Mit der Bahn durch Berlin unterwegs…

Ich bin mit der S-Bahn auf dem Weg zur Arbeit. Heute ohne Fahrrad, weil es bei der Arbeit spät wird. Eigentlich hätte ich den Hinweg radeln können. Hätte ich machen sollen. Nur die Aussicht auf Regen hat mich davon abgehalten. Ein Fehler. Ich hätte mir Ärger gespart und wäre noch schneller angekommen.

Heute herrscht wieder mal Bahn-Chaos. Der Gleis bei mir war unglaublich voll mit Menschen gepackt, der Zug vorher muss ausgefallen sein. Beim Umsteigen in Schöneberg ist auch eine Ringbahn ausgefallen, die nächste kam zehn Minuten später. Beim nächsten Umsteigen habe ich nochmal zehn Minuten warten müssen. Und andauernd hört man die Durchsagen wegen Zugausfällen und Verspätungen.

In der S1 war es besonders schlimm. Weil so viele Leute auf die Bahn gewartet haben, war der Zug voll. Einen Sitzplatz im Fahrradabteil konnte ich ergattern. Fünf Fahrräder waren schon drin. Gegenüber von mir saß eine ältere Dame mit ihrem Fahrrad. Direkt nach einer Haltestelle hat ihr Sitznachbar sie plötzlich angebrüllt, dass sie ihn aussteigen lassen soll. Um die fünfzig Jahre alt, graue Haare, buschiger Bart, olivgrüne Jacke ohne Ärmel und voll tätowiert. Sie hat sich verbal gut und ruhig gewehrt. Als der Mann aufgestanden ist, um noch einige Minuten bis zur nächsten Haltestelle vor der Tür zu stehen, ist sein Gestank bei meiner Nase angekommen. Volle Pulle Alkohol. Die Fahrradfahrerin hat ein Fenster geöffnet. Als nächste ist eine junge Frau eingestiegen, und musste gleich die  Dame schimpfen, weil die Fahrräder vor leeren Sitzplätzen standen. Höfflich fragen, ob man durchkommen darf, liegt wohl längst nicht mehr im Trend. Wozu gute Erziehung, wenn es agressiv auch geht?

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Bürowechsel

Ich habe gestern und heute den größten Teil des Tages mit meinem Umzug verbracht. Nach vielen Monaten des Wartens ist es jetzt endlich soweit: Ich wechsle das Büro. Und zwar geht es zum Nachbargebäude. Ich werde mir noch kurz mit einem Kollegen den riesigen Raum teilen, und demnächst zieht er selbst aus. Dann bin ich alleine. Endlich. Ruhe.

Mein neuer Zimmerkollege und Pawel haben mir geholfen. Wir hatten nur einen kleinen Wagen zur Verfügung, um alle meine Rechner samt Bildschirmen zu transportieren. Über die Straße und auf den Kopfsteinpflaster zu gehen war kein Spaß. Der Muskelkater von Sonntag hat sich bemerkbar gemacht. Ich habe auch gestern viel Zeit unter dem Schreibtisch verbracht, um die ganzen Kabel von den Rechnern zu sortieren.

Jetzt bin ich wieder gut eingerichtet. Alles, was noch fehlt, ist der Name an der Tür und die Einrichtung der Telefonleitung. Der einzige Nachteil vom neuen Büro ist, dass ich keine Außenjalousie habe. Der Lamellenvorhang reicht nicht, um die Hitze draußen zu lassen. Ein Ventilator muss her.

Die Nachricht des Tages

Meine Familie wird größer. In vier Monaten bin ich Tante.

Meine Mami hat angerufen. Sie sagte, meine Schwester wäre schwanger. Ich wusste nicht mal, dass sie einen Freund hatte. Wir haben auch nichts miteinander zu tun, seitdem sie vor, wie lange ist es her, mindestens über zehn Jahren den Kontakt mit der Familie abgebrochen hat. Später hat sie sich wieder mit meiner Mami und meinem Bruder regelmäßig getroffen. Ich habe sie erst wieder in September gesehen. Bei unserer Hochzeit war sie auch dabei. Und schon schwanger, aber das war nicht zu sehen, und das wollte sie in dem Moment nicht ankündigen. Sie hat meine Mami darum gebeten, mir telefonisch Bescheid zu sagen, weil sie meine Kontaktdaten nicht hat. Obwohl jede Suchmaschine die kennt.

