Mein Jahr 2018 in Büchern

Wie letztes Jahr.

  • Kazuo Ishiguro, The Buried Giant. Ich hatte mir das Buch letztes Jahr für Weihnachten gewünscht. Der Autor wurde einige Wochen zuvor mit dem Nobelpreis für Literatur ausgezeichnet, und ich kannte ihn noch nicht. Das Buch war eine sehr schöne Überraschung, die man besser selbst entdecken sollte.
  • Aldous Huxley, Brave New World. Muss man nicht vorstellen.
  • Jonas Jonasson, Der Hundertjährige, der aus dem Fenster stieg und verschwand. Das Buch hat der Ehemann zu Weihnachten geschenkt bekommen. Vor vielen Jahren. Und nie gelesen. Es stand schon so lange auf dem Regal, dass ich es mitgenommen habe, als ich im ersten halben Jahr alleine in der neuen Wohnung ohne Internet saß. Ich musste dem Ehemann an Wochenenden Auszüge vorlesen, so witzig ist es geschrieben. Er meinte nach einer Weile, ich sollte damit aufhören und er würde es selber lesen wollen, so toll es klingt. Dazu ist er immer noch nicht gekommen.
  • Kazuo Ishiguro, Damals in Nagasaki. Nachdem The Buried Giant mir so gut gefallen hat, habe ich angefangen, weitere Bücher von Kazuo Ishiguro zu lesen. Auf Deutsch, denn es ist alles, was die Buchhandlung im Bahnhof Pasing anzubieten hatte, als ich auf die mal wieder verspätete S8 warten musste. Etsuko, eine Japanerin, die seit Jahren in England lebt, hat ihre erste Tochter Keiko durch Selbstmord verloren. Der Besuch ihrer zweiter Tochter, die aus ihrer zweiten Ehe mit einem Engländer geboren wurde, lässt Etsuko in ihre Erinnerungen an ihrer Zeit in der zertrümmerten Stadt Nagasaki tauchen, als sie schwanger von Keiko war. Wir lernen ihre Nachbarin Sachiko kennen, die mit ihrer Tochter Mariko alleine in einem kleinen Haus lebte und diese vernachlässigte, indem sie ihre Zeit mit ihrem amerikanischen Liebhaber verbrachte, in der Hoffnung, mit ihm Japan verlassen zu können. Während der Erzählung fragt man sich, wieviel von den Erinnerungen der Realität entsprechen, so sehr die Geschichten beider Frauen sich ähneln. Als die Erinnerungen von Mariko und Keiko verschmelzen, hat es mich sogar schwindelig gemacht, was mir sonst durch das Lesen eines Buches noch nie passiert war. Das Buch lässt viele Fragen offen, und vielleicht sollte ich es nochmal lesen.
  • Kazuo Ishiguro, Als wir Waisen waren. Aus der selben Buchhandlung. Wieder ein ganz anderer Genre. Der Hauptcharakter, Christopher Banks, ist ein bekannter Londoner Detektiv, der seine Kindheit in Shanghai verbracht hat, bis er nach der Entführung seiner Eltern zu einer Tante in England geschickt wurde. Jahrzehnte später kehrt er nach Shanghai zurück, kurz vor dem zweiten Weltkrieg und mitten im Gefecht zwischen der Kuomintang und den kommunistischen Truppen, mit dem festen Vorhaben, seine Eltern zu finden und zu befreien. Eine für mich mühsame Lektüre, die ich vielleicht besser im Original auf Englisch hätte machen sollen.
  • Bernard Weber, Les Fourmis. Im Gymnasium gelesen. Dem Ehemann als leichte Lektüre empfohlen, um sein Französisch zu verbessern. Er hat ein Viertel geschafft und das Buch dann schlicht vergessen. Ich habe es nochmal gelesen und fand es doch nicht mehr so toll wie damals, als es erschienen war.
  • Alphonse Daudet, Tartarin de Tarascon. Wir waren ja bei meiner Schwester zu Besuch, und sie wohnt so nah an Fontvieille, dass ein Besuch der Mühle zum Pflichtprogramm wurde, und apropos Daudet, eigentlich hatte ich Tartarin noch nie gelesen, obwohl der Titel so bekannt ist… Gemacht. Kann ich nur wärmstens weiter empfehlen.
  • Éric Fottorino & Plantu, Plantu, 50 ans de dessin. Ich mag Karikaturen. Und Plantu (man spricht es Plantü aus) zeichnete schon für Le Monde, bevor ich überhaupt geboren wurde, er hat für mich immer existiert. Sehr beeindruckt hat mich sein Mohammed-Bild, nach den dänischen Karikaturen.


