Außergewöhnlich hohes Reisendenaufkommen

Mir scheint’s, sobald sich die Gelegenheit ergibt, müssen die Münchener aus ihrer Stadt fliehen.

Ich sitze in der DB Lounge und wollte prüfen, ob mein Zug wie geplant fährt. Es gab heute Nacht heftige Gewitter, mit unglaublich vielen Blitzen und lautem Donner, schlafen war unmöglich. Heute ist es wieder schön sonnig und warm, aber der Ehemann meldete am frühen Nachmittag Gewitter in Berlin.

Also habe ich auf der Webseite der Deutschen Bahn geschaut und mir wurde empfohlen, aufgrund von Unwettergefahr die Reiseauskunft zu besuchen. Und siehe da: Meine Verbindung ist mit einem Ausrufezeichen markiert. Der Zug soll jedoch fahren, die Warnung sagte nur, dass heute furchtbar viele Leute mit der Bahn unterwegs sind. Mein Zug ist völlig ausgebucht, sowohl in erster als auch in zweiter Klasse. Kann mir egal sein, ich habe einen Sitzplatz reserviert. Morgen ist in Bayern Feiertag, alle wollen weg. Bei der Wettervorhersage kann ich es nachvollziehen.

Ich sitze in der Lounge neben dem Empfang. Soeben hat sich ein Reisende beim netten jungen Mann beschwert, dass sein Zug nach Berlin noch nicht abgefahren ist und immer noch ohne Auskunft am Gleis steht. Ich hoffe, mein Zug fährt.

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Wasserrohrbruch

Ich musste am letzten Samstag zur Arbeit. Es gibt Sachen, die man besser dann macht, wenn sonst niemand arbeitet, wenn man programmiert. Konkret ging es darum, eine flächendeckende Änderung in der Datenbank der Firma durchzuführen. Die Änderung an sich war dank Python nicht schwierig, aber ich musste danach sicher stellen, dass es bei der Verwendung in Access kein Problem geben würde. Sprich, ich musste den ganzen VBA Code in den vielen Formularen auf mögliche Bugs prüfen. Daher hatte ich erst am Freitagabend mit dieser Aufgabe angefangen. Ich wurde an dem Tag trotz der späten Stunde nicht fertig und musste am Samstag ins Büro.

Ich habe es mir gemütlich gemacht und habe zuerst in der Sonne gefrühstückt, bevor ich mich gegen mittags auf den Weg zur Arbeit gemacht habe. Das Wetter war schön, ich wollte davon profitieren. Den Rucksack mit meinen Sportsachen hatte ich mit, um danach zum Fitnessstudio zu gehen. So gesehen lag die Arbeit nur auf dem Weg zum Sport.

Meine MVV-App hatte mir die Strecke mit zweimal umsteigen angeboten. Die erste Fahrt mit der S-Bahn ging ohne Problem, was bei uns nicht selbstverständlich ist. Mit dem ersten Bus ging’s auch gut. Als ich zur Haltestelle vom zweiten Bus gehen wollte, habe ich mich gewundert, dass die Straße von der Polizei gesperrt war. Ein Wagen stand quer, der Bus kam bis zur Kreuzung und musste zu einer anderen Straße umgeleitet werden. Zur Haltestelle ist er nicht gekommen. Ein Polizist hat mir gesagt, hier würde der Bus wegen Wasserrohrbruch nicht fahren und ich müsste zur nächsten Haltestelle laufen. Auf der Straße floss Wasser, aber nicht so viel. Ich habe mich gefragt, warum so ein Aufwand nötig war.

