Fehlende Privatsphäre

Ich war in einer mir unbekannten Wohnung. Ich musste mich anziehen. Ich stand gerade in Unterwäschen mitten im Raum, als ich aus dem großen Fenster ohne Gardine einen jungen Mann auf der anderen Seite vom Innenhof in einem mir gegenüber stehenden Gebäude merkte. Er war mit Kittel und Schutzbrille bekleidet und hielt einen Kulturkolben in der Hand. Aber statt auf seine Arbeit zu achten, glotzte er mich nur an. Ich habe ihm den mittleren Finger gezeigt und mich unter dem Fenster geduckt, um mich weiter anzuziehen.

Szenenwechsel. Der Ehemann und ich waren im Frühstücksraum eines Hotels. Es waren viele Leute da und der Raum wirkte unordentlich. In einer Ecke vom Frühstücksraum war unser Schlafzimmer. Keine Wand. Das Bett war noch nicht bezogen, die Decke lag noch halb auf dem Bett und halb am Boden. Die Dusche war ebenfalls vom Frühstücksraum ohne Tür frei zugänglich.

Ich denke, die Botschaft der Träume ist diesmal ganz klar. Mir fehlt’s an Privatsphäre. Auf Arbeit.

Ich war gestern richtig sauer, als ein bestimmter Kollege zum xten Mal ins Büro geplatzt ist. Das tut er regelmäßig. Nennen wir ihn Fergus, denn er ist Schotte. Morgens dreht er seine Runde, um mit anderen Kollegen zu reden. Ich habe ihn schon mal gefragt, ob er denn nichts zu tun hätte. Gestern musste er sich zweimal mit Ute über ein Projekt unterhalten. Dagegen kann ich schwer etwas sagen. Mein Pech, dass ausgerechnet Ute und er die zwei lautesten Kollegen in der ganzen Firma sind. Am anderen Ende vom Flur hört man die Beiden immer noch sehr gut, wenn sie sich unterhalten. Und mittendrin Tim (gerade in Elternzeit) und ich, die versuchen zu programmieren.

Als Fergus gestern Abend erneut rein kam, um mir mitzuteilen, dass etwas in unserem Datenbanksystem nicht funktionierte, ist mir der Kragen geplatzt. Denn ich war gerade vertieft dabei, mich genau diesem Problem zu widmen. Beim Programmieren brauche ich meine Ruhe, was allein mit Ute im Büro schon schwer genug ist. Beim Programmieren ist es für mich, als ob ich im Kopf mehrere lose Stränge halten würde, um sie zusammen zu binden. Kommt jemand plötzlich rein und spricht mich laut an, weil Fergus nicht anders als laut reden kann, ohne Rücksicht auf meine Arbeit zu nehmen, fallen mir alle Stränge am Boden. Danach darf ich sie wieder sammeln, und häufig ist es auch die Ursache für Fehler, die ich danach beheben muss. Mega kontraproduktiv.

Eigentlich haben wir eine festgelegte Prozedur, für Bugs. Wir haben ein Projektmanagementsystem, mit dem alle in der Firma arbeiten, und drin ein Projekt für Bugs eingerichtet. Jeder, der ein Problem feststellt oder Änderungswünsche hat, soll es dort schriftlich mitteilen. Aber Fergus hält sich nie an Vorschriften. Unter der Begründung, es wäre für ihn einfacher, mir Sachen mündlich zu erklären, pfeift er drauf und reißt mich regelmäßig von meiner Programmiertätigkeit raus. Das nervt. Daher die Träume heute Nacht.


Dieser Beitrag ist ursprünglich auf Meckereien & Co. erschienen.

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