Uschi verlässt uns

Ich war heute endlich wieder bei der Arbeit, und es war ein großes Thema bei den Gesprächen: Uschi geht weg. Er hat sich Anfang des Jahres auf eine Stelle beworben und anscheinend gerade die Zusage samt Vertrag bekommen. Gekündigt hat er schon, ab Januar ist er nicht mehr bei uns. Unser Chef.

Das hätte ich mir nie vorgestellt. Seine Laufbahn ist untypisch für einen Wissenschaftler, da er seine Geburtsstadt nie verlassen musste. Hier geboren, hier studiert, hier gearbeitet, ohne jemals nach einer Arbeit suchen zu müssen. Ziemlich schnell auch hier eine Dauerstelle bekommen. Und jetzt, nach über fünfzehn Jahren, kommt er plötzlich auf die Idee, sich woanders zu bewerben. Im Ausland. Er braucht Abwechslung und neue Herausforderungen, meint er.

Eins weiß ich, ich werde ihn vermissen. Das hätte ich am Anfang meiner Arbeit hier nicht gedacht. Als ich angekommen bin war er häufig gereizt. In Meetings ist er mehrmals ausgerastet und hat Leute niedergemacht. Meistens Meike. Es tat mir Leid zu sehen, wie sehr sie an ihrem Schreibtisch gezittert hatte, wenn er mal vorbei kam. Ich dachte damals, ich würde hier nicht länger als nötig bleiben und möglichst schnell eine andere Stelle suchen. Irgendwie hat er sich doch nach einigen Wochen geändert und ist viel entspannter geworden. Die Atmosphäre in der Gruppe hat sich schlagartig verbessert. Meike meinte, er müsste eine neue Freundin haben. Das stimmte. Was ich damals nicht wusste ist, dass die Beide ein Verhältnis hatten, obwohl es schon viele Jahre her war. Martin meinte, es wäre der Grund für die ganzen Spannungen gewesen.

Was ich mit der Zeit an Uschi zu schätzen gelernt habe, ist wie gut er unsere Gruppe geleitet hat. Bei Konflikten verhält er sich meistens beispielhaft, ich denke, ich hätte noch viel von ihm zu lernen. Er macht sich Gedanke darüber, wie unsere Arbeit motivierend gemacht werden kann und wie die Gruppenmitglieder gut miteinander umgehen können. Er hat eine strenge Art und hackt immer bis ins letzte Detail nach, aber ich merke, wie sehr es dazu beigetragen hat, dass unsere Tätigkeiten glatt laufen und, wichtiger noch, dass alle unsere Geräte gut funktionieren und Ausfälle minimiert werden. Wenn er weg ist, frage ich mich, wie lange wir diesen Zustand behalten können.


Dieser Beitrag ist ursprünglich auf Meckereien & Co. erschienen.

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8 Gedanken zu “Uschi verlässt uns

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