Müde

Am Dienstag war ich schon müde. Ich war um sechs Uhr aufgestanden, um meinen Flug nach Köln-Bonn zu kriegen und zu meinem ehemaligen Institut zu fahren. Nicht meine übliche Zeit. Andererseits auch nicht so super früh. Ich musste aber am Abend davor bis sieben bei der Arbeit bleiben, um unsere Geräte zu warten. Um acht war ich zu Hause und habe am Hochzeitskleid weiter genäht. Es hört nicht auf.

Am Dienstag hatte ich den ganzen Tag den Eindruck, ich könnte gleich einschlafen. Ich habe trotzdem einen guten Vortrag geliefert. Die Dreiviertelstunde Redezeit, die ich mir gehandelt hatte, habe ich gut genutzt. Meine Zuhörer sind nicht eingeschlafen, außer ein Student, der immer wieder mit einem Hochschrecken aufwachte, um dann für die nächsten dreißig Sekunden bis zur nächsten Narkolepsie-Attacke aufmerksam zu wirken. Ich habe sogar am Ende viele interessierte Fragen bekommen.

Am Mittwoch musste ich früh zum Flughafen. Mein Flug von Köln-Bonn nach Berlin war um drei Stunden verspätet, wie ich am Dienstagabend in einer SMS erfahren habe. Man musste trotzdem zwei Stunden vor der ursprünglichen Abflugzeit am Flughafen sein. Es kam mir übertrieben vor, da ich schon eingecheckt war und kein Gepäck hatte. Ich bin troztdem noch früher dort gewesen. Der Flughafen war gespentig leer. An einem Eingang waren nicht mal zehn Leute mit gelben Ver.di-Jacken versammelt. Ich bin zum Germanwings-Schalter gegangen und habe gefragt, ob es denn sicher wäre, dass der Flugzeug um 15:00 abhebt. „Das können wir Ihnen nicht versprechen,“ hat die Frau geantwortet. Ich habe sicherheitshalber meine Flugkarte gegen eine Bahnkarte tauschen lassen, und einen ICE nach Berlin bekommen. Es gab Verspätungen. Egal, ich habe ein bisschen schlafen können. Um etwa viertel nach drei waren wir angekommen. Kurz vor dem Hauptbahnhof habe ich eine neue SMS von Germanwings bekommen. Mein Flug war noch nicht weg und würde sich wieder verspäten.

Ich wollte gestern Abend früh ins Bett gehen. Martin war eh im Laufe des Tages nach Polen geschickt worden und kommt erst morgen zurück. Ich konnte doch nicht vor Mitternacht ins Bett. Ich habe gestern Abend das Rufbereitschaftshandy bekommen, und es hat geklingelt. Es gab ein Problem an einem der Rechner, der ein Gerät steuert. Die Maus funktionierte nicht mehr. Es war nicht am Telefon zu lösen. Vor Ort hätte ich nicht viel anrichten können. Ich hätte den Hub wechseln wollen, aber wo unsere Ersatzteile liegen, weiß ich nicht. Heute Morgen hat sich mein IT-Kollege den Rechner angeschaut. Es gibt tatsächlich einen Wackelkontakt an einem Hub. Jetzt funktioniert es wieder, ohne dass er irgendwas tauschen musste. Trotzdem. Der Hub muss weg.

Heute musste ich wieder früh bei der Arbeit sein. Ich hatte Nutzerbetreuung, und den ganzen Tag Messzeit, um meine eigene Experimente zu machen. Ich bin erst um acht Uhr abends zu Hause gewesen. Zu müde, um an meinem Kleid zu arbeiten. Dafür habe ich mir für morgen Freizeitausgleich genommen. Ich hoffe, ich komme gut voran. Vorausgesetzt, keiner ruft mich heute Nacht an.

Morgen geht’s ab

Ich muss ganz früh aus dem Haus, um nach Köln zu fliegen. Ich bin in einem Institut für einen Vortrag eingeladen worden. Es freut mich sehr, denn ich werde viele ehemalige Kollegen dort wieder treffen. Am Mittwoch fliege ich zurück nach Berlin. So der Plan.

