Auf Entzug

Heute wollte ich zu Hause entspannen. Ich war gestern wieder arbeiten und am frühen Nachmittag nach Hause geradelt. Eingekauft. Geputzt. Gekocht. Martin ist seit Mitte der Woche bei ehemaligen Kollegen in Frankreich. „Nur zu“, habe ich gesagt. Wenn er wieder arbeitet, wird er nicht so leicht die Möglichkeit haben, so spontan zu reisen (und ich genieße auch meine Ruhe alleine, obwohl es schwieriger ist, ohne ihn einzuschlafen). Er kommt heute Abend zurück. Ich habe seinen Vater zum Essen eingeladen, da er ihn vom Flughafen abholt.

Heute also Pause. Warum nicht vor dem Rechner sitzen und spielen? Oder die Sonne auf der Terrasse geniessen? Komisch, ich habe mein Laptop von der Arbeit mitgebracht, um an Vorlesungen für unseren nächsten Kurs in zwei Wochen zu arbeiten, aber ich denke erst jetzt wieder dran. Egal. Lange sitzen konnte ich nicht. Die Beine haben angefangen. Die Oberschenkel haben leicht gezittert. Die Waden wurden unruhig. Der Po hat sich als gelangweilt erklärt. Ich bin aufgestanden. „Au ja, endlich“, haben die Abduktoren gejubbelt. Zum Fitness-Studio wollte ich eigentlich nicht. Meine Periode fängt wieder an. Ich habe trotzdem den Inhalt meiner Sporttasche geprüft. „Hey, wie wär’s mit ein paar Wiederholungen beim Butterfly reverse?“, meinte plötzlich mein oberer Rücken. Was soll’s. Ich habe nachgegeben und die Wohnung für zwei Stunden verlassen. Jetzt sind alle glücklich.

Wie es aussieht, ist mein Körper nach nur einigen Wochen Radfahren schon nach Sport süchtig geworden.


Dieser Beitrag ist ursprünglich auf Meckereien & Co. erschienen.