An der nächsten Haltestelle standen zwei älteren Damen. Als ich ankam beschwerten sie sich, dass sie schon fast eine Stunde lang da gewartet hatten. Der Bus schien nicht zu fahren. Ich habe beschlossen, dass ich bei dem schönen Wetter zu Fuß gehen könnte. Ich hatte Zeit. Die Strecke kenne ich gut, und die bin ich auch mit dem Fahrrad gefahren. Meine Navi-App hat behauptet, ich würde knapp über eine Stunde brauchen. Ich weiß nicht, wie sie drauf kommt. Nach einer halben Stunde unter der knallenden Sonne war ich schon am Gebäude. Jetzt, seitdem ich weiß, wie schnell ich diese Busstrecke zu Fuß machen kann, habe ich sie wieder zweimal zum Spaß gemacht. Besser als nichts, wenn ich die Arbeit zu spät verlasse, um zum Fitnessstudio zu gehen.

Nach zwei Stunden war ich mit meiner Aufgabe fertig. Ich bin mit U-Bahn und Bus zum Sport gefahren. Und wer begrüßte mich so freundlich, als ich in den Bus einstieg? Die zwei älteren Damen von vorher! Sie hatten an der Haltestelle gewartet, bis sie beschlossen haben, mit einem anderen Bus zu fahren, der aber eine Stunde für die Strecke gebraucht hatte.

Sonntag zu Hause

Das Wochenende habe ich alleine verbracht. Ich bin letzte Woche erst am Montagabend zurück nach München gefahren, und diese Woche ist in Bayern der Donnerstag ein Feiertag. Dank Brückentag kann ich schon am Mittwochabend nach Berlin. Es hätte sich nicht wirklich gelohnt, wenn der Ehemann zwischendurch gekommen wäre. Reisestress und Geld gespart. Dafür hat er sein Spaß gehabt, konnte zum ersten Mal seit ewig Motorrad fahren und hat den heutigen Tag mit Freunden verbracht. Bald zieht er hierher um, und seine Kumpels wird er nicht mehr so einfach sehen können.

Ich habe den Tag damit angefangen, dass ich meine Mami angerufen habe, während ich mich um die Blumen auf dem Balkon gekümmert habe. Anders als im Rest der Welt, ist heute in Frankreich Muttertag, am letzten Sonntag im Mai. Es war zehn Uhr morgens, mein Bruder war schon bei ihr, und die Blumenverkäuferin im Dorf hatte ihr gerade den Strauß gereicht, den ich ihr geschickt hatte. Sie hat sich darüber sehr gefreut.

Das Wetter sah nicht so toll wie gestern aus, der Himmel war bedeckt, meine App sagte, es würde den ganzen Tag so bleiben, und ich habe deswegen eine Hose angezogen, bevor ich mich auf den Weg zur Bäckerei im Stadtzentrum gemacht habe. Als ich dort auf der Terrasse saß, haben sich jedoch die Wolken aufgelöst, die Sonne hat voll geknallt, und mir wurde viel zu warm. Nach dem leckeren Frühstück aus Bruschetta mit Rührei konnte ich einem Stück Karotten-Kuchen für den Nachmittag nicht widerstehen, und an dem Erdbeeren-Stand beim Kreisverkehr musste auch eine Schachtel mit nach Hause.

Zu Hause angekommen, habe ich als erstes ein leichtes Kleid angezogen. Dann wurde geputzt. Staub gewischt und gesaugt. Das konnte ich gestern wegen Migräne nicht tun. Und da das Wetter weiterhin schön sonnig blieb, habe ich mich eingecremt, ein Bikini angezogen und mich auf dem Balkon mit einem Buch und einem Glas Wasser zum Sonnen hingesessen. Es war schön, bis eine Hummel über mich flog und ich plötzlich etwas naßes auf dem Arm spürte. Regen? Nein. Die Hummel war’s, die ihren Darm geleert hatte. Ein dünner, länglicher Pollen-gelber Fleck war halb auf dem BH und halb auf meinem Arm gelandet. Igitt. Ich habe den Sonnenbad beendet, da ich sowieso schon länger da saß, und habe gebadet, um den Schweiß und die klebrige Creme los zu werden.

