Die Isar-Wanderung – Tag 3

Der dritte Tag unserer Wanderung fängt mit Regen an. Als wir jedoch fertig gefrühstückt haben und aus dem Hotel raus kommen, ist es nur noch grau, und die Sonne lässt sich nach einer Weile wieder blicken. Trotzdem ist es gut, dass ich diesmal meine lange Sporthose und mein dünnes Pulli mit langen Ärmeln an habe. Es ist ein bisschen frisch.

Wir wollen heute bis Bad Tölz. Es sind wie gestern um die 25 Kilometer. Ich fühle mich nicht so fit und die Blase unter dem kleinen Zeh stört mich. Der Ehemann hat mich davon abgeraten, sie zu platzen. Hätte ich sonst längst gemacht. Eine Nadel habe ich.

Als wir das Hotel verlassen und überlegen, in welche Richtung es denn geht, begrüßt uns ein junges Paar. Der Mann meint, wir wären uns gestern begegnet. Der Ehemann scheint sich daran zu erinnern. Ich nicht. Aber ich habe bekanntlich keine Gesichtserkennungssoftware im meinem Gehirn installiert. Nach ein bisschen Plaudern machen wir uns auf den Weg. Ab zur Brücke. Nach dem Regen fühlt sich die Luft schön frisch an und die Aussicht zum Sylvensteinsee ist bezaubernd.

Leider ist es Montag, und kein Feiertag. Ein LKW rauscht nah an uns vorbei, als wir auf der Brücke gehen. Der Wind, der dadurch verursacht wird, zieht sehr stark und stresst mich. Am Ende der Brücke hört der Bürgersteig auf. Ein Schild informiert die Autofahrer darüber, dass sie nun 1,4 Kilometer lang auf Fahrradfahrer auf der kurvenreichen Straße achten müssen. Sprich, wir müssten auch so lange am Rande der Straße gehen. Ein zweiter LKW rast vorbei. Mir wird es zu unheimlich, und ich überzeuge den Ehemann, zurück zum Hotel zu gehen und uns ein Taxi bis zur nächsten sicheren Wandergelegenheit zu bestellen. Vielleicht ist es an Wochenenden entspannter, da lang zu wandern, wie Komoot vorgeschlagen hat, aber heute grenzt es an einem Selbstmord. Auf dem Weg zum Hotel gehen wir durch das Zentrum von Fall. Die Ortschaft ist sehr überschaubar. Eine Tafel informiert uns darüber, dass die Schriftstellerin Frieda Runge hier einige Jahre gelebt hatte. Ich kenne sie nicht und denke, ich sollte bei Gelegenheit in einer Buchhandlung schauen.

Der Taxi bringt uns zum Bahnhof von Lenggries im Isarwinkel und wir sparen uns so einen guten Teil der Strecke. Inzwischen strahlt die Sonne, als ob der Regen nie gewesen wäre. Ab hier ist der Weg bis Bad Tölz sehr angenehm. Schön gepflegt und flach, vielleicht sogar unterfordernd. Aber ich beschwere mich nicht, am dritten Tag ohne Erholung bin ich müde. Bis Lain am Arzbach laufen wir an kleinen Wohngebieten vorbei, danach sind wir wieder in der Natur. Ob es sich um ein Naturschutzgebiet handelt, weiß ich nicht mehr. Die Wiesen sind mit Elektrozaun gesperrt – nicht, dass ich dorthin gehen würde. Die Isar schlendert hier fast sinusoidal, wobei man es beim Gehen nicht merkt, nur auf der Karte. Ein Schild informiert über die hier lebenden bedrohten Arte. Ich halte die ganze Zeit Ausschau, aber eine andere Kreuzotter sehe ich nicht. Gestern war ein Glücksfall.

Unterwegs freue ich mich – wie immer – über die vielen Blumen. Heute sind es Maiglöckchen, die wir überall kürz vor Bad Tölz sehen. Fast pünktlich für den 1. Mai.

Obwohl wir dank Taxi nur noch um die zwölf Kilometer gehen, kommt mir das Ende der Wanderung elend lang vor. Die Blase unter dem kleinen Zeh ist immer noch da und ich merke, dass ich beim Gehen eine Schonhaltung annehme, wodurch die Innenseite vom Fuß jetzt schmerzt. Nicht gut. Wir kommen in Bad Tölz relativ früh an uns gönnen uns ein Stück Kuchen in einem Café, bevor wir zum Hotel gehen. „Ein Hotel mit Spa“, hatte der Ehemann versprochen. Die Ausstattung ist jedoch enttäuschend. In Fall war es viel größer und gemütlicher. Dazu kommt, dass sich heute eine Familie mit Kleinkindern im Schwimmbad neben dem Whirlpool breit gemacht hat, und die Kinder mit Wasserpistolen nur am Rumschreien waren. In einem Spa-Bereich. Erholung null. Wir sind nach der Sauna schnell raus gegangen und haben beim Ratskeller gegessen.

Hiermit endet unsere Isar-Wanderung. Den Rückweg nach München machen wir am nächsten Tag mit der Bahn, mit zwischendurch einer Schifffahrt von Seeshaupt bis Starnberg.


Dieser Beitrag ist ursprünglich auf Meckereien & Co. erschienen.

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Die Isar-Wanderung – Tag 2

Wir starten den Tag nach einer sehr guten Nacht Schlaf mit erstaunlich wenig Muskelkater. Ich hatte Schlimmeres befürchtet. Nach einem leckerem Frühstück lassen wir uns Lunchpakets vorbereiten und gehen relativ früh los. Na ja, gegen zehn Uhr morgens. „Heute wird es leichter“, sagt der Ehemann. „Wir haben viel mehr Zeit als gestern“, sagt er. „Das schaffen wir locker“, sagt er. Ich klinge jetzt wie dieser Legionär in Asterix. Geplant sind um die 25 Kilometer. „Diesmal ohne Umweg“, antworte ich.

Wir verlassen Wallgau. Der Blick vom Dorf mit der Kirche und ihrem Friedhof, der grünen Wiese und den Bergen im Hintergrund ist entzückend.

Da gestern meine Schulter auf die Dauer so starke Schmerze bekommen haben, beschliesse ich, meine Wanderstöcke einzusetzen. So bleiben meine Arme und mein oberer Rücken in Bewegung, und hoffentlich hilft es.

Nach kurzer Zeit erreichen wir eine Brücke und gehen rechts an der Isar entlang. Pferdereiter sind auf den Kiesbänken unterwegs. Außer uns geht ein Mann mit seinem Hund spazieren. Es ist sehr ruhig hier. Am Rande des Flusses stehen viele Holzstöcke, und auf diesen haben Unbekannte Steinmännchen gebaut.