Ich könnte sagen, es freut mich, aber mir fehlt der emotionaler Bezug. Meine Mami ist natürlich sehr glücklich, endlich Enkel zu bekommen. Von mir wäre es schwierig, ich bin schon zu alt dafür, glaube ich, ich werde dieses Jahr vierzig. Seit dem letzten Jahr bin ich nicht mehr schwanger geworden. Das ist auch nicht schlimm, weil wir ohne mein Gehalt richtig Probleme hätten.

Die Geschichte meiner Schwester ist schon merkwürdig. Sie war gerade mit ihrem neuen Freund zusammen gezogen (den hätte sie allerdings auch zur Hochzeit bringen können, wenn sie Bescheid gegeben hätte). Sie ist gleich schwanger geworden, hat es aber am Anfang nicht gemerkt. Es gab keine Symptome. Ihre Periode hatte sie wie immer bekommen. Sie hat ein bisschen zugenommen, aber sie dachte, es läge daran, dass sie nicht mehr alleine wohnt. Mir ging’s ähnlich, seitdem ich mit Martin lebe, habe ich wieder zugenommen. Irgendwann ist sie zu ihrer Frauenärztin gegangen, weil sie sich Sorgen um ihren wachsenden Bauch machte. Sie hat doch gemerkt, das etwas nicht stimmen konnte. Das Verdikt: Über drei Monaten schwanger. Das hört sich an wie „Ups, scheiße, jetzt ist es zu spät, um etwas dran zu ändern“. Ich habe keine Ahnung, wie ihr neuer Freund die Nachricht angenommen hat. Das hat mir meine Mami nicht gesagt. Vielleicht ist es schon der Grund, warum er bei der Hochzeit nicht dabei war.

Gejoggt

Wir haben während unserer Hochzeitsreise in Portugal wieder angefangen, zusammen zu joggen. Im Urlaub war es einfach, morgens vor dem Frühstück zu laufen. Kein Stress, alle Zeit der Welt. Wir haben uns Hotels in schöner Umgebung gesucht, möglichst am Wasser entlang, und sind zwischen einer halben und dreiviertel Stunde gelaufen. Nicht jeden Tag, aber in den zwei Wochen sind wir fünf oder sechs mal gejoggt.

Martin ging’s darum, sich für einen kleinen Firmenlauf zu vorbereiten. Ich bin mitgelaufen, um fitter zu werden und nicht so ein schlechtes Gewissen wegen der vielen Leckereien in Portugal zu bekommen. Das Essen war ja meistens hervorragend und viel. Da Martin Probleme mit der Achillessehne hat, läuft er am Anfang immer langsam. Das passt mir sehr gut. Wir waren schon früher gejoggt, bevor wir zusammen in die neue Wohnung eingezogen sind. Seitdem nicht mehr. Das ist schon über anderthalb Jahre her.

Ich fand das Laufen so gut, dass ich vorgeschlagen habe, zu Hause weiter zu laufen. Mit der Arbeit geht es unter der Woche morgens nicht — Martin ist echt ein Aufstehmuffel — aber wenigstens Sonntags sollte es möglich sein. Schluss mit Faulenzen. Denkste. Letzte Woche haben wir es nicht gemacht. Ich hatte einfach gar nicht mehr daran gemacht. Und die Woche davor auch nicht, da hatte ich wegen der langen Nacht der Wissenschaften am Samstagabend zu lange gearbeitet und war müde. Zugegeben, dramatisch war es nicht, ich bin mehrmals mit dem Fahrrad von der Arbeit nach Hause gefahren, und das sind schon 22 Kilometer.

