Möglich aber verboten: Doppelwahl für Doppelstaatler

So betitelte BR24 diesen Artikel am Anfang des Monates. Gerne wird der Fall vom Zeit-Chefredakteur Giovanni di Lorenzo zitiert, wenn es darum geht, über die Möglichkeit von EU-Bürgern mit doppelter Staatsangehörigkeit zu berichten, zweimal an der Europawahl teil zu nehmen.

Das ist aber nur die halbe Geschichte. Denn es reicht schon, als EU-Bürger mit einer einzigen Staatsangehörigkeit in einem anderen EU-Land zu leben, um die Möglichkeit zu bekommen, zweimal wählen zu gehen. Oder sind nur die Franzosen so verpeilt? Fakt ist, ich habe sowohl von der Gilchinger Gemeinde als auch vom Konsulat Frankreichs in München eine Wahlbenachrichtigung bekommen.

Ich erinnere mich dunkel, dass ich angeben musste, wo ich für die Europawahl wählen möchte. Entweder am Anwohnermeldeamt, nach meinem Umzug, oder bei meiner Anmeldung am Konsulat, ich weiß nicht mehr. Ich weiß auch nicht mehr, was ich damals geantwortet hatte. Das letzte Mal hatte ich in Köpenick gewählt. Ich habe gehofft, dass ich von der richtigen Stelle rechtzeitig informiert werde, wenn es dazu kommt. Kann man schon erwarten, oder? Nein. Angeblich tauschen EU-Staaten ihre Wählerverzeichnisse untereinander aus, behauptet BR24 im vorher verlinkten Artikel. Das stimmt schon mal zwischen den eng verbündeten Deutschland und Frankreich nicht, so viel kann ich sagen. Sonst kann ich nicht erklären, warum ich von beiden Seiten Wahlbenachrichtigungen bekommen habe.

Vor zwei Monaten habe ich eine Email vom Konsulat bekommen, um mich zu informieren, ich könne mich noch bis zum Ende des Monates entscheiden, wo ich wählen möchte: Entweder am Konsulat in München, oder, zu meinem Erstaunen, im Dorf meiner Mutter in der Provence, wo ich noch für lokale Wahlen registriert bin, obwohl ich seit zwanzig Jahren in Deutschland lebe. Ohne Aktion meinerseits würde ich in München eingetragen bleiben. Super, dachte ich, ich habe nichts zu tun. Aber: Der Ehemann hatte uns für eine Feier in Berlin (schon wieder!), ausgerechnet an diesem Wochenende, Bahnkarten besorgt, ohne zu merken, dass es das Wochenende von der Europawahl war. Rückfahrt Sonntagabend um 19:00. Zu spät. Was nun? Briefwahl wird in Frankreich nicht angeboten. Ich könnte eine Person meines Vertrauens, ebenfalls französischer Staatsangehörigkeit und im Konsulat in München wahlberechtigt, beauftragen, für mich wählen zu gehen. Der Hacken: Ich kenne hier nur zwei anderen Franzosen, mit denen ich gerade einmal auf dem Weihnachtsmarkt diskutiert habe. Ich kann sie unmöglich fragen.

Ich war schon am Überlegen, ob ich einen früheren Zug am Sonntag buchen sollte, als ich die Wahlbenachrichtung von Gilching im Briefkasten gefunden habe. Mit der Möglichkeit, per Briefwahl zu wählen. Problem gelöst. Vor drei Wochen habe ich meine Unterlagen am Einwohnermeldeamt geholt, ein paar Tage später habe ich meine Stimme zum Rathaus gebracht. Unkompliziert und bequem. Viele roten Briefumschläge lagen schon im Kasten.

Am 09. Mai habe ich dann eine Email vom französischen auswärtigen Amt bekommen. Eine persönliche Einladung, um für die Europawahl zum Konsulat zu kommen, mit Ort- und Zeitangabe. Häh? Seitdem sprudeln auch die Kampagne-Emails von allen französischen Kandidaten in meine Mailbox ein, selbst von Parteien, die nicht sich nicht zur Wahl stellen. Und diese Woche hat mich diese Wahlbenachrichtigung vom Konsulat erreicht. Obwohl ich offensichtlich in Gilching für die Wahl registriert bin, weil ich sonst definitiv keine Wahlbenachrichtigung bekommen hätte. Im Zweifelsfall traue ich eher dem deutschen Verwaltungsapparat, über die begrenzten Fähigkeiten der Franzosen habe ich hier schon mal gelästert.

Also, wer auch es immer ins Europäischen Parlament schafft: Es wäre schon super, wenn solche Umstände beim nächsten Mal vermieden werden könnten.


Dieser Beitrag ist ursprünglich auf Meckereien & Co. erschienen.

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