

Ich war mit dem Ehemann in einem geschlossenen Raum. Der Boden und die Wände sahen wie aus Metall aus, mit einer dicken Schicht Farbe drauf.

Mein Handy klingelt. Der Name meiner Schwester erscheint am Display. Ich gehe ran, und es erstaunt mich, dass es auf Anhieb klappt, da mein Handy mich in letzter Zeit nicht mehr so einfach Anrufe annehmen lässt. Meine Schwester kommt schnell zur Sache und informiert mich, dass Papa gestorben ist. Ich: „Waaas? Aber wie, wann?“ frage ich, nicht besonders eloquent. „Ich glaube, am 15. Mai“, antwortet meine Schwester. Ich überlege kurz. Haben wir nicht Dezember?

Auf einmal kommen wir an einem Wasserfall, und mir ist jetzt bewusst, wir sitzen in einem Boot. Der Wasserfall ist nicht hoch, ich denke, es wird kein Problem sein. Als wir aber vorbei gesprungen sind und uns in der Luft im freien Fall befinden, bekomme ich Zweifel, die sich bestätigen, als wir weiter unten landen: Unser Boot ist gekentert. Alle meine Sachen schweben an der Oberfläche vom Wasser. Ich hole mein Handy wieder, trockne es gegen meine Hüfte ab, aber ich höre nur noch Rauschen. Ich beschließe, meine Schwester zurück zu rufen, um ihr zu erklären, dass mein Handy Wasser bekommen hat.

Dazu kommt es nicht. Ich wache auf, es ist vier Uhr morgens. Der Ehemann neben mir sägt gerade Holz. Ich schiebe ihn ein bisschen, er dreht sich um und hört auf zu schnarchen. Mit dem Einschlafen klappt es leider nicht mehr.

Einen gruseligen Traum hatte ich schon letzte Woche, ich glaube, in der Nacht von Donnerstag auf Freitag. Der Ehemann war schon in Berlin.

Ich war im Schlafzimmer meiner Kindheit, in unserem Einfamilienhaus. Es war nachts. Das Licht brannte. Ich hörte, wie mein Vater den Flur lang lief. Ich wollte ihn nicht sehen, wie in meiner Kindheit, und habe versucht mich zu verstecken. Das Bett vor der Schlafzimmertür zu ziehen ging nicht. Zwischen meinem Bett und dem Bett meiner Schwester war ein Schreibtisch. Das Bett meiner Schwester war ein Etagenbett. Ich habe mich im unteren Bett unter der Decke versteckt. Mein Vater hat die Tür vom Schlafzimmer geöffnet.

In dem Moment bin ich aufgewacht.

Dieser Beitrag ist ursprünglich auf Meckereien & Co. erschienen.

Heute auf dem Weg nach Hause

Die Leiterin der Firma hatte mich letzte Woche darum gebeten, heute kurz zur Arbeit zu kommen. Es passte zwar nicht gerade zu meinem Plan, vor Weihnachten mit der angeheirateten Familie in strikter Quarantäne zu bleiben, aber der Chefin sagt man schwer nein. Worum es wohl geht, hatte ich mich gefragt. Ich, so ahnungslos, wie immer, wenn es eigentlich voraussehbar war. Zum Beispiel wundere ich mich jedes mal ernsthaft, wenn Kollegen mir zum Geburtstag etwas schenken wollen.

Dieses Jahr fällt die Weihnachtsfeier natürlich aus. Anstatt dass wir alle ins übliche Restaurant gegangen sind, hat die Firma bei den Betreibern Körbe voll mit Leckereien bestellt. Und einen recht schweren Korb habe ich nach Hause mitgenommen. Weil er so schwer war, musste ich Sachen in meiner Handtasche umräumen, und in die Tüte mit meinem Häkelzeug, die ich nun zusätzlich tragen musste, sind zwei kleinen Flaschen zwischen den Wollknäueln gewandert. Ich war voll gepackt wie ein Esel.

