Die BahnCard

Ich weiß, ich hätte sie kündigen sollen. Als die Aufforderung zur Zahlung für die neue BahnCard kam, war es schon zu spät. Der Ehemann hatte sie uns letztes Jahr besorgt, und da ich von Januar bis Juli regelmäßig zwischen München und Berlin pendeln musste, war es mir recht. Aber jetzt besteht kein Bedarf mehr. Gut, ein paar Reisen haben wir in näherer Zukunft vor, aber es wird nicht mehr so viel sein.

Der Ehemann hat seine neue BahnCard im Oktober bekommen. Sie wurde zu unserer Adresse nach Berlin geschickt, weil wir die neue Adresse der Deutschen Bahn nicht mitgeteilt haben. Die Berliner Adresse ist sowieso immer noch gültig, die Post wird hierher weitergeleitet. Und ich? Ich warte immer noch darauf. Da wir am nächsten Wochenende eine Reise geplant haben, habe ich heute Morgen beim DB Reisezentrum in Pasing nachgefragt. Was für eine blöde Idee, im Nachhinein! Vor allem, weil der Ehemann, der als Deutscher doch besser als ich kommunizieren kann, noch im Supermarkt war, und ich alleine da stand.

Die Frau ganz links am Schalter hat nach meiner Frage angerufen und die Auskunft bekommen, meine BahnCard wäre zur Berliner Adresse geschickt worden und nicht zurück gekommen. Daher müsste ich die BahnCard bekommen haben, und „wenn ich sie nicht habe, muss ich sie verloren haben“. Wegen der Reise in einer Woche blieb mir keine andere Möglichkeit, als zur Bestellung einer Ersatzkarte zuzustimmen, für die ich noch 15€ zahlen müsste. Das ist voll die Verarschung. Wie kann ich beweisen, dass ich etwas nicht bekommen habe? Und wie kann die Deutsche Bahn beweisen, dass ich die Karte tatsächlich bekommen habe? Nicht, gab die Frau zu. Aber zu meiner Frage, warum ich dann 15€ für eine Ersatzkarte bezahlen soll, obwohl ich die mir zugestellte Karte nie bekommen habe, wollte sie nicht antworten. Sie hat mir nicht mehr ins Gesicht geschaut, mein Blick ständig ausgewichen und eine Nummer auf Papier gekritzelt, mit der ich mir am Automat eine temporäre Karte für die bevorstehende Fahrt ziehen könnte. Die „neue“ Karte soll demnächst per Post folgen.

Der Ehemann kam kurz danach ins Reisezentrum zu mir, und als ich ihm das Geschehene erzählte, meinte er, nachfragen zu müssen. Bei dem Mann ganz rechts am Schalter, da die Frau von vorher mit einer anderen Kundin beschäftigt war. Das Erklären von unserem Anliegen war schwierig, weil der Mann am Schalter uns ständig unterbrochen hat. Die Nachfrage vom Ehemann, warum ich für eine neue Karte zahlen müsste, wenn wir die Erste nie bekommen haben, hat den Mann am Schalter scheinbar extrem gereizt. Er hat angefangen, sich dem Ehemann gegenüber spöttisch zu verhalten, ihn fast anzubrüllen, und dabei sprach er so schnell, dass selbst der Ehemann ihn kaum verstehen konnte, außer, dass wir uns an die DB Hotline wenden könnten. Dass wir nicht rausgeschmissen worden sind, liegt wahrscheinlich nur daran, dass ich den Ehemann darum gebeten habe, nicht mehr nachzufragen. Mit dem Typ ist nicht zu reden. Ich habe so eine schlechte Behandlung an einem DB Schalter noch nie erlebt und bin ehrlich gesagt immer noch recht darüber schokiert, wie sich die Diskussion entwickelt hat. Die Deutsche Bahn hält offensichtlich Kundenorientierung für überflüssig in der Ausbildung von ihren Schaltermitarbeitern.


Dieser Beitrag ist ursprünglich auf Meckereien & Co. erschienen.

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8 Gedanken zu “Die BahnCard

  1. Frage mich, wie du darauf kommst, dass du nicht gut kommunizieren kannst? Wenn ich lese, was du hier schreibst, dann ist das exzellentes Deutsch. Außerdem lebst du ja auch schon lange hier. Kann es sein, dass du es selbst nur nicht so fühlst? Das ist ein Phänomen, dass ich bei meiner nicht deutschen Freundin oft erlebe. Sie lebt fast genauso lange in Deutschland, wie in ihrer Heimat und spricht super Deutsch und trotzdem meint sie oft, sie könne sich nicht gut ausdrücken. Manchmal habe ich den Eindruck, das ist, weil ihr einige Worte nicht einfallen, aber das habe ich auch, in meiner Muttersprache! Das ist m. E. normal. Auch in seiner Muttersprache ist man oft sprachlos, wenn man Arschgeigen ausgeliefert ist.

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    • Schriftlich geht es, ja. Beim Reden bin ich nicht so schnell, und ich habe keine Chance mich auszudrücken, wenn jemand mir ständig ins Wort fällt. Aber das stimmt, das hat eher mit der Situation zu tun. Ich schätze es nur sehr, wenn der Ehemann Sachen für mich regelt, weil er sich viel besser durchsetzen kann. Allein die Stimme macht eine großen Unterschied, meine ist viel zu sanft, und obwohl ich nun zweiundvierzig bin, halten mich viele immer noch für wesentlich jünger und erlauben sich häufig sich frech zu verhalten. Am Ende kommen meine Nachrichten nicht so effektiv an, als wenn der Ehemann redet. Daher meine ich, dass er besser kommunizieren kann.

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      • Kann ich verstehen, gegenüber manchen Menschen ist es aber auch extrem schwer sich durchzusetzen und manchmal hat man einfach keine Lust dazu (so geht es mir zumindest manchmal, vor allem nach Feierabend, wenn ich mich beruflich schon genug durchsetzen musste 😉 ). LG

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