Heute Morgen habe ich mich also sportlich angezogen, obwohl ich ehrlich gesagt überhaupt nicht motiviert war. Am frühen Nachmittag war die Lust wieder da, und wir sind Richtung Dreipfuhlteig los gegangen. Zusammen. Weil ich es alleine doch nicht hinkriegen würde. Und ich kann jetzt ganz stolz berichten, dass ich eine Stunde am Stück gejoggt bin. Langsam, ich habe gerade sechseinhalb Runden geschafft. Martin ist am Ende schneller gelaufen und hat eine Runde mehr gemacht. Nach vierzig Minuten hat es sich plötzlich schwieriger angefühlt, aber da Martin noch bei mir war, habe ich mich durchgebissen und nicht aufgegeben. Ich habe mich danach richtig toll gefühlt.

Es ist kühler geworden

Vor einer Stunde hatten wir noch knapp 37°C auf der Terrasse…

Temperatur

Alle Fenster sind tagsüber geschlossen. Im Treppenhaus fühlt es sich wie in einem Offen an. Ich gehe nicht raus.

Wir waren gestern Abend am Nikolassee. Es war überfüllt mit Menschen, aber es gab auch Enten und Blässhühner. Letztere wurden sogar noch von süßen kleinen Küken gefolgt. Ich konnte gut im Wasser abkühlen, der Rest des Abends war angenehm. In der kurzen Zeit am Wasser bin ich natürlich auch von kleinen Viechern gefressen worden…

Heute fällt mir das wöchentliche Putzen recht schwer. Staubsaugen ist erledigt, der Boden muss noch gewischt werden. Lieber sitzen bleiben. Gleich kommt ein Gewitter.

Ein verpasster Anruf

Es passiert selten, aber heute habe ich mein Handy zu Hause vergessen. In sich ist es nichts Tragisches. Ich bin nur heute Abend mit dem Fahrrad nach Hause gefahren, und ohne Handy fühle ich mich nicht so gut, weil ich niemanden anrufen kann, falls mir etwas unterwegs passiert. Ich bin doch gut angekommen, wie immer.

Auf dem Display vom Handy war ein verpasster Anruf von einer unbekannten Nummer. Ich bin ja immer noch misstrauisch, wenn jemand mich anruft, ohne dass die Telefonnummer bei mir gespeichert ist. Versteckt war die Nummer nicht: +881945110116. Die Vorwahl kam mir ganz komisch vor, ich konnte sie nicht mal einem Land zuordnen. Ich habe also nach der Nummer gesucht und nur Ergebnisse von www.wemgehoert.de gefunden. Die Seite über die Telefonnummer selbst ist ohne Eintrag. Dort habe ich wenigstens gelernt, dass die Vorwahl +881 das „Globale Satelliten-Telefon-System“ bezeichnet. Eine Suche danach führt mich auf der Facebook-Seite von einer Kräuterhändlerin, die sich am 17. Juni in einem Post beschwert hat, ständig Anrufe von dieser und zwei anderen Nummern beginnend mit +881 zu bekommen. Sehr seltsam. Ich habe die Nummer auf meinem Handy blockiert.

Montag

Die Woche hat ganz schön hart angefangen. Ich war heute um acht bei der Arbeit. Ich hätte also um sieben das Haus verlassen müssen, aber da mein Mann für eine Dienstreise zum Flughafen musste, hat er mich auf dem Weg dahin mit dem Auto gefahren. Ich konnte eine halbe Stunde länger schlafen.

Ganz unerwartet war der Stress heute nicht, da wie jedes Semester unser gemeinsame Kurs mit der Uni statt findet. Ich organisiere unseren Teil, vorbereite die Lehrmaterialien, kontaktiere die Studenten, melde sie für die Experimente an (seit dem Versäumnis vom letzten Jahr habe ich die Verantwortung dafür übernommen), und halte auch Vorlesungen. Ich mache es zum siebten Mal und es läuft wie geschmiert. Ich habe für heute nicht mal meine Präsentation vorher durchlesen müssen.