Wir machen uns auf dem Weg zum Vorderriß, nachdem wir unter einem Elektrozaun ganz flach kriechen müssen, weil wir plötzlich gemerkt haben, dass wir vom Weg getrennt sind. Dreieinhalbstunden Fußmarsch, steht auf dem Schild. Wir folgen zuerst dem „schönen breiten Weg zur Auhütte ohne Stufen“. Der Weg geht hoch, aber nicht so steil wie gestern, und wir laufen eine ganze Weile auf dem Radweg mit der Isar links unter uns. Als wir auf einem Stapel von Baumstämmen kurze Pause machen und ein Brötchen essen, überholt uns der Mann aus Wallgau mit seinem Hund.

Auf dem Weg zum Vorderriß begegnen wir sehr vielen Radfahrern. Die meisten sind freundlich und begrüßen uns mit „Servus!“. Ich gewöhne mich langsam dran. Ich glaube, dass ist die Begrüßung, die mir in Bayern am besten gefällt. „Grüß Gott“ passt nicht, dafür bin ich zu ungläubig. „Grüß Sie“ oder „Grüß di“ ist nett, aber da muss ich mich immer entscheiden, ob duzen oder siezen, und bis ich mir die Begrüßung zurecht überlegt habe, ist es schon zu spät. „Servus“ ist gut.

Der Radweg ist nicht ohne, da er ständig hoch und runter geht. Die Leute sehen alle so fit aus und fahren so schnell hoch und lächeln dabei, es ist deprimierend. Ich habe erst in Berlin angefangen, für längeren Strecken das Fahrrad zu benutzen. Es ist dort so schön flach. Hier? Keine Chance. Ich würde nur absteigen und das Rad schieben wollen. Können wir uns gleich sparen und zu Fuß wandern. Es tut mir also gut, als wir kurz vor dem Vorderriß den steilen Weg runter gehen und eine junge Frau auf ihrem Rad uns keuchend entgegen kommt, bevor sie aussteigt und schiebt. Ihr Freund hinter ihr scheint auch zu leiden. Ich bin doch nicht nur von Übermenschen umgeben!

Heute sind die Schnecken unterwegs. Wir sehen viele mitten im Weg (immer noch der Isar-Radweg) und wundern uns, dass keine noch überfahren oder getreten wurde. Apropos Schnecken. Kennt ihr die Geschichte von Crunch die Schnecke? Es war einmal eine Schnecke, die die Straße überqueren wollte. Plötzlich kam ein Auto, und Crunch die Schnecke!

Die Flora ändert sich. Wir treffen zunehmend uns vertrauten Arte.

Als wir endlich am Vorderriß ankommen, machen wir eine längere Pause am Flussufer unter der Brücke. Ich esse mein zweites Brötchen, ziehe meine Wanderschuhe aus und gehe ins Wasser. Ganz kurz. Das Wasser ist eiskalt und wenn ich länger als zehn Sekunden drin bleibe, schmerzen meine Beine. Ich gehe mehrmals hinter einander. Eiskalt, aber es tut gut. Wir bleiben eine ganze Stunde da. Der Ehemann schläft ein.

Weiter über die Brücke zur linken Seite der Isar. Auf der Straße. Nach der nächsten Brücke zurück zur rechten Seite, und da sehen wir ein Gasthof mit vielen Motorrädern geparkt. Wir sitzen uns an einem langen Holztisch hin, aber das Weißbier schmeckt von weitem nicht so gut wie gestern unter der Geisterklamm.

Nach dem Bier geht’s auf den Kiesbänken. Man glaubt zuerst, alleine zu sein, um plötzlich zu merken, dass es nur von Menschen wimmelt. In einer Holzbarrikade sonnt sich eine Frau. Ich merke sie erst, als sie aufsteht. Weiter weg ist eine Familie mit Kleinkind. Überall sind einzelne Personen unterwegs.

Ich übe mich im Steinmännchen basteln, aber es sieht von weitem nicht so elegant wie die anderen aus. Kein Gefühl von Leichtigkeit und Balance. Es wirkt wie ein Klotz. Ich kann Mauer bauen. Mein Steinmännchen wird nicht umkippen.

Da wir irgendwann Richtung Fall gehen müssen, beschließt der Ehemann, uns durch Dickicht zum nächsten Weg zu führen. Ich motze. Ich mag es nicht, durchs Unterholz zu gehen. Da ist kein Weg. Ich mache vieles kaputt. Überall haben Spinnen ihre Netze gespannt, um mich zu fangen.

Als wir endlich zum Weg kommen, bleibt der Ehemann vorne. Er trampelt und schaut, ich weiß nicht wohin, aber nicht auf den Weg, den er gerade betritt. Hören tut es scheinbar auch nicht richtig. Ich schon. Es zischt. Oder es faucht. Ganz schön laut. Ununterbrochen. Ich kann es nicht so gut beschreiben aber es kommt mir sehr bekannt vor. Und als der Ehemann unwissend weiter geht und mir die Sicht von dem, was vor ihm lag, nicht mehr sperrt, kann ich nur noch „Ach du meine Güte“ rufen. Er dreht sich um. Die total angepisste Kreuzotter ist schon zur Hälfte ins Gebüsch links vom Weg verschwunden, als er sie wahrnimmt. „Die war aber nicht so groß“, behauptet er nachher. Die hat er nicht in der ganzen Länge gesehen. Ich habe keine Phobie vor Schlangen wie bei Spinnen, aber vor der habe ich schon Respekt.

Nach einem langen Fußmarsch unterbrochen von Minipausen kommen wir am Hotel. Das einzige Hotel in Fall. Ich bin froh, da zu sein. Ich bin völlig platt. Unter meinem kleinen rechten Zeh hat sich eine Blase gebildet. Eine tolle Überraschung war der Spa-Bereich. Das hatte mir der Ehemann verschwiegen. Wir hüpfen ganz kurz ins Whirlpool und in die Sauna, bevor wie zum Restaurant essen gehen. Brotzeitbrettl mit Obazda. Doch gar nicht so klein, das Brettl. Aber da fddb behauptet, in nur drei Stunden leichter Wanderung verbrennt man über 1000 kcal, und wir viel länger mit schweren Rucksäcken gegangen sind, mache ich mir keine Gedanke darüber, wie viel ich esse.

Ich habe jedenfalls etwas Wichtiges gelernt: Beim Wandern mit Rucksack ist es sehr ratsam, die Arme ständig in Bewegung zu halten. Mit Wanderstöcken geht es automatisch. Auf der Art konnte ich Schmerze in den Schultern deutlich reduzieren. Schon komisch, dass ich vor gut zehn Jahren mit dem selben Rucksack einen zweiwöchigen Urlaub in Finnland alleine gemacht hatte, und ich mich nicht erinnern kann, dass ich solche Probleme bekommen hatte. Vielleicht habe ich es aus meinem Gedächtnis verdrängt. Ich war auch zehn Jahre jünger.


Dieser Beitrag ist ursprünglich auf Meckereien & Co. erschienen.

