Heute ist Weltfrauentag

In Berlin ist sogar erstmalig dafür Feiertag. Ich bin nicht sicher, dass ich das so gut finde. Am internationalen Frauentag können Frauen die Arbeit nieder legen. Sie streiken und treffen sich, um zu diskutieren oder demonstrieren. Aus dem Frauentag einen Feiertag zu machen, entkräftet die Aussage von einer Streitaktion massiv. Andererseits können dadurch mehr Leute an Demos teilnehmen.

Ich habe noch nie an irgendwelchen Aktionen zum Weltfrauentag teilgenommen. Wenn, dann würde ich solidarisch für andere Frauen hingehen, die nicht so viel Glück wie ich haben. Aber dieses Jahr habe ich es verpennt. In München ist kein Feiertag. Ab 16:00 war am Marienplatz etwas organisiert. Ich habe blöderweise einem Telefongespräch am späten Nachmittag mit meinem amerikanischen Kunden zugesagt, bevor ich geschnallt habe, dass heute Frauentag ist. Das Gespräch wurde doch nicht so lang, der Ehemann hat mich mit dem neuen Auto von der Arbeit abgeholt, und wir haben einen ausnahmsweise frühen Feierabend zu Hause genossen.

Ich selber kann nicht meckern, seitdem ich das Elternhaus hinter mir gelassen habe. Ich habe endlich einen guten Job. Keine Ahnung, wie gut ich im Vergleich mit den anderen Kollegen verdiene. Aber ich bin schon sehr zufrieden. Der Ehemann ist arbeitslos, und selbst wenn er gar keine Leistung mehr beziehen würde, könnte ich uns noch einen recht guten Lebensstandard leisten. Trotz freiwilliger Krankenversicherung und großer Wohnung im Münchner Raum. Der Ehemann ist ein Schatz und übernimmt quasi alle Hausarbeiten. Wäsche aufhängen, Spülmaschine ausräumen, Dusche trocken, Staubsaugen, Boden wischen… Ich koche jeden Tag, wahr, weil ich es einfach so gerne tue. Und ab und zu wische ich Staub aus den Regalen. Ich habe Glück, denn ich bin keine Hausfrau.

Andere nicht. Die Dokus auf Arte am Dienstag haben mich recht wütend gemacht. Es ist nichts Neues, man weiß es lange, aber es wirkt ganz anders, wenn man Aussagen von Frauen hört, die in der katholischen Kirche von ihren männlichen Vorgesetztern Jahre lang hirngewaschen vergewaltigt und zu Abtreibungen gezwungen werden. So läuft es seit Jahrhunderten, und danach sind es immer die Frauen, die als schuldig angesehen und rausgeworfen werden. Die zweite Doku über die Misshandlung von entführten Frauen durch Mitglieder des sogenannten IS war noch schlimmer. Es ist zum Kotzen.

Ich weiß nicht, ob so ein Tag wirklich eine Wirkung hat. Die Gewalt gegen Frauen hat schon viel zu lange gedauert. Wenn ich sehe, was heutzutage noch alles passiert, habe ich das Gefühl, dass die Menschheit sich seit Jahrtausenden nicht weiter entwickelt hat. Technisch, ja, aber ganz tief bleibt immer noch der Wurm drin.


Dieser Beitrag ist ursprünglich auf Meckereien & Co. erschienen.

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