Den Rest des Tages habe ich müde auf der Couch lesend verbracht. Ich glaube, von zu viel Sonne bekomme ich momentan Kopfschmerzen. Gestern war ich auch lange in der Sonne, und ich musste im Fitnessstudio mein Training abbrechen, weil nach den intensiven Übungen meine linke Schläfe so stark gepocht hatte. Oder der Schlafmangel ist Schuld. Richtig gut schlafen kann ich zur Zeit nicht.

Schöne Unbekannte

Ursprünglich hatte ich einen ganz anderen Beitrag vor. Er wäre bestimmt ziemlich lang geworden. Aber ich bin auf der Couch eingeschlafen. Daher gibt’s heute einfach ein Bild von dieser schönen Unbekannte, wie der Ehemann sie getauft hat, die auf der Wiese vor meinem Büro haufenweise wächst. Ein Hummelparadies, auch wenn gerade keine zu sehen ist.

Spargel-Orangensalat

Diesen Salat habe ich mir ausgedacht, um den Rest Spargel vom Risotto mit Spargelduo aufzubrauchen. Daher sind die Mengenangaben nicht so genau. Die Idee, Spargel mit Orange zu kombinieren, ist mir einfach so auf dem Markt in den Kopf gekommen, aber ich habe sie mir bestimmt irgendwo aufgeschnappt. Ich komme ja nicht aus einer Gegend, wo weißer Spargel so vergöttlicht wird wie in Deutschland. Eigentlich kannte ich aus meiner Provence nur die wilde, dünne, grüne Sorte aus dem Garten, die man hier als Kraut bezeichnen würde und aus der wir Omelette gemacht hatten. Ich habe gestaunt, das erste Mal, dass ich den dicken weißen Spargel gesehen habe. Ich kann mich nur nicht mehr erinnern, ob und wo ich diese Idee von Spargel mit Orange gelesen haben könnte. Egal. Lecker war’s.

Die Zutaten (für 2 Personen als kleine Vorspeise)

  • 1 mittelgroße Orange
  • 1 Bund minus 8 Stangen grüner Spargel
  • 1 Bund minus 4 Stangen weißer Spargel
  • 1 Schalotte
  • 1 gute Handvoll ganze Haselnüße
  • 1 Esslöffel Sonnenblumenkernöl
  • 2 Esslöffel von einem fruchtigen Essig (ich: selbstgemachter Heidelbeeressig vom letzten Sommer)
  • 2 Stangen glatter Petersilie
  • Salz

Die Zubereitung

  • In einer kleinen Salatschüssel, die Vinaigrette vorbereiten: Essig, Öl, Salz und die fein geschnittene Schalotte zusammen rühren.
  • Den Spargel waschen, schälen (weiß: über die ganze Länge, grün: den unteren Drittel), das harte Ende abschneiden und in mundgerechten Stücke schneiden. Beim grünen Spargel den Kopf länger schneiden und vollständig lassen.
  • In einem kleinen Topf, ein halbes Liter Salzwasser zum kochen bringen und die Spargelstücke ohne die grünen Köpfe drin zehn Minuten bei schwacher Hitze kochen. Abtropfen und abkühlen lassen.
  • Die Haselnüße mit einem scharfen Messer halbieren und in einer Pfanne ohne Fett so anrösten, dass die dünne braune Schale sich danach von selbst löst. Abkühlen lassen.
  • In der Pfanne, die Köpfe vom grünen Spargel mit Sonnenblumenkernöl scharf anbraten.
  • Die Orange schälen, die Filetstückchen halbieren und zur Vinaigrette geben.
  • Alle andere abgekühlte Zutaten zum Salat geben und mit den grob geschnittenen Petersilienblättern gut rühren.

