Die Erkenntnis des Tages

Wir waren am Wochenende in Berlin. Am Samstag haben wir uns einen Seniorenheim für den Schwiegervater angeschaut, der sich momentan wieder stationär in Behandlung befindet, bevor wir ihn besucht haben. Seine Ärzte sind sich einig, alleine kann er nicht mehr leben.

Um zum Seniorenheim zu kommen, sind wir mit der X11 gefahren. Wie damals, als ich die Strecke zwischen Zehlendorf und Schöneweide gefahren war, wenn ich keinen Bock auf die S-Bahn hatte. Diese Fahrt hatte ich genossen, vor allem im Doppeldecker. Es gibt in der Gegend so viele schöne Häuser zu bewundern. Wie jedesmal, wenn wir in Berlin sind, bekomme ich den Eindruck, nie weg gezogen zu sein. Es fühlt sich immer noch wie zu Hause an. Wie gerne ich diese Zeit zurück hätte!

Als wir heute im Zug nach München saßen, ist mir bewusst geworden, andersrum hätte ich dieses nostalgische Gefühl gar nicht. Wenn ich mir jetzt vorstelle, von der Münchner Gegend weg zu ziehen und nach einigen Jahren mal wieder in der 266 durch Martinsried unterwegs zu sein, würde ich sicherlich nicht mit einem Stich im Herzen an meine Zeit hier zurück denken[1]. Wie zu Hause fühle ich mich hier seit zwei Jahren immer noch nicht. Es ist nur der Ort, wo ich lebe und arbeite.

Als wir wieder in unserer Wohnung waren, habe ich mit dem Gedanken gespielt, mich in Berlin nach einer neuen Arbeit umzuschauen. Unsere Wohnung dort ist leider vermietet und wir kämen nicht einfach wieder rein, aber wenn die Wohnung vom Schwiegervater nicht mehr benutzt wird…

Andererseits wäre es für den Ehemann nicht leicht, jetzt schon wieder nach einem neuen Job zu suchen. Nach der kurzen Zeit in der ersten Firma und der längeren Arbeitslosigkeit ist er noch kein Jahr in seiner neuen Arbeit, es würde bei potentiellen Arbeitgebern nicht gut ankommen, wenn er sich jetzt schon wieder weg bewirbt. Ich denke, wir müssen noch ein paar Jahren hier bleiben, und dann ist der Ehemann Mitte fünfzig und es wird für ihn nicht einfacher, einen neuen Job in Berlin zu finden. Verdammt. Warum gab’s meinen Traumjob damals in Berlin nicht?

[1] Abgesehen von der holprigen Fahrt in den Bussen, die keine Federung haben und jede Unebenheit auf der Straße dermaßen bis zum Schädel übertragen, das ich fürchten muss, eine Gehirnerschütterung davon zu kriegen…

Dieser Beitrag ist ursprünglich auf Meckereien & Co. erschienen.

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