Explorationstraum

Ich bin heute Nacht mehrfach aufgewacht. Wie fast jede Nacht in der neuen Wohnung. Die Heizung im Schlafzimmer macht leise Geräusche. Ich bin nicht mehr daran gewöhnt, da wir in Berlin eine ganz bequeme Fußbodenheizung mit Fernwärme haben. Jedesmal denke ich, ich brauche ewig, um wieder einzuschlafen. Das stimmt nicht. Von kurz nach vier wurde es plötzlich halb sechs. Zu früh, um schon aufzustehen. Versuche doch, weiter zu schlafen.

Ich kann nicht mehr schlafen. Doch besser aufzustehen. Ich mache die kleine Lampe neben dem Bett an, die ich am Wochenende von zu Hause mitgenommen habe. Sie ist so bequem zu bedienen, man braucht nur den Sockel anzufassen, damit sie leuchtet. Die Lampe habe ich mangels Möbel am Boden neben dem Bett gestellt. Ich finde den Sockel und berühre ihn mit den Fingern. Nichts passiert. Die Kugel der Lampe liegt abseits vom Sockel. Komisch. Ich sehe, dass die Lampe unten kleine Kontakte hat, die offensichtlich in das Gitter vom Sockel einzustecken sind. Es war mir noch nie aufgefallen, dass sie so gebaut ist! Ich stecke die Lampe wieder in den Sockel ein und berühre diesen. Die Lampe geht nicht an, dafür der Fernseher, der auf dem kleinen Tisch neben dem Bett steht. Fernseher? Kleiner Tisch? Nichts davon habe ich! Es muss ein Traum sein. Wach auf!

Ich liege im Bett. Jetzt reicht’s. Ich stehe auf und gehe zum Fenster. Dabei umgehe ich den kleinen Tisch neben dem Bett, auf dem wenigstens kein Fernseher mehr steht. Ich mache das Fenster auf. Die frische Luft wird mir mit dem vielen Schnee gut tun. Komisch, es fühlt sich doch gar nicht so kalt an. Ich stehe da in meiner Leggin und meinem waagerecht gestreiften blauen langarmigen Nachthemd, der mir doch für einen kurzen Moment ungewohnt vorkommt. So ein Nachthemd habe ich tatsächlich nicht. Vereinzelte Männer gehen auf dem verschneiten großen Platz unter mir vorbei. Wo ist denn die Schule? Ich beschließe, zur Toilette zu gehen, und nehme dabei den braunen Kleiderschrank mit Spiegel wahr, der vor der Tür steht. Ich habe doch keinen solchen Schrank! Ich vermeide den Blick in den Spiegel und versuche, den Lichtschalter vom Schlafzimmer zu tätigen. Mehrmals drücke ich ihn, aber nichts geschieht. Nicht schon wieder! Wach auf! Wach auf! Ich höre eine leise weibliche Stimme, die irgendwo schreit.

06:25. In fünf Minuten klingelt der Wecker. Ich mache die kleine Lampe an. Alles gut.

Wie ich diese Art von Träumen hasse, wo die gewohnte Umgebung verzerrt wird! Es hat etwas Gruseliges. In Träumen ist es mir sehr bewusst, daher vermeide ich es grundsätzlich, in Spiegeln zu gucken, selbst wenn es mir nicht klar ist, dass ich träume. Wer weiß, was da zurück raus guckt. Solche Explorationsträume habe ich häufig nach einem Umzug bekommen. Als ob ich das Bedürfnis hätte, meine neue Umgebung im Traum nochmal zu untersuchen.

Wie damals, als ich zurück nach Deutschland gekommen war. Knapp eine Woche nach meinem Einzug, träumte ich eines Morgens davon, wie ich mich in der Wohnung bewegte. Es war Sommer, die Wohnung hatte ganz früh Tageslicht. Nur der Lichtschalter im Flur ließ sich nicht bewegen, und ich stand da und strengte mich vergeblich an, das Licht doch anzumachen…


Dieser Beitrag ist ursprünglich auf Meckereien & Co. erschienen.

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3 Gedanken zu “Explorationstraum

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