Wochenende in Berlin

Das Wochenende hat am Freitag nach einem frühen Feierabend angefangen, als ich mich auf den Weg zum Hauptbahnhof gemacht habe. Ich hätte die Arbeit später verlassen können, aber die U-Bahn hat mich schon mal im Stich gelassen und ich wollte das Risiko nicht eingehen, den Zug zu verpassen. Das Wetter war traumhaft und ich dachte, es wäre schön, unterwegs ein Eis zu essen. Besser doch erst zum Bahnhof ankommen, dort finde ich bestimmt ein gemütliches Eiscafé. Nicht. Ich glaube, alle Bahnhof-Vorplätze, die ich bis jetzt besucht habe, sind besser gestaltet als in München. Ich habe mir ein Eis bei den zwei asiatischen Frauen in der Bahnhof-Halle neben einem der Eingängen geholt, die meine Bestellung kaum verstanden haben, und habe es auf dem Bürgersteig neben den Taxis, aber immerhin in der Sonne, gegessen. Ich kenne mich in München in Sachen Eisdielen nicht aus, aber der Laden hinter dem Bahnhof Pasing, Buongiorno, bietet weitaus viel leckereren Eissorten an.

Der Ehemann hat mich am Bahnhof abgeholt und wir sind zum Savignyplatz Tapas essen gegangen. Das Restaurant, wo wir bei unserer ersten Nacht waren. Um die Uhrzeit wurden schon erste Tische auf der Terrasse wieder frei. Die Luft war wärmer als in München und wir haben einen schönen Abend dort verbracht, wobei es auffällig häufig Krankenwagen und Polizeiwagen zu hören gab. Ich vermute dass es mit dem Wetter zu tun hat. Ich hatte schon mal den Eindruck, dass die Leute in Berlin mit steigenden Temperaturen aggressiver werden, statt sich über das schöne Wetter zu freuen. Die anschließende Fahrt mit dem Taxi nach Hause hat meinen Eindruck nicht geändert. Zum Glück haben wir einen super coolen Fahrer erwischt, der nicht wie Sau fuhr und vom Dialekt her eindeutig Berliner war. So viele Leute haben uns unterwegs von rechts und links überholt, dass er auch meinte, das Wetter macht die Leute verrückt. Und auf der ganzen Strecke sind wir Polizeiwagen mit Blaulicht begegnet. Ich war froh, den Ehemann überredet zu haben, nicht mit ÖPNV nach Hause zu fahren.

Gestern konnten wir früh aufwachen, und ich bin zum Fitnessstudio gegangen, um beim Wassergymnastikkurs mitzumachen. Die Kursleiterin hat so ein tolles Intervall-Programm entwickelt, man fühlt sich nach einer Dreiviertelstunde ausgepowert, wenn man alles gibt. Trotzdem gab es viele ältere Leute im Wasser (geschätzt Ü70), die mit Freude in ihrem Tempo mitgemacht haben. Es ist super, wenn es Kurse gibt, wo jeder davon profitiert, egal in welchem Fitness-Zustand. Die anderen Wasser-Kurse, die ich bei Fitness First gemacht habe, ob in Berlin oder München, sind nicht so herausfordernd und ich habe danach nicht den Eindruck, wirklich etwas geleistet zu haben. Nach dem Sport sind wir zum Markt gegangen, um wieder mal leckere Crêpes zu essen. Groß war unsere Enttäuschung, als wir festgestellt haben, dass die Französin ihren Stand nicht mehr betreibt. Stattdessen sind wir zu einem französischen Lokal bei uns gegangen. Es ist eher ein Lebensmittel-Laden, wo der Besitzer vorne noch ein Paar Tische hingestellt hat und Kleinigkeiten zum Essen anbietet. Ich hatte eine grobe Pastete mit Cornichons. Echte Cornichons, nicht die, die mit Zucker eingelegt werden, nein, richtig sauer in Essig eingelegte Cornichons! Das tat so gut! Weil…

Ach ja. Ich wollte es nicht. Schließlich habe ich die Pille drei Monate lang genommen und es geschafft, mit gezielter Verschiebung der Einnahme meine Periode so anzupassen, dass der Eisprung in der Woche fällt. Vielleicht habe ich nicht mehr aufgepasst, die Samenzellen können ganz schön lange überleben… Jedenfalls habe ich den Eisprung nach drei Monaten Abwesenheit genau so pünktlich wie erwartet deutlich gespürt und dem Ehemann zu verstehen gegeben, dass wir aufpassen sollten. Haben wir. Es war am Osterwochenende, und trotz hormoneller Planung waren wir also fürs lange Wochenende zusammen. Ich vermute, dass es noch Samenzellen vom vorherigen Wochenende gab. Sonst kann ich nicht erklären, wieso meine Periode bis jetzt ausgeblieben ist, ich trotz fleißigem Kaloriendefizit und Sport plötzlich leicht zunehme, die leichte Übelkeit, die mich seit einigen Tagen begleitet und dieses charakteristisches Ziehen im Unterleib spüre. Et merde. Ich bin immer noch in der Probephase. Das Gute ist, dass man es bis Juli nicht merken wird, und bis jetzt ist mein Chef mit mir sehr zufrieden. Andererseits hat die Erfahrung gezeigt, dass es eh sehr wahrscheinlich nicht halten wird. Mal schauen. Jetzt soll gefälligst der Ehemann endlich zu mir ziehen, auch wenn er erstmal Arbeitslos ist. Ein Anspruch auf Arbeitslosengeld hätte er trotz Kündigung, weil ich für die Arbeit umziehen musste. Ich bin es satt, in schwierigen Situationen alleine klar kommen zu müssen. Wie bei der letzten Fehlgeburt, oder bei dem Tod meiner Katze.

So. Heute haben wir Freunde zum Brunch eingeladen und ich hatte viel Spaß daran, für sie in der Küche zu werken. Ich vermisse meine Küche. Es gab Hummus, Avocado-Aufstrich, Bohnen-Salat, Taboulé, Obstsalat… Ich dachte, es wäre zu viel, aber die haben ordentlich rein gehauen. Nach diesem schönen Nachmittag auf dem Balkon sitze ich jetzt wieder im Zug und bin in einer Stunde zu Hause.


Dieser Beitrag ist ursprünglich auf Meckereien & Co. erschienen.

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2 Gedanken zu “Wochenende in Berlin

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