Die Isar-Wanderung – Tag 1

Auf die Idee, eine mehrtägige Wanderung mit Rucksack entlang der Isar zu machen, sind wir im Herbst gekommen. Auf Arte lief eine Dokumentation über diesen Fluss, die uns völlig begeistert hat. Wir haben beschlossen, irgendwann im Frühling eine Woche Urlaub zu nehmen, und dort zu wandern. Damals wussten wir noch nicht, dass ich die Stelle bei München antreten würde. Um so besser.

Wir haben das lange Wochenende vom 1. Mai angepeilt. Den Brückentag durfte ich trotz Probephase frei nehmen. Der Ehemann hat die Tour organisiert und ich habe mich überraschen lassen. Wir hatten Glück, mit dem Wetter. Ich hatte mir schon vorgestellt, wie wir unter Regen auf schlammigen Wegen gehen würden. Regenjacke und Wanderstöcke habe ich eingepackt. Das Wetter war doch fantastisch sonnig und schon fast zu warm für eine Wanderung mit Rucksack.

Wir sind mit der Bahn bis Scharnitz gefahren, im Karwendel, direkt hinter der Grenze mit Österreich. Von dort aus wollten wir die Isar ein Stückchen auf ihrem Weg nach München begleiten. Natürlich nach einem Kaffee, dachten wir. Nein. Scharnitz wirkt wie ein Geisterdorf. Am Bahnhof gibt es kein Café. Das Restaurant sieht von weitem ungepflegt aus, und der Eindruck verbessert sich nicht, wenn man näher kommt. Die Fensterscheiben sind mit Staub und Spinnennetzen bedeckt. An der Tür hängt ein Schild: „Wegen Krankheit vorübergehend geschlossen“. Tja. Es wird wohl nichts mehr mit dem Restaurant. Dem Imbiss zwei Häuser weiter geht’s nicht besser. „Haus zum verkaufen“, kann man an der Tür lesen. Wir fangen die Wanderung ohne Kaffee an.

Nach der Kreuzung, an der die Straße gerade renoviert wird, und über die Brücke: Da sieht man schon die Isar! Ganz wild und schnell fließt sie weg. Wir schauen mutige Kayakfahrer zu und folgen dem kleinen Weg entlang der Isar. Einige Leute sind unten auf den Kiesbänken beim Sonnen oder machen Feuer. Sie haben scheinbar die Schilder nicht gelesen, mit der Botschaft „Der Riedboden ist eigentlich ein „Kulturschutzgebiet“.“ Eigentlich. Von April bis August brüten genau dort Flussuferläufer und Flussregenpfeifer. Wir bleiben oben auf dem Weg, wobei wir versuchen, ein bisschen abseits näher am Fluß zu gehen. Es sind viele Fahrräder unterwegs. Einen Wanderweg gibt es an der Isar nicht, man benutzt den Isar-Radweg.

Als wir also abseits vom Weg laufen, kommen wir an einen Mann im Adamkostüm vorbei, der sich gut versteckt in der Sonne bräunen lässt. Da wir nicht besonders leise waren, denke ich, er hat uns längst gehört, und ich rufe „Servus!“, wie alle Leute uns bis jetzt begrüßt haben, um nicht unhöflich zu sein. Der Mann reagiert panisch, er war scheinbar doch am Schlafen gewesen. Das tut mir Leid, ihn in seiner Ruhe so erschreckt zu haben. Und unser Weg hat sich als Sackgasse erwiesen, wir mussten nochmal an ihm vorbei, zurück zum Radweg.

Kurz vor Mittenwald sehen wir einen hübschen kleinen Weg hoch gehen. Der Ehemann schaut auf seinem Handy und meint, wir wären gut in der Zeit, wir könnten einen Abstecher zur Geisterklamm machen. Warum nicht, denke ich naiv. Es ist aber eine Sache, mit Rucksack auf flachem Weg zu gehen, und eine ganz andere, damit einen langen, steilen Weg hoch zu gehen. War das hart! Zwischendurch kommen wir an eine Gaststätte vorbei, um enttäuscht festzustellen, dass diese erst ab dem 1. Mai öffnet. Bei dem tollen Wetter und den vielen Leuten, die unterwegs sind, eindeutig ein Fehler.

Wir gehen weiter hoch bis zur Bayern-Österreich-Grenze und sind ein zweites Mal enttäuscht: Der Weg zur Geisterklamm ist gesperrt! Die Information hätten wir gerne unten gesehen, wo die erste Hinweisschilder zur Klamm standen, bevor wir mühsam hoch gegangen sind. Wir gehen den Weg zurück nach unten und kommen endlich an einem kleinen Biergarten vorbei, der geöffnet hat. Die Pause tut gut. Und weiter geht’s Richtung Mittenwald, wobei der Ehemann merkt, dass er sich verschätzt hat und wir noch nicht die Hälfte der Strecke bis zu unserer ersten Übernachtung bei Krün geschafft haben. Die Meldung schafft mich. Der Rucksack ist schwer.

In Mittenwald angekommen, muss ich feststellen, dass die Häuser genau so kitschig wir in Garmisch-Patenkirchen sind. Wir gehen den Weg mit den Treppen hoch in Richtung Krün. Ich denke schon nur noch daran, endlich im Hotel zu sein und meine Wanderschuhe auszuziehen. Wie frustrierend, die ganze Zeit an der Isar zu laufen, und seine Füße nicht im Wasser abzukühlen! Ich dachte, wenn ich es tue, kriege ich die Füße danach nicht mehr in die Schuhe rein. An einer Stelle wasche ich mir doch kurz die Hände und das völlig versalzene Gesicht.

Nahe am Kraftwerkgelände bei Krün sind wir Zeuge einer Eskapade von Ziegen aus ihrer Wiese. Die eine bannt sich einen Weg unter dem Stacheldraht, die Anderen folgen ihr, bis sie alle vor dem geschlossenen Tor vom Gelände stehen bleiben und warten. Die Ziegen sind alleine. Kein Mensch, kein Hund. Ob sie das häufiger so machen?

Mittlerweile ist mein Rucksack wirklich schwer geworden. Meine Schulter schmerzen, obwohl sein Gewicht um die Hüfte fest sitzt. Ich spüre seitlich von den Oberschenkeln eine sehr angestrengte Muskulatur, deren Existenz mir bis jetzt im Verborgen geblieben war. Die Abduktoren sind es nicht, ich trainiere sie häufig im Fitnessstudio. Nee, diese neuen Muskeln sitzen tiefer. Ich wage es, dem Ehemann meine Beschwerde anzuvertrauen, und er gibt zu, dass er auch diese Muskeln spürt. Er meint, er hat die Strecke vielleicht unterschätzt. Es beruhigt mich. Ich bin doch nicht so ein Sensibelchen, und es liegt nicht an meiner Periode, die ausgerechnet jetzt extrem stark ist. Schwanger bin ich definitiv nicht mehr. Unser Trinkwasser geht auch noch aus.