Erst gestern hat mich die Nachricht erreicht, dass am Mittwoch das Flughafenpersonal in vielen Städten streiken will. Unter anderen in Köln-Bonn. Seitdem bin ich nur dabei, die Status-Seite für Flüge bei Eurowings zu prüfen. Jedesmal, wenn ich auf „Aktualisieren“ klicke, ändert sich die Uhrzeit auf der Seite. Jetzt steht „Letzte Aktualisierung am 25.04.2016 um 22:54 Uhr“. „Wow, Information in Echtzeit!“, habe ich zuerst gedacht. Bis ich gemerkt habe, dass es nur meine lokale Uhrzeit aktualisiert, wenn ich auf den Knopf drücke.

Von den neun Flügen, die am Mittwoch meine Strecke machen, sind schon sieben abgesagt worden. Meiner noch nicht, es steht noch „pünktlich“ auf der Zeile. Ob es bis Mittwoch so bleibt?

Preiswillkür bei der Deutschen Post?

Wir haben die Einladungen zur Hochzeit vor einigen Tagen geschickt. Eigentlich wissen schon alle unsere Gäste über Datum und Ort Bescheid, aber ein schönes Kärtchen musste es noch sein. Weiß und rot. Wir haben sie online erstellt und bestellt, samt roten Briefumschlägen und Aufklebern mit unserer Adresse. Für die Firma will ich allerdings keine Werbung machen. Die haben nicht mal gemerkt, dass das Datum auf der ersten Seite der Karte und drin nicht übereinstimmt. Vorne haben wir unseres Hochzeitsdatum richtig eingetragen. Drin ist noch das Datum vor der Vorlage der Karte, das fast wie unser Datum aussieht, aber mit 2015. Ich sehe vor meinen Augen, wie ich beim Durchlesen vor der Bestellung dieses Datum noch im letzten Moment korrigiert habe. Es muss nicht richtig gespeichert worden sein, und nach dem Zahlvorgang konnte ich die Karte nicht mehr sehen. Wir haben sie alle mit einem Aufkleber händig korrigieren müssen.

Ich hatte zuerst Karten zu meinen beiden Trauzeuginnen und meinen Eltern geschickt. Ich bin eines Morgens vor der Arbeit zur großen Postfiliale in meinem Viertel gegangen. Die Frau am Schalter hat die Briefe gewogen: 0,70€ nach Deutschland, 0,90€ nach Frankreich. Bevor ich reagieren konnte, hat sie weiße Aufkleber mit Labelfreimachungen gedruckt und meine schöne Briefumschläge damit optisch ruiniert. Die Dinger sind so riesig und hässlich. Gut, dass ich so wenig Einladungen dabei hatte. Ich habe beschlossen, für die nächsten Einladungen Briefmarken zu kaufen. Ich musste an dem Tag auch meiner Mami Dokumente schicken, die ich in einem separaten Briefumschlag gepackt hatte. Vier A4 Seiten, definitiv unter 50g. Da wir zu Hause nur lange Briefumschläge mit Fenster haben, habe ich einen schöneren DIN B5 Briefumschlag benutzt. Dafür hat die Zustellung 3,70€ gekostet. Eine Frechheit. Es muss mit dem Format vom Briefumschlag zu tun haben. Die Umschläge für die Einladungen haben den normalen DIN C6 Format. Die Briefe sind alle innerhalb von zwei Tagen bei den Empfängern angekommen.

Für die anderen Einladungen wollte Martin ein Infoblatt mit Stadtplan und Adressen von Hotels in den Briefumschlägen hinzufügen. Die hat er drucken lassen. Wir haben einige Einladungen damit vorbereitet und er ist zur gleichen Postfiliale gegangen, um sich über den Preis der Zustellungen zu informieren, da die Briefe durch das Infoblatt schwerer geworden sind. Nach einer Wartezeit von Dreiviertelstunde in der Schlange hat er die Information am Schalter bekommen: 0,70€ nach Deutschland, 0,90€ nach Frankreich. Also kein Unterschied. Er hat dementsprechend Briefmarken gekauft und Einladungen geschickt. Einige davon nach Frankreich.