Nährwertangaben

pro Portion fürs Rezept
Energie (kcal) 233 466
Eiweiß (g) 6,5 12,9
Kohlenhydrate (g) 16,2 32,3
davon Zucker (g) 13,5 27
Fett (g) 14,2 28,3
Ballaststoffe (g) 6,7 13,3

Das Wochenende in Bildern

Das Wochenende hat am Freitag nach Feierabend angefangen, als ich mich um halb fünf auf dem Weg zum Münchener Hauptbahnhof gemacht habe. Ich hatte mehr als genug Zeit, aber man weiß nie, mit ÖPNV. Ich bin eine Stunde vor Abfahrt des Zuges angekommen und habe es mir erstmals in der DB Lounge bequem gemacht. Ich hatte eine Fahrkarte in erster Klasse, also warum darauf verzichten? Dort kriegt man umsonst Speise und Getränke angeboten, und ich hatte Durst. Die Sitzplätze sind in der Lounge leider rar. Bis jetzt hatte ich immer Glück, und am Freitag konnte ich einen Sessel finden. Den letzten freien Sessel.

Die Fahrt selbst war in Ordnung, bis wir bei Zapfendorf eine ziemlich brutale Notbremse erleben durften. Mir gegenüber saß niemand, was gut war, da mein Handy und meine Brille vom Tisch aus zum leeren Sessel geflogen sind. Die Flasche Cola konnte ich gerade noch retten. Der Grund für diesen „außerplanmäßigen“ Aufenthalt: „Signalstörung“. Mein älterer Nachbar, der am Tisch auf der anderen Seite vom Gang saß, hat eine Weile gebraucht, um sich davon zu erholen, seinem lauten, aufgeregten Atem nach zu beurteilen. Die Weiterfahrt war anfangs zögerlich, und wir haben zwanzig Minuten Verspätung gesammelt. Da ich in erster Klasse saß, habe ich nicht mitbekommen, wie voll der Zug war, bis ich mich auf der Suche nach einer freien Toilette gemacht habe. Die Leute haben samt Gepäck mitten in den Fluren gesessen! Der Ehemann hat mich in Südkreuz abgeholt und wir sind direkt nach Hause gefahren.

An nächsten Morgen habe ich mich auf dem Balkon richtig gefreut: Die Nelken, die ich vor drei Jahren eingepflanzt hatte, haben endlich geblüht! Ich hatte schon die Hoffnung aufgegeben. Ich war zuletzt vor einem Monat in Berlin und habe die ganze Entwicklung nicht mitbekommen. Der Ehemann war so lieb und hatte mir zwischendurch Fotos von den Kuhschellen mit Schachbrettmuster geschickt, die dieses Jahr wieder gewachsen sind. Sonst hätte ich sie verpasst, sie sind schon verblüht. Wir sind früh zum Markt gegangen und unterwegs habe ich diese wunderschöne Blumen rechts in einem Garten entdeckt.

Es war ein sonniger Tag. Wir brauchten eigentlich nichts aus dem Markt, da der Ehemann schon eingekauft hatte. Am Abend waren wir zu einer Geburtstagsfeier eingeladen, und ich hatte Hummus versprochen. Mir fiel dann ein, dass wir am Sonntag den Schwiegervater einladen könnten, und dass wir für Montag auch etwas planen sollten. Spargel, Rotbarsch und Gnocchi haben den Weg zur Einkaufstüte gefunden. Auf dem Rückweg nach Hause haben wir eine gemütliche Mittagspause beim Franzoser um die Ecke gemacht. Austern für den Ehemann, Pastete für mich. Angestoßen haben wir. Zwei Jahre schon… Und schon das zweite Mal, das wir es versäumen, unseren Hochzeitstag zusammen zu feiern. Letztes Jahr war ich in Finnland, dieses Jahr war er in Israel. Etwas muss sich ändern.

Als wir nach der Mittagspause zu Fuß weiter gegangen sind, ist mir dieser Baum mit dem Riesenpilz am Fuß aufgefallen.