An Krün vorbei, müssen wir weiter bis Wallgau laufen. Der Weg scheint mir elend lang zu sein. Als wir endlich am Hotel ankommen, stürze ich mich als Erste unter die Dusche. Wir essen im Restaurant, alles schmeckt wunderbar. Wildgeschnetzeltes mit Spätzle und Rosenkohl. Schokoladensoufflé. Enziangeist. Der Geschmack erinnert mich ein bisschen an Radieschen. Um nicht mal zehn fallen wir ins Bett. Erschöpft. Der Ehemann massiert mir noch den Raum zwischen den Schulterblättern, es ist dringend notwendig. Ich revanchiere mich bei seinen Waden. Und dann fallen wir um.

Wir sind an diesem ersten Tag mit dem Abstecher fast 21 Kilometer in sechs Stunden gelaufen – Pausen nicht aus der Zeit abgezogen. Es klingt nicht viel, jedoch war es mit dem Rucksack sehr hart. Ich überlege, was ich zu Hause hätte lassen können, aber alles drin brauche ich. Leichte Sportkleider, Unterwäsche, eine Hose, ein Sweatshirt und leichte Schuhe für den Abend, Latschen, Duschzeug, Sonnencreme, Wasserflasche, Regenjacke, Wanderstöcke. Ich glaube, der Rucksack selbst ist zu schwer.

Unterwegs war ich jedenfalls begeistert von den vielen Blumen. Erika, Silberwurz, Enzian… Dafür sind wir kaum Insekten begegnet. Die wenigen Bienen, die wir gesehen haben, sind ganz klein.


Dieser Beitrag ist ursprünglich auf Meckereien & Co. erschienen.

Fremd geschmust

Gestern bin ich auf dem Weg nach Hause eine S-Bahn-Station früher ausgestiegen. Mir war danach, ein bisschen zu laufen.

Die Straße geradeaus vom Bahnhof runter, dann links… Auf dem schon sehr engen Bürgersteig komme ich plötzlich hinter einem sehr langsamen, sehr übergewichtigen Mann, und ich wechsle die Straßenseite. Ein Glücksfall! Denn plötzlich ertönt rechts von mir seine Stimme: „Miaaaaauuuuu!“

Ich knie und strecke die Hand. Der Kater reibt sich sofort gegen sie. Voll verschmust ist er. So sehr, das hat mich überrascht. Auf einmal liegt er auf meinem Schoß, mit beiden Vorderpfoten auf meinem linken Arm, und läßt sich nur noch kraulen. Wahnsinn! Sicherlich gehört er jemandem. Ich versuche, in die ganz leicht zerfetzten Ohren zu schauen (so häufig kann er nicht raus gehen), aber ich kann mit den Haaren keine Tätowierung erkennen.

Nach einer Weile schmerzen meine Beine von der ungünstigen Lage. Ich schiebe ihn sanft zum Boden, um aufzustehen. Ein beleidigtes „Miau“ kommt als Reaktion. „Ich muss nach Hause, Tschüß!“ Gut, dass niemand gerade an uns vorbei kommt… Ich mache mich weiter auf den Weg. Aber als ich nach hinten schaue, ist er dabei, mir zu folgen! Ach, ob ich ihn nach Hause bringen soll? Also, es geht gar nicht, mit der Allergie vom Ehemann. Nach Chipie kommt keine Katze ins Haus mehr. Und der Kater gehört bestimmt jemandem. Nach einem letzten Kraulen gehe ich  weiter. Als ich eine kleine Kreuzung überquere, bleibt er stehen und guckt nur noch zu. Schon außerhalb von seinem Revier? Nach einer Weile geht er zur anderen Straßenseite, wobei ich ängstlich zuschaue, da Autos vorbei fahren. Er kommt ohne Problem aber auch ohne Eile durch, und springt über die Mauer zu einem Garten.

Ich denke, ich werde jetzt häufiger früher aus der S-Bahn aussteigen!


Dieser Beitrag ist ursprünglich auf Meckereien & Co. erschienen.

Wochenende in Berlin

Das Wochenende hat am Freitag nach einem frühen Feierabend angefangen, als ich mich auf den Weg zum Hauptbahnhof gemacht habe. Ich hätte die Arbeit später verlassen können, aber die U-Bahn hat mich schon mal im Stich gelassen und ich wollte das Risiko nicht eingehen, den Zug zu verpassen. Das Wetter war traumhaft und ich dachte, es wäre schön, unterwegs ein Eis zu essen. Besser doch erst zum Bahnhof ankommen, dort finde ich bestimmt ein gemütliches Eiscafé. Nicht. Ich glaube, alle Bahnhof-Vorplätze, die ich bis jetzt besucht habe, sind besser gestaltet als in München. Ich habe mir ein Eis bei den zwei asiatischen Frauen in der Bahnhof-Halle neben einem der Eingängen geholt, die meine Bestellung kaum verstanden haben, und habe es auf dem Bürgersteig neben den Taxis, aber immerhin in der Sonne, gegessen. Ich kenne mich in München in Sachen Eisdielen nicht aus, aber der Laden hinter dem Bahnhof Pasing, Buongiorno, bietet weitaus viel leckereren Eissorten an.

Der Ehemann hat mich am Bahnhof abgeholt und wir sind zum Savignyplatz Tapas essen gegangen. Das Restaurant, wo wir bei unserer ersten Nacht waren. Um die Uhrzeit wurden schon erste Tische auf der Terrasse wieder frei. Die Luft war wärmer als in München und wir haben einen schönen Abend dort verbracht, wobei es auffällig häufig Krankenwagen und Polizeiwagen zu hören gab. Ich vermute dass es mit dem Wetter zu tun hat. Ich hatte schon mal den Eindruck, dass die Leute in Berlin mit steigenden Temperaturen aggressiver werden, statt sich über das schöne Wetter zu freuen. Die anschließende Fahrt mit dem Taxi nach Hause hat meinen Eindruck nicht geändert. Zum Glück haben wir einen super coolen Fahrer erwischt, der nicht wie Sau fuhr und vom Dialekt her eindeutig Berliner war. So viele Leute haben uns unterwegs von rechts und links überholt, dass er auch meinte, das Wetter macht die Leute verrückt. Und auf der ganzen Strecke sind wir Polizeiwagen mit Blaulicht begegnet. Ich war froh, den Ehemann überredet zu haben, nicht mit ÖPNV nach Hause zu fahren.

