Schon wieder unterwegs

Seit gestern bin ich auf Tagung in Tschechien. Diesmal aushamsweise ohne eigenen Beitrag, die Kollegen halten Vorträge. Ich war nicht unbedingt davon begeistert, hierher zu kommen. Ich wäre gerne in Berlin geblieben, um an meinen Projekten zu arbeiten. Aber es ist DIE Tagung, die in unserem Institut auf keinen Fall verpasst werden darf. Ich persönlich ziehe andere vor.

Meine Mieze war auch nicht davon begeistert. Sie hat es mir schon deutlich gemacht, als ich am Mittwochabend den Koffer gepackt habe. Lautes Miauen ohne Ende. Am nächsten Morgen, als ich weg gehen wollte, hat sie mir beleidigt den Rücken zugedreht und mit dem Schwanz den Boden geschlagen. Martin war seit dem Anfang der Woche auf Jobsuche unterwegs, ist aber gestern Abend zurück gekommen. Das konnte sie natürlich nicht im Vorraus wissen.

Wir sind mit dem Auto angekommen. Pawels Auto. Muss nicht wieder sein. Ich hänge zu sehr am Leben. Und nach der Grenze war die Fahrt schwierig. Ständig gesperrte Autobahnstücke, die man umfahren musste, wir haben ewig gebraucht und sind spät angekommen. Seit gestern plagen mich leichte Kopfschmerzen. Das Programm, voll gepackt mit Vorträgen, hilft dabei nicht wirklich. Zum Glück hat Kate als gute Pharmazeutin jede Menge Tabletten mitgebracht. Nicht, dass es bei mir viel hilft.

Morgen sind wir schon fertig. Ich fliege dann endlich zu meinen Eltern. Zehn Tage Urlaub. Anlass ist, dass meine Mami am Wochenende einen runden Geburtstag feiert. Feiern wird. Sie weiß noch nichts davon, mein Bruder organisiert es heimlich.

Im Labor

Meistens sitze ich den ganzen Tag in meinem Büro und programmiere. Ab und zu muss ich auch mal im Labor arbeiten.

Heute ging es darum, meine Proben für eine Messung zu vorbereiten. Ich habe sechs Stunden damit verbracht. Platten unter dem Mikroskop packen, Proben optisch auf Qualität prüfen und einzeln auf Probenträger montieren, im flüssigen Stickstoff einfrieren und bis zur Messung so kalt lagern… Sechsig Proben konnte ich vorbereiten. Zehn pro Stunde. Was mich am Anfang verlangsamt hat war, dass ich immer noch keine eigene Arbeitsmittel fürs Labor habe. Ich musste bei meinen Kollegen um Probenträger betteln. Bei vielen habe ich dann festgestellt, dass sie beim letzten Gebrauch nicht richtig gespült wurden, und ich musste sie noch mal reinigen.

Nach einiger Zeit fange ich an, nichts mehr durchs Mikroskop sehen zu können (nicht nur, weil ich manchmal mit dem Ärmel vom Kittel versehentlich den Hebel vom Polarisationsfilter drehe). Alles wird trüb. Am schlimmsten fand ich es heute, dass Glaskörpertrübungen in meinem rechten Auge erschienen sind, die sich immer genau da platziert haben, wo ich mir gerade eine Probe anschauen wollte, um sie zu montieren. Häufig konnte ich die Probe durch die Erscheinungen gar nicht mehr sehen und musste den Kopf heben und mir die Augen reiben.

Der Arbeitsplatz am Mikroskop ist mir recht unangenehm. Es gibt einen hohen Hocker mit Rollfüßen, der erst stabil wird, wenn man drauf sitzt. Meistens in einer Lage, die fürs Mikroskop nicht optimal ist. Beim Sitzen platziert sich mein Kittel auch irgendwie ständig gedreht unter mir. Ich versuche dann, mich auf dem Hocker leicht hüpfend näher ans Mikroskop zu bewegen, und gleichzeitig den Kittel zu ziehen, um bequemer arbeiten zu können. Bequem ist es aber nicht. Nach einer Weile stehe ich auf und schiebe den Hocker weg von mir, weil es sich doch effektiver stehend in leichter Kniebeuge arbeiten lässt.