Am nächsten Tag habe ich auch Einladungen vorbereitet. Sie sind in den Briefkasten bei uns auf der Straße geschmiessen worden. Heute kamen zwei meiner Einladungen nach Frankreich zurück, jeweils vorne mit einem riesigen gelben Aufkleber auf dem Adressenfeld, und hinten noch schwarz befleckt. Der Grund: Angeblich fehlen 0,60€ Porto, was den Gesamtpreis auf 1,50€ pro Einladung bringt. Die habe ich aber nicht anders vorbereitet als Martin, der Inhalt ist exakt gleich. Seine Einladungen nach Frankreich, die er aus der Filiale geschickt hat, sind nicht zurück gekommen. Meine Briefumschläge sind also wieder ruiniert, und ich behaupte, die Rücksendung ist fehlerhaft. Laut meiner Küchenwaage wiegt ein Brief nicht mal 30g, also müssten die 0,90€ reichen. Ich lasse Martin sich darum kümmern, wenn er zurück kommt. Ich habe häufig gemerkt, dass er als deutscher Mann anders und ernster genommen wird als ich, sei es beim Arzt oder sonst wo. Und reklamieren kann er gut.

Post-Rücksendung

Wir hätten eine Rundmail schicken können. Das hatte damals meine Trauzeugin Sabrina bei ihrer Hochzeit gemacht. Dann wären wir noch 300€ (!) reicher und hätten keinen solchen Ärger bekommen.

Gerüchteküche

So ein geschäftliches Abendessen kann interessant werden. Zwischen zwei Gläsern Wein hört man Geschichten, die man sonst nie im normalen Tagesablauf erzählt bekommt. Wie die Geschichte von Emma, unsere Mitarbeiterin aus der Presseabteilung.

Bei uns hat vor einiger Zeit eine Veranstaltung statt gefunden, bei der ich nur kurz anwesend war. Der Tagesablauf war voll mit Vorträgen gepackt, bis spät abends, und die Teilnehmer wurden für die zwei Tage in Zimmern vor Ort unterbracht. Emma war die ganze Zeit dabei. Wir hatten viele Teilnehmer aus verschiedenen Ländern, mit denen sie sich unterhalten hat. Insbesondere mit einem jungen Mann, den ich nicht kenne, und der damals bei einem von unseren gestrigen Gästen arbeitete. Die öffentliche Version der Gechichte gestern lauterte, „sie hat sich in ihn verliebt“. Der junge Mann war gerade seit zwei Wochen frisch verheiratet. Was folgte für ihn: Scheidung und Arbeitswechsel, um mit Emma zu leben. Jetzt sollen die Beiden in naher Zukunft heiraten. Es muss für seine erste Frau ein harter Schlag gewesen sein.

Dazu fällt mir nur das xkcd-Comic ein, das die Situation genau auf den Punkt bringt:

Und jetzt arbeite ich an meinem Hochzeitskleid weiter. Schließlich habe ich mir heute dafür frei genommen.

Planänderung

Ich hatte mir vorgenommen, mir mein Hochzeitskleid selber zu nähen.

Die Grundform ist schon geschafft. Vorne ist das Kleid kurz, oberhalb von den Knien. Hinten ist es lang, mit einer Schleppe. Das hat viel mehr Zeit gekostet als ich dachte. Ich muss mich vermessen haben, weil das Kleid am Anfang viel zu breit am Oberkörper war. Ich habe die Naht mehrmals neu machen müssen. Das Kleid sitzt eng am Körper, die Naht muss also perfekt sein. Sie darf keine Welle im Stoff verursachen. Das war nicht einfach. Der Stoff ist ein „Satin-Strick“. Kein Satin, der Name ist nur ein Marketing-Trick. Es glänzt ein bisschen. Ich habe es genommen, weil es in allen Richtungen schön dehnbar ist. Ich brauche keinen Verschluss zu machen.

Nach der Grundform hatte ich vor, mit einem leichten Stoff Volumen ab der Hüfte zu schaffen. Ich hatte zuerst mit Tüll probiert. Leider ist der Stoff sehr anfällig für Elektrostatik und fängt alle sonst rumliegende Fasern. Die Verkäuferin bei Karstadt hat mir stattdessen einen leichteren Stoff empfohlen. Stark glänzend und hauchdünn. Das war ein Fehlkauf. Der Stoff lässt sich überhaupt nicht bearbeiten. Ständig rutscht er weg. Selbst wenn man einen Rand macht, franzt er aus und löst sich von der Naht. Und es hat furchtbar ausgesehen, als ich ihn endlich fest machen konnte. Ich habe ihn vom Kleid wieder entfernt. Das war am Samstag.