Gestern konnten wir früh aufwachen, und ich bin zum Fitnessstudio gegangen, um beim Wassergymnastikkurs mitzumachen. Die Kursleiterin hat so ein tolles Intervall-Programm entwickelt, man fühlt sich nach einer Dreiviertelstunde ausgepowert, wenn man alles gibt. Trotzdem gab es viele ältere Leute im Wasser (geschätzt Ü70), die mit Freude in ihrem Tempo mitgemacht haben. Es ist super, wenn es Kurse gibt, wo jeder davon profitiert, egal in welchem Fitness-Zustand. Die anderen Wasser-Kurse, die ich bei Fitness First gemacht habe, ob in Berlin oder München, sind nicht so herausfordernd und ich habe danach nicht den Eindruck, wirklich etwas geleistet zu haben. Nach dem Sport sind wir zum Markt gegangen, um wieder mal leckere Crêpes zu essen. Groß war unsere Enttäuschung, als wir festgestellt haben, dass die Französin ihren Stand nicht mehr betreibt. Stattdessen sind wir zu einem französischen Lokal bei uns gegangen. Es ist eher ein Lebensmittel-Laden, wo der Besitzer vorne noch ein Paar Tische hingestellt hat und Kleinigkeiten zum Essen anbietet. Ich hatte eine grobe Pastete mit Cornichons. Echte Cornichons, nicht die, die mit Zucker eingelegt werden, nein, richtig sauer in Essig eingelegte Cornichons! Das tat so gut! Weil…

Ach ja. Ich wollte es nicht. Schließlich habe ich die Pille drei Monate lang genommen und es geschafft, mit gezielter Verschiebung der Einnahme meine Periode so anzupassen, dass der Eisprung in der Woche fällt. Vielleicht habe ich nicht mehr aufgepasst, die Samenzellen können ganz schön lange überleben… Jedenfalls habe ich den Eisprung nach drei Monaten Abwesenheit genau so pünktlich wie erwartet deutlich gespürt und dem Ehemann zu verstehen gegeben, dass wir aufpassen sollten. Haben wir. Es war am Osterwochenende, und trotz hormoneller Planung waren wir also fürs lange Wochenende zusammen. Ich vermute, dass es noch Samenzellen vom vorherigen Wochenende gab. Sonst kann ich nicht erklären, wieso meine Periode bis jetzt ausgeblieben ist, ich trotz fleißigem Kaloriendefizit und Sport plötzlich leicht zunehme, die leichte Übelkeit, die mich seit einigen Tagen begleitet und dieses charakteristisches Ziehen im Unterleib spüre. Et merde. Ich bin immer noch in der Probephase. Das Gute ist, dass man es bis Juli nicht merken wird, und bis jetzt ist mein Chef mit mir sehr zufrieden. Andererseits hat die Erfahrung gezeigt, dass es eh sehr wahrscheinlich nicht halten wird. Mal schauen. Jetzt soll gefälligst der Ehemann endlich zu mir ziehen, auch wenn er erstmal Arbeitslos ist. Ein Anspruch auf Arbeitslosengeld hätte er trotz Kündigung, weil ich für die Arbeit umziehen musste. Ich bin es satt, in schwierigen Situationen alleine klar kommen zu müssen. Wie bei der letzten Fehlgeburt, oder bei dem Tod meiner Katze.

So. Heute haben wir Freunde zum Brunch eingeladen und ich hatte viel Spaß daran, für sie in der Küche zu werken. Ich vermisse meine Küche. Es gab Hummus, Avocado-Aufstrich, Bohnen-Salat, Taboulé, Obstsalat… Ich dachte, es wäre zu viel, aber die haben ordentlich rein gehauen. Nach diesem schönen Nachmittag auf dem Balkon sitze ich jetzt wieder im Zug und bin in einer Stunde zu Hause.


Dieser Beitrag ist ursprünglich auf Meckereien & Co. erschienen.

SEV nimmt kein Ende

Oder, um ein altes und gerade sehr passendes Sprichwort zu zitieren: Quand y’en n’a plus, y’en a encore. Ich weiß jetzt nicht, wie es ins Deutsche übersetzt wird, und um die späte Uhrzeit ist es mir egal.

Heute früh, kurz nach sieben Uhr morgens. Das Fenster vom Schlafzimmer ist ganz breit auf. Ich höre, wie die S8 am Bahnhof ankommt. Ich wiederhole: Ich höre die S-Bahn! Wahnsinn! Die Wochen des Leidens sind vorbei! Ich kann endlich wieder von zu Hause aus mit der S-Bahn zur Arbeit fahren, nachdem ich gestern noch die letzte Strecke SEV lieber zu Fuß gemacht habe, weil es sich zeitlich einfach nicht lohnte, für den kurzen Abstand so lange auf den Bus zu warten. Trifft sich gut, weil ich aufgrund des Regens keine Lust hatte, Fahrrad zu fahren.

Ich hatte nicht mehr damit gerechnet, weil, obwohl der Brief der Deutsche Bahn uns ein Ende des Chaos für den 15. April angekündigt hatte, ich letzte Woche auf dem SEV Fahrplan lesen konnte, dass es wohl bis Freitag, 20.4.2018 3 Uhr dauern würde. Was heute Abend geschah, war trotzdem nicht auf dem Plan (ich hab’s noch auf meinem Handy als Foto-Beweis).

Ich war heute mal nicht beim Sport, sondern bei einer Kollegin zum Abendessen und quatschen. Kurz nach 22:00 habe ich mich auf den Weg nach Hause gemacht. Ich hatte gesehen, dass die Verbindung zwanzig Minuten zuvor mit Bus und S-Bahn ganz normal lief, konnte aber wegen meines miesen Vodafone-Empfangs nicht sehen, wie es danach ging. Vermutlich auch mit Bus und S-Bahn.

Als ich im Bus saß, konnte ich die Anfrage auf der App aktualisieren und da stand, Bus bis Pasing und SEV. Ab Pasing schon? Das hatten wir noch nie, seit Beginn der Bauarbeiten. Dort angekommen, bin ich erstmal schnell zum Gleis gelaufen. Dort war die S8 bis Herrsching angekündigt, und es gab sogar eine Durchsage, zusätzlich zur Info-Tafel, um zu informieren, dass sie nicht wie üblich am Gleis 7, sondern am Gleis 8 direkt gegenüber ankommen würde. In zwei Minuten. Super, habe ich gedacht. Die S8 kam, doch auf Gleis 7. Alle Passagiere sind ausgestiegen, und das Licht in der S-Bahn wurde ausgeschaltet. „Bitte nicht einsteigen,“ konnte man hören. Also doch SEV, der zweimal so lange für die Strecke braucht.

Ich bin schnell zur SEV-Haltestelle gelaufen und habe ganz viele Leute dabei überholt. Gut gemacht. Für mich. Den es gab nur einen Reisebus, um die ganze Bahn zu ersetzen. Ich habe einen Sitzplatz ergattern können, ein Paar Sekunden später war der Bus schon so voll, dass Leute dicht im Gang stehen mussten und viele draußen nicht mehr einsteigen konnten. Ob ein anderer Bus kommen würde? Der Fahrer hatte keine Ahnung. Besonders bitter: Die nächste Verbindung mit der S8 sollte erst eine knappe Stunde später sein.

