Und zurück

Die Fahrt gestern von Berlin aus war lang. Ich wäre viel lieber mit dem Zug gefahren. Wir sind um neun Uhr abends angekommen und um elf war ich schon müde im Bett. Ganze neun Stunden habe ich durch geschlafen.

Heute früh sind wir mal wieder im Starnberger See geschwommen, bevor wir auf dem Markt einkaufen waren. Beim Frühstücken am Ufer des Sees am Bahnhof waren wir Zeugen eines spektakulären Raubüberfalls. Man beobachte die Taube im zweiten Bild unten, mittig, die ein Stück Futter in dem Schnabel hält. Die Spatzen, wie in organisierten kriminellen Banden, kreisen um die Tauben. Auf einmal greifen sie an. Flügelschläge, Chaos, blitzschnell. Im dritten Bild guckt die Taube rechts verdutzt, ihr Stück Futter ist jetzt in dem Schnabel vom Spatzen unten links, und sie traut es nicht, es sich zurück zu holen. Die andere Taube hat noch nicht kapiert was passiert ist und schaut nach dem anderen Spatzen zu, der jetzt ganz uninteressiert spielt. Die Spatzen hier sind so frech wie in Berlin.

Nach dem Frühstück habe ich mich nur matschig gefühlt. Vermutlich haben wir zu lange in der Sonne gesessen. Am Nachmittag kam die Migräne, die ich zum Glück mit Paracetamol abwehren konnte. Das klappt ja nicht immer. Jetzt sortiere ich Fotos von unserem Mini-Urlaub an der Nordsee.


Dieser Beitrag ist ursprünglich auf Meckereien & Co. erschienen.

An der Nordsee

Wir haben uns spontan für ein paar Tage eine Wohnung in Büsum an der Nordsee gemietet, da der Schwiegervater letzte Woche aus dem Krankenhaus entlassen wurde und es ihm nach dem diagnostizierten zweiten Schlaganfall besser zu gehen scheint. Ausschlaggebend für die Auswahl des Ortes war die vorhandene Übernachtungsmöglichkeit, da sonst fast alles in der Gegend ausgebucht war. Der Mini-Urlaub hat uns gut getan und wir konnten richtig abschalten.

Die Anfahrt am Sonntag verlief trotz zahlreicher Bauarbeiten auf der Autobahn recht entspannt. Eine unangenehme Situation gab es beim Ankommen, als wir in die Unterkunft wollten. Ich hatte mich beim Parken über die merkwürdige Schreibweise vom Wort „Hus“ gewundert, das eher wie „Mus“ aussah, aber der Ehemann meinte, da wären wir richtig, es war die Straße, es würde ja nur ein „wittes Hus“[1] geben. Wir sind mit Mund-Nasen-Schutz aus dem Auto ausgestiegen. Die Frau, die nach unserem Klingen an die Tür kam, schaute uns keine Sekunde lang an und fragte schon in einem beinahe hysterischen Ton, was das mit den Masken soll. Bei ihr im Hause würde absoluter Maskenverbot herrschen. Die Frau wäre nicht infiziert, wären wir vielleicht krank angereist? Masken würden eh nichts bringen[2], erzählte sie uns weiter, alles in einem Atemzug, ohne uns die Gelegenheit zu geben, irgendwas zu antworten. Wir haben uns mit dem Ehemann angeschaut und es war klar, in dem Haus wollten wir auf keinen Fall rein. Als die Frau mit ihrer Tirade fertig war, sagte ich dem sprachlich begabten Ehemann auf Französisch (um zu vermeiden, dass sie sich einmischt), wir suchen uns etwas anderes aus. Die Frau gehört angezeigt, wie sie ihre Gäste dazu zwingt, die Corona-Schutzmaßnahmen derart zu missachten, wir würden bestimmt nicht mal das Geld für die Buchung zahlen müssen, sie würde eher mit einem saftigen Bussgeld bestraft werden. Als sie mich in einer Fremdsprache reden hörte, meinte die Frau[3], wir wären vielleicht nicht die Gäste, die sie erwartet hatte. Dies bestätigte ich erleichtert, ohne die Adresse zu prüfen, weil ich auf keinen Fall dort bleiben wollte. Sie sagte, wir würden bestimmt zum „witten Hus“[3] gegenüber wollen. Dort haben wir umgeparkt, und es war tatsächlich unsere gebuchte Unterkunft, worüber ich richtig froh war. Unsere Mieterin war von weitem viel freundlicher. Im Nachhinein hätten wir unseren Fehler früher merken sollen, da wir eine ganze Wohnung und keine Pension wie drüben dick am Haus geschrieben gebucht hatten.