Auf der Geburtstagsfeier sind wir nicht sehr lange geblieben. Um elf Uhr abends waren wir zu Hause. Müde, und meine Periode war so stark… Eine ganze Woche zu früh. Seitdem ich die Pille nicht mehr einnehme, ist mein Zyklus wieder durcheinander. Vermutlich die Wechseljahre.

Am Sonntag wussten wir zuerst nicht, was wir machen wollten, bis ich vom Karneval der Kulturen gelesen habe. Ich mag keine Menschenmenge, aber gegen mittags war es noch angenehm. Was sich vom Namen her zuerst interessant anhörte, hat sich am Anfang nur als großer Markt mit einer Sammlung von unauthentisch „authentischen“ berliner Hipster-Buden mit Superfood entpuppt. Ich hatte irgendwie andere Erwartungen. Das Gelände der Veranstaltung ist ziemlich groß und nach einer Weile war das Angebot doch abwechslungsreicher. Bei einer afrikanischen Bude habe ich ein paar Leckereien probiert, und die Verkäuferin war erfreut, dass ich Französisch spreche. Auf einer Bühne konnte man Kinder einer Musik-Schule beklatschen, die auf Spanisch gesungen haben. Es gab sogar ein Stand mit polnischer Wurst.

Als es mir zu viele Leute wurden, sind wir gegangen. Kurz vor dem Umzug. Wir haben den alten St.-Matthäus-Kirchhof besucht, den ich noch nicht kannte. Dort sind viele bekannte Persönlichkeiten begraben, wie zum Beispiel die Brüder Grimm. Oder der Chemiker Eilhard Mitscherlich. Die Ruhe vom Friedhof war willkommen. Trotzdem konnte man von dort ganz schön laut den Umzug hören. Beim Verlassen des Friedhofs konnte ich mir noch unbekannte Wandmalereien bewundern. Berlin ist voll von solchen Schätzen. Es hat übrigens am Wochenende zum allerersten Mal den Berlin Mural Fest zum Thema gegeben. Habe ich zu spät erfahren. Wie immer.

Am Abend habe ich den Risotto mit Spargelduo für den Schwiegervater gekocht, und der Ehemann hat den Fisch gebraten. Wir waren alle vom Ergebnis begeistert. Und es gab wieder Anlass zum Anstoßen, denn der Ehemann hat endlich eine Stelle in München gefunden! Gut, ich wusste es, der Schwiegervater aber noch nicht. Der Vertrag muss noch unterschrieben werden, und wenn es wie geplant läuft, fängt er im August an. Gekündigt hatte er sowieso schon, für seine aktuelle Stelle, da wir herausgefunden haben, dass er Anspruch auf Arbeitslosengeld hätte, wenn er wegen mir umzieht. So wird jetzt der Umzug entspannter. Ich rechne damit, dass ich hier spätestens im Juli meine Küche habe. Ich vermisse sie. Den Ehemann auch, das dürfte klar sein.

Da es noch Spargel gab, habe ich sie alle für Montagmittag in einem leckeren Spargel-Orangensalat verarbeitet. Dazu gab’s die Rote-Bete-Gnocchi mit Mascarpone-Füllung aus dem Markt. Das Wetter war wieder toll und wir konnten den Balkon genießen.

Die Rückfahrt nach München lief ohne Problem. Fast. Es gab keine Gastronomie an Bord. Als ich es erfahren habe, war es zum Glück früh genug, um mir ein Sandwich und eine Flasche Apfelschorle in Südkreuz zu besorgen. Kontrolleure gab es anscheinend auch nicht, niemand hat nach Fahrkarten gefragt. Ob das Zugpersonal gestreikt hat? Kurz nach zehn war ich am Hauptbahnhof, und wegen zwei Minuten Verspätung durfte ich zwanzig Minuten lang auf meine nächste S-Bahn warten. Elf Uhr abends zu Hause.