Eine Planänderung war dringend nötig. Ich habe gegoogelt und etwas interessantes entdeckt. Ich probiere es mal aus. So wie auf den Fotos wird es nicht aussehen. Mein Stoff ist feiner. Die Dreiecke sollen kontinuierich von oben bis unten über die ganze Länge laufen. Keine Unterbrechung in der Höhe. Es ist aber sehr viel Arbeit. Ich habe am Sonntag angefangen. Kreise aus dem Stoff schneiden. Kreise falten. Dreiecke auf Band mit der Maschine nähen. Band händisch am Kleid befestigen. Inzwischen habe ich den Prozess so weit optimiert, dass ich eine ganze Linie am Abend schaffen kann. In Zweiundhalbstunden.

Ich habe gerade noch drei Wochen Zeit. Es wird sehr stressig. Morgen kann ich schon mal nicht. Dienstliches Abendessen. Am Freitag habe ich mir extra dafür frei genommen. Dann kommt das Wochenende, und Martin muss für die Arbeit bis Samstagabend weg. Nächste Woche muss ich zwei Tage dienstlich unterwegs sein. Am Samstag findet der Schmiedekurs für die Eheringe statt. Am Wochenende danach haben wir ein seit Monaten geplantes gemeinsames Essen mit Freunden. Es wird echt knapp. Und wenn es nicht klappt muss ich in Windeseile ein Kleid kaufen.

Ich träume noch von ihr

Kurz nach ihrem Tod habe ich geträumt, dass ich meine Katze zufällig getroffen habe. Wir haben uns unterhalten. Ich habe sie gefragt, wie es ihr jetzt geht und was sie so macht. „Och, es geht“, meinte sie. „Was mich aber stört ist, dass jetzt alle so sind“, fügte sie hinzu, und rollte die Augen nach oben, so dass nur das Weiße noch zu sehen war. Selbst ich erschien ihr so. „Tja, das ist normal, wenn man tot ist“, habe ich ihr erklärt. „Ach so, ich bin tot?“ Sie hatte es nicht gemerkt. Sie wurde nachdenklich, und ist dann weg gegangen. Ich bin kurz danach aufgewacht.

Ein anderes Mal habe ich geträumt, dass jemand es geschafft hatte, sie wieder lebendig zu machen. Sie stand vor mir. Ich habe mich zuerst gefreut, aber dann doch gemerkt, dass ihr Fell ganz anders als vorher aussah. Die Farbe stimmte nicht, und die Haare waren nicht so lang. „Das ist nicht meine Katze“, habe ich gesagt.

Heute Nacht habe ich geträumt, dass ich mit Martin vor ihrem leblosen Körper stand. Martin hat sich gefreut, sie wieder zu sehen, und hat angefangen, sie unter dem Kinn zu streicheln. Sie hat aber natürlich gar nicht darauf reagiert, außer dass ihr Kopf durch die Bewegung auf der andere Seite eingesackt ist. „Martin, hör auf, sie ist tot“, habe ich ihm gesagt. Das hat ihn erschüttert. Er hat angefangen zu zittern und zu weinen. Ich habe ihn in meine Armen getröstet.

Wirbel um das Atomzentrum Jülich

Heute war meine Nachrichten-App voll von Beiträgen über das Atomzentrum Jülich. Ein der Hauptverdächtigen der Terroranschäge in Paris am 13. November 2015 soll bei sich Fotos vom Zentrum gesammelt haben. Alle haben darüber berichtet. Die Welt. Der schweize Tagensanzeiger. Der Spiegel.

Aber hat sich jemand gefragt, ob das Atomzentrum Jülich überhaupt existiert? Eine Google-Suche mit der genauen Kette ergibt laut erster Ergebnis-Seite 2330 Hits. Ab Seite 4 wird erklärt, dass „einige“ der Einträgen so ähnlich mit den ersten sind, dass man sie gar nicht angezeigt bekommt. Also 36 Einträge. Alle aus Nachrichtendiensten, alle nicht älter als 24 Stunden.

Kein Wunder. Ein Atomzentrum Jülich gibt es nicht. Ein Forschungszentrum Jülich schon. Bis 1990 als Kernforschungsanlage gekannt, dann als Forschungszentrum Jülich umbenannt. Das FZJ hat einen Reaktor als Neutronenquelle betrieben. Dort habe ich selber während meiner Doktorarbeit Experimente gemacht. Neutronenstreuung ist die Methode überhaupt, wenn man sich mit Magnetismus in Festkörpern beschäftigt. Der Reaktor ist aber schon seit zehn Jahren still gelegt. Das seitdem neu gegründete Institut Jülich Center for Neutron Science hat seine Geräte zu anderen Neutronenquellen gebracht. Das hat aber anscheinend niemanden interessiert, als die Meldung zuerst raus kam. Hauptsache geile Schlagzeilen und Angst machen. Immerhin hat der Spiegel inzwischen seinen Artikel korrigiert. Bestimmt, weil besser informierte Leser in Kommentaren Hinweise gegeben haben. Und die Geschichte ist nicht mal wahr.