Dasselbe kann ich für Mr Keen nicht behaupten. Er hat eine Vorlesung von Uschi geerbt, die er heute zum zweiten Mal gehalten hat. Eigentlich hätte ich seine Präsentation damals übernehmen können, ich hatte sie schon bei mehreren Veranstaltungen vorgetragen und es hätte mir nicht viel Aufwand gekostet. Uschi meinte aber, ich sollte mich für den Kurs nicht überanstrengen, und Mr Keen würde sich bestimmt freuen, selber eine Vorlesung halten zu dürfen.

Tja. Wie es bei Mr Keen so ist, sagt er den Chefs immer „ja, mache ich gerne“, aber dahinter steckt nichts. Kein Bock, das war bei ihm in den letzten Wochen schon anzumerken. Und null Vorbereitung, so viel war heute wieder klar. Winfried war diesmal dabei, weil Mr Keen nächste Woche eine ähnliche Präsentation bei einer anderen wichtigeren Veranstaltung halten sollte. Ich kann mir nicht vorstellen, dass er mit seiner Leistung zufrieden sein konnte. Begriffe verwechselt, ständig versprochen (seine Sprachstörung kommt noch dazu), ich habe teilweise eingreifen müssen, damit die Studenten verstehen, was er so mühsam nicht richtig erklären konnte.

Was mich noch irritiert hat, ist, wie er mir heute sagte, ich müsste nicht so viel alleine für den Kurs machen, er würde gerne helfen. Das hört man von ihm häufig. Er hilft gerne, wirklich, man muss nur fragen. Wenn man es mal versucht, stöhnt er, hat dann doch etwas ganz anderes und wichtigeres zu tun und überhaupt keine Zeit, aber sonst „gerne“, jederzeit, nur jetzt nicht. Und wenn es eh dazu kommt, dass er alles wie seine Präsentation heute verschlampt, dann kommt es definitiv nicht in Frage, dass ich ihn etwas anderes für den Kurs machen lasse. Ich glaube, ihm geht es vor allem darum, sich als hilfsbereit zu zeigen und Verantwortung an sich zu reißen, um sich wichtiger erscheinen zu lassen. Aber bitte ohne zusätzliche Arbeit.

Es wird Zeit, dass Florian, unser neuer Mitarbeiter, bei uns anfängt. Noch zwei Wochen. Es wird einiges in der Gruppe ändern. Mr Keen war beim ganzen Bewerbungsprozess stark gegen ihn. Hat ihm immer vorgeworfen, mehr Schein als Sein zu zeigen. Die Beschreibung trifft eher auf Mr Keen zu. Ich glaube, er sieht Florian als ernsthafter Gegner. Mit Recht. Florian ist jung, sympathisch, dynamisch, motiviert und produktiv. Hat schon viele wissenschaftliche Artikel veröffentlicht. Und sieht auch noch gut aus. Das Gegenteil von Mr Keen, wirklich. Kein Wunder, dass er sich von ihm so bedroht fühlt. Ich kannte Florian schon, bevor er sich bei uns beworben hat, und hatte die ganze Zeit die Hoffnung, dass die Entscheidung auf ihn fallen würde. Es freut mich, ihn demnächst als Kollegen zu haben.

Couscous-Salat mit Hähnchenstreifen und Minze

Noch ein Couscous-Salat, den ich am Donnerstagabend improvisiert habe. Das Ergebnis schmeckt aber ganz anders.

Die Zutaten (für 4 Personen)

  • 100 g Couscous
  • 1 kleine rote Zwiebel
  • 2 Strauchtomaten
  • Hälfte einer großen Gurke
  • 1 Packung geräucherter Hähnchenstreifen
  • 2 Esslöffel Olivenöl
  • Saft einer großen Zitrone
  • 3 Stängel frischer Minze
  • Salz
  • Pfeffer

Die Zubereitung

  • In einem Topf, Couscous mit leicht gesalzenem Wasser zum kochen bringen. Beachten, dass man so viel Volumen Wasser wie Couscous braucht. Danach, Topf vom Herd nehmen und gedeckt abkühlen lassen, bis das ganze Wasser aufgesaugt wurde.
  • Zwiebel in Brunoise vorbereiten und Minzeblätter grob mit dem Messer hacken.
  • In einer großen Schüssel, Olivenöl, Zitronensaft, Salz, Pfeffer, Zwiebel und Minze zusammen rühren.
  • Den abgekühlten Couscous mit der Sauce gut mischen.
  • Tomaten, Gurke und Hähnchenstreifen in kleinen Würfeln schneiden und zum Couscous hinzufügen.
  • Nach dem Rühren, den Salat mindestens eine Stunde im Kühlschrank ziehen lassen.

