Kindergartenliebe

An meine erste Liebe kann ich mich immer noch erinnern, obwohl die Details diffus sind. Ich muss drei Jahre alt gewesen sein, denn wir besuchten die gleiche Schule in meiner Geburtsstadt (nicht Kindergarten, eine richtige Schule, école maternelle heißt es in Frankreich, und ganztägig war es), und von dort sind wir ausgezogen, bevor meine Schwester geboren wurde und ich zur Gruppe der Großen wechseln konnte, für das letzte Jahr vor der Grundschule. Alexandre hieß er. Und ich weiß nicht mehr, wie es lief, ob wir zusammen gespielt hatten, oder ob ich ihn nur heimlich von weitem mochte. Ich hatte sogar ein Plüschtier, das ich nach ihm genannt hatte. Nur meiner Mami hatte ich meine Verliebtheit anvertraut, und da sich mein Vater wenig später sich darüber lustig machte, hatte ich schon ganz früh mein Vertrauen zu ihr verloren. Herzensgeschichte habe ich nie wieder erzählt, außer, um meine Eltern vor Tatsachen zu stellen — ich will ausziehen, oder ich heirate (gut, vorher wurde der Auserwählte vorgestellt, aber zuerst rein aus Pflichtgefühl, „weil man halt sowas macht“).

Sehr süß dagegen war die Szene im Rückflug vom Urlaub am Samstag. Das Flugzeug wimmelte nur von Familien mit Kleinkindern. Es drohte, ein Alptraum zu werden, aber die Kinder waren außerordentlich still, außer beim Starten und beim Landen, was verständlich ist. Auf der anderen Seite vom Gang, auf gleicher Höhe wie wir, saßen zwei Familien hintereinander. Die Familien schienen sich nicht zu kennen. In der vorderen Reihe saßen Eltern mit einem kleinen Jungen, hinter ihnen saßen eine Mutter mit zwei Töchtern, die eine im Grundschulalter, die andere etwa gleich alt wie der Junge, geschätzt maximal zwei Jahre alt. Der Vater saß bei uns neben dem Ehemann. Nachdem wir in der Luft waren und man nicht mehr angeschnallt sein musste, sind die zwei Kleinkinder aufeinander aufmerksam geworden. Es war die Liebe auf den ersten Blick. Die Beiden haben sich nicht mehr aus den Augen verloren und haben sich ständig angelacht und in Babysprache angequatscht. Beim Verlassen des Flugzeuges hat der Junge dem Mädchen seinen Schnuller geschenkt.


Dieser Beitrag ist ursprünglich auf Meckereien & Co. erschienen.

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