Das nennt man Journalismus?

Mit dem Fahrrad nach Hause

Das habe ich lange vor mir hergeschoben. Letztes Jahr hatte ich sogar früher damit angefangen, obwohl die Temperaturen dieses Jahr so mild gewesen sind.

Heute Morgen bin ich mit dem Fahrrad in der S-Bahn gefahren. Um gemütlich zu reisen, bin ich eine Stunde später als sonst von zu Hause aus gegangen. Es hat sich gelohnt. Die Bahn war quasi leer. Viel besser, als mit dem Fahrrad in einen überfüllten Zug einsteigen zu wollen. Das kann ich mir aber nur leisten, weil ich einige Überstunden auf dem Konto habe.

Angeblich hätte es heute Abend stark regnen sollen. Ich habe mich nicht davon abhalten lassen. Ab morgen wird es wieder kühler, und meine Motivation wäre zurück gefallen. Ich habe um halb sechs die Arbeit verlassen. Die Strecke kenne ich noch gut. Ich habe mich am Anfang nur zweimal verfahren, und es war nicht so schlimm, weil ich dadurch nur Parallelstraßen zu meiner üblichen Route benutzt habe. Das Wetter war doch angenehm, ich hätte die Regenjacke gar nicht mitnehmen müssen.

Ich werde nicht lügen, es hat sich hart angefühlt. Ich habe eine Stunde und vierzig Minuten für zweiundzwanzig Kilometer gebraucht. Es ging mal flotter. Ich muss meine Kondition wieder aufbauen. Problematisch wurde es vor dem letzten Viertel der Strecke, als ich plötzlich ohne erkennbaren Grund Krämpfe in beiden Füßen bekommen habe. Vielleicht habe ich nicht die richtigen Schuhen zum langen Raddeln angezogen. Ich bin vom Fahrrad ausgestiegen und habe meine Füße gestreckt. Ich habe das Fahrrad auf dem Bürgersteig geschoben. Irgendwann ging es besser und ich bin weiter gefahren.

Der Anfang war also mühsam. Trotzdem bin ich froh, dass ich es geschafft habe. Es kann nur besser werden.

Im Bus

In letzter Zeit fahre ich gerne mit dem Bus abends nach Hause. Mit der S-Bahn brauche ich von Tür zu Tür eine Stunde. Mit dem Bus noch länger. Der erste Bus fährt in zehn Minuten zu einer U-Bahn Station, dann nehme ich fünf Minuten die U-Bahn, dann noch mal vierzig Minuten mit dem nächsten Bus nach Hause. Plus insgesamt eine Viertelstunde zu Fuß. Die Umsteigezeiten sind auf dem Weg nach Hause sehr kurz. Wenn ich in die U-Bahn an der Zugspitze einsteige, kriege ich meistens beim schnellen Laufen noch den Bus, der gerade ankommt. Auf dem Weg zur Arbeit nehme ich noch lieber die S-Bahn, weil der letzte Bus der Strecke morgens im zwanzig-Minuten-Takt fährt und man sieht ihn immer losfahren, wenn man gerade auf der anderen Seite der Kreuzung aus der U-Bahn kommt.

Warum ich lieber länger aber mit dem Bus fahre hängt schon damit zusammen, wie mulmig ich mich fühle, wenn ich mit der S-Bahn fahre. Angenommen, jemand hätte vor, sich in Verkehrsmitteln sprengen zu lassen, würde sich diese Person sicherlich die S-Bahn aussuchen. Die Ringbahn, die an vielen wichtigen Verkehrsknoten fährt und die ich sonst schon morgens benutzen muss. Oder die U-Bahn, mitten in der Stadt. Meine U-Bahn-Strecke ist dagegen ziemlich weit weg außerhalb vom Ring, und immer mindestens zu dreiviertel leer, da würde es sich nicht lohnen. Also halbiere ich die Wahrscheinlichkeit, etwas so Schlimmes zu erleben, indem ich abends nicht die S-Bahn benutze.

