Bösartige Oma

Heute Morgen, auf dem Weg zur Radiologie-Praxis. Ich fahre mit dem Bus. Der ist ein bisschen verspätet angekommen, aber die Fahrt dauert nicht mal fünf Minuten.

Ich habe vorne links einen Platz gefunden. Ein Sitzplatz für Behinderte. Das bin ich momentan wohl. Ganz vorne sitzt eine Oma und hält sich mit der linken Hand an der Haltestange fest. Hinter mir, oder besser gesagt rechts von mir (der Sitzplatz ist mit dem Rücken zum Fenster gebaut) ist der Raum für Rollstühle und Kinderwagen. Ein Kinderwagen mit einem Kleinkind steht da, die Mutter sitzt direkt nebenan.

Wir sind gleich bei meiner Haltestelle. Einige Leute fangen schon an, aufzustehen. Die Mutter auch. Wir müssen nur noch über die Kreuzung. Die Kreuzung ist viel befahren. Wir fahren durch, und plötzlich muss der Fahrer mitten in der Kreuzung eine Vollbremse machen. Ich vermute, dass jemand die rote Ampel ignoriert hat. Von meinem Sitzplatz aus sehe ich nichts vom Verkehr. Die Vollbremse ist heftig. Und der Kinderwagen kippt. Die Mutter kann nicht so schnell reagieren, um den Wagen zu halten. Ich erst recht nicht. Erstens bin ich verletzt, zweitens passiert es zu weit weg von mir. Der Kinderwagen landet am Boden. Das Kind schlägt den Boden mit der linken Schläfe und fängt natürlich an, zu schreien.

Der Busfahrer hält mitten in der Kreuzung. Er steht auf und schaut nach dem Kind. Fragt die Mutter, ob sie Hilfe braucht. Der Kinderwagen wird wieder aufrecht gebracht. Das Kind hört auf zu weinen und hält sich ganz still die Schläfe. Kein gutes Zeichen.

Und die Oma vorne lacht. Sie freut sich darüber, dass die Mutter das Unglück nicht verhindern konnte. „Da hat die Mutter den Wagen nicht fest gehalten,“ sagt sie leise vor sich hin, und lacht nochmal.

Kann man wirklich so grausam sein, oder ist es ein Zeichen von Senilität?


Dieser Beitrag ist ursprünglich auf Meckereien & Co. erschienen.

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Doch nicht nur ein Riss

Für diese Erkenntnis habe ich gerade zweieinhalb Stunden in der Praxis gesessen. Dreiundneunzig Prozent davon wartend. Und ich bin großzügig, ich denke nicht, dass die Untersuchung zehn Minuten gedauert hat.

Ich muss zugeben, ich habe es mit dem Gips nicht bis heute ausgehalten. Es hat fürchterlich gejuckt und durch das Gewicht Schmerzen in meinem Oberarm verursacht. Der Ehemann meinte, er könnte mir den Gips abmachen und später wieder binden. Sein Angebot habe ich sofort angenommen. Was für ein Befreiungsgefühl! Es wäre gegangen, den Gips wieder anzubringen, aber ich habe gemerkt, dass ich jetzt ohne besser klar komme. Und den Gips wollte ich nicht mehr.

Mein Termin bei der Radiologie war um kurz nach zehn geplant. Ich bin sehr knapp in der Zeit angekommen. Ich war zum ersten Mal dort und habe den Abstand zwischen Bushaltestelle und Praxis unterschätzt. Das war aber egal, weil bei meiner Ankunft mehrere Personen bei den Sekretärinnen standen. Bis ich dran kam, war es schon fünf Minuten nach dem Termin. Die waren eh verspätet, wie überall.

Nach einer halben Stunde im Warteraum bin ich zu einem Untersuchungsraum gebeten worden. Die Assistentin hat mir Fragen gestellt und nach den Röntgenaufnahmen vom Krankenhaus in Spanien gefragt. Ich habe ihr dazu den Bericht vom Arzt gegeben. Alles auf Spanisch und Katalanisch. Sie ist aus dem Raum verschwunden und hat mit der Ärztin hinter dem Raum diskutiert. Nach einiger Zeit ist die Ärztin selbst gekommen und meinte, statt eine Radiographie möchte sie lieber eine Computer-Tomographie (kurz CT) machen lassen, um sich eine bessere Meinung zu bilden. Sie hätte schon bei der Praxis von meinem Hausarzt angerufen und die Überweisung für eine CT würde sie anfordern, wenn ich einverstanden wäre. Was hätte ich dagegen finden sollen? Wenn sie es für nötig hält, mache ich das natürlich mit. Meine erste Erfahrung mit CT war zwar furchtbar gelaufen, aber damals lag es daran, dass ich an eine bestimmte Stelle mit einer Monsternadel eine Injektion bekommen sollte, was sehr schmerzhaft war.

Ich bin zurück zum Warteraum gegangen. Ich sollte nur eine halbe Stunde warten. Die Ausgabe vom Stern habe ich durchgelesen. Es wurde eine ganze Stunde. Die Untersuchung selbst lief ohne großes Problem. Es war ein bisschen umständlich, mich auf dem Bauch hinzulegen und den Arm möglichst gerade über den Kopf zu strecken. Ich hatte mehr Angst, Schmerzen dabei zu bekommen, als ich wirklich Schmerzen gespürt habe.

Danach, nochmal im Warteraum sitzen, bis ich die Bilder bekomme. Nochmal eine Viertelstunde. Als ich die CD bekommen habe, hieß es, es wäre doch kein Riss sondern etwas Komplizierteres im Ellbogen. Der Bericht würde in Kürze zu meinem Hausarzt geschickt und ich müsste noch heute Nachmittag dahin. Also um vier. Diesmal bin ich sicher, dass die Praxis auf hat. Ich habe am Donnerstag mit dem Handy das Schild an der Tür fotografiert.


Dieser Beitrag ist ursprünglich auf Meckereien & Co. erschienen.