Unser Aufenthalt war wunderbar. Nicht nur, weil die Wohnung sehr hübsch und gemütlich war (die private Sauna haben wir sehr genossen). Mit dem Wetter hatten wir großes Glück. Der Strand, die Hauptattraktion von Büsum, sieht gewöhnungsbedürftig aus. Die Kombination vom kurz gepflegten Rasen[4] mit den periodisch angeordneten Strandkörben hat etwas unheimliches. Von weit weg aus sieht es wie ein dieser Friedhöfe für gefallene Soldaten aus. Das Hochhaus mittendrin, das einzige Gebäude von Büsum, das man über den Deich sieht, wirkt einfach nur grotesk. Impressionen vom ersten Abend:

Am Montag haben wir uns einen Strandkorb gemietet. Morgens sind wir bei Flut geschwommen, das Wasser war allerdings sehr kalt und es hat einiges an Überwindung gekostet. Ich habe ein paar Züge Brustschwimmen gemacht und bin raus gegangen, der Ehemann hat es länger ausgehalten. Am Nachmittag sind wir nach einem Spaziergang zum Leuchtturm bei Ebbe übers Watt gelaufen. Ich habe es mit dem Schwimmen nochmal probiert, aber man muss deutlich länger laufen, um zum Wasser zu kommen, und sobald man nicht mehr den Boden unter den Füßen hat, ist es immer noch sehr kalt, meine Hände haben beim Schwimmen geschmerzt. Ich war schnell wieder raus, und noch schneller, als ich die Größe der Krabben am Grund gemerkt habe. Richtige Monster waren das. Nach einem Abendessen in einem Fischrestaurant am Hafen sind wir am Museum am Meer geschlendert.

Am Dienstag sind wir zum Leuchtturm Westerheversand gefahren. Nach dem schönen Spaziergang sind wir nochmal bei Tageslicht am Hafenmuseum geschlendert, bevor wir den Sonnenuntergang bewundert haben. Es war noch schöner als auf den Seychellen.

Am nächsten Tag sind wir nach einem Frühstück im Nebel zurück nach Berlin gefahren.

[1] Unbezahlte Werbung, da Namensnennung und/oder Verlinkung.

[2] Selbst Kinder wissen besser Bescheid, wenn sie die Sendung mit der Maus[1] vor einigen Wochen geguckt haben:

[3] Der traue ich noch zu, AFD-Anhängerin zu sein. Vielleicht ist ihre Pension eine Art Treffpunkt für Corona-Leugner und anderen Covidioten? Auf den gängigsten Buchungsportalen taucht sie jedenfalls nicht auf, deswegen man leider schlecht andere Reisende vor der Pension warnen kann.

[4] In den privaten Gärten ist der Rasen auch sehr kurz gepflegt. Muss man hier Bussgeld zahlen, wenn das Gras zu hoch wächst?


Dieser Beitrag ist ursprünglich auf Meckereien & Co. erschienen.

Wanderung zum Leuchtturm Westerheversand

Der Ehemann hatte die Idee, eine Wanderung zum Leuchtturm Westerheversand zu machen. Der Leuchtturm von der Jever[1]-Werbung, erklärt er mir, als er das fehlende Leuchten in meinen Augen sieht. Je-was? Die Werbung kannte ich nicht, und dieses Bier trinke ich so gut wie nie. Egal. Es ist ein schöner Tag und Bewegung ist immer gut.

Wir parken vor dem Tourismusverein, der, im Gegenteil zu dem was Google Maps[1] behauptet, geöffnet ist. Wir laufen an den Schafen vorbei, die schräge Straße zum Deich hoch, und werden mit einem einzigartigen Blick zur Salzwiese belohnt. Es sind viele Radfahrer unterwegs, und man glaubt es bei der flachen Landschaft nicht, wenn man es nicht selber sieht, überwiegend Elektrofahrräder. Wir laufen den geraden Weg zur Küste und biegen dann links ab zum Leuchtturm.