Und dann fängt der Ischias an, sich zu beschweren. Heute hat ihm das Knie Gesellschaft geleistet. Die Rückfahrt nach Hause in der S-Bahn und zu Fuß war schmerzhaft, und selbst jetzt, kurz nach elf, spüre ich den Ischias beim Sitzen immer noch. Links im tiefen Rücken, seitlich vom Schenkel, links hinter dem Knie. Es pocht leicht. Von der Krankenkasse habe ich über den Antrag für Rehasport noch nichts gehört.

Maccheroni mit Pfifferlingen in Sahnesauce

Die Zutaten (für 2 Personen)

  • 150 g Maccheroni
  • 20 g Butter
  • 150 mL saure Sahne
  • 10 cL Weißwein (trocken)
  • 1 Zwiebel
  • 150 g Pfifferlinge
  • 50 g Schinkenwürfel

Die Zubereitung

  • Gesalzenes Wasser in einem Topf mit ein bisschen Öl zum Kochen bringen.
  • Währenddessen, Pfifferlinge in stehendem Wasser waschen und trocknen.
  • Maccheroni im Wasser 7 Minuten kochen, ab und zu umrühren damit sie nicht zu einander kleben. Abgießen und warm halten.
  • Butter in einer Pfanne erhitzen und die fein geschnittene Zwiebel darin glasig dünsten.
  • Pfifferlinge in die Pfanne mit dem Weißwein dazu geben und 5 Minuten mitbraten.
  • Sahne zu den Pfifferlingen gießen, Schinkenwürfel hinzufügen, aufkochen und cremig köcheln lassen.
  • Salzen, pfeffern und mit den abgetropften Nudeln mischen. Fertig.

Nährwertangaben

pro 100 g pro Portion fürs Rezept
Energie (kcal) 180,7 524 1048
Eiweiß (g) 6,9 20 39,9
Kohlenhydrate (g) 20,8 60,3 120,5
davon Zucker (g) 1,7 5 9,9
Fett (g) 6,4 18,6 37,1
Ballaststoffe (g) 2,4 7,1 14,1

Autismus in der S-Bahn

Junger Mann sitzt in der S-Bahn. Ziemlich groß, gepflegt angezogen, aber die Körperhaltung, mit dem Hinten auf der Kante vom Sessel und so breitbeinig zusammengesackt, verrät den Mangel an guten Manieren. Seine Knien reichen bis zum Sessel gegenüber von ihm. Ohrstöpsel an, mit dem Handy beschäftigt. Die Welt könnte untergehen, ohne dass er davon Kenntnis nimmt.

Schräg gegenüber von ihm sitzt eine Frau. Wir kommen an eine Haltestelle. Die Frau steht auf und will offensichtlich austeigen. Wenn sie sich nur von ihrem Platz weg bewegen könnte. Der Mann Balg sperrt ihr komplett den Weg. Sie spricht ihn an, er zeigt keine Reaktion. Sie schubst ihn leicht. Immer noch kein Zeichen von Wahrnehmung. Sie streckt beide Arme und drückt mit den Händen so stark gegen seine Beine, dass diese doch zur Seite rutschen müssen. Er hebt den Kopf, schaut die Frau kurz an. Sie kann endlich raus und steigt aus. Er bleibt an der Stelle und schaut wieder aufs Handy.

Die Situation ist so skurril, dass ich ein Lachen nicht unterdrücken kann. Leise. Das merkt er doch. Sichtlich gestört, steht er auf und verschwindet.

Uschi verlässt uns

Ich war heute endlich wieder bei der Arbeit, und es war ein großes Thema bei den Gesprächen: Uschi geht weg. Er hat sich Anfang des Jahres auf eine Stelle beworben und anscheinend gerade die Zusage samt Vertrag bekommen. Gekündigt hat er schon, ab Januar ist er nicht mehr bei uns. Unser Chef.

