Heute im Fitnessstudio

Ich habe es geschafft, zum Sport zu gehen. Früh genug Feierabend gemacht, um danach noch vor zehn Uhr abends zu Hause zu sein. So spät. Ich hatte unterwegs Gemüse gekauft, und der Ehemann hat uns eine sehr leckere und kalorienarme Pfanne daraus gemacht, während ich geduscht habe. Erstes Ziel der Woche erreicht. Ich habe mir vorgenommen, noch am Mittwoch und am Freitag zum Fitnessstudio zu gehen. Mal schauen.

Heute habe ich nicht viel am Oberkörper trainiert. Mein Ellbogen hat kurz nach Feierabend trotz abgeschlossener Krankengymnastik plötzlich wieder geschmerzt, und ich habe ihn daher geschont. Ein bisschen mit geringen Gewichten am Latzug gearbeitet. Ich war zur Zeit die einzige Frau in diesem Teil vom Raum, was mir zuerst nicht aufgefallen war. Wenn ich trainiere, ist es mir egal, wer sonst neben mir steht.

Zwischen zwei Wiederholungssätzen saß ich geistesabwesend auf dem Gerät. Einige Meter vor mir stand ein riesiger Spiegel, so groß wie die Wand selbst. Ich konnte sehen, was hinter mir passierte, aber nicht sehr scharf, da meine Brille neben meiner Wasserflasche lag. Ich saß also da mit leerem Kopf, als zwei junge Männer hinter mir zur Männerumkleide gingen. „Hier trainieren echt intelligente Leute,“ meinte einer. „Haha, eine Anspielung auf den Namen der Kette,“ habe ich gedacht, und bin weiter in meinen gedankenlosen Sumpf gesunken.

„Siehst du, die Frau da, sie ist Wissenschaftlerin in meiner Uni“. „Ach echt, wer denn?“ habe ich mich kurz danach gefragt, als die Wörter bis zu meinem Gehirn durchgedrungen sind. Ich habe mich neugierig umgeschaut, und dabei gemerkt, dass ich die einzige Frau bei den Oberkörpergeräten war, und die andere Mädels weiter weg viel zu jung waren, um auf die Beschreibung zu passen. Ich war wohl gemeint, obwohl ich an der Uni nicht arbeite. Die Jungs waren schon in die Umkleide verschwunden. Bestimmt war der Eine ein ehemaliger Student bei unserem Praktikum. Ich kann mir Gesichter schlecht merken, und von Studenten erst recht nicht, da ich bei Vorlesungen mit mehreren auf einmal zu tun habe. Die Uni, mit der wir für Praktika zusammen arbeiten, ist aber nicht weit vom Fitness-Studio.

Wenn ich also dachte, völlig anonym trainieren zu können, ist die Illusion jetzt geplatzt. Vielleicht sollte ich doch ab jetzt mehr darauf aufpassen, was ich beim Trainieren anziehe.


Dieser Beitrag ist ursprünglich auf Meckereien & Co. erschienen.

Wochenende in Venedig

Ich bin kurz nach zwei vom Ehemann geweckt worden. Lautes Schnarchen. Seitdem kann ich nicht mehr einschlafen. Ich fand es nach fünf zu blöd, umsonst so zu liegen, und bin aufgestanden. Wir sind ja um die ungewohnte Uhrzeit von zehn Uhr abends ins Bett gegangen. Ich wurde gestern Abend auf der Couch plötzlich zu müde. Kein Wunder, denn wir am Wochenende wieder unterwegs waren. Wir hatten zur Hochzeit eine Reise nach Venedig geschenkt bekommen, und sie war für dieses Wochenende geplant.

Wir haben dort eine schöne Zeit verbracht, aber ich denke, Venedig ist einfach überteuert.

Das Hotel war schon mal mangelhaft, und ich habe gestaunt, als ich gesehen habe, welchen Preis für das kleine Zimmer verlangt wird. Besser aussehende Hotels in der Umgebung haben schon locker 500€ pro Nacht gekostet, und sie sahen noch nicht richtig außerordentlich aus. Für nicht mal die Hälfte haben wir am letzten Wochenende in einem luxuriösen Schloss zwei Nächte verbracht. Man bekommt deutlich zu spüren, dass man in Venedig ist. Unser Hotel war sehr eng konzipiert. Der Frühstücksraum war einfach am Ende von einem Flur zwischen den Türen von anderen Zimmern eingequetscht worden. Als ob der Mangel an diese grundlegende Einrichtung erst im Nachhinein gemerkt wurde. Dazu hatten wir das Pech, dass vor uns ekelhafte Gäste im Zimmer übernachtet haben, offensichtlich, weil kein normaler Mensch den Inhalt seiner Nase am Türrahmen und an den Wänden vom Badezimmer verteilt. Das hat die Putzfrau anscheinend nicht gemerkt. Ich habe zuerst mit Klopapier den Türrahmen und die Fliesen geputzt. Es war sogar noch weich. Igitt. Dasselbe habe ich übrigens auch in einem Hotel niedrigerer Kategorie in Süddeutschland erlebt. Ich will nicht wissen, wie die Wohnung von solchen Hotelgästen aussieht.

Die Restaurants in Venedig waren teuer, und ich kann nicht behaupten, dass es besser war als das, was wir sonst bei unserem lokalen Italiener in Berlin bekommen. Nein. Dafür waren die Preise viel höher. Man kann zu zweit einfach 100€ für ein Abendessen ausgeben, wenn man nicht aufpasst. In Berlin hat man es schwer, für den Preis so viel zu essen. Selbst wenn es die einzige Mahlzeit des Tages ist. Gegessen haben wir aber gut. Ich fühle mich jetzt immer noch voll satt und der Gedanke an Essen ist mir unangenehm. Da ich jetzt insgesamt weniger esse, um abzunehmen, bin ich nicht mehr daran gewöhnt, so viel in Restaurants zu gehen. Ich fürchte schon die nächste Anzeige der Waage. Vielleicht gehe ich zuerst heute Abend zum Sport.

Aber sonst war es schön, ein bisschen Zeit in Venedig zu verbringen.

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Am Freitag sind wir spät angekommen und nur ein bisschen spazieren gegangen, bevor wir kurz vor eins ins Bett gefallen sind (mit einem mulmigen Gefühl für mich, nachdem ich den Zustand von Badezimmer gesehen hatte, aber der Ehemann hat es nicht mitbekommen, und die Bettwäsche war sauber). Am Samstag haben wir vieles unternommen. Wir hatten im Voraus eine Führung für den Dogenpalast und den Markusdom gebucht. Das würde ich jederzeit empfehlen, selbst wenn es erstmal so teuer erscheint. Die Führung war gut, und man hat keine Wartezeit. Das sollte man nicht unterschätzen. Bei der Länge der Schlangen für beide Gebäude auf dem Markusplatz ist es sicherlich wert, ein paar mehr Euros zu investieren. Ich stelle mich definitiv nicht für eine Stunde Wartezeit an. Sonst rächt sich mein Ischias sofort. Es war auch noch kalt am Samstag. Danach sind wir durch die Stadt geschlendert. Sehr süße enge Gassen entdeckt. Man findet außerhalb von den Touristenattraktionen sehr schöne und menschenleere Orte. Gestern Vormittag sind wir spazieren gegangen, und am Nachmittag mussten wir schon zurück zum Flughafen.

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Dieser Beitrag ist ursprünglich auf Meckereien & Co. erschienen.