Wieder im Lande

Wir hatten eine tolle Zeit.

Das Hochzeitskleid habe ich noch fertig gekriegt, bevor wir zu meiner Heimat geflogen sind. Es ist richtig gut geworden. Es wird Fotos vom Kleid geben, wenn ich mal dazu komme, die alle zu sortieren. Die Vorbereitungen bei der Friseurin und bei der Kosmetikerin fand ich eher lästig. Aber meine Trauzeugin Sabrina hatte schon viele Monate vorher betont, es gehört sich dazu. Ich denke immer noch, es hätte nicht sein müssen. Schmincken kann ich mich selber. Ich habe unglaublich viele Klammer in die Haare gesteckt bekommen, es war kein Spaß, sie danach zu entfernen.

Die Gäste sind gut angekommen. Wir waren schon zu viel für den kleinen Raum beim Standesamt in unserem kleinen Dorf, einige meiner Freunde haben hinten stehen müssen. Die Trauung wurde zum Glück kurz gehalten und verlief gut. Eine gute Kollegin meiner Mutter hat uns getraut. Besonders aufgeregt war ich eigentlich nicht. Herzklopfen? Zittern? Tränen in den Augen? Nichts davon. Bei anderen schon. Mein Stiefvater war nach der Trauung sichtlich berührt, obwohl sie auf Französisch lief.

Beim Verlassen vom Standesamt sind wir mit Reis und Rosenblättern beworfen worden. Die Körner haben ganz schön heftig auf der Haut geprallt. Ich habe viele nach der Feier beim Ausziehen im BH gefunden. Und in den Haaren. Wir hatten noch kurz Zeit, für die Freunde und Verwandte für Fotos zu posieren, und das Gewitter ist niedergegangen. Sehr überraschend, weil das Wetter vorher trotz Vorhersage der vorherigen Woche schön sonnig und sommerlich war. Von Regen war in meiner Wetter-App keine Rede mehr. Das Gewitter war sehr stark und hat mindestens eine halbe Stunde gedauert. Es hat richtig geschüttet. „Wir werden sowas von glücklich sein,“ habe ich meinem Mann gesagt. Die Gäste haben sich in allen Richtungen verstreut. Wir haben Schutz unter dem Dach der Terrasse eines Gemeinschafthauses auf der anderen Seite vom Platz gefunden. Ich war froh, einen Regenschirm parat zu haben.

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Nach dem Gewitter sind wir zum Hotel für die Feier gegangen. Auf dem Weg dahin haben wir vor dem Rathaus gesehen, wie sich Tauben über die Reiskörner gefreut haben. Die Gäste, die wir dort unterbracht hatten, waren schon mit Champagner versorgt. Die anderen sind nachher gekommen. Die Feier lief gut. Ich hatte mir große Sorgen gemacht. Mein Vater und meine Mutter hatte ich an zwei Tischen möglichst weit von einander plaziert. Sie hatten genug Verwandte und gute Bekannte um sich herum, um einen guten Abend zu verbringen, ohne sich wahrnehmen zu müssen. Es hat geklappt. Mein Vater hat auf eine Rede verzichtet, und das fand ich großartig. So hart wie es klingen mag, er ist nicht in der Lage, zwei Sätze ohne grobe Vokabel- oder Grammatikfehler auszusprechen.

Wir haben bis drei Uhr morgens gefeiert. Am nächten Tag hatte ich angeboten, zum entkatern eine Wanderung zu machen. Es war sehr sonnig. Die Mehrheit von den Gästen hat sich aber dafür entschieden, die Gegend mit dem Auto zu erkundigen. Ich bin mit meinen Gästen aus meiner Doktorarbeitszeit gewandert, nachdem wir uns im kleinen Supermarkt Versorgung für den Nachmittag geholt haben. Sie kannten die Provence gar nicht und waren begeistert, all die wilden Pflanzen, Thymian, Rosmarin und Lavendel einfach so am Rand vom Weg zu sehen. Wir sind fünf Stunden unterwegs gewesen. Ich hatte blöderweise vergessen, mich einzucremen, und habe einen Sonnenbrand bekommen.

Am nächsten Tag sind wir auf Hochzeitsreise geflogen.

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3 Gedanken zu “Wieder im Lande

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