Ein Brief der Kriminaloberkommissarin

Er lag einfach so ohne Briefumschlag im Briefkasten, als wir heute Abend nach der Arbeit und einer Wurst mit Glühwein auf dem Weihnachtsmarkt nach Hause angekommen sind. Beide unsere Namen stehen handschriftlich drauf. Wir werden darum gebeten, uns im Rahmen von „Ermittlungen im Haus“ bei einer bestimmten Rufnummer zu melden. Bei den angegebenen Uhrzeiten kann es nur morgen erfolgen. Ich bin völlig ratlos, worum es gehen könnte.

Es ist mir nichts außergewöhnliches aufgefallen. Vielleicht doch. Am Wochenende habe ich aus meinem Arbeitszimmer einen Streit in der Wohnung im Nachbarhaus gehört. Es war außergewöhnlich, weil ich dort noch nie einen Streit wahrgenommen hatte. So schlimm hörte es sich aber auch nicht an, dass die Kripo ein Interesse daran haben sollte.

Gestern Abend bin ich als Erste nach Hause gekommen und habe uns eine Suppe gekocht. Bei der Kälte wunderbar, und sehr lecker, auch wenn ich es selber sage. Wir haben uns danach kurz an unseren Rechnern beschäftigt, bevor wir uns vor dem Fernseher hingesessen haben. Gegen halb elf haben wir gehört, wie jemand an eine Wand oder an eine Decke klopft. Das war auch außergewöhnlich. Na ja, ich habe es gehört. Martin ist schon ein bisschen schwerhörig, er kriegt vieles nicht mit, was ich akustisch wahrnehme. Es war nicht direkt gegen unsere Wohnung gerichtet und hat nicht lange gedauert. Ich hätte es fast wieder vergessen. Ich hatte mich gefragt, was los war, da sonst nichts anderes zu hören war.

Heute Morgen haben wir wie immer kurz vor acht das Haus verlassen. Martin ist vor mir mit dem Müll die Treppe runter gegangen, als ich noch die Tür geschlossen habe. Ich habe gehört, wie er sich mit Leuten im Treppenhaus unterhalten hat. Als ich unten vor dem Haus ankam, ging ein älteres Paar weiter weg vor mir zu einem wartenden Taxi. Ich weiß nicht mal, ob sie Nachbarn oder Besucher waren. Ich kenne nur sehr wenige Nachbarn im Haus. Nach einem Jahr ist es echt blöd. Ich habe sowieso nicht besonders aufgepasst, da Martin schon von den Mülltonnen zurück kam und wir zur S-Bahn mussten.

Ich bin gespannt, was ich morgen erfahren werde.

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2 Gedanken zu “Ein Brief der Kriminaloberkommissarin

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