Kurz nach Germering haben wir zwei anderen SEV-Busse gesehen, die in die Gegenrichtung rasten. Der Fahrer hat danach einen Anruf bekommen, vermutlich von Kollegen, die über die „Verstärkung“ geredet haben. Der Fahrer meinte, es wäre jetzt wohl umsonst, da er schon seit über zwanzig Minuten Pasing verlassen hatte. Bis die anderen Busse dort ankommen, ist schon bald die nächste S-Bahn dran, die viel schneller fährt. Warum vereinzelte Züge noch ersetzt werden müssen, wenn andere ganz normal fahren dürfen, ist mir allerdings ein Rätsel.


Dieser Beitrag ist ursprünglich auf Meckereien & Co. erschienen.

USB-Stick plötzlich nur noch lesbar

Ich habe seit Anfang des Jahres viele Fotos mit meiner Kamera gemacht. Meistens ging es mir darum, meiner weit entfernten Familie über Facebook meine neue Umgebung zu zeigen. Bevor ich die Fotos hochlade, bearbeite ich sie kurz mit Gimp. Ich habe noch kein Bild aufgenommen, bei dem das Nachschärfen keine Verbesserung gebracht hat.

Gimp kann man auf allen gängigen Betriebssystemen installieren. Seitdem meine Windows-Festplatte den Geist aufgegeben hat, bearbeite ich jedoch alle meine Bilder unter Ubuntu. Ich habe einen MacBook, aber das Bearbeiten von Bildern ist damit ein Graus. Den MacBook habe ich von meiner alten Arbeitsstelle übergangsweise geliehen bekommen, um Nachfragen über Programm #1 zu beantworten, bis ein Nachfolger gefunden wird. Ich hasse ja Mac. Der MacBook kommt jedoch häufig zum Einsatz, weil mein Ubuntu-Rechner nicht WLAN-fähig ist. Ich benutze immer noch mein Handy als Hotspot.

Was ich also mit meinen Fotos mache:

  1. sie aus der Kamera-Karte zum Ubuntu-Rechner kopieren,
  2. sie dort mit GIMP bearbeiten,
  3. sie nach Bearbeitung auf einem USB-Stick kopieren,
  4. sie vom Stick zum MacBook kopieren, und anschließend
  5. sie auf sozialen Medien hochladen.

Nun der Hacken: Plötzlich hat Ubuntu behauptet, ich könnte nichts auf USB-Sticks kopieren, weil alle schreibgeschützt wären. Das stimmt gar nicht, auf dem Mac kann ich alles drauf schreiben, was ich will. Warum es plötzlich alle meine USB-Sticks betrifft, weiß ich nicht. Vielleicht mag es Ubuntu nicht, wenn die Sticks auf so vielen Betriebssystemen benutzt werden. Mac hinterlässt auf Sticks jede Menge Müll in Form versteckter Dateien. Formattieren konnte das Problem nicht beheben: Weil die Sticks angeblich schreibgeschützt sind, kann Ubuntu sie nicht formattieren. Auf dem MacBook formattieren habe ich nicht probiert. Ich habe zuerst nach einer nicht so radikalen Lösung gesucht. Die habe ich hier gefunden.

Mit dem befehl lsblk kann man sich im Terminal alle verbundenen Laufwerke anzeigen lassen. Das Ergebnis sah bei mir so aus (der Nutzername wurde durch user ersetzt):

NAME MAJ:MIN RM SIZE RO TYPE MOUNTPOINT
sda 8:0 0 931,5G 0 disk
├─sda1 8:1 0 100M 0 part
├─sda2 8:2 0 292,9G 0 part
├─sda3 8:3 0 345,6G 0 part
├─sda4 8:4 0 1K 0 part
└─sda5 8:5 0 97,7G 0 part
sdb 8:16 0 1,8T 0 disk
├─sdb1 8:17 0 15,9G 0 part
│ └─cryptswap1 252:0 0 15,9G 0 crypt [SWAP]
├─sdb2 8:18 0 1K 0 part
├─sdb5 8:21 0 77,7G 0 part /
└─sdb6 8:22 0 1,7T 0 part /home
sdc 8:32 1 3,8G 0 disk
└─sdc1 8:33 1 3,8G 0 part /media/user/kamera_karte
sdd 8:48 1 57,7G 0 disk
└─sdd1 8:49 1 57,7G 0 part /media/user/usb_stick
sr0 11:0 1 649,5M 0 rom /media/user/LARIAN_DIV3
sr1 11:1 1 1024M 0 rom

wodurch ich erfahren habe, dass mein Stick, mit dem Pfad /media/user/usb_stick, den internen Namen sdd1 trägt. Das kann sich immer ändern, daher ist dieser erster Schritt wichtig.

Als zweiter Schritt hebt man mit dem Befehl sudo hdparm -r0 /dev/sdd1 den Schreibschutz auf. Was dieser Befehl raus spuckt:

/dev/sdd1:
setting readonly to 0 (off)
readonly = 0 (off)

Es scheint also ohne Problem zu klappen, aber das Kopieren von Dateien lief bei mir in Nautilus mit der Maus immer noch nicht.

Es könnte sein, dass einige Sektoren auf dem Stick beschädigt sind. Das prüft man mit dem Befehl sudo fsck /dev/sdd1 und repariert es wenn nötig mit dem interaktiven Output:

fsck from util-linux 2.27.1
fsck.fat 3.0.28 (2015-05-16)
0x41: Dirty bit is set. Fs was not properly unmounted and some data may be corrupt.
1) Remove dirty bit
2) No action
? 1
There are differences between boot sector and its backup.
This is mostly harmless. Differences: (offset:original/backup)
3:53/4d, 4:59/53, 5:53/57, 6:4c/49, 7:49/4e, 8:4e/34, 9:55/2e, 10:58/31
, 91:fc/33, 92:31/c9, 93:c9/8e, 94:8e/d1, 95:d1/bc, 96:bc/f8, 97:76/7b

[Geschnitten weil es sonst zu lang wird]

, 501:00/4f, 502:00/4f, 503:00/54, 504:fe/20, 505:02/53, 506:b2/59
, 507:3e/53, 508:18/00, 509:37/00
1) Copy original to backup
2) Copy backup to original
3) No action
? 3
/System Volume Information
Has a large number of bad entries. (85/93)
Drop directory ? (y/n) y
Reclaimed 2 unused clusters (65536 bytes).
Free cluster summary wrong (1810971 vs. really 1810973)
1) Correct
2) Don't correct
? 1
Perform changes ? (y/n) y
/dev/sdd1: 998 files, 78197/1889170 clusters

Es waren also ganz schön viele Fehler, die ich entfernt habe. Das Kopieren von Dateien auf dem Stick klappte danach im Nautilus immer noch nicht und erfolgte nur durch den Terminal:

cp -r ~/Pictures/20180408 /media/user/usb_stick/

zum Beispiel, wo ich das ganze Verzeichnis 20180408 mit vielen Bildern drin rekursiv auf dem Stick kopiere.