Dieser Beitrag ist ursprünglich auf Meckereien & Co. erschienen.

Werbeanzeigen

Jahresrückblick 2018

Stöckchen gefangen! Ich dachte, auf dem Weg zurück nach München hätte ich ganz viel Zeit, um zum schreiben. Das WLAN im Zug hat beim Start in Frankfurt funktioniert, fünf Minuten später war es aus. Das Netzwerk war nicht mal sichtbar. Dass alles reibungslos wie am letzten Samstag klappt, ist bei der Deutschen Bahn wohl eher die Ausnahme. Wobei es auch an der Deutschen Telekom liegen könnte.

Ganz grob auf einer Skala von 1 bis 10: Wie war 2018?
7. Der neue Job ist spannend, die Mietwohnung wunderschön und ein Schnäppchen, für die Gegend, und wir haben tolle Ausflüge gemacht. Punktabzüge gibt es für das Pendeln zwischen Berlin und München im ersten halben Jahr, die quasi leere und somit ungemütliche Wohnung in diesem Zeitraum, den miserablen ÖPNV-Zustand bei der MVG und die grundlose Entlassung vom Ehemann in der Probezeit.

Zugenommen oder abgenommen?
Zugenommen. Ich habe mich lange nicht mehr gewogen, aber ich fühle mich wieder um die 70 Kilogramme. Dabei war ich Ende Juni super schlank geworden. Ich hatte dreimal die Woche das Fitnessstudio besucht, war mit einer Kollegin regelmäßig in der Mittagspause joggen gegangen… Seitdem der Ehemann aus Berlin zu mir gezogen ist, nehme ich wieder zu. Das Fitnessstudio in Laim ist mir zu weit weg, ich verbringe lieber die Zeit mit dem Ehemann.

Haare länger oder kürzer?
Kürzer. Ich war letzte Woche beim Friseur.

Kurzsichtiger oder Weitsichtiger?
Das hat sich nicht geändert.

Mehr Geld oder weniger?
Weniger. Das Pendeln mit der Deutschen Bahn war nicht billig, vor allem, wenn man lieber erste Klasse fährt. Die Mieten bei München sind viel teurer. Ich habe im ersten halben Jahr zusätzlich zu meinem Anteil für die Wohnung in Berlin die neue Miete selber vollständig bezahlt, sowie die Kaution. Der Umzug von Berlin nach München war schmerzhaft, und die Firma hat mir keinen Cent für die Umzugskosten bezahlt. Nicht mal einen freien Tag habe ich dafür bekommen. Von meinen Ersparnissen war im Sommer fast nichts mehr übrig. Dank des üppigeren Gehalts als in Berlin erholt sich mein Konto zum Glück schnell, und ich habe jetzt schon genug gesammelt, um bei Bedarf die Hälfte eines neuen Autos sofort zur Verfügung stellen zu können. Das haben wir noch vor. Ein Trost ist, dass wir bei der nächsten Steuererklärung einiges an Geld zurück bekommen werden.

Besseren Job oder schlechteren?
Definitiv besser. Nicht nur des Gehalts wegen. Ich bin endlich unbefristet eingestellt. Die Kollegen sind lieb. Der neue Job ist abwechslungsreich, interessant, und vor allem: Ich habe keine Rufbereitschaft mehr! Was für ein herrliches Gefühl! Und endlich bin ich raus aus der akademischen Welt.

Dieses Jahr etwas gewonnen und wenn, was?
Da fällt mir nichts ein. Glücksspiele spiele ich nicht.

Mehr bewegt oder weniger?
Im ersten halben Jahr mehr. Im zweiten weniger.

Anzahl der Erkrankungen dieses Jahr?
Ich war kein einziges Mal krank geschrieben. Einmal habe ich die Arbeit wegen Migräne früher verlassen müssen. Das war’s. Das eine oder andere Problemchen gab’s meistens am Wochenende.