Ich bin mit ÖPNV gefahren. Der Ehemann war vor dem Wochenende mit dem Auto nach Berlin gefahren und kommt heute erst spät zurück. Als ich auf dem Rückweg nach Hause von der S-Bahn ausgestiegen bin, war es zwanzig vor fünf und schon dunkel. Mein Weg vom Bahnhof aus führt mich am Caritas-Haus zur Verhinderung von Obdachlosigkeit vorbei, dass ich am Anfang für ein Hotel gehalten hatte, weil man dort ständig Leute mit Gepäck rein und raus gehen sehen konnte. Als ich heute Abend, mit meinem auffälligen Korb voll gepackt, vorbei laufe, schaue ich hinter mir, weil ein Obdachloser mit seinem Fahrrad und seinen Tüten laut geschimpft hatte. Keine Ahnung, was, ich hatte es nicht verstanden, aber ich wollte schauen, ob er Hilfe brauchte. Nein.

Von der linken Seite, aus dem dunklen Eingang vom Caritas-Haus, springt gerade dann ein anderer Mann zu mir. Er fängt an, mich anzuquatschen, aber ich verstehe kein Wort, er hat keinen deutschen Akzent. Geld fragt er nicht. Sein Ton ist eher anbaggerisch, und er fängt noch an, neben mir zu laufen. Ich überlege kurz, ob ich ihm etwas sagen soll, aber ich bin immer noch voll gepackt und habe den Mund-Nasen-Schutz an. Es würde zu lange dauern, und wenn ich ihn anspreche, könnte er sich noch ermutigt fühlen, drängender zu werden. Ich laufe schneller, hinter mir kommen eh mehr Leute, die aus der S-Bahn ausgestiegen waren, und er wendet sich zum Glück wieder ab. Ich bin froh, als ich das Haus erreiche und der Mann nicht mehr zu sehen ist.

Zu Hause hatte ich zuerst ein schlechtes Gewissen, da Obdachlosen in meinem kleinen bayerischen Kaff nicht so häufig wie in Berlin zu treffen sind, aber ich frage mich inzwischen, ob er wirklich einer war. Gebettelt hat er nicht, und wenn jemand im Dunkeln eine allein gehende Frau überrascht und sich mit ihr so aufdringlich verhält, kommt es mir eher wie vorsätzliche sexuelle Belästigung vor. Eine Anzeige würde leider nichts bringen, da ich den Mann nicht identifizieren könnte: Er trug einen Schal vor Mund und Nase.

Dieser Beitrag ist ursprünglich auf Meckereien & Co. erschienen.

Hummus-Halloumi-Burger mit gegrilltem Gemüse

Vegetarische Burgers selber machen stand schon lange auf meiner To-do-Liste[1].

Im Sommer sind wir zum hiesigen mexikanischen Restaurant gegangen. Mein Chef, ein Vegetarier, hatte es mir wärmstens empfohlen, als er erfahren hatte, dass ich eine Wohnung in der Nähe gefunden hatte. Ich war einige Male dort mit dem Ehemann, aber den vegetarischen Burger hatte ich noch nie probiert. Bestellt. Was ich bekommen habe war eine Pfanne Gemüse, überkocht und nicht besonders gut gewürzt, lieblos zwischen zwei labbrigen Bun-Hälften gepresst. Das war so enttäuschend, dass ich die Hälfte liegen lassen habe und seitdem nur noch von meinen eigenen vegetarischen Burgern träume. Ich war fest entschlossen, Hummus und gegrillte Paprika dürfen auf keinen Fall fehlen.

Der Traum ist gestern Wirklichkeit geworden, und ja, der Aufwand lohnt sich, aber sowas von! Die Buns habe ich selber nach diesem Rezept[2] gebacken, mit zwei Unterschieden: Ich hatte keine frische Hefe und deswegen Trockenhefe benutzt, und statt 500 g Weizenmehl habe ich 250 g Weizenmehl und 250 g Dinkelmehl gemischt. Das Ergebnis war trotzdem schön fluffig, mit einer leicht knackigen Kruste. Ich habe, wie im Rezept angegeben, zehn Brötchen aus dem Teig bekommen. Man kann sie gut einfrieren.