Risotto mit Spargelduo

Die Zutaten (für 4 hungrige Personen)

  • 300 g Reis (runde Körner)
  • 1 Esslöffel Butter
  • 2 Schalotten
  • 1 Glas Weißwein, trocken
  • Gemüsebrühe
  • Grüner Spargel, 8 Stangen
  • Weißer Spargel, 4 Stangen
  • Glatte Petersilie, fein gehackt
  • Parmesan, gerieben

Die Zubereitung

  • Den Spargel waschen, schälen (weiß: über die ganze Länge, grün: den unteren Drittel), das harte Ende abschneiden und in mundgerechten Stücke schneiden.
  • In einem kleinen Topf, ein halbes Liter Salzwasser zum kochen bringen und die Spargelstücke drin zehn Minuten bei schwacher Hitze kochen.
  • In einer hohen Pfanne, die Butter schmelzen lassen und die klein geschnittenen Schalotten drin glasig dünsten.
  • Reis in die Pfanne hinzufügen und gut umrühren.
  • Weißwein zum Reis gießen und umrühren, bis die Flüssigkeit aufgekocht ist.
  • Nach und nach die Gemüsebrühe zum Reis geben und dabei ständig umrühren. Es soll immer ganz wenig Flüssigkeit vorhanden sein, um die Stärke aus dem Reis herauszuholen. Das führt dazu, dass am Ende der Risotto sämig wird.
  • Wenn der Reis gar ist, Spargelstücke, Parmesan und Petersilie runter mischen.
  • Auf Tellern anrichten und mit Parmesan und Petersilie bestreuen.

Nährwertangaben

pro Portion fürs Rezept
Energie (kcal) 402,5 1610
Eiweiß (g) 11,5 45,9
Kohlenhydrate (g) 58,1 232,3
davon Zucker (g) 1,8 7
Fett (g) 10,7 42,7
Ballaststoffe (g) 2,9 11,6

Erst prüfen, dann teilen

Das gilt sowohl für Falschmeldungen wie allgemein für Hoaxes. Ein sinnvoller Ratschlag, der von Hoaxbuster (auf Französisch) immer wieder empfohlen wird, und ich wünsche, meine Mami würde sich auch dran halten.

Heute Nachmittag habe ich eine private Nachricht von ihr via Facebook bekommen. Schon ungewöhnlich, vor allem, da wir uns keine Stunde später anrufen wollten. Ob etwas los war?

Nein. In der Nachricht war ein Foto von einem ausgedrucktem Brief, angeblich vom Uniklinikum in Nantes, wo ein Arzt nach einem Spender für eine Einjährige mit Leukämie sucht. Das Foto hatte ich schon ein paar Tage zuvor beim schnellen Durchscrollen bei einer anderen Person bemerkt und sofort ignoriert, denn es ziemlich stark nach einem Hoax roch. Es wundert mich immer wieder, was für ein Müll einige Leute ständig verbreiten, ohne ihre „Fakten“ zu prüfen.

Dass meine eigene Mutter es auch macht, das ist mir jetzt peinlich. Für mich. Weil ich dachte, ich hätte sie schon ausführlich über solche falsche Meldungen aufgeklärt und sie würde nicht reinfallen. Vor allem, da sie sonst nie Falschmeldungen auf Facebook teilt. Kurz habe ich mich gefragt, ob jemand Zugriff auf ihr Konto bekommen hätte. Aber am Telefon sagte sie auf Nachfrage, sie hätte wirklich selber die Nachricht geschickt. Die hätte sie von einer Freundin bekommen und schnell weiter geteilt, weil sie dringend klang, ohne sie überhaupt gründlich gelesen zu haben! Selbst den Text dazu hatte sie pauschal übernommen, wo drin steht, dass es sich um das Kind eines Freundes von ihr handelt! Ist es aber nicht!