Der hirnrissigste Plan?
Jahresplaner für die Nichten vom Ehemann für Weihnachten selber basteln zu wollen. Ich habe seit November kaum etwas anderes machen können. Ein bisschen wie damals, als ich mein Hochzeitskleid selber genäht hatte.

Die gefährlichste Unternehmung?
Wohl diese eine Rückfahrt nach Hause.

Die teuerste Anschaffung?
Eine Mandoline von De Buyer, zum Geburtstag. Ziemlich die teuerste, die es zur Auswahl gab. Ich habe sie bei Gourmenage bestellt, einem Kochustensilienladen in München. Weil ich seit Jahren kein Amazon-Konto mehr habe. Es hat doch was, sich auf den Anruf vom Verkäufer zu freuen, der endlich ankündigt, dass die bestellte Ware abholbar ist. Notiz zu selbst: Ich brauche jetzt Sicherheitshandschuhe, um das Ding zu benutzen. Die Klinge klemmt gerne beim Rausziehen, und die tiefe Schnittwunde am rechten Ringfinger brauchte über zehn Tage lang ein Pflaster. Der selbst komponierte Feldsalat mit hauchdünnem schwarzen Rettich und Walnüssen war es aber wert.

Das leckerste Essen?
Bei Bamyan Narges, ein afghanisches Restaurant im Glockenbachviertel. Aus der Pendelzeit, als wir noch keine Küche hatten.

Das beste Buch?
The Buried Giant, von Kazuo Ishiguro.

Der beste Film?
Im Kino war ich dieses Jahr sehr wenig. Der letzte Film, den ich mit dem Ehemann im hiesigen Kino gesehen habe, war Aufbruch zum Mond, gleich am ersten Tag, als er gezeigt wurde. Der Saal war fast leer. Loving Vincent hat mir dieses Jahr am besten gefallen.

Die beste CD?
Ich habe schon lange keine neue CD mehr gekauft. Ace of Spades von Motörhead habe ich u. a. immer wieder gerne im Büro gehört, um den Lärm von Ute zu übertönen und „in Ruhe“ programmieren zu können.

Das schönste Konzert?
Wir haben nicht so viele Konzerte besucht. Nightwish war ok. Nicht wirklich meine Lieblingsband. Also, wenn ich ehrlich bin, gehen sie mir eher auf den Kecks. Ich habe den Ehemann begleitet. Das schlechteste Konzert habe ich aber sehr wohl in Erinnerung, und zwar, als wir La Traviata in der Bayerischen Staatsoper gesehen haben. Ich war bis dahin noch nie sauer aus einem Konzert raus gekommen. Wir hatten nicht mal die billigsten Karten gekauft, saßen aber links, und scheinbar hatte der Regisseur einen Groll gegen Leute die links sitzen. Anders kann ich nicht erklären, warum deutlich über die Hälfte der Szenen unten auf der Bühne ganz ganz links statt gefunden hat und wir gar nichts sehen konnten. Die Krönung war während der Sterbeszene von Violetta, als plötzlich ein starker Lichtprojektor direkt in unsere Richtung gestrahlt hat, uns die Stimmung völlig verdorben hat und wir nur noch die Wahl zwischen verblendet mit gekneiften Augen den Rest zu gucken oder den Kopf zum Rest des Publikums nach rechts zu drehen hatten — über zehn Minuten lang. Unsere ganze Reihe hat zum Schluss kaum Applaus gegeben und den Saal verlassen, während die Darsteller noch auf der Bühne standen. Ich war wohl nicht die Einzige, die stinksauer war.

Das beste Theaterstück?
Trifft nicht zu.

Die meiste Zeit verbracht mit?
Dem Ehemann. Ich meine, außerhalb der Arbeit.

Die schönste Zeit verbracht mit?
Dem Ehemann.

2018 zum ersten Mal getan?
Eine mehrtägige Wanderung mit Rucksack.

2018 nach langer Zeit wieder getan?
Auf dem Wacom-Tablett gemalt.

Drei Dinge, auf die ich gut hätte verzichten können?

Das schönste Geschenk, das ich jemandem gemacht habe?
Scheinbar, die selbst gemachten Jahresplaner!

Das schönste Geschenk, das mir jemand gemacht hat?
Das Wochenende in Lindau.