Das hätte ich mir nie vorgestellt. Seine Laufbahn ist untypisch für einen Wissenschaftler, da er seine Geburtsstadt nie verlassen musste. Hier geboren, hier studiert, hier gearbeitet, ohne jemals nach einer Arbeit suchen zu müssen. Ziemlich schnell auch hier eine Dauerstelle bekommen. Und jetzt, nach über fünfzehn Jahren, kommt er plötzlich auf die Idee, sich woanders zu bewerben. Im Ausland. Er braucht Abwechslung und neue Herausforderungen, meint er.

Eins weiß ich, ich werde ihn vermissen. Das hätte ich am Anfang meiner Arbeit hier nicht gedacht. Als ich angekommen bin war er häufig gereizt. In Meetings ist er mehrmals ausgerastet und hat Leute niedergemacht. Meistens Meike. Es tat mir Leid zu sehen, wie sehr sie an ihrem Schreibtisch gezittert hatte, wenn er mal vorbei kam. Ich dachte damals, ich würde hier nicht länger als nötig bleiben und möglichst schnell eine andere Stelle suchen. Irgendwie hat er sich doch nach einigen Wochen geändert und ist viel entspannter geworden. Die Atmosphäre in der Gruppe hat sich schlagartig verbessert. Meike meinte, er müsste eine neue Freundin haben. Das stimmte. Was ich damals nicht wusste ist, dass die Beide ein Verhältnis hatten, obwohl es schon viele Jahre her war. Martin meinte, es wäre der Grund für die ganzen Spannungen gewesen.

Was ich mit der Zeit an Uschi zu schätzen gelernt habe, ist wie gut er unsere Gruppe geleitet hat. Bei Konflikten verhält er sich meistens beispielhaft, ich denke, ich hätte noch viel von ihm zu lernen. Er macht sich Gedanke darüber, wie unsere Arbeit motivierend gemacht werden kann und wie die Gruppenmitglieder gut miteinander umgehen können. Er hat eine strenge Art und hackt immer bis ins letzte Detail nach, aber ich merke, wie sehr es dazu beigetragen hat, dass unsere Tätigkeiten glatt laufen und, wichtiger noch, dass alle unsere Geräte gut funktionieren und Ausfälle minimiert werden. Wenn er weg ist, frage ich mich, wie lange wir diesen Zustand behalten können.

Ein einfacher Taschenrechner

Ich habe vor einigen Wochen an einer Schulung zum Thema „Software-Entwicklung für Wissenschaftler“ in meinem Fach teilgenommen. Die Idee kam nicht von mir sondern von Winfried. Er hatte die Ankündigung der Veranstaltung gesehen und meinte, ich sollte mich sofort einschreiben und Programm #1 vorstellen. Seit einiger Zeit ist er der Meinung, ich sollte aktiv Werbung machen und an Workshops teilnehmen. Eine gute Idee, aber wie es bei Winfried häufig der Fall ist, hat er sich bei dieser Schulung nur einige Stichwörter gemerkt und nicht wirklich dafür interessiert, worum es eigentlich ging.

Ich habe mich laut seiner Anweisung angemeldet und angekündigt, dass ich gerne ein Tutorial über Programm #1 anbieten würde. Die Antwort war „gerne, aber es geht vor allem darum, über Software-Entwicklung zu erzählen, nicht um einzelne Programme vorzustellen“. Tja. Dann zu sagen, „ach nee, mache ich doch nicht“ wäre nicht gut angekommen. Eigentlich habe ich Physik studiert. Programmieren war im Studium Nebensache, und immer für bestimmte Projekte benutzt (Monte-Carlo-Simulation eines Spin-Systemes, zum Beispiel). Ich dachte eher, ich habe mehr zu lernen, als ich lehren kann. Aber gut. Ich sollte über etwas erzählen, das ich gar nicht wusste, bevor ich mit meinem Projekt angefangen habe. Die Auswahl war groß, da ich Python erst kennen gelernt habe, als ich die Stelle angenommen habe.