Nährwertangaben

pro 100 g pro Portion fürs Rezept
Energie (kcal) 121,4 216,3 865
Eiweiß (g) 5,8 10,3 41,3
Kohlenhydrate (g) 11,5 20,5 82,1
davon Zucker (g) 1,7 3,1 12,4
Fett (g) 5,2 9,2 36,8
Ballaststoffe (g) 1,7 3,1 12,2

Geburtstagsfeier

Wir waren gestern Abend auf der Geburtstagsfeier von Sonia. Sie ist gerade fünfzig geworden.

Sie hat in ihrer Wohnung gefeiert. Es gab dort viele Leute, die wir gar nicht kannten. Wir sind ein bisschen später als geplant angekommen. Auf dem Weg zu ihr haben wir am Krankenhaus gehalten, weil der Schwiegervater dort gerade liegt (er hat sich direkt nach unserer Rückkehr aus der Hochzeitsreise zu Hause bei einem Fall den Arm gebrochen). Als wir bei Sonia angekommen sind, hatten die Leute kleine Gruppen gebildet und sich kaum mit den Anderen unterhalten — wie es halt häufig so läuft. Wir haben gemeinsame Freunde gefunden, die auch bei unserer Hochzeit anwesend waren, und haben den Abend mit ihnen verbracht.

Auffällig war, wie viele von den Gästen geraucht haben. Sonia ist selber Raucherin. Sie sind alle ganz nett zum Balkon gegangen, aber gebracht hat es nichts, da die Tür zum Wohnzimmer breit geöffnet war und das Fenster in der Küche auf der anderen Seite der Wohnung gekippt war. Sie mussten noch alle als Pack gleichzeitig raus, und der Balkon ist so klein, dass sie teilweise doch im Wohnzimmer stehen mussten. Im Nullkommanichts war die Bude völlig verraucht. Es war für mich unerträglich. Letztes Jahr waren wir auch bei ihr, vermutlich mit den gleichen unbekannten Leuten, aber ich kann mich nicht erinnern, dass es so schlimm war. Sie hatten damals die Tür zum Balkon hinter sich geschlossen. Vielleicht waren auch weniger Raucher dabei.

Nach Zweieinhalbstunden sind wir zurück nach Hause gefahren. Ein unserer Freund — Martins Trauzeuge — war mit dem Auto unterwegs und hat sich „früh“ (gegen Mitternacht) verabschiedet. Da er bei uns in der Nähe wohnt, hat er uns mitgenommen. Sonst hätte ich ein Taxi bestellt. Die Fahrt auf der Autobahn fand ich schlimm. Samstagabends sollte man sie anscheinend vermeiden. Unglaublich, wie viele Raser unterwegs waren, die direkt vor uns Vollbremse machen mussten, weil andere Fahrer sich an das Tempolimit (80 kmh) halten.

Kaum hatten wir die Wohnungstür zu gemacht, habe ich mich ausgezogen. Kleider in die Waschmaschine gesteckt, geduscht, Haare gewaschen. Sonst hätte mich der Gestank die ganze Nacht gestört. Ich bin heute Morgen früh aufgewacht. Der einzige Zeichen von der Feier ist ein leichtes Schnupfen. Meine Nase ist vom ganzen Rauch noch gereizt. Martin hat länger geschlafen und ist mit einem leichten Kater aufgestanden.

Schlaflos

Ätzend. Es hat am Wochenende angefangen.