Dein Wort des Jahres?
Teuer! Das kommt davon, wenn man von Berlin nach München umzieht.

Dein Unwort des Jahres?
Darüber habe ich nicht nachgedacht.

Zum Vergleich: Verlinke dein Stöckchen vom vorigen Jahr!
Es gab keins.


Dieser Beitrag ist ursprünglich auf Meckereien & Co. erschienen.

Die Beschwörung — Verfolgung

Ich war auf Arbeit. Unweit von unserem Gebäude stand ein Turm. Wir wollten dort mit der Arbeitsgruppe Pause machen und eine Kollegin besuchen. Sie lebte drin und wollte mit uns eine Beschwörung machen[1], um sich selbst in irgendetwas zu verwandeln.

Als wir oben im Turm waren, lag ein Zettel im Vorraum auf dem Boden, auf dem sie geschrieben hatte, sie bäte uns um Verzeihung, aber sie wäre wirklich menschlich und würde erst in zehn Minuten ihre ursprüngliche Form wieder erlangen. In dem runden Beschwörungsraum nebenan fingen meine Kollegen an, sich im Kreis zu sortieren. Auf dem Boden waren Markierungen, um zu zeigen, wo wir zu stehen hatten.

Ich hatte große Zweifeln, ob wir es wirklich durchziehen sollten. Es war gruselig und könnte schief gehen. Ich wollte damit nichts zu tun haben und während alle noch mit sich selbst beschäftigt waren, bin ich geflohen.

Nach einer längeren Pause bin ich zum Büro zurück gekehrt. Ute saß schon an ihrem Schreibtisch, als ob nichts geschehen wäre. Ich fühlte mich unwohl und beschloss, mir erstmal die Haare zu waschen. Im Büro verteilte ich mir Shampoo in die Haare und massierte alles schäumig. Um sie zu spülen, ging ich zum Waschbecken in die Toilette. Der Hahn war leider zu tief und am Boden vom Waschbecken lagen Essensreste, wie glasierte Zwiebelstücke. Ich wollte mir die Haare nicht dort spülen und ging zur Küche, wo ich ewig warten musste, weil Kollegen am Becken beschäftigt waren.

Ich ging wieder raus, um mir die Haare woanders zu spülen, und bemerkte bewaffnete Männer, die die Flure nach mir durchsuchten[2]. Ich musste mich versteckten, aber wohin? Auf dem Weg zum Ausgang auf der Etage traf ich Björn[3], einen ehemaligen Arbeitskollegen, der jetzt in einer Schule arbeitet. Er meinte, er hätte mit meinem Chef geredet und wir müssten zusammen Klausuren korrigieren[4], wie Björn mit mir schon diskutiert hatte. Ich konnte mich daran gar nicht erinnern und außerdem, die bewaffneten Typen liefen mir immer noch hinterher. Wir sind nach draußen gelaufen.

Am nächsten Tag suchten die Männer immer noch nach mir. Es waren viele und es war kein Leichtes, mich ungemerkt ins Gebäude zu schleichen. Beim Feierabend haben wir mit Kollegen auf der Wiese gelegen und Bier getrunken, hinter einem Hügelchen am Sportplatz versteckt. Die Männer suchten immer noch nach mir, aber sie wechselten sich ab und einige wussten nicht, wie ich aussah. Ein dieser Mann ist mir sogar über den Weg gelaufen, als ich aus der Toilette kam, und hat mich nicht erkannt. Ich konnte weg gehen, ohne dass er mir folgte.

[1] Den Film Conjuring haben wir diese Woche gesehen.

[2] Wir haben gestern Fallout geguckt.

[3] Björn hat mir gestern frohe Weihnachtswünsche per WhatsApp geschickt.

[4] Das haben wir in der Tat früher häufig zusammen gemacht.


Dieser Beitrag ist ursprünglich auf Meckereien & Co. erschienen.

