Fremd geschmust

Gestern bin ich auf dem Weg nach Hause eine S-Bahn-Station früher ausgestiegen. Mir war danach, ein bisschen zu laufen.

Die Straße geradeaus vom Bahnhof runter, dann links… Auf dem schon sehr engen Bürgersteig komme ich plötzlich hinter einem sehr langsamen, sehr übergewichtigen Mann, und ich wechsle die Straßenseite. Ein Glücksfall! Denn plötzlich ertönt rechts von mir seine Stimme: „Miaaaaauuuuu!“

Ich knie und strecke die Hand. Der Kater reibt sich sofort gegen sie. Voll verschmust ist er. So sehr, das hat mich überrascht. Auf einmal liegt er auf meinem Schoß, mit beiden Vorderpfoten auf meinem linken Arm, und läßt sich nur noch kraulen. Wahnsinn! Sicherlich gehört er jemandem. Ich versuche, in die ganz leicht zerfetzten Ohren zu schauen (so häufig kann er nicht raus gehen), aber ich kann mit den Haaren keine Tätowierung erkennen.

Nach einer Weile schmerzen meine Beine von der ungünstigen Lage. Ich schiebe ihn sanft zum Boden, um aufzustehen. Ein beleidigtes „Miau“ kommt als Reaktion. „Ich muss nach Hause, Tschüß!“ Gut, dass niemand gerade an uns vorbei kommt… Ich mache mich weiter auf den Weg. Aber als ich nach hinten schaue, ist er dabei, mir zu folgen! Ach, ob ich ihn nach Hause bringen soll? Also, es geht gar nicht, mit der Allergie vom Ehemann. Nach Chipie kommt keine Katze ins Haus mehr. Und der Kater gehört bestimmt jemandem. Nach einem letzten Kraulen gehe ich  weiter. Als ich eine kleine Kreuzung überquere, bleibt er stehen und guckt nur noch zu. Schon außerhalb von seinem Revier? Nach einer Weile geht er zur anderen Straßenseite, wobei ich ängstlich zuschaue, da Autos vorbei fahren. Er kommt ohne Problem aber auch ohne Eile durch, und springt über die Mauer zu einem Garten.

Ich denke, ich werde jetzt häufiger früher aus der S-Bahn aussteigen!


Dieser Beitrag ist ursprünglich auf Meckereien & Co. erschienen.

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