Ausgesaugt

Das Wochenende war mir zu viel.

Am Samstag vormittags bin ich gejoggt. Eine ganze Stunde. Alleine, der Ehemann hatte etwas anderes vor. Nachmittags haben wir den Geburtstag vom Schwiegervater gefeiert, und ich wollte im Vorraus Energie verbrauchen, um ohne schlechtes Gewissen essen zu können. Ich bin sowieso vernünftig gewesen und habe nicht verfressen.

Am Abend sind wir zu Freunden aufs Land gefahren. Es gab dort eine Dorffeier. Ich hatte keine große Lust, dahin zu fahren. Aber sie ziehen bald um, und die Gegend an der Havel ist schön. Es war eine der letzten Gelegenheiten, sie dort zu besuchen. Und aufs Land wird es schon ruhig sein, oder?

Weit gefehlt. Die Feier fand auf einer großen Wiese gegenüber vom Haus unserer Freunde statt. Ich hatte etwas anderes erwartet. Es waren nur viele lange Tische mit Bänken, umgeben von einer Bühne, wo DJs Musik sehr laut spielen lassen haben, und Ess- und Trink-Wagen. Ich habe den Abend damit verbracht, Gespräche nicht zu verstehen, weil die Musik zu laut war. Ein Bier und ein alkoholfreies Cocktail genippt. Kinder beim Wettrennen zugeschaut. Die hatten ihren Spaß. Es war nicht wirklich kalt, aber ich war dicht gepackt, mit Lederjacke, langer Hose und Laufschuhen.

Wir haben die Feier relativ früh verlassen. Am Lagerfeuer im Garten diskutiert. Um zwei sind wir zum Gästezimmer gegangen. Und, so wie es auf dem Land ist, musste der Ehemann zuerst für mich sämtliche Spinnen im Raum entsorgen. Eine hing sogar auf der Wand oberhalb von den Kopfkissen. Brrr. Das ganze Haus ist von Spinnen besetzt. Ich habe mich wieder gefragt, warum ich zugesagt hatte, mitzukommen. Er hätte alleine hinfahren können.

Als wir sicher waren, dass keine Spinne mehr im Raum war, selbst unter dem Bett, haben wir uns hingelegt. Aber schlafen konnte man nicht. Die Musik war so laut, dass die Scheiben der doppelten Fenster mit jedem Schlag vibriert haben. Mir ist plötzlich eingefallen, dass ich in meinem Nécessaire immer Ohropax habe, und ich konnte doch irgendwann nach drei Uhr morgens einschlafen. Die Feier hat bis zur Dämmerung gedauert.

Wir sind früh aufgewacht und an der Havel entlang spazieren gegangen. Nach dem späten Frühstück mit den Freunden sind wir zurück nach Berlin gefahren. Ich war platt. Abends war noch geplant, dass wir bei einer Cousine vom Ehemann essen gehen. Ich habe abgesagt. Schade, aber dafür war ich heute Morgen mit meinem Körpergewicht zufrieden.

Beim Ausziehen habe ich gestern festgestellt, dass ich aufs Land noch buchstäblich ausgesaugt wurde. An die Knöchel und an der inneren Seite des linken Oberschenkels. Diese fiesen Viecher haben es geschafft, durch die dicken Klamotten zu stechen. Beim Stich am Oberschenkel habe ich eine allergische Reaktion bekommen. Der Stich ist jetzt Kreisförmig, mit einem Durchmesser von einer Daumlänge. Angeschwollen, ganz rot und sehr warm. Furchtbar. Es wird noch mehrere Tage nerven, bevor es verschwindet. Meistens dauert es eine Woche.

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