Ich habe mich für den Entwurf von graphischen Nutzeroberflächen mit Python und Qt4 entschieden, am Beispiel von Programm #1. So etwas habe ich noch nie vorgetragen. Es hat mir viel Stress vorbereitet, und viele Stunden zu Hause gekostet, um Videos auf YouTube darüber zu sehen und selber endlich mal zu begreifen, wie PyQt4 funktioniert. Ich habe bis jetzt im Programm immer Änderungen gemacht, und da mein Vorgänger die ganze Arbeit mit der Oberfläche geleistet hatte, habe ich nicht viel Gelegenheit gehabt, mich mit dem Thema auseinander zu setzen (und es gibt ja Qt Designer). Ich habe dann ein sehr einfaches Tutorial vorbereitet, vom leeren Fenster bis zur Verlinkung von Signalen und Aktionen. Ich dachte schon, es wäre zu trivial für die anderen Teilnehmer. Eigentlich ist es zu einem der meist gefragten Tutorials geworden. Ich war überrascht. Meine Teilnehmer waren begeistert und haben tatsächlich etwas gelernt. Ich auch.

Zum Schluss habe ich als weiterführende Übung das Basteln von einem einfachen Taschenrechner vorgeschlagen, ohne Lösung. Hier ist mein Vorschlag, leider als Bild, weil man Code hier sehr schlecht indentieren kann. Er ist nicht perfekt, vor allem ist das Benutzen von eval() sicherheitstechnisch nicht empfohlen und führt zu ungenauen Ergebnissen, wie es unten benutzt wird, aber es ging darum, zu zeigen, wie man mit Signalen arbeitet.

calculator_code

Arbeit gefunden, vielleicht

Ich hatte mir schon Sorgen gemacht, aber ich weiß jetzt nicht, ob ich mich freuen soll.

Heute Morgen hatte er ein Vorstellungsgespräch mit dem Chef einer kleinen Firma in der Nähe von Berlin. Zwei Stunden hat es gedauert. Er hat schon eine mündliche Zusage für die Stelle bekommen. Ich war verblüfft, als er mir das beim Betreten der Wohnung erzählte. Endlich. Er meinte, seine bisherige Erfahrung passte perfekt zu den Anforderungen für die Stelle.

Dann hat er über das Gehalt erzählt, und es hat mich schockiert. Wie kann es sein, dass man einem Ingenieur mit so vielen Jahren Erfahrung weniger als 40k€ brutto jährlich anbietet? Es sind 70% von seinem letzten Gehalt. Die Begründung vom Chef war, dass es sich um eine kleine Firma handelt und er es sich nicht leisten kann, seinen Mitarbeitern mehr Geld zu geben. Vielleicht in einem Jahr wäre eine Gehaltserhöhung möglich. Gleichzeitig wäre der Vertrag zuerst nur für ein Jahr, „um es sich leichter mit der Probezeit zu machen“.

Damit ist es mir klar, dass es unter Akademikern ein großes und allgemein verbreitetes Vorurteil gibt, das überhaupt nicht stimmt. Im öffentlichen Dienst verdient man nicht zwangsläufig weniger als in der Industrie. Und prekäre Arbeitsverhältnisse gibt es in der Industrie auch. Seine Beraterin bei der Arbeitsagentur hatte ihn schon gewarnt, dass in Berlin Gehälter niedriger als woanders in Deutschland wären, weil es hier zu viele Ingenieure gäbe. Martin meint, es würde sich nicht unbedingt lohnen, einen besseren Job woanders anzunehmen, da er dann eine Wohnung vor Ort brauchen würde und das Pendeln am Wochenende auch teuer wäre. Das Blöde ist, beim nächsten Jobwechsel wird das neue Gehalt als Basis für eine Verhandlung genommen. Einen Wechsel hat er jetzt, wo es noch keinen Vertrag gibt, ohnehin schon vor, weil das Gehalt so niedrig ist.

Familienplanung ist bei den Umständen nicht so attraktiv. Mit diesem Gehalt wird es nicht möglich sein, eine Familie zu unterhalten und gleichzeitig den Kredit für die Wohnung zurück zu bezahlen, wenn ich nicht mehr arbeiten kann. Andererseits hat er schon früher angekündigt, er hätte kein Problem damit, Erziehungsurlaub zu nehmen, damit ich weiter arbeiten kann. Das würde Sinn machen, solange ich einen Arbeitsvertrag habe, da ich aufgrund meiner höheren Qualifikation mehr verdiene.