Außerdem sind meistens für die lange Busfahrt Doppeldecker im Einsatz. Und von der U-Bahn-Station aus sind die Plätze oben vorne nie besetzt. Ich finde es toll, dort zu sitzen und vom Leben draußen auf der Fahrt viel mehr mitzubekommen, als in der S-Bahn. Häufig muss ich leider von oben beobachten, wie bestimmte Autofahrer sich wie die letzte Arschlöcher verhalten. In der S-Bahn ist die Außenwelt eher langweilig, dafür werden fast alle Sinne belästigt. Musikante folgen einander, dann sind die Motz-Verkäufer dran, und die nasal monologierenden Obdachlosen, oder die, die einfach einen Knall haben, wie der Typ zwischen Hermannstraße und Südkreuz, der im Gang vor der Tür gebückt um sich selbst dreht und bellt, dabei nach Urin stinkend… Das alles kriegt man im Bus nicht.

So ganz rosig ist es im Bus aber auch nicht. Während der Osterferien waren keine Doppeldecker im Einsatz. Ich bin einmal in einen vollgepackten Bus eingestiegen und habe ganz hinten im Bus gesessen, wo es noch Sitzplätze gab. Meine Sitznachbarn haben aber so gestunken, dass ich eine Station später aussteigen musste und auf den nächsten Bus gewartet habe. Der war zum Glück nicht so voll. Gestern hatte ich oben im Doppeldecker als Mitreisender den ekligsten Typ überhaupt. Fünfundzwanzig Minuten lang ist er mitgefahren. Beim reinkommen hat man ihn schon sehr laut seinen Schleim hoch schnauben gehört. Das hat er fast die ganze Zeit gemacht. Zusätzlich hat er auch ständig in der Nase gebohrt und die Zunge dabei möglichst raus gestreckt, um sich seine Befunde in dem Mund zu stecken. Mein Akku war fast alle, aber eine Minute von seiner Show habe ich aufnehmen können. Ich filme sonst meine Mitreisende nie, aber der war so ein Sonderfall, und so offensichtlich, dass man es ihm nicht ernsthaft glauben würde, dass er dadurch keine Aufmerksamkeit haben will. Ich ringe mit mir, ob es auf YouTube landen soll.

Dumm gelaufen…

In meiner Arbeitsgruppe bin ich vor allem als Programmiererin tätig. Es war für mich damals ein gewagter Schritt, die Stelle anzunehmen, da ich vorher nur mit C und Fortran gearbeitet hatte und keine Ahnung von Python hatte. Ich habe mich mit der neuen Sprache doch relativ schnell abgefunden und gelernt, wie mein Vorgänger zu programmieren, da ich an seinem Projekt weiter arbeiten musste. Inzwischen ist mir klar geworden, dass er selber Python nicht so gut beherrschte und teilweise sehr suboptimale Lösungswege benutzt hat. Die jetzt zu verbessern würde so viel Zeit kosten, dass es mir besser erscheint, das Programm komplett umzuschreiben. Aber darum geht’s heute nicht.

Ich war damals nicht nur in Python eine Anfängerin, sondern auch im Umgang mit Linux. In meinem früheren Institut hatten wir nur Windows benutzt. Ja, während meiner Diplomarbeit musste ich mit Unix arbeiten. Da waren aber schon mehr als fünfzehn Jahre vergangen. Ich konnte mich gerade noch an die Befehle cd und ls erinnern. Und tail -f, warum auch immer. Es gab vieles nachzuholen. Dazu gehört ein großer Dank an meinem IT-Kollegen.

Es war für mich also schon ein bisschen beängstigend, als Uschi mich nicht mal ein halbes Jahr nach meiner Einstellung gefragt hatte, mich um die Aktualisierung der wissenschaftlichen Programme auf unserem Server zu kümmern. „Was, im Ernst jetzt? Aber ich verstehe nur Bahnhof, ich mache sicherlich nur alles kaputt…“ habe ich in dem Moment gedacht. Uschi war scheinbar der Meinung, da ich programmiere, kann ich alles. Und: Es klappt doch. Nochmal Danke für die Hilfe an meinem IT-Kollegen.