In diesem Fall war es auch ganz leicht, die Meldung zu prüfen. Eine Google-Suche mit den Namen vom Klinikum und vom Arzt gab als erstes Ergebnis diese Erklärung vom Klinikum, wo drin steht, dass der Arzt (falls er überhaupt existiert) nie am Klinikum gearbeitet hat, und die angegebene Telefonnummer nicht mal vom Klinikum ist. Der Clou: Die Erklärung ist von 2009! Wenn es nicht genug ist, gibt es auch zahlreiche Pressemeldungen, die von der Rückkehr des Hoaxes letztes und dieses Jahr berichten. Die Dinger sind einfach nicht tot zu kriegen.

Mit Durchfall in den Tag

Dabei hatte ich so vieles vor, heute.

Putzen, zum Beispiel. Staubsaugen, Boden wischen, Fenster putzen wären dran.

Mit dem Fahrrad zum nächstgelegenen Feld fahren, um Tulpen für zu Hause selbst zu schneiden. Das habe ich schon länger vor.

Oder zum Sport gehen. Ich war gestern mit einer Kollegin dort, da Fitness First diese Freitagsaktion anbietet. Dadurch, dass ich ihr erstmals alle Geräte erklärt und aufgepasst habe, dass sie die Übungen richtig ausführt, bin ich nicht mal zur Hälfte meines üblichen Programms gekommen, und ich dachte, ich könnte am Wochenende nachholen.

Oder endlich mal ein Stück Kuchen bei der netten Bäckerei im Stadtzemtrum essen. Dort war ich bis jetzt nur zum Frühstücken, wenn der Ehemann zu Besuch kommt. Man kriegt sogar Eduroam, also könnte ich nach Herzenslust Fotos von den letzten Wanderungen hier und auf Facebook hochladen, ohne auf mein Datenvolumen mit miesem Empfang angewiesen zu sein.

Pustekuchen. Seit heute Morgen gurgelt mein Bauch, und alle zehn Minuten muss ich zur Toilette rennen. Ich wage es nicht mal, zum Penny runter zu laufen, um Klopapier zu kaufen. Ich hoffe, die zwei letzten Rollen, die ich noch habe, werden reichen, bis sich mein Darm beruhigt hat. Hoffentlich ist es nur ein kurzfristiges Verdauungsproblem. Ich habe mir vielleicht zu häufig Couscous mit dem Wasserkocher zubereitet.

Es hätte schlimmer sein können. Es hätte beim Wandern passieren können.

Feiertag

Ich sitze alleine auf der Couch im Wohnzimmer meiner sonst immer noch fast leeren Wohnung und genieße die freie Zeit. Mal nichts zu tun muss auch sein. Kein Pendeln. Morgen arbeite ich. Das Wetter is nicht so toll, mal Sonne, mal graue Wolken, frisch ist es, windig, und es soll noch regnen. Ich bleibe lieber zu Hause. Vielleicht schaffe ich es, die zahlreiche Fotos, die ich bei unseren Wanderungen in den letzten Wochenenden gemacht habe, fertig zu bearbeiten und einige davon hochzuladen. Wir hatten echt tolle Zeiten, das will ich hier fest halten.

Der Ehemann ist jetzt auf Reise mit seinen Kumpeln. Nicht für Vatertag. Ein Schulfreund hat Geburtstag und will in seiner Heimat groß feiern. Ein halbes Jahrhundert ist es wert. Die Jungs sind heute Nacht in Tel-Aviv gelandet und scheinen Spaß zu haben. Sei es ihnen gegönnt.

Spät schlafen konnte ich heute Morgen nicht. Einerseits mache ich mir immer Sorgen, wenn der Ehemann fliegt. Andererseits kann ich morgens eh schlecht schlafen, wenn Licht ins Schlafzimmer kommt. Trotz Außenjalousien wird es früh hell.