Am Samstag musste ich mal wieder arbeiten. Nicht nur ein paar Stunden morgens wie sonst samstags, sondern von abends bis mitten in der Nacht. Wir haben an der langen Nacht der Wissenschaften teilgenommen. Offizieller Schluss war um halb eins. Danach mussten wir aufräumen. Es war halb drei, als ich zu Hause im Bett lag.

Am Sonntag war ich so platt, dass ich bis kurz vor Mittag geschlafen habe. Und am späten Nachmittag lag Martin für ein Nickerchen auf der Couch — das macht er häufig, seitdem er blutdrucksenkende Medikamente einnimmt. Ich habe mich ausnahmsweise neben ihm hingelegt und zwei Stunden geschlafen. Hätte ich nicht machen sollen. Ich konnte in der folgenden Nacht bis fünf Uhr morgens gar nicht einschlafen. Als der Wecker am Montag um sieben los ging, habe ich beschlossen, noch zwei Stunden im Bett zu bleiben. Davon habe ich eine Stunde schlafen können. Ich wusste, dass ich an dem Tag sowieso spät im Labor bleiben musste. Erst um acht habe ich Feierabend gemacht.

Am Montagabend bin ich um elf ins Bett gegangen. Ich musste gestern ganz früh bei der Arbeit sein. Einschlafen konnte ich gut, nachdem Martin den Fernseher ausgeschaltet hat und ebenfalls ins Bett gekommen ist. Es war schon Mitternacht. Kurz vor vier bin ich aufgewacht. Martin fummelte gerade mit der Verpackung von einem Tablett und hat anschließend von seiner Wasserflasche getrunken. Er hatte Sodbrennen bekommen, hat er mir gestern erklärt. Ich konnte danach nicht mehr schlafen. Erst wurde es mir zu warm, dann, als ich beim Einschlafen war, hat er angefangen zu schnarchen. Um fünf habe ich beschlossen, den Rest der Nacht auf der Couch im Wohnzimmer zu verbringen. Schlafen konnte ich trotzdem nicht mehr. Ohne Unterlage ist die Leder-Couch nicht gut zum schlafen geeignet. Um viertel von sechs bin ich aufgestanden. Ich musste eh um sieben aus dem Haus.

Ich hatte also große Hoffnungen, diese Nacht meinen Schlaf einzuholen. Pustekuchen. Um drei hat mich der Gatte mit einem Schreck geweckt. Er ist auf einmal aus dem Bett gesprungen. Richtig gesprungen. Ich habe gedacht, er spinnt total. Ich habe im dunklen Raum seine Silhouette beim Stehen neben dem Bett gesehen. „Was ist los?“ habe ich ihn gefragt. Er hat geseufzt, etwas von seiner Kopfstütze erzählt, und sich wieder hingelegt. Mir wurde schon wieder zu warm zum Schlafen. Ich habe ihn gefragt, mir die dünne Decke von der Couch zu bringen, da er schon mal aufgestanden war. Aber es hat nicht geholfen, weil ich zuerst noch aufgeregt war, und danach das Schnarchen wieder kam. Zurück zur Couch im Wohnzimmer. Diesmal habe ich mir eine andere Decke zur Unterlage mitgenommen. Ich konnte trotzdem nicht schlafen, weil die dünne Decke nicht lang genug ist, und die Couch nicht breit genug, um bequem zu liegen — ich hätte sie auseinander nehmen sollen, und mitten in der Nacht war mir nicht danach.

Um fünf habe ich aufgegeben. Es war schon länger hell, die Plissés sind nicht so abdunkelnd wie im Schlafzimmer, und die Vögel waren so laut auf der Terrasse. Ich werde wieder wie ein Zombie durch den Tag gehen. Mit Schwindelgefühl und Herzrasen beim Gehen, wie gestern. Seit drei Tagen habe ich nur vier Stunden Schlaf pro Nacht geschafft, das ist mir viel zu wenig. Heute Nacht räume ich den Rest vom Nähkram auf meiner Couch in meinem Arbeitszimmer auf und schlafe drauf. Alleine. Und hoffentlich durch. Ich finde, er könnte ruhig mal für die Arbeit wieder auf Dienstreisen geschickt werden.