Die Zutaten (für 4 kleine Burger)

  • 4 Burger Buns
  • Hummus
  • 8 runden Scheiben Aubergine
  • 1 gelbe Paprika
  • 1 rote Paprika
  • 200 g Halloumi
  • Frische Kresse
  • Olivenöl
  • Fleur de sel

Die Zubereitung

Die Teiglinge beim zweiten Aufgehen.
  • Die Buns machen. Ich habe am frühen Morgen den Teig gemacht, in der Mittagspause die Teiglinge für die Brötchen geformt und sie nach Feierabend gebacken, nachdem ich sie nochmal formen und aufgehen lassen musste, weil sie ursprünglich alle auf dem Backblech waren und in einander gewachsen sind, wie man an den Spuren auf dem Backpapier erkennt. Zwei habe ich in eingefetteten Keramikförmchen gemacht, sie haben es ins Aushängebild[3] oben geschafft. Ich brauche mehr von diesen Keramikförmchen. Zeit für Saint-Félicien[2]!
  • Das Gemüse waschen.
  • Ein Backblech mit Backpapier auslegen.
  • Den Backofen bei 200 °C Umluft vorheizen.
  • Den Hummus zubereiten. Nicht in der Menge in meinem Rezept. Ich habe eine Dose Kichererbsen, eine Knoblauchzehe, den Saft einer halben Zitrone, ein bisschen Olivenöl und Salz nach Geschmack benutzt. Vom Hummus ist genug für den nächsten Tag übrig geblieben.
  • Die Aubergine in Ringe schneiden. Es ist besser, wenn man vorher die Aubergine länglich alternierend in Streifen schält. Das hatte ich nicht gemacht und danach bereut, weil dann alles mitkommt, wenn man drin beißt.
  • Die Auberginenringe beidseitig mit Olivenöl einreiben, auf dem Backpapier plazieren und mit fleur de sel bestreuen.
  • Die Paprikas vierteln und entkernen.
  • Die Paprikastücke flach drücken und auf dem Backpapier plazieren.
  • Das Stück Halloumi vierteln und die Stücke ebenfalls auf dem Backpapier plazieren. Es wird eng.
  • Das Gemüse mit dem Halloumi so lange bei 200 °C backen, bis die Paprika leicht braun wird. Ich habe die Paprika anschließend nicht geschält.
Ich habe nur eine Scheibe Aubergine pro Burger benutzt, was mir recht wenig vorkam. Im Rezept sind jetzt zwei Scheiben pro Burger angegeben.
  • Die abgekühlte Buns so schneiden, dass ein dicker Boden entsteht.
  • Pro Bun, Hummus auf der Innenseite von beiden Hälften schmieren.
  • Kresse schneiden und auf dem Hummus verteilen.
  • Eine Auberginescheibe auf jeder mit Hummus bedeckten Bun-Hälfte plazieren.
  • Dann auf den unteren Bun-Hälfte, in der Reihenfolge, ein Stück roter Paprika, ein Stück Halloumi und ein Stück gelber Paprika stapeln.
  • Die obere Bun-Hälfte mit der Auberginenscheibe vorsichtig umdrehen und obendrauf setzen, und mit einem nicht zu langen Schaschlikspieß stechen, damit alles zusammen hält.
  • Kurz in der Mikrowelle aufheizen und servieren.

Nährwertangaben

pro Burger fürs Rezept
Energie (kcal) 552,5 2210
Eiweiß (g) 20 80
Kohlenhydrate (g) 45,6 182,5
davon Zucker (g) 9,2 36,9
Fett (g) 38 152
Ballaststoffe (g) 7,6 30,2

[1] Die Schreibweise ist so richtig, sagt der Duden[2].

[2] Unbezahlte Werbung, da Namensnennung und/oder Verlinkung.

[3] Das Wort gibt’s nicht? Jetzt schon. Ich hab’s soeben erfunden.


Dieser Beitrag ist ursprünglich auf Meckereien & Co. erschienen.

Bilder vom Wochenende in Berlin

Wir sind am Freitag mit dem ÖPNV unterwegs gewesen. Zufällig genau an dem Tag, an dem die neue U5 in Betrieb genommen wurde. Blitzeblanke Bahnhöfe. Schicke Rolltreppen mit blauer Beleuchtung und durchsichtiger Bekleidung, die das Innenleben offenbart. Viele Besucher, mit Kameras und sogar Stativen, die die neuen Bahnhöfe bestaunen. Wie lange sie wohl noch so sauber aussehen werden?

