Ab nach Frankfurt

Wie mittlerweile jedes Jahr.

Der Ehemann ist schon gestern abgereist. Nach Berlin. Sein Vater traut sich nicht mehr, eine lange Reise mit Gepäck alleine zu unternehmen. Ihm geht’s mit dem Alter nicht mehr so gut. Der Ehemann holt ihn also ab. Die Beiden fahren mit der Bahn zusammen nach Frankfurt.

Ich habe mich heute recht früh auf den Weg zum Münchner Hauptbahnhof gemacht. Mein ursprünglicher Plan war, die Zeit in der DB-Lounge zu verbringen, bis der Zug los fährt. Ich habe viel Wartezeit eingeplant, weil man nie weiß, was mit der S-Bahn alles schief gehen kann. Wie Ute mir erzählte, selbst mit einer Stunde Puffer ist es hier möglich, seinen Anschluß zu verpassen. Es ist ihr mal auf dem Weg in den Urlaub passiert. Die S-Bahn blieb einfach so zwischen zwei Bahnhöfen stehen und nichts mehr ging.

Am Eingang der Lounge bin ich darüber informiert worden, dass ich mit meiner Sparpreisfahrkarte für die erste Klasse nicht mehr rein darf. Dass es bei Supersparpreis der Fall ist, wusste ich schon. Diese weitere Einschränkung ist mir neu. „Es ist aber schon seit September bekannt“, sagt mir die Frau, immerhin freundlich, als sie mir den Zettel mit den geänderten Nutzungsbedingungen der Lounge reicht. Drin steht, seit dem 15. Dezember ist es so. „Es steht ganz dick draußen“, fügt sie hinzu. Bei meinem letzten Besuch Anfang November war es mir nicht aufgefallen. Dem Ehemann auch nicht. Weil ich ihn nach dem Verlassen der Lounge informiert habe, und er genau so überrascht reagiert hat. Daran merkt man, Plakate sind als Informationsmaterial längst nicht mehr effektiv. Es gibt viel zu viel Werbung überall, man nimmt nichts mehr wahr.

Die Frau wollte mich aus Kulanz trotzdem in die Lounge rein lassen, aber ich konnte von oben sehen, dass mein Zug schon am Gleis stand, und bin dahin gelatscht. Und gelatscht. Und gelatscht. Die Fahrkarte hatte mir der Ehemann schon vor einigen Wochen besorgt. Drauf stand meine Reservierung. Wagen 28. Ich schaue auf dem Plan am Bahnsteig: Abschnitt G oder H. Ganz weit vorne. Ich habe Zeit und laufe hin. Es sind zwei Zugteile. Ganz vorne trägt der Zugteil meine ICE Nummer. So weit so gut. Ich laufe bis zum allerersten Wagen und finde den Wagen 28 nicht. Die einzigen Wagen der ersten Klasse sind 38 und 39. Menno. Ich prüfe meine Fahrkarte: Immer noch Wagen 28. Ich laufe zurück, aber der zweite Zugteil trägt eine ganz andere Nummer. Ich laufe wieder nach vorne und entdecke einen getarnten DB-Mitarbeiter. Unter seiner Jacke habe ich das DB-Logo gesehen. Ich frage ihn, und er zeigt mir den Weg ganz vorne, wo ich ursprünglich war. „Aber dort stand 38“, sage ich ihm. Ich laufe trotzdem zurück und sehe, die Nummer wurden geändert. Jetzt ist mein Wagen da. Nach fünf Minuten Wartezeit werden die Türe entriegelt, und ich steige ein, eine Viertelstunde vor Abfahrzeit. Gemütlich.

Wir erreichen Frankfurt pünktlich und ohne Unannehmlichkeit.

Dieser Beitrag ist ursprünglich auf Meckereien & Co. erschienen.