Chronologie einer Krankheit

Tag 1

Am Samstag letzter Woche, pünktlich zu Beginn meines Urlaubs, bin ich krank geworden. Husten, Schnupfen, Fieber, Migräne. Verflucht. Am Abend hat der Ehemann das Abendessen zubereitet. Gnocchi mit Kürbis. Mir ging’s danach besser und ich dachte, super, es ist die schnellste Erkältung überhaupt gewesen.

Tag 2

Sonntag. Beim Aufwachen denke ich, es ist vorbei. So ganz toll fühle ich mich im Kopf nicht, aber das ist immer so, am Tag nach einer Migräne, mit oder ohne Erkältungssymptome. Wir machen einen Spaziergang in den Feldern bei Sankt Gilgen. Nein, nicht in Österreich, sondern direkt bei uns hinter dem Kreisverkehr. Dreiviertelstunde lang. Danach gibt’s Tee mit Ingwer und Zitrone. Mir geht’s gut, außer, dass ich müde bin. Am Abend kocht der Ehemann. Ich hatte ihn um eine Hühnersuppe mit Kokosmilch gebeten. So ganz klappt es nicht. Er hat Reis rein geben wollen, aber viel zu viel Reis, Suppe kann man das Ergebnis nicht mehr nennen. Ich sage ihm, es soll häufiger kochen, um sich mit Portionierungen besser vertraut zu machen. Wenn ich zu häufig koche, hat er keine Ahnung.

Tag 3

Montag. So ganz richtig fit bin ich immer noch nicht, aber zuversichtlich, dass wir am nächsten Tag wie geplant zu unserem Ausflug in den Bayerischen Wald aufbrechen können. Wir machen einen kleinen Spaziergang bis zur Apotheke, um Paracetamol zu kaufen. Am Nachmittag esse ich eine Portion Eis. Es kann aber nicht der Grund dafür sein, dass ich kurz danach anfange, ununterbrochen zu niesen. Wirklich ununterbrochen. Die Nase läuft wie Wasser, ich kann teilweise die Taschentücher nicht so schnell in den Mülleimer neben mir werfen, wie ich niesen muss. Die Haut der Nase wird ganz schnell wund. Es dauert Stunden, bis ich ins Bett gehe, mit einer Unterbrechung beim Abendessen. Zum Glück kann ich trotzdem gut schlafen, aber ich habe im Bett erstmal lange gezittert. Mir war kalt.

Tag 4

Dienstag. Ich wache mit Fieber auf, und muss immer noch so viel niesen. Ich zittere vor Kälte auf dem Weg zum Badezimmer und muss mich danach wieder ins Bett packen. 37,4°C. Es klingt erstmal gar nicht so viel, ist es doch, wenn man weiß, dass meine morgendliche Temperatur im Mittelwert 36,0°C vor dem Eisprung und 36,4°C nach dem Eisprung beträgt. Der Ehemann storniert unsere Buchung, wir bleiben wohl hier. Auf dem Weg zu seinem Termin bei der Arbeitsagentur in Starnberg fährt er mich zur Arztpraxis. Als ich mich für die Untersuchung ausziehen muss, stelle ich fest, ich bin völlig nass. Durchgeschwitzt. Ich werde für eine Woche krank geschrieben. J06.9 G steht auf dem Zettel für die Krankenkasse. Zur Therapie gäbe es leider nichts anderes als Ruhe und abwarten, sagt die Ärztin. Ich habe mein Handy zu Hause liegen lassen und beschliesse nach der Untersuchung, zu Fuß die anderthalb Kilometer nach Hause zu gehen. Der Ehemann kommt kurz danach an, er war noch an der Praxis vorbei, um mich abzuholen. Hätte ich gewusst, dass sein Termin so kurz sein würde… Ich dusche und ziehe trockene Klamotten an. Ich versuche, mich zu beschäftigen, aber alles ist anstrengend. Am Rechner spielen, lesen, auf dem Handy gucken, fernsehen… Das alles kann ich nicht lange machen. Lichtempfindligkeit. Ich fühle mich elend. Am besten schlafe ich im abgedunkelten Wohnzimmer. Das Fieber hält den ganzen Tag an. Trotz Paracetamol. Meine Augen glänzen. Ich schmiere mir die Haut um Nase und Mund mit Creme, weil sie so wund ist. Es brennt. Beim Durchlesen meiner abonnierten Blogs entdecke ich das Rezept vom Orangen-Randen-Salat. Ich sage dem Ehemann, das ich genau was ich als Kranke brauche! Er ist so lieb und bereitet es mir gleich am Abend zu. Ohne Pesto, dafür mit selbst gerösteten Haselnüße. Hach, was für ein Schatz!