Nach dem Leuchtturm fängt der historische Stockenstieg an, der für Fahrradfahrer verboten ist. Es wird schlagartig viel ruhiger. Momentan darf man diesen Weg nur vom Leuchtturm aus begehen, nicht vom Deich aus. Ein Rückblick auf dem Leuchtturm am Ende vom Fußgänger-Radweg zeigt, wie viele Leute heute mit dem Fahrrad unterwegs sind. Wir sind nur sehr wenige Fußgänger.

Die Wanderung wurde in Komoot[1] als „mittelschwer“ angegeben und es ist mir ein Rätsel, warum. Die Wege sind flach und gut begehbar, es besteht keine körperliche Herausforderung. Es war nichts im Vergleich zu unserer Bergwanderung Ende Juni (Beitrag steht immer noch aus), die auch als „mittelschwer“ in Komoot angegeben wurde und mich am Rande der Verzweiflung gebracht hatte. Oder sollte man die Bewertungen von Wanderwegen mit der Kondition der Mehrheit der örtlichen Besucher gewichten? Hier an der Nordsee ist die Proportion an stark übergewichtige Menschen auffällig hoch, auf Bergenwegen trifft man sie nie, und wenn sie alle noch wie heute nur mit dem Elektrofahrrad auf dem flachen Land unterwegs sind, empfinden sie vielleicht ein solcher kleiner Spaziergang schon als „mittelschwer“. Das Einzige, war mir einfällt: Wir waren ständig der prallen Sonne ausgesetzt. Ohne Hut, Wasser und Sonnenschutz sollte man diesen Spaziergang im Sommer nicht unternehmen.

Eine kleine Sammlung der Pflanzen, die in der Salzwiese gedeihen:

[1] Unbezahlte Werbung, da Namensnennung.


Dieser Beitrag ist ursprünglich auf Meckereien & Co. erschienen.

Ab in den Urlaub

Der letzte Urlaub ist gar nicht so lange her, aber Erholungsbedarf habe ich schon wieder dringend. Seit Anfang Juli betrug meine mittlere wöchentliche Arbeitszeit um die fünfzig Stunden. Endlich, endlich kriegen wir Verstärkung im Team. Mein Eindruck ist, dass man in der freien Wirtschaft super lang am Anschlag arbeiten muss, bis die Leitung denkt, jetzt lohnt es sich, neue Kollegen einzustellen.

Ich sitze im ICE nach Berlin, wo der Ehemann schon seit gestern ist. Es war nicht ganz der Plan gewesen. Der Schwiegervater hat am Donnerstag auf dem Weg zum Arzt, wo er vom Pflegeheim aus unbedingt alleine zu Fuß gehen wollte, einen Schwächeanfall bekommen und liegt jetzt im Krankenhaus. Also hat sich der Ehemann den Freitag zusätzlich frei genommen und ist gestern mit dem Auto hin gefahren. Im Prinzip hätte ich, rein von den Arbeitsstunden für diese Woche her, gleich mitfahren können, wenn ich nicht dringend nach einer geeigneten Vertretung für meine laufende Projekte suchen musste. Theoretisch hätte Arndt, mein Chef, für mich einspringen sollen. Ich hatte ihm vor Wochen gesagt, dass ich im September Urlaub habe und er mich bei einem Kundenmeeting vertreten müsse. Ich habe ihn stets ins CC bei jeder Kommunikation mit den Kunden über die Projekte gesetzt. Als ich ihn am Donnerstag wieder daran erinnerte, dass er mein Vertreter ist, meinte er, das könne er nicht tun, er hätte keine Ahnung über meine Projekte. Dabei gibt es wirklich nicht viel zu tun. Es war für mich ein starkes Stück. Er hat die ganze Zeit seine Aufgaben als mein offizieller Vertreter gar nicht wahrgenommen. Ich frage mich, ob er überhaupt meine Emails gelesen hat. Zum Glück hat ein anderer Kollege jetzt zugesagt, das Meeting zu übernehmen, die Erklärung der Projekte hat gerade eine Viertelstunde über Skype[1] in Anspruch genommen, und die Leitung der Firma sucht für mich nach einem anderen dauerhaften Vertreter, denn Arndt kann es offensichtlich nicht sein.