Auf in den Urlaub

Ich sitze in dem Zug nach Frankfurt, zur Familie vom Ehemann. Die BahnCard hat sich noch gelohnt. Wir sind kurz vor Neustadt an der Aisch und es schüttet wie aus Eimern. Ich fühle mich nicht besonders gut, was an den Sturm von heute Nacht liegt. Ständig bin ich aufgewacht, obwohl ich sehr müde und mit Migräne ins Bett gegangen war. Der Wind war so stark, dass ich dachte, ein Flugzeug würde übers Haus fliegen. Wir wohnen nicht weit vom Flughafen Oberpfaffenhofen, wobei man eigentlich kaum etwas fliegen hört. Aber nein, es war der Wind. Um halb sechs bin ich zuletzt aufgewacht, und ich konnte nicht mehr einschlafen. Zum Glück gab es keine Auswirkung auf meine Bahn-Strecke.

Wenigstens konnte ich noch die Jahresplaner fertig stellen, bevor ich die Wohnung heute morgen verlassen habe. Und ich habe daran gedacht, sie in den Koffer zu packen. Das wär’s noch gewesen. War das vielleicht ein Stress! Hätte ich gewusst, was für ein Aufwand das ist, hätte ich doch etwas anderes als Weihnachtsgeschenk gemacht. Für eine Person geht’s, aber nicht für vier. Der Ehemann ist zuversichtlich, dass es gut ankommen wird. Das will ich hoffen.

Der Ehemann ist auch mit der Bahn nach Frankfurt unterwegs, aber er ist vorher nach Berlin gefahren, um mit seinem Vater zu reisen. In seinem Alter traut er sich nicht mehr, mit Gepäck alleine zu reisen. Alles ist ihm umständlich geworden. Da der Ehemann arbeitslos ist, hat er Zeit. Bewerbungen hat er schon viele geschrieben, seit der Ankündigung seiner Entlassung vor fünf Wochen. Ein Vorstellungsgespräch gab es auch, letzte Woche. So richtig scheint es aber nicht zu passen. Nach Weihnachten tut sich wahrscheinlich mehr.

In Würzburg scheint jetzt die Sonne. Die Fahrt läuft sehr angenehm, was am Komfort der ersten Klasse liegt. Einmal erste Klasse gefahren, nie wieder zweite Klasse fahren, sage ich. Für unsere Verbindung wurde empfohlen, Sitzplätze zu reservieren, aber bei uns sind noch Sitzplätze frei. Der Reisebegleiter hat mir einen tollen Kaffee am Anfang der Fahrt gebracht. Internet funktioniert. Wir sind pünktlich. Ich weiß seit Kurzem, dass alles unter sechs Minuten Verspätung für die Deutsche Bahn als pünktlich gilt, aber wir sind wirklich wirklich pünktlich. Wir waren es zwischendurch nicht, jetzt doch wieder.

Am anderen Tisch neben mir sitzt eine junge amerikanische Familie mit Säugling, auf dem Weg zum Flughafen. Zufällig hat eine andere Amerikanerin den Sitzplatz ihnen gegenüber am Tisch gebucht, und seit München sind sie nur am quatschen. Ununterbrochen. Für mich als Sozialmuffel sehr bewunderswert. Ich kann es nicht, so lange über so viele Sachen diskutieren. Vielleicht kommt es, wenn man ständig ein Säugling an der Brust hängen hat und nichts anderes machen kann.

Ich freue mich auf die nächsten stressfreien Tage. Gut, so stressfrei ist es bei Weihnachtsbesuchen nie, aber endlich mal vom Job auszuschalten ist toll.


Dieser Beitrag ist ursprünglich auf Meckereien & Co. erschienen.

Wochenende in Lindau

Eine Woche vor Adventsbeginn hat schon der Weihnachtsmarkt in Lindau angefangen. Ein guter Grund, endlich diese Stadt zu besuchen. Der Ehemann war in einem früherem Job nach Lindau geschickt worden und seitdem wollte er unbedingt ein Wochenende mit mir dort verbringen.

Am besten erreicht man Lindau mit dem Zug. Daher wollte der Ehemann, dass ich die Sache mit meiner BahnCard regle. Am Ende sind wir nicht mal mit der Deutschen Bahn gefahren, sondern mit Alex. Man fühlt sich wie in die Vergangenheit zurück geschickt. Ich erinnere mich, 2001 in so einem Zug gefahren zu sein, auf dem Weg nach Bayreuth. Alex hat die alten Züge der Deutschen Bahn übernommen, und man merkt, wie sie nicht mehr zeitgemäß sind. Zu klein für die Anzahl an Personen die mitreisen wollen. In München ging’s, aber der Zug ist schnell an seine Kapazitäten gestoßen. Bei dem lächerlich niedrigen Preis wundert es mich trotzdem, dass nicht mehr Leute mitgefahren sind. Vielleicht liegt es an der Unbequemlichkeit, es hat ziemlich gewackelt. Ich würde nicht unbedingt mit den Zügen nochmal fahren wollen.