Am Samstag waren wir in Charlottenburg. Der Ehemann hatte in seinem ehemaligen Kiez Sachen zu erledigen. Der Tag hatte schön sonnig angefangen, aber am frühen Nachmittag wurde es grau. Nah am Schloss habe ich einen Meilenstein entdeckt. Er ist so schwarz, dass man die Inschrift kaum noch sieht: „I Meile von Berlin“. So häufig muss ich daran vorbei gelaufen sein, ohne zu merken, dass es sich um einen Meilenstein handelt.

Trotz der Kälte sind wir im Garten vom Schloss spazieren gegangen. Wir waren früher sonntags da gejoggt, als ich den noch nicht Ehemann in seiner Wohnung besucht hatte. Das war noch bevor wir uns eine Wohnung gekauft haben. Das Schloss wirkte traurig, wenn man weiß, dass normalerweise auf dem Platz vorne ein Weihnachtsmarkt statt findet. Im Park waren nicht so viele Leute unterwegs, außer am Karpfenteich, wo Familien die Enten gefüttert haben. Gänse und, natürlich, freche Spatzenbanden, waren auch dabei. Am hinteren Ende vom Garten befindet sich der Obelisk zum 11. März, ein beliebiger Tag ohne besondere historische Vorkommnisse, wenigstens aus der Sicht von Braco Dimitrijević[1], als er 1979 das Kunstwerk schuf. Wir sind am Fürstenbrunner Graben, mit derzeit wunderschönen Farben, vorbei gelaufen, und über die Brücke zum Bahnhof Jungfernheide.

Auf dem Weg zum Bahnhof fallen mir alte Plakate von vor der Pandemie auf. Diese sind besonders, da wir dafür Karten gekauft hatten. Schade. Da fällt mir wieder etwas auf, worüber ich früher geschrieben haben wollte. Das BKA-Theater[1], wo die Veranstaltung geplant war, betreibt einen YouTube-Kanal, auf dem Auftritte kostenlos übertragen werden und danach verfügbar bleiben. Dazu werden im Online-Shop „BKA Antivirus-Livestream-Tickets“ verkauft, der Betrag bleibt den Käufern zur Auswahl. Obwohl ich nicht gerne so ausdrücklich Werbung mache, erscheint es mir eine gute Möglichkeit, die Künstler in diesen schwierigen Zeiten zu unterstützen.

Am Abend laufen wir an eine dieser neuen öffentlichen Toiletten vorbei, und ich widerstehe der Versuchung gar nicht, ein Foto davon zu machen. Auf dem Bild ist der Innenraum überbelichtet, aber man sieht schon gut, was man eigentlich nicht sehen sollte. Und jetzt im Winter (ja gut, offiziell ist es noch Herbst) muss es da drin zusätzlich fürchterlich ziehen.

Die Rückfahrt am Sonntag verlief ruhig, der Zug war deutlich unterbelastet, selbst in der zweiten Klasse. Den Aufpreis zur ersten Klasse hätten wir uns sparen können. Allerdings war es am Hauptbahnhof in Berlin noch chaotischer als für die Hinfahrt: Nicht nur der gebuchte Wagen fehlte, sondern der ganze Zug. Gebucht hatten wir ICE 1711 nach München, aber nur ICE 1709 nach München war da. Wir sind am laut ausgehängtes Zugplans richtigen Bahnsteigabschnitt eingestiegen und haben an einem nicht reservierten Tisch gesessen. Vermutlich kam der Zug 1711 verspätet aus Hamburg, da wir kurz vor der verspäteten Abfahrt ein Ruckeln gespürt haben. Mir war nur nicht danach, zurück zum Bahnsteig zu gehen und auf den richtigen Zug zu warten. Es gab, wie inzwischen üblich, keine Information, ob ein anderer Zug ankommen würde. Es hätte genau so gut sein können, dass wir auf dem Bahnsteig stehen bleiben, ICE 1711 nie kommt und ICE 1709 ohne uns abfährt. Das Risiko wollte ich nicht eingehen.

[1] Unbezahlte Werbung, da Namensnennung und/oder Verlinkung.

Dieser Beitrag ist ursprünglich auf Meckereien & Co. erschienen.