Damit ist das Problem leider nicht für immer gelöst, weil Ubuntu bei der nächsten Benutzung vom Stick wieder behauptet, der Schreibschutz wäre aktiv. Vermutlich ist es ein Zeichen, dass die Sticks alt werden und irgendwann gar nicht mehr zu benutzen sind.


Dieser Beitrag ist ursprünglich auf Meckereien & Co. erschienen.

Es wird langsam

Nachdem wir am Sonntag die Strecke zur Arbeit ausprobiert haben, bin ich sie gleich am Montag mit dem Fahrrad alleine gefahren. Bevor ich die Details vergesse. Einfach war es nicht, ich habe mich zweimal verfahren, einmal im ersten Stück Wald und danach, um zum zweiten Stück Wald zu kommen. Die Kreuzungen waren nicht in der richtigen Reihenfolge in meinem Kopf. Ich habe anderthalb Stunden gebraucht, und das nur, weil ein freundlicher Fahrradfahrer mir entgegen gekommen ist, als ich rätselnd auf dem Handy schaute (mein Navi kennt keine Waldwege) und fragte, wo ich hin wollte. Sonst hätte ich länger gebraucht. Das angenehmere Stück ohne Radweg auf der engen Straße, das wir bei der Rückkehr benutzt hatten, war im Berufsverkehr mehr befahren, aber es war noch in Ordnung. Die Sichtweite ist dort sehr gut, da kann man mich nicht im letzten Moment sehen, es gibt also kein Grund, so dicht an mich vorbei zu fahren, es sei denn, man trägt Arschloch-Gene in sich. Das gibt’s. Meistens zeigen die Autofahrer doch Rücksicht. Auf der Rückfahrt habe ich am Montag schon nur noch eine Stunde zwanzig Minuten gebraucht. Ich habe eine Kreuzung verpasst, und im letzten Stück Wald sind mir zu meiner Überraschung zwei Autos hinter einander entgegen gekommen. Ich dachte, dort würden keine motorisierte Fahrzeuge durchfahren. Ich musste am Rand vom Weg mit dem Fahrrad stehen bleiben, um nicht überfahren zu werden. Gebremst hat das erste Auto nicht, und ich war über die Staubwolke danach nicht erfreut, auch wenn der Fahrer vom zweiten Auto sich bedankt hat.

Gestern hatte ich geplant, nach Feierabend zum Fitnessstudio zu gehen. Mit der Sporttasche wollte ich nicht Fahrrad fahren, und auch nicht, weil ich sonst nachtsüber nach Hause durch den Wald hätte fahren müssen. Ich bin also, wie ich es seit fast drei Wochen gewöhnt bin, zur Bushaltestelle gegangen, um den SEV bis Germering zu nehmen, und weiter mit einem anderen Bus zur Arbeit zu fahren. Zu meiner Überraschung fuhr der Bus nur bis Gilching-Argelsried, weil die S8 jetzt bis dahin kommt. Ich hätte in der App schauen sollen. Zu Fuß wäre ich schneller gewesen. Das hätte mir doch nicht geholfen, weil die S-Bahn sehr lange einfach nicht kam. Keine Durchsage, wie immer, aber diesmal lag es daran, dass die Bauarbeiten am Bahnsteig nicht fertig waren. Die Männer waren am Bahnsteig tatsächlich dabei, auf der anderen Seite der Sperre auf Säulen die Lautsprecher zu befestigen. Man muss sich vorstellen, wie so viele Leute, die theoretisch zwei verschiedenen Zügen genommen hätten, sich auf dem nicht ganz halben Bahnsteig verteilt haben, um vierzig Minuten lang auf eine Bahn zu warten. Weil der nächste Bus inzwischen seine Ladung gebracht hatte. Als der Zug endlich kam, ist er auch nicht sofort weggefahren, nein, ein paar Minuten hat es noch gedauert. Ich habe für eine Strecke, die im Normalbetrieb von zu Hause aus fünf Minuten dauert, eine ganze Stunde wegen MVG-Chaos verschwendet, und habe insgesamt zwei Stunden zur Arbeit gebraucht. Begeistert war ich nicht.

Heute bin ich wieder Fahrrad gefahren, weil ich so sauer auf die MVG war. Siebzig Minuten für den Hinweg, wobei eine Kreuzung noch nicht optimal ist. Ich sollte sie vermeiden. Man kommt nach einer Brücke aufwärts auf die Kreuzung zu, die zu einer viel befahrenen Straße führt, und muss mit dem Fahrrad da mittig stehen und warten, bis eine Lücke entsteht. Tut sie das, kann man aber nicht gut los nach links radeln, weil dann aus einer anderen Richtung Autos kommen. Aussteigen, Fahrrad zur Ampel schieben, auf dem Knopf drücken um grün zu bekommen… Blöd. Es muss einen besseren Weg geben. Auf dem Rückweg nach Hause habe ich nur noch eine Stunde gebraucht. Fast genau so lange wie mit ÖPNV, wenn es normal ohne SEV fährt. Und entspannter, wenn man keinen Idioten begegnet. Wie die Frau heute hinter mir, die nur noch hupen konnte, weil ich auf der Straße fuhr. Einen Radweg gab es gerade nicht, und ich war noch bemüht, rechts dicht am Straßenrand zu fahren, und sie hätte mehrmals die Gelegenheit gehabt, mich bequem zu überholen, statt hinten zu bleiben und zu hupen. Oder der Opa in seinem grauen Cabrio (M RP 17), der mich mit „Fick dich!“ begrüßte, als er mich nach einem ganz engen Tunnel überholte, wo man eh langsam zu fahren hat. Da gab’s auch gerade keinen Radweg, er fängt erst die Kreuzung danach an. Blöd, dass ich alleine war und keine Zeugen für eine Anzeige hatte.


Dieser Beitrag ist ursprünglich auf Meckereien & Co. erschienen.

Mit dem Fahrrad zur Arbeit

An einem Sonntag.

Ich arbeite seit drei Monaten bei München, und schon bereue ich es, mir ein Jahresabo fürs ÖPNV gekauft zu haben.

Zuerst dachte ich, es wäre nicht schlimm, so weit weg von der Arbeit zu wohnen. Die Wohnung liegt ganz nah an der S-Bahn, und die fährt alle zwanzig Minuten, morgens sogar häufiger, und ich brauche keine Stunde zur Arbeit. Also besser als das, woran ich mich in Berlin gewöhnt hatte. Nicht. Und nicht nur, weil das Abo wesentlich teurer als in Berlin ist.