Tag 5

Mittwoch. Nach dem Frühstück schwitze ich. Dann fühle ich mich erstmal in Ordnung. Und danach kommt das Fieber zurück. Ich schlafe fast den ganzen Nachmittag durch, jedes Mal mit der Hoffnung, mich beim Aufwachen fit zu fühlen. Ich werde jedes Mal enttäuscht. Mit der Krankheit fühlt sich mein Zahnfleisch entzündet, ich muss mir häufiger die Zähne putzen. Wenigstens niese ich nicht mehr so viel und meine Nase läuft viel weniger. Das Einatmen durch die Nase ist schmerzhaft, ganz tief oben in der Hülle. Es brennt. Ich huste jetzt. Die Haut um Nase und Mund pellt. Ich creme sie weiterhin ein. Ich bin froh, dass der Ehemann bei mir ist und für mich jeden Tag kocht. Am Abend gibt es Auflauf mit Kürbis und Kartoffeln.

Tag 6

Donnerstag. Heute sehe ich besser aus, sagt der Ehemann, als ich um halb zehn aus dem Schlafzimmer auftauche. Ich fühlte mich in der Tat ein bisschen besser, aber so fit bin ich noch nicht. Meine Augen sind warm. Ich kann Licht immer noch nicht richtig ertragen. Ich habe dumpfe Kopfschmerze. Aber mir ist warm. Es ist viel zu warm in der Wohnung. Doch ein gutes Zeichen? Mir geht’s im Laufe des Tages tatsächlich besser. Ich bin aber noch nicht so fit, dass ich am Abend mit dem Ehemann auf der Couch fernsehen kann. Wieder diese Lichtempfindlichkeit. Ich bekomme Kopfschmerze und beschließe, ins Bett zu gehen. Es ist nicht mal halb neun, aber heute habe ich tagsüber gar nicht geschlafen. Dazu kommt, dass ich seit gestern leichte Blutungen habe. Nicht unerwarteterweise. Mindestens darüber kann ich mich freuen: Seit einigen Monaten hat meine Periode ihren Namen wieder verdient. Ich dachte, durch die Krankheit würde sie sich verspäten. Beim Einschlafen habe ich immer noch Schwierigkeiten mit dem Atmen. Die Nase ist zu und Einatmen brennt.

Tag 7

Freitag. Ich wache um 03:00 auf, und kann bis etwa 06:00 nicht mehr schlafen. Um 07:00 wache ich nochmal auf und gehe zum temporären Schlafzimmer vom Ehemann, um mit ihm kurz zu kuscheln. Die Krankheit scheint jetzt wirklich vorbei zu sein. Beim Frühstücken kann ich das Radio genießen. Gestern habe ich es nur als Belästigung empfunden. Ich kann mir die Haare waschen. Ich fühle mich gut. Heute könnte ich sogar endlich mal raus gehen. Aber. Ausgerechnet heute regnet es.

Was war’s denn? Doch eine Grippe? Zwei Tage lang Fieber finde ich für einen grippalen Infekt ganz schön heftig. Ich habe mich Anfang November dank des Arbeitgebers gegen die Grippe impfen lassen, aber meine Mami sagte, dieses Jahr soll die Grippe anders als vorausgesehen sein, also war mein Schutz vielleicht nicht optimal. Andererseits waren die Gliederschmerze nicht so heftig wie ich sie während meiner letzten Grippe in Erinnerung habe.


Dieser Beitrag ist ursprünglich auf Meckereien & Co. erschienen.

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