Harte Nacht

Wir sind gestern ganz früh ins Bett gegangen. Wir haben mit dem Schwiegervater und einer Nichte in einem Lokal gegessen. Ich hatte mir den ganzen Tag ein schönes Kaloriendefizit aufgebaut, um ohne Reue den Abend zu genießen. Schweinerückensteak mit Pfifferlingen und Spätzle. Dazu zwei Biere. Ich hatte es nicht erwartet, weil es nichts Außergewöhnliches war, aber die haben mich mächtig gehauen. Als wir aus dem Lokal gegangen sind, ist mir bewusst geworden, dass ich betrunken war und nur noch schlafen wollte. In der S-Bahn habe ich auf Martins Schulter gedöst. Um halb zehn war ich im Bett. Martin ist mir gefolgt. Wir sind sofort eingeschlafen. Durchgeschlafen haben wir nicht.

Kurz vor Mitternacht hat mich Martin zum ersten Mal geweckt. Er hat etwas von einem Koffer erzählt und ist aus seiner Schlafposition gesprungen, um auf die Bettkante zu sitzen.“Was ist los?“ habe ich gefragt. Er hatte einen Koffer verloren. Da er vorgestern wieder auf Dienstreise geschickt wurde und erst gestern am späten Nachmittag zurück gekommen ist, und da ich gerade aus dem Schlaf gerissen wurde, erschien es mir plausibel. „Was für einen Koffer denn?“ Er hat lange etwas Unverständliches erzählt, wobei ich nur das Wort „Militär“ mitbekommen habe. Ich habe ihn gefragt, ob er noch am Schlafen war, da ich sonst kein Wort verstanden hatte. „Vielleicht, ich habe auch nichts verstanden“, war seine Antwort. Er hat sich wieder hingelegt.

Eine Stunde später bin ich von einem Traum aufgewacht. Am Traum selbst kann ich mich nicht mehr erinnern, außer dass jemand geklingelt hatte. Ich habe gedacht, Martin müsste aufstehen und zur Tür gehen. Bevor ich ihn ansprechen konnte, ist mir aufgefallen, dass es ein Traum gewesen war. Ich bin zur Toilette gegangen, aber der Traum ließ nicht ganz los und ich habe noch den zweiten Schloss der Tür geriegelt, falls ein Eindringling im Haus war.

Eine halbe Stunde später, als ich noch nicht eingeschlafen war, hat Martin gefragt, wem er etwas Unverständliches geben könnte. „Bitte?“ habe ich gefragt. Er ist wach geworden, hat gemerkt, dass er wieder im Schlaf geredet hat und geseufzt.

Als ich noch drei Viertelstunden später den Schlaf suchte, hat er angefangen, ganz aufgeregt zu atmen, und dann „Und Tschüß!“ gerufen. Er klang sehr aufgeregt, daher habe ich versucht, ihn zu beruhigen. Er ist aufgewacht. Da ich noch nicht schlief, habe ich ihn gefragt, mir seinen letzten Traum zu beschreiben. Er war auf einem Gebirge mit Leuten unterwegs, es war sehr windig, und ein Mann ist mit dem Wind weg geflogen. Daher hatte er Tschüß gerufen. Ich konnte nur noch lachen.

Es war inszwischen fast drei Uhr morgens. Ich dachte, ich würde lange vergeblich versuchen, wieder einzuschlafen. Es ist mir doch recht schnell gelungen. Ich weiß es, weil ich einen unangenehmen Traum hatte:

Die Ransomware

Ich saß an meinem Rechner in meinem ehemaligen Kinderzimmer unserer Villa in Südfrankreich. Meine Mami lag im Bett, wo früher meine Schwester geschlafen hatte.

Was ich am Rechner genau machte, weiß ich nicht mehr. Ich war unter Windows. Irgendwann habe ich ein merkwürdiges Fenster mit einer Scam-Warnung bekommen. Irgendwas hat angefangen, sich zu installieren. Mein Rechner ist instabil geworden und ich habe keine Kontrolle mehr gehabt. Ich habe kurzzeitig im Vollbildschirm ein Bild bekommen, wo drauf „Ransomware“ stand. Ich habe mich gewundert, warum meine Antivirus-Software nicht reagiert hat. Ich habe versucht, nicht in Panik zu geraten, und habe gedacht, im schlimmsten Fall könnte ich meinen Rechner mit Ubuntu starten, das ich auf einer anderen Festplatte installiert habe.

Ich habe den Rechner neustarten wollen. Die Ransomware hat sich gewehrt und gehindert, dass der Rechner heruntergefahren wird. Ich habe die Tastenkombination Strg + Alt + Entf drücken wollen, aber meine Tastatur sah plötzlich ganz anders aus. Strg und Alt waren an ihren üblichen Plätzen. Entf nicht. Da waren neue bunte Tasten, eine davon hieß Jihad. „Ach du Scheiße“, habe ich gedacht. Ich habe den Power-Knopf lange gedrückt. Der Rechner hat sich ausgeschaltet. So weit so gut.

Beim Hochfahren habe ich nicht das übliche Bild von der Mainboard gesehen. Es ging sofort mit dem Bild der Ransomware los. Ohne GRUB. Zu Ubuntu konnte ich also nicht wechseln. Die Ransomware hat ein Video gestartet. Die Musik war gruselig und laut. Ich habe die Lautsprecher ausgeschaltet. Die Musik lief weiter. Meine Mami hat es gestört, weil sie schlafen wollte. Ich habe versucht, den Rechner auszuschalten. Strg + Alt + Entf hat nicht gewirkt. Der Power-Knopf auch nicht. Das Video lief weiter. Als ich auf den Bildschirm geschaut habe, standen zwei Männer in weißen Gewänden. Beide trugen einen Turban. Von der Seite, nicht zu sehen, hat jemand plötzlich mit einem Säbel den Kopf vom Mann rechts abgetrennt. Blut hat gespritzt, als der Kopf nach vorne fiel. Meine Mami hat gesagt, sowas wollte sie nicht vor dem Einschlafen gesehen haben. Da der Rechner sich nicht herunterfahren ließ, habe ich am Ende beschlossen, die unterbrechungsfreie Stromversorgung, an die mein Rechner immer hängt, auszuschalten. Endlich war Ruhe.

Ich habe die Fensterläden geschlossen. Meine Mami hat auf ihrem Handy einen Anruf bekommen. Meine Schwester war es, die sie mitten in der Nacht angerufen hatte. Da sie gerade hochschwanger ist, hat meine Mami sofort gefragt, ob sie ein Problem hätte.

Ich bin aufgewacht. Vier Uhr morgens. Der Rest der Nacht verlief zum Glück ruhiger.

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