Das Hotel lag praktischerweise direkt gegenüber vom Bahnhof, und da unser Zimmer bereit war, konnten wir unsere Taschen drin lassen, bevor wir in die Stadt spazieren gegangen sind. Mit dem Wetter hatten wir Glück. Wir haben die westliche Seite der Insel besucht und sind durch Straßen östlich vom Bahnhof geschlendert, bevor wir bei Einbruch der Dunkelheit zum Weihnachtsmarkt gegangen sind. Flammlachs hatte ich noch nie gesehen, und natürlich musste ich probieren. Voll lecker! Es wurde uns kalt, und wir haben den Rest des Nachmittages im Spa-Bereich vom Hotel verbracht, bevor wir zum Restaurant gegangen sind. Ich hatte leider Kopfschmerze und konnte den Abend nicht so richtig genießen.

Diese Diashow benötigt JavaScript.

Der Sonntag hat mit Nebel angefangen. Lange hat es nicht gedauert, und mir war es sogar in der Sonne am Hafen zu warm, in meinem Mantel. Wir haben den Rest der Insel besucht und sind zum Schluß zurück zum Weihnachtsmarkt gegangen. Der Glühwein hätte nicht sein müssen, ich habe direkt danach wieder Kopfschmerze bekommen. Die habe ich im Zug nach Hause versucht weg zu schlafen, was mir nicht ganz gelungen ist. Trotzdem war es ein schönes Wochenende.

Diese Diashow benötigt JavaScript.


Dieser Beitrag ist ursprünglich auf Meckereien & Co. erschienen.

Asiatische Hähnchensuppe

Einfach so heute morgen ausgedacht, weil ich dachte, ich wäre erkältet und bräuchte eine Hähnchensuppe. Erkältet bin ich doch nicht, die Suppe war lecker und schnell gemacht.

Die Zutaten (für 4 Portionen)

  • 1 Zwiebel
  • 1 große Knoblauchzehe
  • 1 kleines Stück Ingwer
  • 1 kleine rote Chili, so lang wie ein Daum
  • 1 Möhre
  • 1 Kartoffel (weich kochend)
  • 1 Hähnchenbrustfilet
  • 200 mL Kokosmilch (1/2 Dose)
  • 1 Stange Zitronengras
  • 1 Esslöffel Sonnenblumenöl
  • 1 Esslöffel Sojasauce
  • Wasser
  • Salz

Die Zubereitung

  • In einem Topf, die klein geschnittenen Zwiebel, Knoblauchzehe, Ingwer und zusätzlich entkernte Chili in Öl zusammen dünsten.
  • Die Möhre und die Kartoffel in kleinen Stücke schneiden und in den Topf geben.
  • Mit Wasser bedecken, Kokosmilch und Sojasauce dazu geben.
  • Das Hähnchen in kleinen Stücken schneiden und die Stücke einzeln in die Suppe gleiten lassen.
  • Das Zitronengras in die Länge dritteln und dann die Stangen senkrecht dazu halbieren.
  • Alles bei schwacher Hitze eine Viertelstunde köcheln lassen, ohne Deckel. Je kleiner die Möhren- und Kartoffel-Stücke, desto schneller das Kochen.
  • Vor dem Servieren, die harten Zitronengras-Stangen entfernen und mit Salz nach Geschmack würzen.

Nährwertangaben

pro Portion fürs Rezept
Energie (kcal) 225,8 903
Eiweiß (g) 18,4 73,5
Kohlenhydrate (g) 9,8 39,2
davon Zucker (g) 4,5 18
Fett (g) 12,2 48,6
Ballaststoffe (g) 2,2 8,9


Dieser Beitrag ist ursprünglich auf Meckereien & Co. erschienen.