Gestern Abend war ich sowieso schon nach Feierabend auf der Couch eingeschlafen. Bestimmt zwei Stunden lang lag ich da, bis der Ehemann sich kurz vor Boarding meldete. Eine Migräne hatte ich bekommen, die erste seit längerer Zeit. Ich vermute, das Wetter war schuld. Wir haben Gewitter bekommen, und seit mittags fühlte ich mich im Büro unwohl. Der Himmel war sehr schwer mit bedrohlichen dicken grauen Wolken, zum Glück ist der Regen nicht so stark geworden.

Schon blöd, weil wir auf Arbeit eine Grillparty veranstaltet hatten. CEO#2, Mitgründer der Firma, der mein Vorstellungsgespräch geführt und die Entscheidung über meine Einstellung getroffen hatte, verlässt die Firma. Ganz freiwillig war das nicht, obwohl er versucht hat, es so darzustellen, als er uns vor drei Monaten informiert hatte. Seit der Übernahme der Firma vor einigen Jahren hatte er nur noch einen befristeten Vertrag, und dieser wurde einfach nicht verlängert. Stattdessen haben wir eine vom Mutterkonzern ausgewählte Frau bekommen, die sicherlich auch gut ist. Dass CEO#2 uns verlässt hat aber viele von uns überrascht und traurig gemacht, meinen direkten Chef deutlich spürbar.

Um mich bei CEO#2 für meine Einstellung zu bedanken, habe ich Taboulé für die Grillparty gemacht – nicht wie mein Salat mit Petersilie und Tomaten, sondern richtig im Ottolenghi-Tamimi-Stil, mit ganz dünn geschnittener Petersilie und Minze. War das vielleicht aufwendig! Das Waschen der Kräuter allein hat schon lange gedauert. Ich habe Krämpfe in der linken Hand bekommen, die die gestapelten Blätter die ganze Zeit zusammen gehalten hat, damit ich sie mit dem scharfen Messer vorsichtig schneiden konnte. Über drei Stunden habe ich gebraucht. So sorgfaltig war ich beim letzten Mal nicht. Dank Wasserkocher konnte ich sogar ein kleines bisschen Couscous reinmischen. Das Ergebnis war jedoch geschmacklich nicht ganz zu meiner Zufriedenheit. Dafür hätte ich mehr Gewürze gebraucht, die alle noch in meiner Küche in Berlin sind. Das native Olivenöl Extra von Kristal aus dem türkischen Gemüseladen hat meine Erwartungen nicht erfüllt. Trotzdem ist der Salat sehr gut angekommen, der Zitrone sei Dank.

Die Migräne habe ich gestern Abend mit Paracetamol und Süßigkeiten versucht zu vertreiben. Schlafen hat offenbar am besten geklappt. Heftige Krämpfe habe ich nach dem Aufwachen auf der Couch in den Waden und Füßen bekommen, obwohl ich regelmäßig Magnesiumcitrat einnehme, seitdem ich wieder so viel Sport treibe. Ich glaube, ich schlafe nicht genug.

Heute Abend mache ich mir einfach Couscous mit roher, frisch geschnittener Möhre und Paprika. Minze kommt noch rein, die ich vom Taboulé übrig habe. Ein Bier habe ich mir bei unserem Indthailiener hinter dem Bahnhof geholt – so von uns schmunzelhaft benannt, weil er Küche aus der ganzen Welt in seiner elend langer Menükarte anbietet. Trotzdem ist das Essen dort in Ordnung, wenn man keine Küche hat. Günstig auf jeden Fall.

Ach ja, Bier darf ich wieder trinken. Das Problemchen hat sich wie erwartet von alleine gelöst, was mich ehrlich gesagt sehr erleichtert. Auch im wahrsten Sinne des Wortes. Die drei Kilogramme, die ich trotz Sport und vorsichtiger Ernährung unfassbar schnell auf der Waage bekommen habe, sind wieder weg.