Ab morgen habe ich Home Office

Nur noch zwei Tage Arbeit bis zum Urlaub. Viele Kollegen sind schon weg. Heute musste ich ins Büro, weil ich schon wieder das Rufbereitschaftshandy dem nächsten Pechvogel übergeben musste. Wobei es über die Feiertagen geht, wir haben keinen Nutzerbetrieb und die Geräte sind ausgeschaltet. Ursprünglich wollte ich gleich danach mein Laptop packen, zurück nach Hause fahren und die letzten Arbeitstage des Jahres zu Hause verbringen. Wenn eh kaum einer da ist, kann ich mir die tägliche zweistündige Fahrt im ÖPNV sparen. Wobei mir die Bahn heute viel leerer als sonst vorgekommen ist. Vermutlich sind viele schon im Urlaub.

Ich sollte weiter an meinem DFG-Antrag arbeiten und ihn umstrukturieren. Schon wieder. Langsam ergibt es für mich keinen Sinn und ich habe keinen Bock mehr. Die DFG finanziert keine Projekte, die mit Methodenentwicklung zu tun haben, sondern nur Grundlagenforschung, und ich sollte den Antrag umschreiben, um mehr auf Grundlagenforschung einzugehen. Dagegen hatte ich an Programm#1 wegen Zeitmangels lange nichts mehr gemacht. Darauf hatte ich plötzlich viel mehr Lust als mir den blöden Antrag anzuschauen und zu grübeln, wie ich den nochmal umgestalten könnte. Und da mein Zimmer-Kollege endlich ausgezogen ist, konnte ich im Büro sehr gut konzentriert arbeiten. So produktiv war ich lange nicht. Ich habe die Zeit nicht gemerkt und erst kurz vor sechs Feierabend gemacht. Dabei ist mir aufgefallen, dass ich schon ewig nicht mehr so spät auf Arbeit geblieben war. Ich glaube, mein Zimmer-Nachbar hatte damit zu tun, dass ich nicht so lange auf Arbeit bleiben wollte.

Ich saß in der S-Bahn auf dem Weg nach Hause, mit meinem üblichen komischen Bauchgefühl, und war fast angekommen, als ich vom Ehemann einen Anruf bekommen habe. Ob ich nicht Lust darauf hätte, zum Kiez-Weihnachtsmarkt zu gehen? Klar. Mein Laptop ist super schwer, aber wenn er den tragen will, gehe ich gerne hin. Erst als wir zurück zu Hause waren, zwei Glühweine und eine Krakauer später, haben wir die Nachrichten gehört. Entsetzlich. Wie in Nizza. In den Nachrichten wollte der Journalist vor Ort noch nicht von einem Attentat reden und hatte die Möglichkeit erwähnt, dass es sich um einen Unfall handeln könnte, vielleicht hatte der Fahrer einen Herzinkarkt bekommen, aber wenn er auf der Flucht ist, glaube ich nicht daran.

Ich hatte schon vor einiger Zeit mit dem Gedanke gespielt, mein Konto auf Facebook zu löschen, aber gerade jetzt kam die Funktion, wo man sich bei schlimmen Ereignissen als sicher melden kann, sehr gut an. Viele Nachrichten von Familie und Freunden aus Frankreich bekommen, und ich konnte sie damit gut beruhigen.

Für morgen Abend wollten wir ursprünglich zurück zum Weihnachtsmarkt gehen. Und das werden wir verdammt noch mal tun. Von der Straße aus ist er nicht gut zugänglich, da sind viele Bäume zwischen Fahrbahn und Markt. Na ja, es gibt auch viele Mülleimer neben den Steh-Tischen, drin könnte man bestimmt ohne große Mühe etwas verstecken… Mein Kopfkino führt mir immer die schlimmste Szenarien vor.

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