Doch gar nicht so wild

Ich habe nicht mal bei der Polizei anrufen müssen. Das hat Martin für uns heute Morgen erledigt. Er hat mir nur nicht sofort sagen wollen, worum es ging, oder jedenfalls nicht übers Nachrichtenversanddienst aufs Handy, und mir erst heute Abend Bescheid gesagt.

Es ist im Haus nicht eingebrochen worden, und niemand wurde umgebracht. Tief ausatmen. Es ging „nur“ um einen Streit wegen Verletzung der Versorgungspflicht bei den Nachbarn direkt unter uns.

Martin hat auch wegen unseren Wasserschäden bei der Hausverwaltung angerufen (die Kosten bei der Küche fällt auf uns, obwohl die Ursache durch einen Defekt am Dach zustande kam, dagegen müssen wir bei der Dusche nicht bezahlen). Er hat davon profitiert, um nachzufragen, wem das vor sich hin zerfallende rote Auto auf dem Parkplatz vor unserem Haus gehört, das seit einem Jahr auf dem gleichen Platz steht (ein Bild müsste her, es ist beeindruckend). Meine Vermutung war, dass es geklaut wurde und einfach unten verlassen wurde. Das hintere Kennzeichen fehlt sogar. Es gehört doch auch dem Nachbar direkt unter uns. Die Frau bei der Hausverwaltung hat am Telefon hinzugefügt, dass sie schon mehrmals mit ihm zu tun hatte, weil der Mann ein Messie wäre. Es ist mir vor zehn Tagen nicht aufgefallen, als ich mit seiner Mitbewohnerin kurz in der Wohnung war, um den Wasserschaden durch unsere Dusche zu prüfen. Andererseits ist das Gästebadezimmer direkt neben der Wohnungstür, ich habe nicht viel vom Rest der Wohnung mitbekommen. Und ich frage mich nebenbei, warum die Frau bei der Hausverwaltung solche Details über die anderen Bewohner vom Haus einfach so verbreitet. Solange niemand dadurch gestört wird, ist es Verletzung der Privatsphäre.


Dieser Beitrag ist ursprünglich auf Meckereien & Co. erschienen.

Eindringlinge

Ich lag nachts wach im Bett. Alleine. Ich lag auf der linken Seite, neben dem Wecker. Es war sehr dunkel.

Aus dem Wohnzimmer hörte ich männliche Stimmen. Eine Art Verhör fand gerade statt. Ob ein der Männer mit den IS Terroristen zu tun hätte? Der befragte Mann gab keine Antwort. Ob er sich nicht vor Kurzem über die lustig gemacht hätte?

Ich bin ganz still im Bett geblieben und habe gehofft, unentdeckt zu werden. Ich habe zum Wecker geschaut, um die Uhrzeit festzustellen. Der Wecker war aus. Stromausfall?

Ich habe in die andere Richtung vom Schlafzimmer geschaut. Die Verbindungstür zum zentralen Flur war zum Glück geschlossen. Obwohl, eigentlich nicht. Schwer zu sagen, es war so dunkel. Ich habe gehört, wie die Katze hin und her durchs Wohnzimmer gegangen ist.

Und plötzlich stand eine schwarze Gestalt vor dem Bett, rechts von mir. Ich habe den Atem angehalten. Die Gestalt kam näher. Was, wenn ich entdeckt würde? Was, wenn der Mann sich neben mir hinlegen würde? Was sollte ich tun? Schreien? Aufstehen und angreifen? Alle Messer waren in der Küche…

Die dritte Lösung: Aufwachen. Ich lag im Bett, auf der rechten Seite, neben Martin. Es war sehr dunkel. Die Katze lag bei mir auf dem Bett neben meinen Füßen. Es war sonst niemand im Raum. Der Wecker zeigte 04:00.


Dieser Beitrag ist ursprünglich auf Meckereien & Co. erschienen.