Immer noch keinen Vertrag

Letzte Woche hatte ich mein zweites Vorstellungsgespräch bei München. Ich fürchte, so einen guten Eindruck habe ich nicht hinterlassen.

Als erstes habe ich es geschafft, trotz sorgfältiger Planung zu spät anzukommen. Den Ort kannte ich schon ungefähr, da ich mehrmals am Forschungszentrum war, aber das Institut selbst lag an einer noch unbekannten Stelle. Ich war eigentlich sehr früh angekommen. Der Pförtner am Eingang vom Gelände hatte mir erklärt, wo das Gebäude zu finden war, aber ich habe mich trotzdem verlaufen. Links, über die Brücke, dann dem Weg entlang durch die Wiese… Keine Wegbeschilderung und unauffällige Gebäudenummerierung, es musste schief gehen. Als mir klar wurde, dass ich nicht pünktlich ankommen konnte, habe ich den Gruppenleiter angerufen. Der ist dann mit dem Fahrrad durchs Gelände gefahren, bis er mich gefunden hat. Ich war zu weit weg gelaufen, der „Weg durch die Wiese“ war nicht mal zwei Meter lang und direkt vor dem Gebäude. Die Bezeichnung „Wiese“ war recht übertrieben. Ich hatte mir eine viel größere Fläche vorgestellt.

Der Vortrag lief gut, aber mich hat es irritiert, dass ich mehrmals wegen Fragen unterbrochen wurde. Gut, warum nicht. Es wurde mir nur vorher in der Einladung mitgeteilt, dass ich zwanzig Minuten Zeit hätte, und so konnte ich gar nicht mehr wissen, wie lange ich noch reden sollte. Eigentlich hat keiner auf die Uhr geschaut. Danach sind alle weg gegangen, außer der Gruppenleiter, der alleine mit mir reden wollte. Ich war gar nicht darauf gefasst, was danach geschah. Ich dachte, wir unterhalten uns. Nicht wirklich. Er hatte sich Übungen ausgedacht, die ich dann ohne Vorbereitung lösen musste. Über Datendarstellung, Zahlenpräzision… Viele theoretische Fragen, die ich nie gelernt habe. Damit musste ich mich bis jetzt nicht auseinander setzen. Ich bin halt von der Ausbildung her Physikerin, Programmierung habe ich durch Praxis gelernt. Ich dachte, es wäre von vorne rein klar, durch meine Bewerbungsunterlagen und spätestens im Laufe des Vortrages, dass ich eher mit Frontend-Entwicklung zu tun habe und keine wissenschaftlichen Algorithmen selbst entwickle. Das war dem Gruppenleiter anscheinend nicht offensichtlich, und er sah definitiv nicht zufrieden aus. Inzwischen habe ich mich über die gefragten Themen informiert, aber es zählt nicht mehr.

Was soll’s, nach einem ausführlichen und interessanten Gespräch mit einem Mitarbeiter der Gruppe, der sich mit einer ähnlichen Aufgabe wie ich beschäftigt, bin ich zur Firma gefahren. Der Arbeitsvertrag lag bereit vor. Ich habe ihn in zweifachen Ausführung unterschrieben, sowie der Vertreter vom CEO. Der CEO selbst war abwesend, seine Unterschrift fehlte noch. Mit wurde versichert, dass er, sobald er am Montag zurück kommt, den Vertrag unterschreiben würde. Ich würde eine PDF Datei davon bekommen, und meine Kopie vom Vertrag würde mir per Post zugeschickt. Ob ich nun meinen Arbeitgeber informieren könnte? Klar, meinte der Vertreter. Mein zukünftiger Chef, den ich schon bei der Tagung letzte Woche getroffen hatte, hat mich dann mit breitem Grinsen empfangen und einem Teil des Teams vorgestellt. Er hat mir mit Begeisterung erzählt, was ich alles zu tun hätte, wenn ich in Januar anfange.

Nun, heute ist Mittwoch. Und bis jetzt habe ich immer noch keinen Vertrag bekommen, weder per Post noch elektronisch. Nicht mal eine Email, um mich über die Verspätung zu informieren. Ich mache mir Sorgen. Natürlich habe ich letzte Woche meinen Chef sofort informiert, da der Vertreter vom CEO so zuversichtlich war. Da ich doch nicht die Verlängerung von meinem Vertrag unterschreibe, wird sich einiges in dem Betriebsablauf ab Januar ändern. Je früher mein Chef Bescheid weiß, desto besser. Mein Chef hat wiederum die Personalabteilung darüber informiert, dass der neue Arbeitsvertrag nicht mehr benötigt wird. Ich habe also meinen aktuellen Job hingeschmissen, und habe immer noch nichts in der Händen, um meine neue Anstellung ab Januar zu beweisen. Scheiße.

Gestern kam ein neuer Vermittlungsvorschlag der Arbeitsagentur. Wenigstens nicht so absurd wie beim letzten Mal, auch wenn meine Chancen als wissenschaftliche Referentin sehr gering sind. Meine bisherige Bewerbungen auf solchen Stellen sind immer ohne angegebenen Grund abgelehnt worden.


Dieser Beitrag ist ursprünglich auf Meckereien & Co. erschienen.

10 Gedanken zu “Immer noch keinen Vertrag

  1. Oh, wie gemein! Aber im schlimmsten aller Fälle hast Du vielleicht sogar Anrecht auf eine Entschädigung, weil Dir gesagt wurde, dass alles klar ist und Du Deinen Arbeitgeber informiert hast? Aber wenn der Vertreter schon unterschrieben hat Dein zukünftiger Chef Dich schon als Teammitglied vorgestellt hat, dann ist das doch auf jeden Fall schon eine ziemlich handfeste Sache. Ich drücke alle verfügbaren Daumen!
    Falls es wider Erwarten doch nichts werden sollte – ich habe erst vor kurzem einen wirklich guten Jobsammelblog entdeckt und daraufhin schon mehrere Bewerbungen geschrieben. Mein Fokus geht eher Richtung Geisteswissenschaft, daher weiß ich nicht, wie viel da für Deinen Bereich drin steckt: http://gesinesjobtipps.de/ Du bist doch auch hier in Berlin, oder?

    Gefällt 1 Person

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