Die BahnCard, Fortsetzung

Nach dem Ärgernis von Samstag kam prompt in der Nacht zu Sonntag, um 02:45, die Rechnung zu meiner „neuen“ Karte per Email an. Der Ehemann meinte, wir sollten bei der Hotline anrufen. Das haben wir gestern Abend gemacht.

Ich hatte inzwischen durch Google heraus gefunden, dass man die BahnCard wohl auch elektronisch auf dem Handy speichern kann. Da der Ehemann mir am Montag ein neues Handy geschenkt hat, für welches Betriebssystem noch Apps entwickelt werden, habe ich es probiert und: Es geht! Warum konnte mir die blöde Kuh am Schalter nicht sagen, dass diese Möglichkeit besteht, statt mir kostenpflichtig eine neue Karte zu bestellen? Auf Nachfrage, ob ich denn keine andere Wahl hätte, hatte sie „Nein“ geantwortet. Glatte Lüge.

Das Gespräch mit der Hotline verlief viel entspannter als am Samstag. Dass die erste BahnCard nie ankam, obwohl der Ehemann seine zeitgleich bestellte Karte bekommen hat, hat uns die freundlich klingende Frau geglaubt, aber „bestellt ist bestellt“, obwohl ich gar nichts unterschrieben habe, sie könne daran nichts mehr ändern. Sie würde aber wegen der schlechten Beratung am Schalter aus Kulanz mir einen Gutschein in Höhe von der neuen BahnCard zukommen lassen, weil es doch nicht nötig war, eine neue Karte zu bestellen. Den Gutschein habe ich tatsächlich keine Stunde später bekommen.

Was lernt man als Kunde daraus? Sich sofort an die Hotline wenden. Mit ihrem recht unfreundlichen Verhalten machen sich gerade die Schaltermitarbeiter in Pasing überflüssig.


Dieser Beitrag ist ursprünglich auf Meckereien & Co. erschienen.

Nochmal Arbeit suchen

So ist es: Nach dreieinhalb Monaten ist der Ehemann gekündigt worden. Es kam ziemlich überraschend. Für ihn und für seine Kollegen.

Dass es nicht so super lief, hatte ich schon gemerkt. Er war für eine bestimmte Tätigkeit eingestellt worden, die er aufgrund seiner bisherigen Erfahrung auch gut kann. Aber als sein Vertrag anfing, ist er erstmal zu anderen dringenden Projekten zugeteilt worden, und zuletzt, um Software-Entwicklung zu machen. Kann er auch, aber sein Beruf ist es nicht und dafür ist er nicht zur Firma gekommen.

Er hat seine Aufgaben gemacht, und mit seinen Kollegen kam er gut klar. Mit seinem Chef gab es kaum Gespräche über seine Leistung, aber die Gruppenleiterin mit der er zu tun hatte war zufrieden. Als der Ehemann vor zwei Wochen erzählte, er würde endlich mit seiner eigentlichen Aufgabe anfangen dürfen, dachte ich, es geht doch.

Nicht. Am Freitag gab es ein Gespräch mit dem Chef, und die Kündigung kam ohne Vorwarnung. Eine Begründung gab es auch kaum, denn er hatte keine Vorwürfe und meinte, es wäre allein sein Fehler gewesen, den Ehemann einzustellen. Wobei er doch meinte, er hätte erwartet, dass er die Aufgabe, für die er eingestellt wurde aber erst vor zwei Wochen anfangen durfte, viel schneller erledigt hätte. Und überhaupt, so wichtig ist diese Aufgabe auch nicht.

Als die Gruppenleiterin danach diese Aussage vom Ehemann hörte, konnte sie es nicht fassen, denn Bedarf an seine Arbeit hat sie wohl. Aber scheinbar hat sie auch nicht mit dem Chef geredet, oder reden können. Der Ehemann erzählte, die Kollegen wären der Meinung, der Chef hätte den Überblick über die Abläufe in der Firma verloren und würde in letzter Zeit komische Entscheidungen treffen. Da man in der Probezeit ohne besondere Begründung innerhalb zwei Wochen jeden kündigen darf, ist der Ehemann seit gestern beurlaubt. Bei der Arbeitsagentur war er schon.

Erwähnenswert ist auch die Tatsache dass eine andere Kollegin, die im Sommer angefangen hat, sich mit dem Chef gestritten hat und in Folge dessen selber gekündigt hat. Bei wem soll sie demnächst eine neue Stelle antreten? Bei meiner Firma. Zufälle gibt’s. Für den Ehemann haben wir leider keinen Bedarf.