Vor Kurzem habe ich für mein wissenschaftliches Projekt eine Software A benutzt. Sie war mit meinen Daten nicht ganz zufrieden und ist bei einem bestimmten Schritt immer wieder mit der gleichen Fehlermeldung abgestürzt. Ich habe einen Autor von A kontaktiert, der mir empfohlen hatte, die allerletzte Entwicklungsversion zu installieren. Das habe ich gemacht. Es hat sich gelohnt, das Problem wurde behoben und ich konnte weiter arbeiten. Da diese Software von vielen Personen mit verschiedenen Zugriffsrechten benutzt wird, habe ich sie mit einem begrenzten Konto getestet. Darauf hatte Uschi immer großen Wert gelegen. Es lief ohne Problem. Ich habe die Aktualisierung von A in unseren internen Dokumenten protokolliert und bin später nach Hause gegangen.

Am nächsten Tag musste ich woanders als in meinem Büro arbeiten. Am frühen Vormittag habe ich eine Email von Winfried bekommen, weil ein Programm B für die Steuerung von einem Gerät nicht mehr funktionierte. Es gab eine Python-Ausnahme, gefolgt von der Fehlermeldung error while loading shared libraries: requires glibc 2.5 or later dynamic linker env: Command not found. Die Ausnahme kam aus dem von mir aktualisierten Programm (A ist in Python geschrieben). Warum die Aktualisierung von A ein solches Problem für Software B verursachen soll, die eigentlich gar nichts mit A zu tun hat, war mir ein Rätsel.

Mein IT-Kollege hat die Ursache vom Problem schnell identifiziert und beheben können. Ich hatte beim Aktualisieren von A die alte Version behalten, daher konnte man den Pfad in der allgemeinen .bashrc Datei einfach zurück setzen. Das Gerät konnte dadurch wieder gesteuert werden. Winfried klang in seiner Email trotzdem ziemlich geärgert, weil ich angeblich A aktualisiert und das Büro verlassen hätte, ohne mich darum zu kümmern, A vorher zu testen und die Aktualisierung zu protokollieren. Das fand ich hart, weil ich es doch alles getan hatte. Ein Blick in unseren Dokumenten hätte gereicht, um Bescheid zu wissen. Ich habe ihm geantwortet, mit Verweis auf mein Protokoll.

Bei unserem Montagsmeeting kam das Problem zur Diskussion. Inzwischen hatte Winfried eingesehen, dass ich doch alles richtig gemacht hatte. Er hat dabei Mr Keen ausdrücklich angestarrt, als er langsam betonte, dass ich kein Fehler gemacht hatte. Mr Keen hat wohl anscheinend keine Zeit verloren, um über mich zu lästern, als ich abwesend war. Dass ich ihn nicht leiden kann ist offensichtlich nicht unbegründet, obwohl ich mein Bestes tue, um es mir nicht anmerken zu lassen. Das ist äußerst schwierig.

Ich habe nach dem Meeting nochmal versucht, das Problem zu reproduzieren, um es zu verstehen. Ich habe dabei gelernt, dass der Befehl, um die Software B zu starten, nicht einfach B ist, sondern, durch ein Alias, ssh -X steuerung.pc.von.geraet; B. Beim ssh wird die .bashrc Datei ausgeführt. Drin steht der Befehl source neue_A_Version, wie von den Entwicklern von A empfohlen. Der Rechner steuerung.pc.von.geraet ist aber alt, und damit gewährleistet wird, dass B immer funktioniert, hat mein IT-Kollege beschlossen, dass keine Linux-Update drauf laufen sollen. Seit Jahren. Unter anderen ist die Bibliothek glibc 2.5 nicht installiert, die A neuerdings braucht. Wenn ich auf steuerung.pc.von.geraet den Befehl source neue_A_Version eingebe, bekomme ich die gleiche Fehlermeldung. Die ist anscheinend so gravierend, dass danach einfache Linux-Befehle nicht mehr funktionieren. Selbst beim ls kriegt man dann die Meldung Command not found.

Ob es so sinnvoll ist, eine uralte Version von einem Betriebssystem zu behalten, nur damit B läuft, obwohl B von meinem IT-Kollegen entwickelt wird, bezweifle ich stark. Vor allem, wenn wir dadurch auf die neuesten Versionen von wissenschaftlichen Programmen verzichten müssen. Eine Lösung wäre jetzt, mit Hilfe von einem Alias den Befehl A durch source neue_A_Version; A in der .bashrc Datei zu ersetzen. Da steuerung.pc.von.geraet für die Ausführung von A nie benutzt wird, sollte es klappen.