Wir hatten vor, im Urlaub zuerst nach Berlin zu fahren. Eine Freundin vom Ehemann wollte ihren Fünfzigsten feiern. Das hat sie dann vor zwei Wochen Corona-bedingt abgesagt. Wir wollten danach, wie inzwischen jedes Jahr, zu meiner Schwester fahren, um den Geburtstag vom Neffen zu feiern. Das müssen wir jetzt absagen, die Region PACA ist seit zwei Wochen als Risikogebiet eingestuft worden und dem Ehemann drohen Gehaltsverkürzungen, wenn er wissentlich in ein Risikogebiet Urlaub macht. Mir nicht, ich arbeite ja seit März ausschließlich von zu Hause aus, es sei denn, ich muss etwas persönlich abholen, eine Quarantäne hätte keinen Einfluß auf meine Arbeit. Ich habe inzwischen durch den neuen Kollegen sowieso keinen regulären Arbeitsplatz mehr, er sitzt an meinem Schreibtisch und benutzt meine Rechner. Wir bleiben also in Deutschland und werden den Neffen zum Geburtstag über Skype[1] gratulieren.

Diese Fahrt nach Berlin dauert ganz schön lange. Als ich vorgestern nach Verbindungen geschaut hatte, gab es gerade nur zwei Züge, die ohne Umstieg fahren, und beide dauern über sechs Stunden. Wir sind über Fulda gefahren. Ich habe die Nachrichten lange nicht mehr geguckt, vielleicht gab es in Thüringen Hochwasserschäden wegen des starken Regens in letzter Zeit. Gut, das mit der Covidioten-Demo letzte Woche in Berlin habe ich schon mitbekommen. Meiner Meinung nach sollten Leute, die sich, trotz alles verfügbaren Wissens, an solchen Veranstaltungen freiwillig anstecken, ihren Anspruch auf intensive Behandlung verspielt haben, wenn der Verlauf der Krankheit sich doch schlecht entwickelt. Sie können auch einfach Globuli verabreicht bekommen, wenn sie glauben, der Virus wäre eine reine Erfindung. Ethisch ist diese Ansicht zwar nicht vertretbar, aber für Ethik interessieren sie sich auch nicht, wenn sie das Recht anderer Personen auf körperliche Unversehrtheit derart zertrampeln wollen.

Wenigstens funktioniert das WLAN im Zug heute gut, und ich habe mir Videos angeschaut, die ich länger auf meiner Liste hatte, aber für die ich bis jetzt keine Zeit gefunden hatte. Dieses Video von Arte[1,2] war nicht auf meiner Liste, sondern am rechten Rand, und ich hatte keine Ahnung, worum es ging. Ich fand diesen Beitrag beeindruckend, spiegelt es doch sehr meine derzeit pessimistische Ansicht über die Menschheit. Zitat: „[der Mensch] meint alles zu beherrschen und beherrscht nicht einmal sich selbst„. Mir scheint, als ob sich unser Planet nur auf Dauer von den menschengemachten Schäden erholen kann, wenn die Menscheit vernichtet wird, ob aus eigener Schuld oder durch externe Ereignisse. Nachdem ich auch dieses Video[1,3] vor einigen Tagen gesehen habe, denke ich, wir werden es schon selber schaffen. Ich bin deswegen doch recht froh, dass uns das Elternsein erspart geblieben ist.

[1] Unbezahlte Werbung, da Namensnennung und/oder Verlinkung. Edit vom 03.06.2021: Das Video ist eh nicht mehr aufrufbar, weil Arte gerne Videos auf YouTube nach einiger Zeit löscht und neu hoch lädt. Was ich daraus lerne: Verlinke nie wieder ein Arte-Video von YouTube.

[2] Titel der Doku: „Eine überschätzte Spezies“.

[3] Es ging um gesundheitliche Probleme, die durch den unbedachten Einsatz von neuen synthetischen Molekülen im alltäglichen Leben verursacht werden.


Dieser Beitrag ist ursprünglich auf Meckereien & Co. erschienen.