Wir hatten schon ein ganzes Wochenende lang wegen Bauarbeiten Einschränkungen im Betriebsablauf hinnehmen müssen. Danach fuhr die S-Bahn normal weiter, und ich dachte naiv, das wär’s, mit den Bauarbeiten. Pustekuchen. Seit zwei Wochen fährt die S-Bahn bei uns gar nicht mehr, und das soll noch eine Woche dauern, wie ich aus dem folgenden Brief erfahren durfte:

Stattdessen gibt es Schienenersatzverkehr (SEV). Und es muss sein, weil es gar keine Alternative zur S-Bahn gibt. Wenn ich in der App suche, wie ich ohne S-Bahn von der Arbeit nach Hause komme, kriege ich Ergebnisse, die über fünf Stunden dauern, mit langen Gehwegen.

In der Woche vor Beginn der Bauarbeiten haben es uns die automatischen Durchsagen im Zug und an den Bahnhöfen die ganze Zeit immer wieder erzählt. Schön wär’s gewesen, wenn die Durchsagen an den Bahnhöfen auch nach Wiederbeginn der Bauarbeiten weiter gelaufen wären. Nicht mal Schilder gab es, um die gelegentlichen Reisenden zu informieren.

Am ersten Samstag sind wir mit dem Ehemann über den Gleis zur Bushaltestelle gelaufen, um den SEV zu benutzen. Schnell, weil der Bus in Kürze kommen sollte. Ich habe von weitem mitbekommen, wie eine Frau mit Koffer sich am Automaten eine Fahrkarte gekauft hat, um sich, ganz alleine am Gleis, auf eine Bank hinzusetzen. Als wir vorbei  liefen, habe ich mein Tempo reduziert und ihr gesagt, „Hier fährt keine Bahn, es gibt nur SEV“. Sie ist uns gefolgt, so gut es mit ihrem Koffer ging, was bei uns nicht einfach ist, da überall Treppen sind, aber keine Aufzüge. Den Bus hat sie bekommen, und hoffentlich konnte sie pünktlich zum Hauptbahnhof ankommen, wo sie einen Zug nehmen sollte. Mit SEV dauert die Fahrt länger. Als wir abends auf dem Weg nach Hause erneut auf dem Bahnsteig gingen, haben ein Italiener und sein junger Sohn auf die Bahn gewartet. Hätten wir ihnen nichts gesagt, hätten sie noch lange da gestanden. Keine Durchsage, keine Aushänge, keine Information. Das ist die MVG.

Die Busse selbst… Bei unserer ersten Fahrt kam gerade ein Bus, um einen ganzen Zug zu ersetzen. So sah es zumindest aus. Alle Leute haben sich da rein gequetscht. Natürlich auch die mit Koffer. Kinderwagen? Rollstuhlfahrer? Fehlanzeige. Die können selber gucken, wie die fahren. Während der Fahrt hat uns dann von hinten ein anderer Bus aufgeholt, bei dem auch S8 angezeigt wurde. Der war leer. Weil er so spät nach dem ersten Bus kam, haben alle Leute geglaubt, es gäbe nur den einen Bus, und sie sind alle drin eingestiegen. Der zweite Bus war noch kein gewöhnlicher Stadtbus, sondern ein Reisebus, mit steilen Treppen zum Einsteigen. Kinderwagen? Rollstuhlfahrer? Fehlanzeige.

Letztens hat sich im Bus neben mir ein älterer Herr mit Gehstöcken hingesessen. Es war wieder ein Reisebus, und er hatte große Schwierigkeiten gehabt, überhaupt einzusteigen. Ich war so unzufrieden, jetzt über eine Stunde Fahrt zur Arbeit zu brauchen und in überfüllten Bussen fahren zu müssen, dass ich ernsthaft darüber nachgedacht hatte, den Abo zur nächsten Gelegenheit zu kündigen und mir ein kleines Auto zuzulegen. Den Führerschein habe ich ja, und wir haben sogar zwei Stellplätze in der Tiefgarage, die zur Wohnung gehören. Mein geschwätziger neuer Sitznachbar erzählte mir, früher wäre er Auto gefahren, aber in den letzten Jahren hätte der Verkehr in München derart zugenommen, dass er das Benutzen vom ÖPNV viel angenehmer fände, selbst mit SEV. Doch kein Auto?

Jetzt, wo das Wetter richtig sommerlich wird, könnte ich Fahrrad fahren. Ich bräuchte theoretisch genau so lange wie mit ÖPNV im normalen Betrieb. Der Ehemann ist am Wochenende gekommen, und hat wieder einige Sachen aus Berlin mitgebracht. Darunter sein Fahrrad, wie ich ihn darum gebeten hatte. Wir haben heute die Strecke zur Arbeit getestet.

Ein gutes Gefühl hatte ich im Voraus nicht. Beim Vorbeifahren mit dem Bus war mir schon klar, dass die Radwege hier, wenn es welche gibt, nicht zum Wohl der Radfahrer gebaut wurden, sondern nur, um sie von der Straße fern zu halten, wo sie die Autos stören. Ganz anders als in Berlin. Die „Radwege“ sind manchmal sogar für Mofas freigegeben, wie ich vor zwei Wochen auf einem Schild lesen konnte. Teilweise wird man als Fahrradfahrer auf renovierungsbedürftige Bürgersteige gelotst, und man ist besser dran, einfach auf der Straße zu fahren. Wenn sich nicht irgendwelche idiotische Autofahrer so rücksichtslos verhalten würden.

Wie heute, als der Ehemann, der vorne fuhr, um mit seinem Navi den Weg zu zeigen, nach links abbiegen wollte. Es war eine ganz enge Straße ohne Radweg oder Bürgersteig, die gerade nach rechts bog. Auf 60 km/h begrenzt. Links gab es keine Straße für Autos, nur einen Radweg durch den Wald. Der Ehemann hatte schon den Arm nach links gestreckt, um zu zeigen, dass er abbiegen wollte. Von hinten kam plötzlich ein Auto, und glaubt ihr, der Fahrer hätte ihn abbiegen lassen? Nein, nicht einmal gebremst hat er, sondern ihn von links überholt. Ich habe nur in höllischer Angst zugucken können, und bin heilfroh, dass der Ehemann im letzten Moment doch nicht abgebogen ist, weil die Tour sonst im besten Fall im Krankenhaus beendet worden wäre. Es ging so schnell, dass ich mir außer STA das Kennzeichen nicht merken konnte, sonst hätte ich darauf bestanden, bei der Polizei eine Anzeige zu machen.

Damit wurde klar, den Weg will ich nicht zur Arbeit fahren. Für die Rückfahrt haben wir eine andere Strecke gewählt, die in der Praxis ein bisschen besser aussieht, obwohl sie auch über eine enge Straße ohne Radweg läuft. Wenigstens ist die Straße gerade, wenn man vom Wald ankommt. Ich weiß aber nicht, wie es im Berufsverkehr aussieht.


Dieser Beitrag ist ursprünglich auf Meckereien & Co. erschienen.