Letzter Urlaubstag

Morgen fliege ich zurück nach Berlin.

Der Urlaub war super. Vor allem, die Überraschungsfeier für den Geburtstag meiner Mami, die den Anlass für den Urlaub überhaupt gegeben hat, ist gut gelungen. Es hat ihr sehr gefallen und sie hat sich riesig gefreut, dass wir anwesend waren, obwohl sie es gar nicht erwarten konnte (ich hatte sie am Tag davor aus Prag angerufen). Mein Bruder hatte es sogar geschafft, meine Schwester zu überzeugen, vorbei zu kommen. Es muss das erste Mal seit über zehn Jahren sein, dass alle ihre Kinder zusammen mit ihr waren. Es gab auch Cousins und Cousinen, die ich kaum bis gar nicht kannte (meine Mutter hat sechs Geschwister). Wir haben aber nicht viel Gemeinsames, und ich habe mich meistens mit meinem jüngsten Cousin unterhalten, den ich seit seiner Geburt kenne und der jetzt Medizin studiert — er versteht sogar, wenn ich von meiner Arbeit erzähle.

Wir sind sonst viel unterwegs gewesen. Autofahren mag ich nicht wirklich, selbst als Beifahrerin. In meiner Gegend noch weniger, weil es so viele Kurven gibt, und mir wird es schnell übel. Es gab aber viele Orte, die Martin noch nicht kannte, mit denen ich aufgewachsen bin und die ich ihm zeigen wollte. Manchmal, in den langen kalten Wintern in Deutschland, frage ich mich, wie ich diese Gegend verlassen konnte. Ach ja, des Studiums wegen. Und Berlin mag ick ooch.

Ursprünglich sollte ich morgen nicht alleine zurück fliegen, aber Martin hat ein Vorstellungsgespräch für heute bekommen und musste auf gestern umbuchen. Wir hatten uns am Freitag die Bus- und Bahn-Verbindungen angeschaut, damit er zum Flughafen in Nizza ankommt. Dann gab’s die Ereignisse vom Wochenende. Hier im Var haben wir am Samstag nur starken Regen bekommen. Angesichts der Wetterwarnung hatten wir beschlossen, zu Hause zu bleiben. Erst als wir am Sonntag nach dem Spaziergang in Moustiers zurück gekommen sind, haben wir im Fernseher das Ausmaß der Überflutungen im Nachbardépartement begriffen — und erfahren, dass es zur Zeit keine Züge nach Nizza gibt (wie auch?). Meine Mami hat sich gleich angeboten, um Martin mit dem Auto zum Flughafen zu fahren. Ich bin natürlich mitgekommen. Im Nachhinein ist mir aufgefallen, dass ich hätte fahren können. Wenn ich nicht über fünfzehn Jahre her zum letzten Mal ein Auto gefahren hätte.

Die Fahrt war lang. Wir haben anderthalb Stunden mehr als sonst gebraucht. Die Autobahn hatte schon wieder alle ihre Spuren frei, aber es gab viele Staus ab Mandelieu. Und Google Maps zeigte noch mehr Staus in die andere Richtung, eigentlich war die Autobahn kontinuierlich rot ab Nizza. Wir haben gesehen, wie alle Vehikel in die Gegenrichtung hinter einander standen. Wir haben beschlossen, für die Rückfahrt erst ab Mandelieu die Autobahn zu benutzen. Durch Cannes zu fahren war aber keine gute Idee. Ich habe diese Stadt nie gemocht, weil es mit dem Auto immer die Hölle war. Dazu kamen die Umleitungen und Absperrungen wegen den Notmaßnahmen, um Matsch, Kies und komisch gelandete Autos zu entfernen. Auf dem Rand einer Landstraße hinter Cannes waren komplette Bäume mit dem Schlamm den Hügel herunter gerutscht. Auf die sonst gut befahrbaren Straßen hat man kilometerlang die rotbraunen Spuren der hiesigen Erde gesehen. Die Straßenarbeiter haben seit dem Wochenende ordentlich geschuftet.

Advertisements

Ein Gedanke zu “Letzter Urlaubstag

Teile deine Meinung mit!

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s