Automatische Abwesenheitsemail

Ich dachte, es wäre eine gute Idee, eine automatische Abwesenheitsnachricht für dieses Wochenende einzurichten. Ich hatte recht. Und wie.

Morgen muss ich nach England, um als eingeladene Dozentin an einem Workshop für fortgeschrittene Studenten teilzunehmen. Bei der dort gestiegenen Ausländerfeindlichkeit bin ich schon nicht so scharf drauf, hin zu fliegen. Ursprünglich hieß es, der Workshop würde in Irland statt finden, aber dann wurde der Ort verlegt. Schade. In Irland war ich nur einmal, vor langer langer Zeit, am Ende der Mittelstufe, ich wäre gerne wieder dort gewesen.

Der Workshop ist schon seit über einem Jahr geplant. „Geplant“ ist dabei übertrieben. Ich glaube, der Hauptveranstalter hat selber keine Ahnung gehabt, was er genau machen wollte, und sich Leute ausgesucht, die ihm das Programm zusammen basteln würden. Sein erster Entwurf war zeitlich völlig unrealistisch. Die Thematik war vom Anfang an klar, aber nicht, was die einzelnen Dozenten machen sollten. Am Ende hieß es, wir sollten in einem Tag Stoff vermitteln, das wir bei unserem Kurs hier innerhalb einer Woche verarbeiten. Einiges kann gekürzt werden, aber der wesentliche Inhalt kann nicht auf nur einen Tag reduziert werden. Vor allem, weil die Studenten am Ende vom Kurs selber kurze Präsentationen mit eigenen Beispielen liefern sollen. Wir haben einen zweiten Tag bekommen.

Ich sollte über Datenauswertung etwas erzählen, aber das mache ich natürlich nur, weil ich dabei Programm#1 vorstellen kann. Sonst würde mich Winfried nicht hinfahren lassen, ich könnte meine Zeit hier viel sinnvoller verbringen. Ich bin dem Hauptveranstalter von einem dortigen Konkurrenten, Colin, vorgeschlagen worden. Colin kenne ich aus anderen Konferenzen. Er hat einen anderen Programm zum selben Zweck wie Programm#1 geschrieben, mit jedoch anderen Ansätzen. Er wird auch am Workshop teilnehmen und sein Programm vorstellen. Das ist sinnvoll, weil die Studenten damit verschiedene Werkzeuge kennen lernen, die sie einsetzen können. Bei dem ursprünglich limitierten Zeitrahmen hatte ich mich damals allerdings gefragt, ob es so notwendig wäre, dass ich dort etwas beitrage.

In Programm#1 benutze ich intensiv ein anderes Programm#0, das man nur auf Kommandozeile bedienen kann. Mit riesigen Eingabe- und Ausgabedateien. Das ist für Anfänger und für die heutigen Studenten, die nur in der Lage sind, die Maus zum Klicken einzusetzen, nicht einfach. Programm#1 bietet eine graphische Oberfläche zu Programm#0 an, automatisiert bestimmte Entscheidungen und macht darüber hinaus zusätzliche Analysen zur Datenqualität. Ein Entwickler von Programm#0, Geert, wird auch nächste Woche anwesend sein. Wir haben schon gemeinsam an anderen Workshops dieser Art teilgenommen. Ursprünglich hatte aber der Hauptveranstalter geplant, Geert zusammen mit Colin über das andere Programm reden zu lassen, und ich sollte alleine Programm#0 und Programm#1 vorstellen. Das machte überhaupt keinen Sinn, und zeigt, wie wenig er über die Thematik Bescheid weiß.

Als zusätzliche Schwierigkeit kommt jetzt der Clou: Den Teilnehmern werden keine Rechner zur Verfügung gestellt. Sie sollten ihre eigene Laptops mitbringen und alle notwendige Programme selber installieren. Vor zwei Monaten ging eine Email raus, um sie darüber zu informieren. Ich hatte mich angeboten, um bei Installationsproblemen für Programm#1 zu helfen. Bis gestern habe ich genau eine Anfrage bekommen, und es ging darum, wie man das Programm von Colin installiert. Ich habe natürlich geantwortet, aber hingewiesen, dass Colin bestimmt besser helfen könnte, und seine Email-Adresse mitgeteilt.

Seit gestern kriege ich plötzlich Anfragen von den Kursteilnehmern. Gestern tagsüber nur zwei, aber da wir mit Studenten zu tun haben, die bekanntlich alles auf dem letzten Drücker machen, hatte ich schon Böses geahnt und die automatische Abwesenheitsemail ab gestern Abend eingerichtet. Zeit gab es seit zwei Monaten genug, um Programm#1 zu installieren. Ich opfere jetzt nicht mein Wochenende, um bei allen nach der Ursache für Installationsprobleme zu suchen. Selber Schuld. Ich werde jetzt die Wohnung putzen, zum Sport gehen, mich frisch machen, meine Präsentation für Montag fertig kürzen und zum Restaurant mit dem Ehemann gehen, wie wir schon länger geplant haben. Morgen früh muss ich zum Flughafen. Für alle Fälle hat Geert sowieso einige bootfähige USB-Sticks mit allen Programmen vorbereitet.

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