Im Bus

In letzter Zeit fahre ich gerne mit dem Bus abends nach Hause. Mit der S-Bahn brauche ich von Tür zu Tür eine Stunde. Mit dem Bus noch länger. Der erste Bus fährt in zehn Minuten zu einer U-Bahn Station, dann nehme ich fünf Minuten die U-Bahn, dann noch mal vierzig Minuten mit dem nächsten Bus nach Hause. Plus insgesamt eine Viertelstunde zu Fuß. Die Umsteigezeiten sind auf dem Weg nach Hause sehr kurz. Wenn ich in die U-Bahn an der Zugspitze einsteige, kriege ich meistens beim schnellen Laufen noch den Bus, der gerade ankommt. Auf dem Weg zur Arbeit nehme ich noch lieber die S-Bahn, weil der letzte Bus der Strecke morgens im zwanzig-Minuten-Takt fährt und man sieht ihn immer losfahren, wenn man gerade auf der anderen Seite der Kreuzung aus der U-Bahn kommt.

Warum ich lieber länger aber mit dem Bus fahre hängt schon damit zusammen, wie mulmig ich mich fühle, wenn ich mit der S-Bahn fahre. Angenommen, jemand hätte vor, sich in Verkehrsmitteln sprengen zu lassen, würde sich diese Person sicherlich die S-Bahn aussuchen. Die Ringbahn, die an vielen wichtigen Verkehrsknoten fährt und die ich sonst schon morgens benutzen muss. Oder die U-Bahn, mitten in der Stadt. Meine U-Bahn-Strecke ist dagegen ziemlich weit weg außerhalb vom Ring, und immer mindestens zu dreiviertel leer, da würde es sich nicht lohnen. Also halbiere ich die Wahrscheinlichkeit, etwas so Schlimmes zu erleben, indem ich abends nicht die S-Bahn benutze.

Außerdem sind meistens für die lange Busfahrt Doppeldecker im Einsatz. Und von der U-Bahn-Station aus sind die Plätze oben vorne nie besetzt. Ich finde es toll, dort zu sitzen und vom Leben draußen auf der Fahrt viel mehr mitzubekommen, als in der S-Bahn. Häufig muss ich leider von oben beobachten, wie bestimmte Autofahrer sich wie die letzte Arschlöcher verhalten. In der S-Bahn ist die Außenwelt eher langweilig, dafür werden fast alle Sinne belästigt. Musikante folgen einander, dann sind die Motz-Verkäufer dran, und die nasal monologierenden Obdachlosen, oder die, die einfach einen Knall haben, wie der Typ zwischen Hermannstraße und Südkreuz, der im Gang vor der Tür gebückt um sich selbst dreht und bellt, dabei nach Urin stinkend… Das alles kriegt man im Bus nicht.

So ganz rosig ist es im Bus aber auch nicht. Während der Osterferien waren keine Doppeldecker im Einsatz. Ich bin einmal in einen vollgepackten Bus eingestiegen und habe ganz hinten im Bus gesessen, wo es noch Sitzplätze gab. Meine Sitznachbarn haben aber so gestunken, dass ich eine Station später aussteigen musste und auf den nächsten Bus gewartet habe. Der war zum Glück nicht so voll. Gestern hatte ich oben im Doppeldecker als Mitreisender den ekligsten Typ überhaupt. Fünfundzwanzig Minuten lang ist er mitgefahren. Beim reinkommen hat man ihn schon sehr laut seinen Schleim hoch schnauben gehört. Das hat er fast die ganze Zeit gemacht. Zusätzlich hat er auch ständig in der Nase gebohrt und die Zunge dabei möglichst raus gestreckt, um sich seine Befunde in dem Mund zu stecken. Mein Akku war fast alle, aber eine Minute von seiner Show habe ich aufnehmen können. Ich filme sonst meine Mitreisende nie, aber der war so ein Sonderfall, und so offensichtlich, dass man es ihm nicht ernsthaft glauben würde, dass er dadurch keine Aufmerksamkeit haben will. Ich ringe mit mir, ob es auf YouTube landen soll.

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2 Gedanken zu “Im Bus

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