Rufbereitschaft

„Also, wenn sie dich fragen, ob du Rufbereitschaft machen willst, sag nein!“ Das waren Martins Worte, als ich letztes Jahr offiziell der Gruppe beigetreten bin. Rufbereitschaft heißt, dass man während einer bestimmten Zeit für auftretende Probleme bei unseren Geräten zuständig ist, und unsere Nutzer uns jeder Zeit anrufen dürfen (sollen), um den Betrieb möglichst schnell wieder herstellen zu können, was meistens nachtsüber geschieht. Vorher durfte ich nicht mitmachen, weil es dafür eine Sondervergütung gibt, die bei meinem früheren Arbeitgeber nicht vorgesehen war.

Ich habe es trotz Warnung angenommen. Falls es für eine Dauerstelle helfen könnte, obwohl der Vorfall von Juni bei Winfried zu einer Meinungsänderung geführt haben könnte. Als ich noch auf dem OP-Tisch lag, hatte er Martin angerufen und so von der schief gelaufenen Schwangerschaft erfahren. Ich hätte es lieber für mich behalten und nicht in der Gruppe erwähnt. Das Thema einer Dauerbeschäftigung ist nicht mehr angesprochen worden.

Wir sind mittlerweile genug Leute in der Gruppe, um nicht zu häufig Rufbereitschaft machen zu müssen. Mein erstes Mal war im Juli. Ich wäre wieder in September dran gewesen, aber ich wurde krank. Diese Woche hat es mich wieder erwischt. Die zwei ersten Nächte waren toll. Kein Anruf, keine Alarmmeldung. Ich habe das Handy mehrmals nach verpassten Nachrichten geprüft.

Heute Nacht bin ich kurz vor fünf aus dem Schlaf gerissen worden. Automatische Alarmmeldung von unserer Anlage. Nutzer angerufen, Maßnahmen am Telefon diskutiert, kurz vor sechs habe ich beschlossen, mich schon auf dem Weg zur Arbeit zu machen, um das doch größere Problem vor Ort zu klären. Ich bin kurz vor sieben angekommen. Und was mich angekotzt hat, ist, dass ich den Raum wo unsere Geräte stehen nicht betreten durfte, weil mein persönliches Strahlenschutzmessgerät nicht mehr da war, wo ich es am späten Abend davor gelassen hatte. Ohne es darf ich nicht rein. Ich habe im Laufe des Tages erfahren, dass es aufs Versehen von einem anderen Mitarbeiter unserer Arbeitssicherheitsabteilung genommen und in seinem Büro gesperrt wurde. Ich konnte so meine Tätigkeit nicht ausführen und musste die Nutzer im Stich lassen, bis meine anderen Kollegen aufgetaucht sind. Ein echt beschissener Start in den Tag. Von der Frau Schnurelitz, die mir mein Strahlenschutzmessgerät zurückgegeben hat, habe ich allerdings nicht mal eine Entschuldigung für den Vorfall bekommen. Stattdessen hat sie mir den Eindruck ermittelt, ich sei ganz schön unverschämt, mich darüber zu beschweren, bei allem, was sie tut, passieren halt ab und zu Fehler. Ab jetzt habe ich beschlossen, trotz Wünsche der Arbeitssicherheitsabteilung mein Strahlenschutzmessgerät in meinem Büro zu verstecken und nur bei der Auswertung rauszurücken.
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