Man redet nicht mit vollem Mund

Ein Satz, den ich am Tisch in meiner Kindheit immer wieder gehört habe. Meine Eltern, vor allem meine Mutter, haben es uns tausendmal gesagt. Man redet nicht mit vollem Mund. Es ist eklig. Das empfinde ich auch so.

Heute Mittag stand ich alleine an einem Tisch und aß meine Portion in Ruhe. Es gab eine Art Spätzle mit Fleischbällchen. Besser als gestern, da hatten die Redner in unserer Session ständig so lange überzogen, dass sich die Zeitplanung um einen ganzen Vortrag verschoben hatte, und wir beim verspäteten Rausgehen nur noch einen mickrigen Gemüsenspieß bekommen hatten.

Wenig später ist ein anderer Tagungsteilnehmer zu mir gekommen und fragte, ob er an meinem Tisch essen dürfte. Warum hätte ich ablehnen sollen? Seine Kollegin gesellte sich gleich danach ungefragt zu uns.

Der Mann hat sich eine voll geladene Gabel Nudel mit Parmesan im Mund gestopft, um sich dann sofort zu mir zu drehen und anzufangen, sich mit mir zu unterhalten. Ich habe es gerade noch rechtzeitig geschafft, mit dem Arm und meinem breiten Ärmel den Inhalt von meinem Teller zu schützen. Eklig war es zu sehen, wie er beim reden den Inhalt aus seinem Mund rum gespuckt hat. Seine Kollegin, die deutlich bessere Tischmanieren beigebracht bekommen hatte, sah ein wenig angewidert aus. Ich glaube, sie war froh, dass er mal mit einer anderen Person geredet hatte. Ich habe knapp geantwortet und in keiner Weise angedeutet, dass ich an eine Fortsetzung der Diskussion interessiert war. Er hat dann gemerkt, dass er eine Serviette oder ähnliches vergessen hatte, und ich habe in seiner kurzen Abwesenheit möglichst schnell gegessen.

Bei seiner Rückkehr hat er wieder probiert, mit mir zu diskutieren, und als ich kaum geantwortet habe, hat er sich dann mit seiner Kollegin in einer anderen Sprache unterhalten. Sobald ich fertig war, bin ich zu meinem nächsten Termin weg gelaufen.


Dieser Beitrag ist ursprünglich auf Meckereien & Co. erschienen.