Die Ferien sind vorbei

Das war heute morgen nicht zu übersehen. Es war schwierig genug, zur Arbeit zu fahren. Überfüllte Busse. Als ich in den ersten Bus eingestiegen bin, habe ich den ersten freien Sitzplatz genommen, an den ich vorbei gegangen bin. Direkt neben der Tür. Gut, dass ich nicht gezögert habe, weil noch ganz viele Schüler eingestiegen sind. So dicht aneinander gepackt! An der Haltestelle hätte ich nicht gedacht, dass so viele draußen standen. Vermutlich sind sie ausgestiegen, um wieder einzusteigen, weil andere Passagiere raus mussten. Unweit von mir standen zwei Mädchen, die kein Bock darauf hatten, zurück zur Schule zu gehen. Beide voll geschminkt, mit Übergewicht und langen künstlichen Nägeln. „Warum habe ich keine Ausbildung gemacht?“ fragte die eine. „Was für eine?“ wollte die zweite wissen. „Bei Douglas! Dann könnte ich viel Parfum mitnehmen,“ seufzte die erste.

Beim Umsteigen hat es mich recht sauer gemacht, dass zwei Busse an der Haltestelle vorbei gerauscht sind, ohne zu halten. Beide rappelvoll, mit Leuten an den Türen breit geklatscht. Auf den dritten Bus habe ich mitten auf der Straße gewartet. War doch nicht nötig, er war nicht so voll und hat angehalten. Auf die Art habe ich eine Viertelstunde mehr auf dem Weg zur Arbeit gebraucht. Dabei gibt es sogar unterschiedliche Fahrpläne bei Schule und Ferien. Wozu, frage ich mich. Fehlplanung.

Auf Arbeit waren die Ferien auch vorbei. Ich habe ganz viele neue Leute kennen gelernt, und natürlich konnte ich mir nicht alle Namen merken. Meine Zimmerkollegin Ute ist ebenfalls aus ihrem Urlaub zurück gekommen. Nach einem Tag geht sie mir schon auf die Nerven. Sie kommt mir ein bisschen wie Nina vor, in ihrer Art, obwohl sie wenigstens nicht so dumm wirkt. Bei unserem ersten Treffen im November hatte sie eher einen kompetenten Eindruck hinterlassen. Das kam davon, dass sie so affirmativ und selbstbewusst redet. Wie Mr Keen. Bei ihm war es alles Schau, bei Ute denke ich, es kann in ihrem Fach begründet sein. Obwohl ich schon mitgekriegt habe, wie sie heute genau so selbstbewusst in einem ganz anderen Thema totalen Quatsch erzählt hat. Sie redet leider ununterbrochen und dabei ist es ihr völlig egal, was ihre Zuhörer denken. Sie erwartet Zustimmung und wenn sie sie nicht bekommt, fällt sie einem ins Wort und redet weiter. Sie lässt keine Unterbrechung zu und Gespräche mit ihr sind eher Monologen. Irgendwann habe ich ausgeschaltet, als sie sich mit Tim „unterhalten“ hat (ihm fällt sie auch ins Wort). Meine Arbeit muss erledigt werden. Mir ist aber aufgefallen, sie denkt, ihr würde weiterhin zuhören, weil sie manchmal auf Reaktionen meinerseits wartet, ohne mich vorher explizit angesprochen zu haben. Wozu soll ich zuhören und reagieren, wenn sie eh erwartet, dass ich ihr in allem zustimmen sollte? Anstrengend. Ich muss mir ganz schnell eine Überlebensstrategie aussuchen.


Dieser Beitrag ist ursprünglich auf Meckereien & Co. erschienen.

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7 Gedanken zu “Die Ferien sind vorbei

  1. Oh weh, das klingt echt nicht gut 😦 Ich hatte mal so eine Kollegin im Nachbarbüro sitzen, da aber alle Türen offen standen, hörte ich jedes Wort. Ich war dazu übergegangen, mir Ohropax in die Ohren zu stopfen. Damit ging es. Ist vielleicht keine gute Strategie für den Anfang, aber für später, wenn du von einigen anderen Kollegen ihr Beileid ausgesprochen bekamst 😉 Denn die werden das auch nicht so prickelnd finden.

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    • „Denn die werden das auch nicht so prickelnd finden.“ -> Damit meinte ich natürlich das Gequatsche von Ute. (Ich sollte nicht immer in Halbsätzen schreiben 😉 )

      Mir fiel gerade noch ein, dass Frauen häufig dazu neigen, den Sozialstatus abzugleichen. Das brauchen sie für ihr inneres Harmoniebedürfnis. Wenn du Glück hast, hört das Gequatsche irgendwann auch wieder auf, wenn sie glaubt, dass du ihr gut gestimmt bist. Kann erst mal einfach eine Angstreaktion von ihr sein. Ich würde die Entwicklung abwarten.

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      • Das ist gut möglich, schließlich könntest du ja Konkurrenz sein. Sie muss dich erst einschätzen können, ob du Freund oder Feind bist. Aber sie kann natürlich auch eine schlichte Labertasche sein, aber das findest du dann über die anderen Kollegen raus. Die werden dann nämlich irgendwann auch ihre Meinung dazu kund tun 😉

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  2. Überall ist irgendwas, aber hier hast Du den Vorteil, dass Dich die Leute noch nicht so gut kennen und somit wissen sie nicht soviel über Dich. So bleibst Du irgendwie weniger angreifbar.

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