Dieser Beitrag ist ursprünglich auf Meckereien & Co. erschienen.

Die BahnCard

Ich weiß, ich hätte sie kündigen sollen. Als die Aufforderung zur Zahlung für die neue BahnCard kam, war es schon zu spät. Der Ehemann hatte sie uns letztes Jahr besorgt, und da ich von Januar bis Juli regelmäßig zwischen München und Berlin pendeln musste, war es mir recht. Aber jetzt besteht kein Bedarf mehr. Gut, ein paar Reisen haben wir in näherer Zukunft vor, aber es wird nicht mehr so viel sein.

Der Ehemann hat seine neue BahnCard im Oktober bekommen. Sie wurde zu unserer Adresse nach Berlin geschickt, weil wir die neue Adresse der Deutschen Bahn nicht mitgeteilt haben. Die Berliner Adresse ist sowieso immer noch gültig, die Post wird hierher weitergeleitet. Und ich? Ich warte immer noch darauf. Da wir am nächsten Wochenende eine Reise geplant haben, habe ich heute Morgen beim DB Reisezentrum in Pasing nachgefragt. Was für eine blöde Idee, im Nachhinein! Vor allem, weil der Ehemann, der als Deutscher doch besser als ich kommunizieren kann, noch im Supermarkt war, und ich alleine da stand.

Die Frau ganz links am Schalter hat nach meiner Frage angerufen und die Auskunft bekommen, meine BahnCard wäre zur Berliner Adresse geschickt worden und nicht zurück gekommen. Daher müsste ich die BahnCard bekommen haben, und „wenn ich sie nicht habe, muss ich sie verloren haben“. Wegen der Reise in einer Woche blieb mir keine andere Möglichkeit, als zur Bestellung einer Ersatzkarte zuzustimmen, für die ich noch 15€ zahlen müsste. Das ist voll die Verarschung. Wie kann ich beweisen, dass ich etwas nicht bekommen habe? Und wie kann die Deutsche Bahn beweisen, dass ich die Karte tatsächlich bekommen habe? Nicht, gab die Frau zu. Aber zu meiner Frage, warum ich dann 15€ für eine Ersatzkarte bezahlen soll, obwohl ich die mir zugestellte Karte nie bekommen habe, wollte sie nicht antworten. Sie hat mir nicht mehr ins Gesicht geschaut, mein Blick ständig ausgewichen und eine Nummer auf Papier gekritzelt, mit der ich mir am Automat eine temporäre Karte für die bevorstehende Fahrt ziehen könnte. Die „neue“ Karte soll demnächst per Post folgen.

Der Ehemann kam kurz danach ins Reisezentrum zu mir, und als ich ihm das Geschehene erzählte, meinte er, nachfragen zu müssen. Bei dem Mann ganz rechts am Schalter, da die Frau von vorher mit einer anderen Kundin beschäftigt war. Das Erklären von unserem Anliegen war schwierig, weil der Mann am Schalter uns ständig unterbrochen hat. Die Nachfrage vom Ehemann, warum ich für eine neue Karte zahlen müsste, wenn wir die Erste nie bekommen haben, hat den Mann am Schalter scheinbar extrem gereizt. Er hat angefangen, sich dem Ehemann gegenüber spöttisch zu verhalten, ihn fast anzubrüllen, und dabei sprach er so schnell, dass selbst der Ehemann ihn kaum verstehen konnte, außer, dass wir uns an die DB Hotline wenden könnten. Dass wir nicht rausgeschmissen worden sind, liegt wahrscheinlich nur daran, dass ich den Ehemann darum gebeten habe, nicht mehr nachzufragen. Mit dem Typ ist nicht zu reden. Ich habe so eine schlechte Behandlung an einem DB Schalter noch nie erlebt und bin ehrlich gesagt immer noch recht darüber schokiert, wie sich die Diskussion entwickelt hat. Die Deutsche Bahn hält offensichtlich Kundenorientierung für überflüssig in der Ausbildung von ihren Schaltermitarbeitern.


Dieser Beitrag ist ursprünglich auf Meckereien & Co. erschienen.