Vielleicht doch keine so gute Idee

Ich habe noch nicht mit dem neuen Job angefangen, und schon bereue ich meine Entscheidung. Eine Wohnung in München zu finden scheint mir unmöglich zu sein. Vor allem, wenn man 600 Kilometer entfernt wohnt und noch berufstätig ist. Mein letzter Arbeitstag ist nächste Woche, und ich soll ab Januar bei München arbeiten. Wie soll das gehen? Ich bin heute um drei aufgewacht, und der Stress, immer noch nicht zu wissen, wo ich in drei Wochen wohnen werde, hält mich vom Schlafen ab. Selbst mit der neuen schnellen Strecke zwischen Berlin und München kann ich nicht einfach so zu einem Besichtigungstermin fahren.

Nicht, dass ich einen Vorschlag für einen Termin bekommen hätte. Die Antworte auf meine bisherigen Kontaktanfragen auf Immobilienscout24: Keine. Ein Angebot wurde gelöscht, ohne dass ich informiert wurde. Nur beim Besuchen vom Link aus der Email, die ich bei der Kontaktanfrage automatisch bekommen habe, habe ich es erfahren. Vielleicht sollte ich mir doch ein Konto erstellen. Bei den anderen Anzeigen sind die Objekte noch vorhanden, aber keiner scheint es nötig zu haben, mir eine Antwort zu schicken. Dabei musste ich unheimlich viele persönliche Daten hinterlassen. Eine Maklerfirma habe ich sogar für eine Wohnung kontaktiert, die praktisch nahe an der Arbeit liegt. Sie haben mir mehr Informationen geschickt, aber seit meiner Frage nach einem Besichtigungstermin ist Funkstille. Vermutlich gab es schnellere Interessierte.

Natürlich kommt dazu der Schock von den Mietpreisen. Man weiß es ja, München ist extrem teuer. Bei vielen Portalen findet man keine Ergebnisse, wenn man mindestens 50 Quadratmeter unter 700 € Kaltmiete sucht. Ich habe schon Einzimmerwohnungen in Betracht gezogen, aber der Ehemann will es bequem haben, wenn er mich besucht. Ich frage mich, wo wohnen die normalen Menschen, die in München arbeiten? Und die Studenten? Die interessante Angebote, die ich vor einem halben Jahr gesehen hatte, in Fahrrad-Entfernung von der Arbeit, scheinen aus dem Markt verschwunden zu sein. Vielleicht liegt es an der Jahreszeit. Wenn ich die Preise für Wohnungen sehe, und ich suche im Radius außerhalb der U-Bahn Strecke, also gar nicht mal in der Innenstadt, dann merke ich, es wäre sogar günstiger, auf Dauer im Hotel zu wohnen. Dafür würde auch noch jemand für mich täglich putzen. Eine erste Anfrage bei einer Pension habe ich für Januar geschickt. Sie werben damit, dass sie Zimmer ab 600 € pro Monat anbieten können. WLAN und Nebenkosten inklusiv. Wohngemeinschaft? Vergiss es. Meine Privatsphäre ist mir zu wichtig. Und günstiger ist es eh nicht!

Die teure Miete in München ist nicht alles, was auf mich zu kommt. Es gibt die Pendlerei nach Berlin. Wenn wir uns mit dem Ehemann am Wochenende sehen wollen, macht das jedes Mal 120 € Fahrtkosten mit der Bahn. Es ist besser, ich fahre hin, als er kommt, wenn ich in Pension lebe, sonst macht es noch mehr Kosten. Alles in allem, wenn es mit der Pension auf 700 € hoch kommt, werde ich trotz üppiger Gehaltserhöhung monatlich netto 600 € weniger haben als mit meiner jetzigen Arbeit. Die Wohnung hier will noch finanziert werden. Ich hätte mehr Gehalt handeln sollen. Mit der Gefahr, zu viel zu verlangen und doch keinen Arbeitsvertrag zu bekommen…

Bis der Ehemann eine neue Stelle in München findet, könnte ich in Pension wohnen. Dann müssen wir uns eine gemeinsame Wohnung suchen, die kleiner als die Jetzige ist, den Umzug organisieren, und die Wohnung in Berlin mieten. Klar, vieles kann man bei der Steuererklärung absetzen. Bis wir was vom Geld wieder sehen, dauert es anderthalb Jahre. Vielleicht kommen wir sowieso nach zwei oder drei Jahren zurück nach Berlin. Mit meiner allerersten Erfahrung außerhalb der öffentlichen Forschung könnte ich sicherlich einfacher eine Arbeit finden.


Dieser Beitrag ist ursprünglich auf Meckereien & Co. erschienen.

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